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Sichere Arbeit
Abbildung 1: Entwicklung der Zahl der bei der AUVA Versicherten – AN (durchgezogene Linie) – und verunfallten Arbeitnehmer – Unf AN – relativ zum Stand von 2011 (strichlierte Linie). AN-I … inländische ArbeitnehmerInnen; AN-A … ausländische ArbeitnehmerInnen; Unf … Unfälle.
Tabelle 1: Absolutzahlen für Unfälle und Versicherte sowie Unfallraten in den Jahren 2011 und 2018 für AUVA-versicherte Inländer … AN-I; AUVA-versicherte Ausländer … AN; verunfallte inländische ArbeitnehmerInnen … Unf AN-I; verunfallte ausländische ArbeitnehmerInnen … Unf AN-A; * … Rundung
Abbildung 2: Entwicklung der Arbeitsunfälle österreichischer und ausländischer ArbeitnehmerInnen nach Großregionen relativ zum Stand von 2011; EU bis 1995 … Beitritt bis 1995; EU seit Beitrittsdatum ab 1. 1. 2004; Europa Rest … übrige europ. Länder inkl. Schweiz und Norwegen
Abbildung 3: Unfallraten österreichischer und ausländischer ArbeitnehmerInnen nach Großregionen für den Zeitraum von 2011 bis 2018
Abbildung 4: Entwicklung der Arbeitsunfälle österreichischer ausländischer ArbeitnehmerInnen nach Herkunftsländern relativ zum Stand von 2011
Abbildung 5: Für 2018 berechnete Unfallraten von ArbeitnehmerInnen aus Ländern mit einem besonders hohen Zuwachs an Arbeitsunfällen seit 2011; in Ländern mit dunkelblauen Balken sind 2018 in der jeweiligen Gruppe mehr als 1.000 Arbeitsunfälle geschehen.
Abbildung 1: Entwicklung der Zahl der bei der AUVA Versicherten – AN (durchgezogene Linie) – und verunfallten Arbeitnehmer – Unf AN – relativ zum Stand von 2011 (strichlierte Linie). AN-I … inländische ArbeitnehmerInnen; AN-A … ausländische ArbeitnehmerInnen; Unf … Unfälle.
Tabelle 1: Absolutzahlen für Unfälle und Versicherte sowie Unfallraten in den Jahren 2011 und 2018 für AUVA-versicherte Inländer … AN-I; AUVA-versicherte Ausländer … AN; verunfallte inländische ArbeitnehmerInnen … Unf AN-I; verunfallte ausländische ArbeitnehmerInnen … Unf AN-A; * … Rundung
Abbildung 2: Entwicklung der Arbeitsunfälle österreichischer und ausländischer ArbeitnehmerInnen nach Großregionen relativ zum Stand von 2011; EU bis 1995 … Beitritt bis 1995; EU seit Beitrittsdatum ab 1. 1. 2004; Europa Rest … übrige europ. Länder inkl. Schweiz und Norwegen
Abbildung 3: Unfallraten österreichischer und ausländischer ArbeitnehmerInnen nach Großregionen für den Zeitraum von 2011 bis 2018
Abbildung 4: Entwicklung der Arbeitsunfälle österreichischer ausländischer ArbeitnehmerInnen nach Herkunftsländern relativ zum Stand von 2011
Abbildung 5: Für 2018 berechnete Unfallraten von ArbeitnehmerInnen aus Ländern mit einem besonders hohen Zuwachs an Arbeitsunfällen seit 2011; in Ländern mit dunkelblauen Balken sind 2018 in der jeweiligen Gruppe mehr als 1.000 Arbeitsunfälle geschehen.

