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Sichere Arbeit
Symbolbild: Prävention rechnet sich Prävention rechnet sich
Abbildung:Reduktion der Krankenstandstage in % bei Schwerpunktbetrieben und Nicht-Schwerpunktbetrieben (>50 MA), 2014 bis 2016 Reduktion der Krankenstandstage in % bei Schwerpunktbetrieben und Nicht-Schwerpunktbetrieben (>50 MA)
Tabelle 1: kurzfristige und langfristige Effekte von Beratung und Prävention Tabelle 1: kurzfristige und langfristige Effekte von Beratung und Prävention

Prävention rechnet sich

Prävention

Jeder einzelne Euro, der in die Prävention investiert wird, rechnet sich – und zwar sowohl für die AUVA als auch für die gesamte österreichische Volkswirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen, die die Betreuung von Schwerpunktbetrieben durch die AUVA-Unfallverhütungsdienste darstellen.

Internationale Studien, zuletzt jene von Prof. Dr. Dietmar Bräunig zum Thema „Return on Prevention (RoP = Gewinn durch Investition)“, kommen zu dem Ergebnis, dass jeder in die Prävention investierte Euro für den Betrieb mehr als doppelt zurückkommt. Bräunig errechnete einen durchschnittlichen RoP in Europa von 2,2. SICHERE ARBEIT berichtete darüber ausführlich in Ausgabe 1/2013 (siehe unten: Literatur).
Dieser RoP gilt nicht nur für Unternehmen, sondern auch für andere Zielgruppen. Nun liegen für Österreich neue Berechnungen der AUVA vor, die für die AUVA einen kurzfristigen RoP von 2,34 ergeben. Sie zeigen darüber hinaus auf, dass sich eine intensivierte Betreuung von besonders unfallgefährdeten Betrieben auch für die Betriebe selbst und für die gesamte heimische Volkswirtschaft in hohen Einsparungen niederschlägt.

„Schwerpunktbetriebe“ unter der Lupe

Vor mehreren Jahren starteten die Unfallverhütungsbetriebe der AUVA-Landesstellen und die Präventionsabteilung der AUVA-Hauptstelle mit ihrer Betreuung von sogenannten Schwerpunktbetrieben. Das sind Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten, die aufgrund der AUVA-Statistikauswertung im Hinblick auf die Unfallrate, aber insbesondere auch im Hinblick auf die Schwere der durch Unfälle verursachten Verletzungen, auffällig geworden sind (zur Definition der Unfallschwere siehe unten: Literatur, SICHERE ARBEIT 2/2018). Ein Indikator dafür ist die Zahl der Krankenstandstage im jeweiligen Unternehmen. Berücksichtigt wird aber beispielsweise auch, ob es in den Betrieben unglücklicherweise gar zu einem tödlichen Arbeitsunfall gekommen ist. Die Grundidee der Betreuung von Schwerpunktbetrieben lag und liegt in einem risikoorientierten Ansatz: Ressourcen der Beratung durch die Unfallverhütungsdienste sollen verstärkt dort zur Verfügung stehen, wo sich mehr bzw. schwerere Unfälle ereignen.
Im ersten Ansatz erstellte man eine Liste von über 1.000 Betrieben. Schnell wurde deutlich, dass sich in dieser Liste Betriebe unterschiedlicher Branchen und verschiedener Betriebsgröße in ganz Österreich fanden. Diese Betriebe – so der Präventionsansatz – sollen durchschnittlich dreimal jährlich durch Fos und Arbeitsmedizinier der AUVA besucht und entsprechend beraten werden, mit dem Ziel einer dauerhaften Senkung von Arbeitsunfällen bzw. der Reduktion von Krankenstandstagen.
Die Beratung durch die AUVA-Präventivfachkräfte setzt natürlich das Einverständnis der jeweiligen Unternehmen und deren aktive Mitarbeit an einer Verbesserung der Ist-Situation voraus. Diese ist in fast allen Fällen gegeben, wie man seitens der AUVA zufrieden feststellt: Heimische Betriebe nehmen die ihnen vom Gesetzgeber auferlegte Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter also durchaus ernst.
Die Liste der Schwerpunktbetriebe wird jährlich aktualisiert. Tragen die Beratungsansätze rasch Früchte – sinken also Unfallrate und Krankenstandstage signifikant –, so kann es durchaus vorkommen, dass die Schwerpunktbetreuung schon nach einem Jahr beendet ist. Die Statistik zeigt aber auch, dass ehemalige Schwerpunktbetriebe eine bessere Sichtweise auf die Themen Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit entwickeln und auch nach dem Ende der Schwerpunktbetreuung überdurchschnittlich erfolgreich im Kampf gegen Arbeitsunfälle sind.

