Sichere Arbeit
Reist man in ein anderes Land, ist es auch immer spannend zu sehen, wie dort der ArbeitnehmerInnenschutz gelebt wird. Reist man in ein anderes Land, ist es auch immer spannend zu sehen, wie dort der ArbeitnehmerInnenschutz gelebt wird.
Hier sieht man schön, wozu Bilder gut sind: Das macht wieder einmal deutlich, wie wichtig aussagekräftigte Piktogramme sind. Hier sieht man schön, wozu Bilder gut sind ...
Hier sieht man schön, wozu Bilder gut sind: Das macht wieder einmal deutlich, wie wichtig aussagekräftigte Piktogramme sind. ... Das macht wieder einmal deutlich, wie wichtig aussagekräftigte Piktogramme sind.
Gummipaneele zwischen Bahnschienen sollen Mensch und Tier daran hindern, weiterzugehen. Gummipaneele zwischen Bahnschienen sollen Mensch und Tier daran hindern, weiterzugehen.
Feuerlöscher im Hotel waren in ergonomischer Höhe angebracht und mit eindeutiger Beschriftung (Bebilderung) versehen. Feuerlöscher im Hotel waren in ergonomischer Höhe angebracht und mit eindeutiger Beschriftung (Bebilderung) versehen.

Kongressbericht mit sicherheitstechnischen Schnappschüssen

Arbeitspsychologie

Kongresse gibt es zu den verschiedensten Themen. Sie bieten viele neue Informationen, dienen der Weiterbildung und der internationalen Vernetzung. Es geht darum, voneinander zu lernen. Noch einen Schritt weiter kann man gehen, wenn man von dort auch Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit im Bereich Sicherheit und Gesundheit im Betrieb mitnehmen kann.

Im Frühsommer 2017 fand in Irlands Hauptstadt Dublin der 18. Kongress der European Association of Work and Organizational Psychology (EAWOP) statt, der europäischen Gesellschaft für Arbeits- und Organisationspsychologie. Kongresssprache war Englisch. Das Hauptthema lautete frei übersetzt: „Wie Arbeits- und Organisationpsychologinnen und -psychologen Veränderungen möglich machen“. An die 1.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 60 Ländern waren anwesend. 1.544 Vortragende präsentierten Beiträge – wie immer bei solchen Kongressen – in Form eines Posters oder eines Vortrages. Entsprechend lang und vielfältig war die Liste der Beiträge. Das Tätigkeitsgebiet der Arbeits- und Organisationspsychologie ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Immer mehr Themengebiete werden erschlossen und erforscht. Der Mensch rückt in den Mittelpunkt der Betriebe, und die Themen, die sich dadurch auftun, werden endlich offen besprochen und beforscht.

Themen

Neben Themen, die den ArbeitnehmerInnenschutz nicht direkt betreffen – wie Arbeitszufriedenheit, Gruppenarbeit, Führung, Konfliktmanagement, Personalentwicklung und -management etc. – beschäftigte sich der Kongress auch mit der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsprozess.

Im Bereich ArbeitnehmerInnenschutz fanden sich die Themen menschliche Zuverlässigkeit, Fehler- und Unfallmanagement, Sicherheit und Führung, Sicherheits- und Gesundheitsmanagement, Sicherheitsklima und Sicherheitskultur sowie Reporting und Analysesysteme zu diesen Themen.

Weitere spannende Topics waren Interventionsmöglichkeiten beim Absentismus oder beim Präsentismus, im Bereich Stressmanagement, bei der betrieblichen Gesundheitsförderung, bei der Führungskräfteentwicklung, bei Veränderungsprozessen, in der klassischen Prävention oder im Bereich des Consultings.
Emotionsarbeit im Unternehmen gewinnt immer mehr an Bedeutung, ebenso wie die positive Psychologie. Besonders spannend für künftige Entwicklungen sind die rasch fortschreitende Technologisierung und Digitalisierung, deren Auswirkungen auf den arbeitenden Menschen und die Frage, wie dieser damit zurechtkommen kann. Von der Mensch-Maschine-Schnittstelle über deren Gestaltung bis hin zu virtuellen Welten und der Cyberpsychologie reichen hier die Themengebiete. Diese Entwicklung bringt mit sich, dass es in der Arbeits- und Organisationspsychologie zunehmend mehr Wissen aus der Kognitionspsychologie, aber auch aus der Neuropsychologie braucht. Ebenso essentiell ist hier die enge Verknüpfung mit der Ergonomie zu sehen. Die Gestaltung des Arbeitsplatzes nach all diesen Aspekten wurde ebenso diskutiert wie dessen Beurteilung, Bewertung und Optimierung.
Wer an mehr Informationen oder an den Abstracts der Beiträge interessiert ist, kann diese auf der Kongressseite nachlesen: www.eawop2017.org