Arbeitssicherheit bei Migrantinnen und Migranten

Arbeitssicherheit

Statistisch gesehen haben Migrantinnen und Migranten ein höheres Risiko einen Arbeitsunfall zu erleiden als österreichische Beschäftigte. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Um diese Situation zu verbessern, bedarf es spezieller Präventionsmaßnahmen für fremdländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Migranten, Arbeit- und Asylsuchende kommen seit Jahren in sich ändernder Herkunft und Anzahl nach Österreich. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies im Jahresschnitt für 2018, dass von den 3.547.603 bei der AUVA unfallversicherten Arbeiterinnen, Arbeitern und Angestellten 752.900 keine österreichische Staatsbürgerschaft hatten. Davon kamen 101.601 (2,9 %) aus Deutschland, 2.923 aus der Schweiz und 648.376 (18,3 %) aus nicht-deutschsprachigen Ländern. Die größten europäischen Gruppen kommen aus Ungarn: 92.272 (2,6 %), der Türkei: 58.269 (1,64 %) und Rumänen: 56.004 (1,58 %). Die größten außereuropäischen Gruppen kommen aus Afghanistan: 8.394 (0,24 %) und Syrien: 6.677 (0,19 %). Nur eine Minderheit der nicht-österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind in hochqualifizierten Arbeitsverhältnissen tätig, der überwiegende Anteil jedoch arbeitet in 3D-Jobs (dirty, dangerous, demanding), wie sie im Englischen genannt werden, also an schmutzigen, gefährlichen oder belastenden Arbeitplätzen, an denen die Gefahr einen Unfall oder eine Krankheit zu erleiden, hoch ist [1]. Neben vielen anderen Herausforderungen entstand dadurch auch die Aufgabe, diese Menschen, bei Erfüllung aller sonstigen Voraussetzungen, in den österreichischen Arbeitsmarkt sicher zu intergrieren.
Migrantinnen und Migranten sowie Asylsuchende kommen, wie obige Zahlen zeigen, zu einem überwiegenden Teil aus Ländern, in denen sehr wahrscheinlich hinsichtlich der Arbeitsinhalte, Arbeitsabläufe und des Arbeitstempos im Vergleich zu Österreich sehr unterschiedliche Verhältnisse herrschen, sie sind also mit den Arbeitsverhältnissen in Österreich nicht ausreichend vertraut. Religiöse und kulturelle Einstellungen, Verhaltensweisen und Überzeugungen beeinflussen zusätzlich die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Wie auch schon bei der Kampagne „Prävention bei jungen ArbeitnehmerInnen“ festgestellt wurde, wollen sich „Neue“ am Arbeitsplatz besonders bewähren und vor ihren „älteren“ Arbeitskolleginnen und -kollegen nicht blamieren. Sie neigen dazu, mangelndes Wissen und Erfahrung zu übertünchen und nehmen daher, bewusst oder unbewusst, Gefahren auf sich, ohne die Voraussetzungen und Kenntnisse zu haben, diese auch sicher bewältigen zu können. Dazu kommt, dass der Wunsch, rasch gutes Geld zu verdienen, um den eigenen Lebensstandard zu heben und um die Familie zu Hause unterstützen zu können, dazu beiträgt, auch bekannte Gefahren für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz als gering einzuschätzen. Hinsichtlich des Arbeitsschutzes ist daher zu vermuten, dass in der Gruppe der ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer häufiger Unfälle geschehen als in der entsprechenden Gruppe österreichischer Beschäftigter. Dieser Vermutung wird im Folgenden nachgegangen, grundsätzliche Präventionsmaßnahmen speziell für diese Gruppe werden vorgeschlagen. 
Analyse Allgemein
Die Abbildungen und Aussagen beziehen sich auf österreichische und fremdstaatliche Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellte, die in den Jahren 2011 bis 2018 bei der AUVA unfallversichert waren und einen gemeldeten Arbeitsunfall im engeren Sinn (Arbeitsunfall in Ausübung der versicherten Tätigkeit – AUieS) erlitten haben. 
Betrachtet man hier die Entwicklung der Unfall- und Versichertenzahlen relativ zu 2011 (Abb. 1, Tab. 1) so zeigt sich, dass im Zeitraum von 2011 bis 2018 die Anzahl der österreichischen Versicherten praktisch gleich geblieben (+4 %) ist, die Zahl der Arbeitsunfälle im engeren Sinn (AUieS) aber deutlich abgenommen (–19 %) hat. Das ist vor allem ein bemerkenswerter Erfolg der Präventionsarbeit in den österreichischen Betrieben, wobei auch eine zunehmende Übernahme gefährlicher Arbeiten durch Nichtösterreicher als Ursache zu vermuten ist. Ganz anders ist das Bild bei den fremdstaatlichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern: Hier nehmen sowohl die Versichertenzahlen (+54 %) als auch die Unfallzahlen (+59 %) deutlich zu. Unfallzahlen und Versichertenzahlen korrelieren stark positiv miteinander (r = 0,974), d. h., je mehr ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt waren, desto mehr Unfälle ereigneten sich in dieser Gruppe. Eine Abschwächung dieses Zusammenhangs über die Zeit durch den Einsatz von Prävention, wie bei den Österreicherinnen und Österreichern, liegt nicht vor. 