Eine Investition, die sich rechnet

Nun ist es erstmals gelungen, die Wirksamkeit dieser Beratungsform auch monetär nachzuweisen. Der Nachweis führt über einen Vergleich der unfallbedingten Krankenstandstage der Risikobetriebe der jeweiligen Perioden vor und nach der Schwerpunktbetriebsberatung. Als Vergleichsgruppe werden die Nicht-Schwerpunktbetriebe mit mehr als 50 Arbeitnehmern herangezogen. Auch in der Vergleichsgruppe haben die Krankenstandstage abgenommen, allerdings deutlich schwächer als in den Schwerpunktbetrieben. Betrachtet werden daher auch nur die Nettoreduktionen, um diesen Effekt zu berücksichtigen
In absoluten Zahlen ist der Nettoeffekt der Schwerpunktbetriebsberatung eine Reduktion um 110.911 Krankenstandstage (österreichweit) in drei Jahren.
Die monetäre Bewertung erfolgt über die AUVA-Unfallkostendatenbank mit Basis 2015. Hier fallen auf der Ebene der AUVA je nach Unfallschwere hauptsächlich Kosten für die Unfallheilbehandlung, Rehabilitation und Renten an. Es werden aber auch viele kleinere Kostenblöcke berücksichtigt (Beihilfen, Verrechnungsaufwand …).
Die Berechnung unterscheidet zwischen kurzfristigen Effekten (Berechnung für das erste Jahr – 1J) und langfristigen Effekten (Berechnung bis zum Ende der Lebenserwartung des Verunfallten: lebenslang – LL). Bei der Betrachtung des kurzfristigen Effekts im ersten Jahr ergeben sich für die AUVA Einsparungen im Laufe von drei Jahren in der Höhe von mehr als 10,5 Millionen Euro, die langfristigen Effekte schlagen sich mit knapp 59,2 Millionen Euro zu Buche (siehe Tabelle 1).
Bei der lebenslangen Kostenbetrachtung werden alle zukünftigen Rentenansprüche bis zum Ende der statistischen Lebenserwartung des jeweiligen Verunfallten aufsummiert und abgezinst. Diese Rentenkosten machen den Hauptunterschied zwischen den Kosten im ersten Jahr und den lebenslangen Kosten aus. Immerhin gibt die AUVA derzeit knapp mehr als 500 Millionen Euro jährlich an Rentenleistungen als Ausgleich für verminderte Erwerbsfähigkeit aus. Und diese Rentenleistungen sind rein vom Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit und dem Einkommen der Verunfallten vor dem Unfall (Bemessungsgrundlage) abhängig, also nicht – wie meist bei Privatversicherungen – grundsätzlich in einer bestimmten Höhe gedeckelt.

