Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen finden Sie unter Impressum. Impressum
Sichere Arbeit
(v.l.n.r.) AUVA-Generaldirektor Dr. Helmut Köberl, Felix Gottwald, AUVA-Obmann KommR DDr. Anton Ofner MSc und der Leiter der AUVA-Präventionsabteilung DI Georg Effenberger (v.l.n.r.) AUVA-Generaldirektor Dr. Helmut Köberl, Felix Gottwald, AUVA-Obmann KommR DDr. Anton Ofner MSc und der Leiter der AUVA-Präventionsabteilung DI Georg Effenberger
Felix Gottwald Felix Gottwald

Forum Prävention 2018

Nachlese zum Forum Prävention 2018

Die bedeutendste österreichische Fachveranstaltung in Sachen Prävention – mit rund 1.000 Teilnehmern und mehr als 80 Ausstellern – fand heuer in Innsbruck statt. Im Mittelpunkt standen zwei zentrale Herausforderungen: der Bewegungsmangel und krebserzeugende Arbeitsstoffe.

Neue Anforderungen in der Berufs- und Arbeitswelt führen dazu, dass der Anteil an statischen Phasen im Tagesablauf zunimmt. Die Folge ist, dass der Alltag vieler Menschen bewegungsärmer wird – ein Umstand, der viele gesundheitliche Auswirkungen hat, die sich oft erst nach Jahren bemerkbar machen. Den Bewegungsmangel zum Thema gemacht haben die Besucher des letztjährigen Forums, denn sie stimmten dafür, diese Fragen heuer ganz oben auf die Agenda zu setzen. „Unabhängig davon, in welchen Berufen wir arbeiten, die Bewegungsarmut trifft uns wohl alle in der einen oder anderen Form“, weiß DI Georg Effenberger, Leiter der Abteilung Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung sowie fachlicher Leiter des Forums Prävention. Dass es dann natürlich auch bei der Veranstaltung selbst „bewegt“ zuging, versteht sich von selbst. Eine Reihe von Bewegungsimpulsen, ein Bewegungsparcours und ein Morgenlauf standen daher am Programm des Forums Prävention 2018.

Krebserzeugende Arbeitsstoffe

Ein weiteres Hauptthema bildete dieses Jahr das Thema „Krebserzeugende Arbeitsstoffe“ (siehe auch gesonderten Artikel in diesem Heft). In Österreich sterben jedes Jahr etwa 20.000 Menschen an Krebs. „Nach internationalen Schätzungen werden ungefähr 10 % der damit verbundenen Todesfälle, das sind rund 1.800 Menschen, durch die Arbeit bzw. den Beruf hervorgerufen. Krebserzeugende Arbeitsstoffe können auch Berufskrankheiten verursachen. Sie sollen daher nicht nur erkannt, sondern auch durch geeignete Schutzmaßnahmen sicher verwendet werden“, betont Dr. Helmut Köberl, Generaldirektor der AUVA, und ergänzt: „Dabei wären viele Fälle berufsbedingter Krebserkrankungen vermeidbar, doch Wissen und Bewusstsein zu krebserzeugenden Arbeitsstoffen sind oft noch gering. Die AUVA rückt das Thema daher ins Zentrum ihres Präventionsschwerpunktes für 2018 bis 2020.“

Der relative Anteil der Todesfälle infolge von Krebs und arbeitsbedingtem Krebs nimmt aufgrund der steigenden Lebenserwartung und des allmählichen Rückgangs anderer Todesursachen wie Infektionskrankheiten und Verletzungen zu. Arbeitsbedingte Expositionen verursachen zudem Krebsarten mit einer hohen Sterblichkeitsrate wie zum Beispiel Lungenkrebs. Die Ausbreitung von Krebserkrankungen stellt auch ein gravierendes gesundheitspolitisches Problem dar, und zwar auf der ganzen Welt. Dabei lässt sich beobachten, dass Arbeitnehmer in niedrig qualifizierten Berufen öfter krebsauslösenden Faktoren ausgesetzt sind als jene in hoch qualifizierten Jobs. Neben dem großen menschlichen Leid entstehen durch arbeitsbedingten Krebs auch enorme volkswirtschaftliche Kosten: In Europa werden diese auf mindestens 2,4 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. „Diese Zahlen belegen, dass wir uns diesem Thema nicht verschließen können“, sagt Köberl.