Die absoluten Versicherten- und Unfallzahlen in Tabelle 1 verdeutlichen den optischen Eindruck von Abbildung 1. Die Unfälle der österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verringern sich im angegebenen Zeitraum um 14.385, die der ausländischen dagegen steigen um fast 9.697 an; die Zahl österreichischer Versicherter steigt im beobachteten Zeitraum um ca. 109 Tausend, die der ausländischen um fast 264 Tausend. 
Besonders bemerkenswert ist, dass im Zeitraum von 2011 bis 2018 die Unfallrate (Unfälle pro 1.000 Versicherte) der inländischen Versicherten von 28,2 auf 22,0 gefallen ist, während die der ausländischen von 33,7 auf 34,7 gestiegen ist. Gelänge es durch Präventionsmaßnahmen die Unfallraten der ausländischen Versicherten auf das Niveau der österreichischen zu senken, würde das z. B. für das Jahr 2018 bedeuten, dass sich 9.593 Unfälle weniger ereignet hätten. Arbeitsunfälle verursachen bekanntermaßen Kosten für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die AUVA und die Allgemeinheit [2]. Laut Statistik der AUVA [3] betrugen die Gesamtkosten für einen Arbeitsunfall im Jahr 2017 rund 18.500 Euro. Das durch Prävention erzielbare gesamte Einsparungspotenzial bei Verhütung der 9.593 zusätzlichen Unfälle ausländischer Arbeitskräfte hätte daher ca. 177 Millionen Euro betragen. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber hätten sich bei Einzelkosten von 2.582 Euro pro Unfall ca. 24,8 Millionen Euro und die AUVA bei Kosten von 7.219 Euro pro Arbeitsunfall rund 69,2 Mio. Euro erspart.
Analyse Regionen
Im Jahr 2018 waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus 136 Staaten bei der AUVA unfallversichert und es stellt sich daher die Frage, ob Menschen aus bestimmten Regionen besonders gefährdet sind einen Arbeitsunfall zu erleiden.
Betrachtet man zunächst die Veränderung der Zahl der Arbeitsunfälle relativ zu 2011 (Abbildung 2), so zeigt sich im Jahr 2018 für Arbeitnehmerinnen aus der EU (bis 1995), dem Rest Europas und Amerika (Nord-, Mittel- und Südamerika) ein gering- bis mittelgradiger Anstieg (+16 %). Eine deutliche Zunahme der Unfallzahlen bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Afrika tritt insbesondere seit 2016 auf (+66 % im Jahr 2018). Fast schon dramatische Anstiege sind für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Asien (+186 %) bzw. aus den Ländern, die der EU seit 2004 beigetreten sind (+167 %), zu verzeichnen, wobei der Anstieg für „Asien“ seit 2015 (Höhepunkt der Flüchtlingswelle nach Europa) besonders hervorstechend ist.
Die Gefahr, einen Arbeitsunfall zu erleiden, ausgedrückt als Unfallrate (= Unfälle pro 1.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer), ist nach Abbildung 3 für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Afrika (2018: Unfallrate = 47,1) und Resteuropa (2018: Unfallrate = 43,8) signifikant hoch und steigt seit 2016 auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Asien markant an (2018: Unfallrate = 37,5). 
Nur eine extrem geringe Zahl der im Jahr 2018 in Österreich unfallversicherten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, nämlich 618, kamen aus Australien, Neuseeland oder Ozeanien, das sind 0,03 % aller Versicherten. Die Unfallrate (UR) dieser Personengruppe war aber mit UR = 153 im Jahr 2018 extrem hoch, wobei 2018 kein Einzelfall war, sondern die Unfallrate über den gesamten Zeitraum von 2011 bis 2018 etwa in dieser Höhe auftrat (Schwankungsbreite: 137–228). Gründe für diese hohen Werte können aus den vorliegenden Statistikdaten nicht abgeleitet werden, der Umstand selbst sollte aber in der Präventionsarbeit nicht außer Acht gelassen werden.
Analyse Länder
Als Motiv für die Präventionsarbeit in den Betrieben wird in Abbildung 4 die Entwicklung der Arbeitsunfälle relativ zu 2011 für Länder mit einem Zuwachs bei den Arbeitsunfällen von mehr als 100 % dargestellt. 