Rahmenprogramm

Spannend war auch das am Kongress stattfindende Mentoring Programm für junge, interessierte Akademiker, die vielleicht in einem anderen Land, an einer anderen Universität oder in einem anderen Forschungsgebiet arbeiten möchten. Sie können dies bei Mentoren anderer Universitäten tun, die an neuen, engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern interessiert sind. Dafür konnte man sich direkt auf dem Kongress bei ihnen bewerben. Die Anmeldung erfolgte zeitgleich mit jener zum Kongress. Interessierte wurden dann entsprechend zugeteilt – sowohl als Mentor als auch als Mentee. Bei der gemeinsamen Zeit am Kongress hatte man dann die Möglichkeit, einander genauer kennenzulernen.

Der zweite Tag des EAWOP-Kongresses galt übrigens als „Random Acts of Kindness Day“. Freundlichkeit und Höflichkeit sollten zwar selbstverständlich sein, aber leider ist dem nicht immer und überall so. Daher stellte dieser „Freundlichkeitstag“ Handlungen der Freundlichkeit besonders in den Mittelpunkt. Eine lange Liste an Möglichkeiten wurde jeder Kongressteilnehmerin und jedem Kongressteilnehmer mitgegeben. Hier eine kleine Auswahl an Ideen zum Ausprobieren:

  • Legen Sie Ihr Handy weg, wenn Sie ein Gespräch führen.
  • Lassen Sie jemanden in der Warteschlange vor.
  • Schenken Sie jemandem ein Lächeln.
  • Schreiben Sie einem alten Freund, von dem Sie schon lange nichts mehr gehört haben, eine nette Nachricht.
  • Machen Sie jemandem ein Kompliment.
  • Sagen Sie etwas Positives, wenn jemand gerade etwas sehr stark kritisiert.
  • Bringen Sie Muffins mit zur Arbeit.

Eine nette Idee, geboren anscheinend in den USA, die man ebenso gut hier in Österreich im eigenen Betrieb oder auch einfach so im Alltag ausprobieren kann – nicht nur auf einem Kongress!

Ausstellung

Neben der Möglichkeit, sich zu vernetzen, gab es in den Pausen auch einige interessante Aussteller zu besuchen, die ihre Neuigkeiten ähnlich wie auf einer Messe präsentierten. Auch in der Arbeits- und Organisationspsychologie gibt es inzwischen neben den gewohnten Messmethoden mittels Testverfahren andere Varianten, um gewisse Parameter physisch zu messen. Beispiele dafür sind etwa die Herzratenvariabilität, Blickbewegungen, mobile Elektroencephalogrammmessgeräte (Messgeräte der Hirnströme) etc. Natürlich versucht man hier in Forschung und Anwendung auch zu kombinieren – dort, wo es damit noch besser möglich ist, relevante Fragestellungen zu beantworten.

Neben den Messgeräten zum Ausprobieren gab es interessante neue Fachliteratur zum Schmökern. Verlage präsentierten Fachbücher und Fachzeitschriften.

Alles in allem war der 18. Kongress der European Association of Work and Organizational Psychology sehr gelungen und zeichnete sich durch starke österreichische Präsenz aus – aus Universitäten wie auch aus Institutionen wie der Arbeiterkammer und der AUVA.

Fotostrecke

Reist man in ein anderes Land, ist es auch immer spannend zu sehen, wie dort der ArbeitnehmerInnenschutz gelebt wird. Man entdeckt Bekanntes und Gewohntes, aber auch Neues. Manches wird vielleicht genauso ordentlich gelebt, anderes dagegen möglicherweise weniger oder auch mehr. Wenn man mit offenen Augen durch die Straßen zum Kongress ging oder auch einen kleinen Rundgang im Hotel oder an der Universität machte, entdeckte man durch die gewohnte sicherheitstechnische Brille so manches Detail.

Mag. Brigitte-Cornelia Eder
AUVA-Hauptstelle
Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung
Brigitte-Cornelia.Eder@auva.at

Mag. Patrick Winkler
AUVA-Hauptstelle
Sicherheitsmarketing und Presse
Tel. +43 5 93 93-22919
Patrick.Winkler@auva.at

Zusammenfassung

Von 17. bis 20. Mai 2017 fand in Irlands Hauptstadt Dublin EAWOP2017 statt – der 18. internationale Kongress der europäischen Gesellschaft für Arbeits- und Organisationspsychologinnen und -psychologen. Detaillierte Beiträge finden sich auf der Kongress-Website (www.eawop2017.org). Der Artikel gibt einen Überblick über die Veranstaltung und das kreative Rahmenprogramm vom speziellen Mentoring bis zum „Random Acts of Kindness Day“. Darüber hinaus werden Anregungen zur Prävention vom Kongress und aus Dublin präsentiert.

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