Achtsam und bewegt durchs Leben

Felix Gottwald, Österreichs erfolgreichster Olympiasportler, holte die rund 1.000 Teilnehmer mit einer durchaus motivierenden Keynote ab, bei der einmal mehr „Bewegung“ im Mittelpunkt stand. „Schöpfen Sie aus dem Lebensbrunnen und setzen Sie Prävention für sich persönlich ganz oben auf Ihre Todo-Liste“, sagt Gottwald und ergänzt um handfeste Tipps für die Praxis: Zähneputzen auf einem Bein oder während zehn Kniebeugen gemacht werden, schult Koordination und Muskulatur und ist kein zusätzlicher „Zeitaufwand“. Ebenso plädiert der Sportler dafür, manchmal innezuhalten, zu sich selbst zu finden, diese Stille wirken zu lassen und dann die Frage zu stellen: Was brauche ich heute, damit die Impulse von außen bei mir ankommen? Alle Vorträge und gut gemeinten Ratschläge zur Prävention oder einem Plus an Bewegung helfen doch nur, wenn sie auch von der Zielgruppe gehört und umgesetzt werden. Was es dazu braucht, ist in erster Linie eine große Portion Aufmerksamkeit, die mit drei einfachen Methoden ganz rasch erreicht werden kann:

  1. Finden Sie die Balance zwischen körperlicher Spannung und Entspannung.
  2. Atmen Sie bewusst.
  3. Denken Sie zurück an Phasen der kindlichen Begeisterung.

„Danach geht es an die Beantwortung Ihrer zentralen Lebensfragen: Wie geht es mir, wie geht es meinem Körper, mache ich noch das, was ich auch wirklich machen will, oder bin ich von meinem Weg abgekommen, den ich gehen wollte?“ Und Gottwald hält noch eine Reihe weiterer „einfacher Alltagsübungen“ bereit: „Wenn Sie in der Früh aufstehen, lautet Ihre erste Frage: ‚Worauf freue ich mich heute besonders?‘“

Die Schere zwischen dem Wissen, was gut für uns ist, und dem Handeln, das auch im Alltag umzusetzen, kennt auch der Olympiasieger genau. „Aus meiner Erfahrung braucht es vor dem Ziel auch eine Entscheidung, ein klares Commitment, wohin ich gehen will und warum. Oft ist uns gerade beim Bewegungsmangel das eigene Ziel im Weg und wir vergessen, dass die täglichen kleinen Schritte dahin genauso wichtige Meilensteine sind wie der Erfolg am Ende.“ Als Sportler war die Vorbereitung für die Olympischen Spiele im Vierjahresrhythmus immer mit langen Planungen verbunden. Sein Erfolgsgeheimnis lautete aber: „Immer vom heutigen Tag ausgehen und diesen Tag nützen. Das sind überschaubare Einheiten, die schließlich auch mehr Motivation mitbringen.“ Vereinfacht heißt die Formel: Mehr von dem tun, das guttut, und weniger vom dem tun, was schadet – und das einfach jeden Tag!

Mag. Renate Haiden
Selbständige Autorin
haiden@publishfactory.at
www.publishfactory.at

„Die genialste Smartwatch aller Zeiten sind und bleiben schon wir selbst.“
Nachgefragt bei Felix Gottwald, Olympiasportler, Vortragender, Coach und Autor (www.felixgottwald.at) zum Thema Sicherheit und Fehlerkultur.

Sie meditieren regelmäßig und sind ein Qi-Gong-Fan. Für manche Menschen ist das „zu esoterisch“. Was bringt Ihnen das und wie findet man den Zugang dazu? Gibt es Alternativen?
Ja, das stimmt: Für manche – es werden allerdings immer weniger, wie Trends zeigen – ist konzentriert zu atmen schon „zu esoterisch“. So viele eindeutige, wissenschaftliche Studien kann es zu dem Thema gar nicht geben. Für mich ist Meditation die einfachste Form Präsenz zu üben, also mich in jenem Zeitfenster aufzuhalten, in dem das Leben tatsächlich stattfindet. Die Zukunft gibt es ja noch nicht und die Vergangenheit nicht mehr. Meditieren ist meine exklusive Zeit für mich. Zeit für Single-Tasking, für produktive Unproduktivität, Zeit für Gedankenhygiene. Bemerkenswerterweise sind Duschen und Zähneputzen für die meisten Menschen in unseren Breitengraden ein gewohntes Ritual und nicht zu esoterisch. Dass bei allem, was täglich an Information auf uns einströmt, auch eine Innenreinigung sinnvoll ist, mag einleuchtend klingen, ist aber dennoch ein Minderheitenprogramm. Noch. Was es mir bringt? Präsenz bringt innere Ausrichtung auf das Wesentliche, sie ist eine Navigationshilfe in einer Flut von Reizen – die wir in ihrer Wirkung auf uns unterschätzen. Und sie stärkt das grundsätzliche Vertrauen ins Leben. Meditation kann ja auch in der Bewegung in der Natur stattfinden. Wenn sich der Körper bewegt, dann atmet auch der Geist durch. Bleibenden Zugang findet man beispielsweise in unseren Trainings und Seminaren: Es geht darum, in unserer überdigitalisierten Zeit einen Grundrhythmus im Alltag für unsere elementaren menschlichen Bedürfnisse zu finden.

