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Sichere Arbeit
Schauraum der Firma Blaha Blick in den Schauraum der Firma Blaha

Hat die Zukunft bereits begonnen?

Ergonomie

Schon das Ambiente des 5. Wiener Ergonomieforums bei Blaha in Korneuburg lässt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die vielfältige und moderne Welt der Büroarbeit eintauchen. Die Vorträge dringen in der Folge in die unendlichen neuen Weiten des Arbeitens ein. Die Ergonomie wird als Basis bei den auf uns alle zukommenden (digitalen) Veränderungen wichtiger denn je.

Am 15. Mai 2018 fand im ergonomischen Ambiente der Seminarräume und Schauräume der Firma Blaha Sitz- und Büromöbel in Korneuburg in Niederösterreich ein weiteres Seminar der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ergonomie (ÖAE) statt. Das 5. Wiener Ergonomieforum befasste sich mit „Ergonomie rund um den (Büro-)Arbeitsplatz, der mehr ist als nur ein Bildschirm und eine Tastatur“.

Ein langer Weg in die Betriebe

In einem Einleitungsvortrag berichtete DI Michael Wichtl, AUVA-Hauptstelle und Geschäftsführer der ÖAE, von Bildschirmarbeitsplätzen einst und jetzt. Er begann seinen nostalgischen Überblick schon weit vor der Übernahme der EU-Richtlinie des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes im Jahr 1995. Nicht nur aus technischer Sicht hat sich in den letzten mehr als 20 Jahren einiges getan und die Ergonomie hat sich sehr positiv und gesundheitsfördernd in den Unternehmen verbreitet. Da sowohl unter den Vortragenden als auch unter den Teilnehmenden „Urgesteine“ der Ergonomie ebenso anwesend waren wie Neueinsteiger, fand schon auf dieser Basis eine interessante Diskussion statt.

Beispiele aus der Praxis

Über die tägliche Arbeit an den zahlreichen Büroarbeitsplätzen in der Pensionsversicherungsanstalt berichtete der Arbeitsmediziner Dr. Klaus Legner, MSc, BSc, der mit seinem Team schon Immenses an ergonomischen Fortschritten in die ehrwürdigen Räumlichkeiten bringen durfte – mit sehr positivem Feedback der Kolleginnen und Kollegen. Sein derzeitiger Schwerpunkt liegt auf Licht und Beleuchtung. Hier arbeitet er sowohl mit internen und externen Expertinnen und Experten zusammen als auch mit der AUVA.

Nicht nur bei der Pensionsversicherungsanstalt bringt man Mitarbeiter in Bewegung. Auch der nächste Redner, Josef Glöckl von der Aeris GmbH, schaffte es, mit seinen Active-Office-Arbeitsplätzen mehr Bewegung ins Büro zu bringen. In diesem Fall ist das sogar wirklich bemerkenswert viel Bewegung, wie er auf der Bühne und unter eigenem körperlichen Einsatz sowie mit kleinen Videoeinspielungen demonstrierte. Er erzählte nicht nur theoretisch und im Konjunktiv, was man tun sollte, damit Active Office wirklich funktioniert, sondern schilderte ganz genau, wie man das in der Praxis durchführen kann. Selbstverständlich gilt es dabei, gesetzliche Bestimmungen einzuhalten, und er zeigte auch, wie man das im Alltag mit geklonten Arbeitsplätzen umsetzt. Oft wird ja viel darüber referiert, was man denn alles sollte und könnte. Hier jedoch wurde gezeigt, was man tun kann und soll, wie es genau geht – und zwar bis ins kleinste Detail.

Nach einer Pause mit aktivem Netzwerken, das wieder einmal wunderbar funktionierte, nicht nur weil das Ambiente dazu einlud, sondern auch, weil die interdisziplinären und internationalen Anwesenden sich sehr gerne über die teils sehr innovativen Vorschläge ambitioniert austauschten, folgte nochmals ein Input von DI Michael Wichtl.

Diesmal gab er einen Einblick in die ÖNORM A 8010 und besprach wieder äußerst realitätsnah die Handhabung der Norm in der Praxis bei der Gestaltung herkömmlicher, aber auch mobiler und neuer Arbeitsplätze.

Im Anschluss daran führte die Lichtplanerin und Architektin DI Gudrun Schach in die Welt einer zeitgemäßen und ergonomischen Gestaltung von Licht und Beleuchtung im Büro ein. Neben vielen interessanten und anregenden Gedanken wurde auch der Ansatz des Human Centric Lightning (HCL) und des Active Light näher beleuchtet und die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten wurden herausgearbeitet. DI Schach ist aktiv in der Lichttechnischen Gesellschaft (LTG) tätig. Diese ist in Fragen rund um das Licht eine wichtige Quelle für fundierte Informationen. Die AUVA arbeitet immer wieder mit dieser Gesellschaft zusammen. Nähere Informationen dazu finden sich bei den Links im Literaturverzeichnis.