Betriebe ersparen sich knapp 21,5 Millionen Euro

Betrachtet man die kurzfristigen Effekte für die Betriebe, so wird hier für die Dreijahresperiode eine Einsparung von knapp 21,5 Millionen Euro ausgewiesen.
Auf der Ebene der Betriebe haben die Lohnkosten des Verunfallten (Entgeltfortzahlung) den größten Anteil. Hinzu kommen Kosten für den Ersatz der Arbeitskraft (z. B. Überstunden, Leasingarbeitnehmer) sowie ein eventuell auftretender Produktivitätsverlust. Zusätzlich können sich Kosten für Produktionsstillstand, Aufräumarbeiten sowie Verwaltungskosten (Überprüfen und Aktualisierung der Arbeitsplatzevaluierung) zu Buche schlagen.
Auf die Errechnung langfristiger Effekte kann derzeit verzichtet werden, weil durch die gesetzliche Unfallversicherung mit der „Haftungsablöse“ auf Unternehmen keine langfristig negativen monetären Auswirkungen zukommen können. In Ländern, die ein derartiges System nicht besitzen, würde die Berechnung zu einem anderen Ergebnis kommen, weil Schadenersatzansprüche des verunfallten Beschäftigten, Schmerzensgeld oder Rentenzahlungen oft über mehrere Jahrzehnte teilweise oder ganz von den Betrieben zu tragen sind.
Ein RoP für die Betriebe kann derzeit nicht berechnet werden, da die tatsächlichen Investitionen der Firmen in die (verbesserte) Unfallverhütung nicht bekannt sind.

Einsparungen auch für die Volkswirtschaft

Mittlerweile gibt es in Österreich wissenschaftlich anerkannte Modelle, die auch das Einsparungspotenzial der Schwerpunktbetriebsbetreuung für die heimische Volkswirtschaft erheben können. Auf Basis dieser Modelle ergibt die Berechnung eine kurzfristige Einsparung von 7,8 Millionen Euro summiert über drei Jahre. Die langfristigen Effekte entlasten die österreichische Volkswirtschaft – wiederum bezogen auf den dreijährigen Beobachtungszeitraum – um über 64,3 Millionen Euro.

RoP für die AUVA: 2,34

Für die Berechnung des Return on Prevention für die AUVA wurde zunächst der Personaleinsatz erhoben. Im Kalenderjahr 2017 haben 138 Betreuer der Unfallverhütungsdienste (Graz, Linz, Salzburg und Wien) sowie der Präventionsabteilung der AUVA-Hauptstelle 1.026 unterschiedliche Schwerpunktbetriebe (aus den Berichten „2015“ und „2016“) besucht. Für diese abgeschlossenen Besuche wurden insgesamt 9.655 Stunden eingeplant. Zuzüglich eines sehr großzügig geschätzten Anteils von 20 Prozent für Wegzeiten und Nebentätigkeiten ergibt das eine Gesamtsumme von rund 12.000 Arbeitsstunden pro Jahr.
Zur Kalkulation des Investments wird der Stundensatz der Sicherheitstechnischen Prüfstelle der AUVA (STP) herangezogen. Der Stundensatz der STP beträgt für 2018 125 Euro und beinhaltet nicht nur Personalkosten, sondern ebenfalls Gemeinkosten (z. B. für Messgeräte etc.), und bildet daher die Gesamtkosten von allen zur Verfügung stehenden Kostensätzen im Sinne einer Vollkostenrechnung am besten ab.
Daraus ergibt sich eine Gesamtinvestition der AUVA in der Größe von 1,5 Millionen Euro. Nun lässt sich ein Return on Prevention von 2,34 (kurzfristige Effekte) und – bedingt durch die eingesparten Rentenzahlungen – von gar 13,15 bei lebenslanger Berechnung ermitteln.
Allein die Tatsache, dass der Return on Prevention in ähnlicher Höhe wie die statistischen Berechnungen internationaler Studien liegt, bestärkt die AUVA in ihrer Überzeugung, mit der gewählten Form der Schwerpunktbetreuung ein effizientes und effektives Werkzeug zur Verringerung von Arbeitsunfällen umgesetzt zu haben.

Literatur:

DI Georg Effenberger
AUVA-Hauptstelle
Leiter der Abteilung Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung
georg.effenberger@auva.at
 
Wolfgang Hawlik
AUVA-Hauptstelle
Sicherheitsmarketing und Presse
wolfgang.hawlik@auva.at
 
DI Klaus Wittig
AUVA-Hauptstelle
Stv. Leiter der Abteilung Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung
klaus.wittig@auva.at

Zusammenfassung

Jeder Euro, den die AUVA in die sogenannte Schwerpunktbetreuung von Betrieben investiert, kommt 2,34fach zurück. Gleichzeitig führt diese Präventionsmaßnahme auch zu Einsparungen für die heimischen Betriebe und die gesamte österreichische Volkswirtschaft.

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