Die relativen Arbeitsunfalldaten der Syrer für 2017 und 2018 sind, ohne Verlust der Information für die anderen Länder, in der Abbildung nicht darstellbar; die entsprechenden Werte (Änderung der Zahl der Unfälle relativ zu 2011) betragen für sie in den Jahren 2017: +17,1 und 2018: +32,9. Die Abbildung 4 zeigt Daten für vier asiatische Länder (Syrien, Afghanistan, Iran und Irak), sechs neue EU-Länder (Bulgarien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Polen, Rumänien) und den Kosovo, also Länder, für die man auf Grund der großen Zahl der in Österreich Beschäftigten bzw. auf Grund tiefgehender technologischer Differenzen zu Österreich, auch ohne Daten ein erhöhtes Unfallaufkommen erwartet hätte.
Die Gefahr, einen Arbeitsunfall zu erleiden, ist nach Abbildung 5 für 2018 für Kosovaren, Syrer, Iraker und Afghanen besonders hoch (Unfallrate >55). Eine hohe Zahl Versicherter, wie bei Slowenen (24.006), Rumänen (56.000) und Ungarn (92.272), verbunden mit einer hohen Unfallrate (zwischen UR = 28 und UR = 45) macht die Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen ebenfalls prioritär (Versichertenzahlen aus [4]). Zwischen der Anzahl der Versicherten und der Anzahl der Unfälle besteht in der in Abbildung 4 analysierten Ländergruppe eine hohe Korrelation (Korrelationskoeffizient: 0,98).
Die gezeigten Statistikdaten geben Hinweise darüber, inwieweit ausländische Arbeitskräfte von Arbeitsunfällen betroffen sind, und sie verdeutlichen die Dringlichkeit, spezielle Präventionsmaßnahmen für diese Gruppen durchzuführen. Für die praktische Präventionsarbeit in den Betrieben ergibt sich aus den Länderdaten die Erkenntnis des Vorliegens spezieller Probleme. Da interkulturelle und multistaatliche Arbeitsgruppen im Einsatz sind, müssen zur Hebung der Arbeitssicherheit im Betrieb gemeinschaftliche Lösungen erarbeitet werden, um erfolgreich zu sein.
Prävention Allgemein
Die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten stellt bekanntermaßen eine gesetzliche Verpflichtung dar. Sie wurde in der Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie im Jahr 1989 als europäisches Recht [5] eingeführt und in Österreich 1994, unter Berücksichtigung von Vorläufergesetzen, im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz umgesetzt [6]. Um Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zusätzlich zu Maßnahmen zu motivieren, werden immer wieder Berechnungen von Arbeitgeber-Kosten bedingt durch Arbeitsunfälle publiziert und Einsparungspotenziale aufgezeigt, siehe beispielsweise [2] und [7]. Erfüllung von Gesetzen und ökonomischer Profit sind wichtige Aspekte, aber bei Weitem nicht alles, was uns veranlassen sollte, Schaden von Untergebenen, Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder uns anvertrauten Menschen abzuhalten. Wie wir unseren Mitmenschen begegnen und sie behandeln sollten, darüber wird schon seit mehr als 2.500 Jahren nachgedacht, und lange Zeit wurde das Ergebnis im Kodex der Goldenen Regel, einem alten und verbreiteten Grundsatz der praktischen Ethik [8], der auf der Reziprozität menschlichen Handelns beruht, zusammengefasst. Eine moderne Sichtweise dazu publizierte Hans-Ulrich Hoche [9] im Jahr 1978 und formulierte: „Behandle jedermann so, wie du selbst an seiner Stelle wünschtest behandelt zu werden“.
Niemand will, weder in der Arbeitswelt noch im Straßenverkehr oder in der Freizeit, von anderen in Gefahr gebracht und verletzt werden. Trotzdem geschieht das Tag für Tag, wie wir den Informationen in den Medien entnehmen können. Warum denken wir also nicht öfter an diesen weitreichenden und so vielversprechenden Appell?