Die Pulsuhr beiseite zu legen und auf das Gefühl zu vertrauen, war ein Teil Ihres Weges. Vom Trainingsplan zur Intuition – wie lässt sich das in den Alltag eines Sicherheitsbeauftragen umsetzen? Und wie passt diese Vorgangsweise in ein Team, in dem nicht immer alle Mitglieder gleich „ticken“?
Kein technisches Gerät kann annähernd jenes Feedback abbilden, das unser Körper, unser Hirn, unser Herz, unsere Gefühle, unsere hormonellen Regelkreise uns permanent übermitteln. Im übertragenen Sinne: Die genialste Smartwatch aller Zeiten sind und bleiben schon wir selbst. Die Schattenseite von Technologisierung und Digitalisierung ist, dass wir den Kontakt zu unseren inneren Feedback-Instanzen immer mehr verlieren. Darum verkaufen sich die entsprechenden Devices auch so gut. Aber kann eine App wirklich besser wissen als ich selbst, wie gut ich letzte Nacht geschlafen habe? Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis – wie übrigens auch Unsicherheit, im Sinne von Überraschung und Abwechslung. Die Schnittmenge nenne ich „sensorische Sicherheit“, also sich auf Basis von Eigenverantwortung und Vertrauen auf das Leben und seine Herausforderungen einzulassen, anstatt diese Verantwortung immer von sich weg delegieren zu wollen und Glück, Pech und Zufall ins Treffen zu führen. Das ist eine Schlüsselqualität auf individueller Ebene. Gelingt es, sie als zentralen Wert zu etablieren, wird sie auch zum Erfolgsfaktor in Teams. Eigenverantwortung, Commitment, Vertrauen, Wertschätzung sind wesentliche Trägerelemente für eine Umgangskultur, die Teams ins Prosperieren bringt – vorausgesetzt, es gibt für alle ein ausreichend großes, starkes Warum.

Wer den Entschluss fasst, sich weiterzuentwickeln, muss auch Rückschläge und Umwege in Kauf nehmen. Was sind dabei Ihre drei wichtigsten Tipps für die berufliche Praxis?
In unseren öffentlichen Seminaren und Trainings arbeiten meine Trainerkollegin Anna Demel und ich mit drei konkreten Prämissen:
1. Ich bin erst handlungsfähig, wenn ich die Eigenverantwortung übernehme.
2. Veränderung kann erst stattfinden, wenn ich meine Komfortzone verlasse.
3. Meine Echtheit bestimmt die Qualität meiner Wirksamkeit.
Die Schwierigkeit an Rückschlägen und Niederlagen liegt primär in ihrer, gerade in unserer Kultur, extrem negativen Bewertung! Alles ist Lernerfahrung. Die Erfolgreichsten ihrer Zunft sind immer wahre Experten des Scheiterns. Ich selbst bin viel öfter gescheitert, als dass ich gewonnen habe. Da kommt der Begriff Fehlerkultur ins Spiel: Sie fehlt uns, ganz generell gesprochen, in unserer Controlling-Gesellschaft. Die Angst vor Fehlern macht starr und Starrheit bewirkt Stillstand.

Auf sich selbst zu vertrauen ist ein wichtiges Credo für Sie. Kann man das lernen und wenn ja, wie? Was hat es für Vorteile?
In der Präsenz, also in der Gegenwart, in diesem Augenblick, jetzt, während wir miteinander reden, hat das Vertrauen seine Heimat. Vertrauen kann sich nicht ohne die Fähigkeit zum Präsentsein entwickeln. Diese Fähigkeit können wir üben, es ist sozusagen inneres, mentales Haltungsturnen. Menschen, die uns durch ihr Charisma und ihre Strahlkraft auffallen, haben nicht eine besonders gute Gesichtscreme, nein – sie haben diese Fähigkeit, die Verbindung nach innen und gleichzeitig nach außen zu halten und wahrzunehmen. Sie strahlen diese Offenheit aus und Offenheit erzeugt immer Vertrauen.