In der Folge gaben Ing. Steven Blaha und Verkaufsleiter Michael Görner einen Einblick in die Philosophie der Firma Blaha. Sie sieht die Digitalisierung als Chance für den Menschen und bietet entsprechende Bürogestaltungskonzepte dazu an. Auch bezüglich Umweltschutz und Nachhaltigkeit sieht sich Blaha gut aufgestellt. Dass Kreativität, Kommunikation und das Wohlfühlen zu den wichtigsten Werten des Unternehmens zählen, ist in den Verkaufsräumen erlebbar.

Ergonomie im Zeitalter neuer Formen der Büroarbeit

Nach einem Rundgang durch das dreistöckige Gebäude sprach Mag. Karl Friedl über Ergonomie in der New World of Working. Frei nach dem Motto „Nutzen statt besitzen“, wie man es beim Carsharing schon länger kennt und oft selbst lebt, entwickelt sich seinen Ausführungen nach auch in einigen Unternehmen das Arbeiten im Büro. Mobiles Arbeiten wird so weit ausgeweitet, dass man überall dort arbeitet, wo es der eigentlichen Aufgabe gerade am besten entspricht. Activity-Based Working (ABW) ist die Bezeichnung dafür, also ein bedarfsgerechtes identitätsstiftendes Arbeiten. Dies erfordert eine tätigkeitsorientierte Gestaltung der Räumlichkeiten oder besser gesagt des gesamten Umfeldes.

Nun, das klingt nachvollziehbar und logisch und scheint als Entwicklung fast unausweichlich, jedoch muss hier die Ergonomie anders integriert und berücksichtigt werden als bisher. Wenn der Arbeitsplatz mobil ist und sich sozusagen ständig woanders befindet, wird der ArbeitnehmerInnenschutz im herkömmlichen Sinne mit einer Arbeitsplatzbegehung zur Herausforderung. Da mobile Arbeit überall stattfinden kann, müsste auch die Arbeitsplatzbegehung überall stattfinden und der Begriff der Arbeitsstätte wird schwierig zuzuordnen. Ergonominnen und Ergonomen drängt sich hier jedenfalls wieder einmal der Gedanke auf, dass die Ergonomie in den Köpfen der Menschen zur Selbstverständlichkeit werden muss. Um realistisch zu bleiben: Dazu muss dieses Wissen zunächst einmal bekannt werden. Nachdem es in Österreich um die Ausbildung zur Ergonomin und zum Ergonomen schlecht bestellt ist, klingt das nach einer Herausforderung, die wir alle recht rasch gemeinsam annehmen sollten!

In Österreich, wie auch in Deutschland, ist Telearbeit ein aktuelles und immer zentraler werdendes Thema. Auch der Unterschied zwischen mobiler Arbeit in ihren verschiedensten Ausprägungen und der Telearbeit im engeren Sinn sorgt für Gesprächsstoff. Im Vortrag von Mag. Benno Gross vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) waren etwa die abweichenden Regelungen im Bereich der Verordnungen zum ArbeitnehmerInnenschutz in Deutschland und in Österreich auffallend. Für nähere Informationen zur Situation in Österreich sei hier auf den Artikel „Telearbeit aus ergonomischer und arbeitspsychologischer Sicht“ verwiesen (SICHERE ARBEIT 2/2015, ÖGB-Verlag).

Gutes Raumklima ist immer gefragt

Zum Abschluss ging es noch intensiv um das Klima und die damit verbundenen, oft problematischen Situationen, vor allem in den neuen Büroformen. DI Raimund Kleinhagauer aus der Fachgruppe Ergonomie der AUVA und Experte für Klima- und Lüftungsmessung berichtete über seine Erfahrungen mit der Raumklimasituation in modernen Gebäuden. Lösungsvorschläge und Ideen für vorausschauende Planung waren dabei natürlich ebenso Thema. Wer nun Lust auf mehr Anregungen oder Lösungen bekommen hat, der oder die sei ganz herzlich zu einer der nächsten Veranstaltungen der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ergonomie eingeladen. Die Veranstaltungen sind auf der Internetseite der ÖAE angekündigt. Die einzelnen Referentinnen und Referenten sowie die Ergonominnen und Ergonomen der AUVA stehen für Informationen, aber auch für den Austausch über die erwähnten Themen gerne zur Verfügung.

Literatur:

Mag. Brigitte-Cornelia Eder
AUVA-Hauptstelle
Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung
Adalbert-Stifter-Straße 65
1200 Wien
Tel.: +43 5 93 93-21704
Brigitte-Cornelia.Eder@auva.at

Zusammenfassung

Ein Tag der Ergonomie der Zukunft oder doch schon der Gegenwart? Die Vortragenden des 5. Wiener Ergonomieforums waren heuer zukunftsweisend unterwegs und zeigten, dass Ergonomie rund um den (Büro-)Arbeitsplatz mehr als nur Bildschirm und Tastatur betrifft. Die Zeitreise begann gedanklich bei den ersten Bildschirmarbeitsplätzen und endete in smarten Umgebungen, die voller Bewegung, veränderlichem Licht und komplexen Klimabedingungen sind. Ergonomie, die sich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitbewegt und Arbeit an jedem Ort und zu jeder Zeit möglich macht: Die darin liegenden Chancen, aber auch die damit verbundenen Risiken wurden herausgearbeitet und kritisch diskutiert.

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