Präventionsmaßnahmen bei fremdländischen Beschäftigten in 3D-Bereichen
Die wesentlichen Elemente zur Erhöhung der Sicherheit an Arbeitsplätzen sind in Österreich seit Jahren bekannt und werden, wie die Entwicklung der Unfallzahlen [3] zeigt, erfolgreich angewendet. Im Folgenden wird daher nur auf die spezielle Situation bei fremdländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in 3D-(dirty, dangerous, demanding)Bereichen eingegangen. Den Ausgangspunkt aller Überlegungen bildet dabei die Gefährdungsermittlung gemäß § 4 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz. Auf Grundlage der Gefährdungsermittlung sind dann Maßnahmen zur Gefahrenverhütung festzulegen, in weiterer Folge auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und an sich ändernde Gegebenheiten anzupassen [10]. Besondere Gesichtspunkte bei den betrachteten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sind Fragen betreffend [11, 12, 13]:
  • Sprache und Kommunikation
  • Kenntnisse und Ausbildung
  • religiöse, kulturelle Einstellungen und Erwartungen
Sprache und Kommunikation
Mangelnde aktive und passive Sprachkenntnisse führen dazu, dass Anweisungen von Vorgesetzten nicht ausreichend verstanden werden, Hinweise von und Gespräche mit Arbeitskolleginnen und -kollegen über den Ablauf der Arbeit nicht ausreichend erfasst und möglicherweise auf Grund der damit verbundenen Schwierigkeiten überhaupt unterlassen werden. Sicherheitskennzeichen sind in den Herkunftsländern vielleicht nicht bekannt und werden daher auch nicht beachtet. Analphabetismus muss ebenfalls in Betracht gezogen werden.
Bei der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kommt dem Thema Unterweisung nach §14 ASchG daher ganz besondere Bedeutung zu. Dort ist u. a. in Ziffer (4) festgehalten, dass:
„… die Unterweisung dem Erfahrungsstand der Arbeitnehmer angepaßt sein und in verständlicher Form erfolgen muß. Bei Arbeitnehmern, die der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind, hat die Unterweisung in ihrer Muttersprache oder in einer sonstigen für sie verständlichen Sprache zu erfolgen. Arbeitgeber haben sich zu vergewissern, daß die Arbeitnehmer die Unterweisung verstanden haben.“
Zur Erleichterung bzw. Ermöglichung dieser Aufgabe sind dienlich:
  • mehrsprachige bzw. durch Bilder ergänzte Unterweisungsmaterialien [14, 15];
  • Napo-Filme; Napo ist die Hauptfigur in Trickfilmen, in denen ohne Sprache Themen im Hinblick auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit auf einprägsame und amüsante Weise vermittelt werden. Zur Zeit gibt es über 20 Filme, die von der Napo-Website [16] ohne Kosten heruntergeladen werden können;
  • Peersystem, d. h., vorhandene zweisprachige erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Unterweisung miteinbeziehen bzw. als Ansprechpartner anbieten und zu Sicherheitsvertrauenpersonen ausbilden;
  • Möglichkeiten zur Verbesserung der Sprachkompetenz schon im Zuge der Einstellung anbieten und vereinbaren;
  • Deutsch-Sprechen auch in den Pausen vereinbaren, da Sprachprobleme durch tägliche Übung verbessert werden können. Selbstverständlich können umgekehrt auch die Muttersprachkenntnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umgang mit Kundinnen und Kunden genutzt und so Vorteile für den Betrieb gezogen werden.
Kenntnisse und Ausbildung
In den meisten Herkunftsländern ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt es keine mit Österreich vergleichbare berufliche Ausbildung von jungen Arbeitskräften. Von einem Gleichstand der Kenntnisse über Arbeitsinhalte, Arbeitstechniken, Arbeitsabläufe, Werkzeug- und Maschinengebrauch mit einem durchschnittlichen österreichischen Beschäftigten ist daher nicht auszugehen. Als Folge davon können diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Gefahren nicht richtig einschätzen oder wissen nicht, wie man sie erfolgreich vermeidet. Eine individuelle Abklärung ist angebracht und Nachschulungen müssen gezielt in die Wege geleitet werden. 
Vergessen wir nicht: Technische Schutzmaßnahmen sind in vielen Fällen weitgehend unabhängig von der Nationalität und Sprachkenntnis der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wirksam und sollen daher auch aus diesem Grund bevorzugt eingesetzt werden.
Religiöse und kulturelle Einstellungen und Erwartungen
Erfahrungen in anderen Ländern [1, 11] zeigen, dass die 3D-Arbeitnehmerinnen und -Arbeitnehmer: 
  • Unfälle oftmals nicht melden, weil sie fürchten, dass man ihnen die Schuld dafür gibt oder ihnen kündigt;
  • glauben, dass Unfälle schicksalhaft sind und sie selbst daher nichts beitragen können, sie zu verhindern; 
  • aufgrund hierarchiegläubiger Unterordnung gegenüber Vorgesetzten bei Einschulungen, Unterweisungen etc. keine Verständnisfragen stellen und diese Informationen daher wenig positive Auswirkung haben;
  • Mobbing und Schikanen bedingt durch kulturelle Unterschiede erleben.