Gewinner haben meist viele Väter, Verlierer sind oft auf sich allein gestellt und müssen die Verantwortung selbst tragen. Welche Lehren haben Sie daraus gezogen, was kann jeder Mitarbeiter daraus lernen?
Vielmehr sind es die Gewinner, die Verantwortung übernehmen, gerade in der Niederlage. Carol Dweck, Professorin der Psychologie an der Stanford University, hat die Unterscheidung in statisches und dynamisches Selbstbild geprägt. Kurz: Wenn Sieger ins Ziel kommen, wollen sie wissen, warum sie nicht weiter vorne sind und wie sie sich verbessern können, während Verlierer schon an der Ziellinie Ausreden parat haben. Sieger fordern Feedback als Dienstleistung ein, Verlierer fassen es als persönliche Kritik auf. Tatsache ist: Es gibt keine Einzelerfolge – weder im Sport noch sonst wo. Wir sind immer nur ein Teil eines sehr umfassenden Teams – in und außerhalb unseres Selbst – sowohl in der Stunde des Erfolgs als auch in der Niederlage.

Welche „Tugenden“ braucht es im Berufsleben, um erfolgreich zu sein?
Ausgangspunkt ist die ehrliche Antwort auf die Frage: Was will ich wirklich tun und warum? Wer seine Aufgabe, seinen Job auch dann ausüben würde, wenn er dafür nicht bezahlt würde, wer im Beruf auch eine persönliche Berufung sieht, die keine Grenze oder Kluft zwischen Arbeit und Privatleben erzeugt, ist wohl auf dem richtigen Platz und auch in seiner Kraft. Meine Erfahrung aus der Arbeit mit zigtausenden Menschen an ihren persönlichen Visionen und Missionen ist: Viele arbeiten unbewusst über Jahrzehnte Todo-Listen ab, ohne sich die wesentlichen Fragen jemals zu stellen. Erfolg entsteht aber immer aus der eigenen Mitte. Ein Mensch, der sein Warum gefunden hat, braucht niemanden, der ihn von außen motiviert: Er begeistert, inspiriert und bestärkt sich selbst durch das alltägliche Tun. Er sieht in jedem Tag und jedem Task – auch in den weniger angenehmen – eine Chance auf persönliche Weiterentwicklung. Er achtet eigenverantwortlich auf die eigenen Ressourcen, um in seiner Energie, in seiner Freude und in seiner Leistungsfähigkeit zu bleiben, weil ihm wichtig ist, einen guten Job zu machen, damit sein individueller Beitrag auch wertvoll für die anderen ist. Mit solchen Menschen zu arbeiten, ist ein Privileg. Es werden immer mehr, die sich auf den Weg zu dieser inneren Kraft machen. Ich bin sehr dankbar, mit vielen von ihnen arbeiten zu dürfen.

Veränderungen beginnen beim Einzelnen, doch für die meisten Menschen ist es oft schwer, die eigene Komfortzone zu verlassen. Was hilft Ihnen dabei?
Veränderung ist auch ein menschliches Grundbedürfnis. Ich bin im Herbst 2015 im Zuge einer Tour in der Dachstein-Südwand an einer Schlüsselstelle in eine Stillstand-Situation gekommen, wo ich weder nach vor noch zurück konnte. An dieser Stelle wurde mir bewusst: Stillstand ist keine Option! Es geht immer wieder darum, die eigene Sichtweise, die eigene Ausrichtung zu hinterfragen, zu verändern und entsprechend neu zu handeln. Weil das ganze Leben eine einzige Schlüsselstelle ist. Die Komfortzone zu verlassen bedeutet, das Leben zu entdecken. Persönliche Entwicklung folgt diesem Prinzip: Es gibt kein Zurück, vom ersten Moment unseres Menschseins an – schon die Geburt ist ein unvermeidbares Verlassen einer Komfortzone, die ab einem gewissen Zeitpunkt unkomfortabel wird. Wer sich bewusst auf den Weg macht, möchte im Aufbruch bleiben. Menschen auf diesem Weg ein Stück weit zu begleiten, ist nicht nur eine verantwortungsvolle und schöne Aufgabe. Sie ist auch für mich immer wieder Inspiration, selbst bei allem, was ich tue, Aufbruch zu bleiben.

Das Gespräch mit Felix Gottwald führte Renate Haiden.

Zusammenfassung

Die beiden Themen krebserzeugende Arbeitsstoffe und Bewegungsarmut standen im Zentrum des diesjährigen Forums Prävention der AUVA in Innsbruck. Keynote-Speaker war der erfolgreiche Wintersportler Felix Gottwald.

Artikel weiterempfehlen