Abhilfe ist hier grundsätzlich nur durch Aufbau wechselseitigen Vertrauens möglich [17]. Neben Führungskompetenzen bei der Leitung mehrsprachiger interkultureller Arbeitsgruppen ist auch Hilfe in Augenhöhe durch Installation von Peers gefragt. Durch Einbeziehung (Integration) der Migrantinnen und Migranten selbst in den Arbeitnehmerschutz können diese die Problematik besser verstehen lernen und sich an der Erarbeitung von Lösungen beteiligen. Loyalität gegenüber dem Betrieb wird auf diese Weise aufgebaut. Einschränkungen, die auf Grund religiöser Vorschriften im Zuge der Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) entstehen können, und notwendige Kompromisslösungen sind schon bei der Einstellung zu besprechen und geeignete Regelungen und Handlungsweisen zu vereinbaren, andernfalls sind Konflikte fast unvermeidlich. Dazu zwei Beispiele: Das gleichzeitige Tragen eines Turbans und Schutzhelms z. B. wird nicht möglich sein, der Turban allein gewährleistet jedoch keinen ausreichenden Schutz vor Verletzungen und erfüllt daher die Anforderung der §§ 69, 70 ASchG (Persönliche Schutzausrüstung, Auswahl der persönlichen Schutzausrüstung) nicht. Das Gebot, ein Kopftuch zu tragen, verhindert zwar den wirksamen Einsatz von Kapselgehörschützern, die Verwendung von Gehörschutzstöpseln gewährleistet aber hinsichtlich der Schutzwirkung einen gleichwertigen Ersatz. Inwieweit das Tragen eines Vollbartes und die Dichtheit von Atemschutzmasken vereinbar sind, ist im Einzelfall zu klären [18] und wenn möglich zu testen (z. B. Fit-Testing).
Ein diesbezüglich heikles Kapitel stellen auch die Fastenvorschriften während des Ramadans dar. Die Zeit des Ramadans verschiebt sich über die Jahre über die einzelnen Jahreszeiten. Es kommt daher auch vor, dass er in die heiße Jahreszeit fällt. Beim einzelnen schwer arbeitenden Menschen kann es ohne Nahrungs- und Getränkezufuhr zu Dehydrierung, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl etc, kommen – es können also Faktoren eintreten, welche die Unfallgefahr erhöhen. In der IGA-Broschüre „Gesund arbeiten während des Ramadans – Empfehlungen für den Umgang im Betrieb“ [19] wird zwar auf die Möglichkeit von Ausnahmeregelungen für Schwerarbeiterinnen und Schwerarbeitern hingewiesen, meines Erachtens sollten aber bei Anordnungen, die auch religiöse Einstellungen betreffen, keine Regelungen ohne Absprache mit dem örtlich zuständigen Imam erlassen werden.
Schlussfolgerung
Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, also auch vor dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz. Für in- und ausländische Arbeitskräfte gilt gleichermaßen, dass bei der Arbeit Sicherheit und Gesundheit des Einzelnen nicht beeinträchtigt werden dürfen. Unterschiedliche Herausforderungen erfordern aber auch unterschiedliche Maßnahmen. Was in diesem Sinn bei 3D-Arbeitnehmerinnen und -Arbeitnehmern, häufig fremdsprachig, zu bedenken ist, wurde im vorliegenden Artikel kurz skizziert. Dies sind jedoch nur Wegleitungen. Was tatsächlich erforderlich ist, hängt vom Einzelfall ab und muss, ausgehend von Arbeitsplatzevaluierungen, geplant werden. 
LITERATUR
  • [1] Berlin A., et al. (2011): Occupational health and safety risks for the most vulnerable workers; European Parliament Directorate General for Internal Policies, 2011, IP/A/EMPL/ST/2010-03
  • [2] Bauerstätter, J. (2012): Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen von Arbeitsunfällen und Präventionsmaßnahmen für die AUVA: Weiterentwicklung eines Unfallkostentools, Magisterarbeit an der Universität Wien, Betreuung Marion S. Rauner
  • [3] AUVA: Auszug aus der Statistik 2018, Ausgabe 2019
  • [4] Staatenschlüssel, AUVA Abteilung Statistik, Jänner 2020[5] Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie 89/391/EWG, 12. Juni 1989
  • [6] ArbeitnehmerInnenschutzgesetz – ASchG, BGBl. Nr. 450/1994, 17. Juni 1994
  • [7] Körpert, K. (2013): Return on Prevention in Österreich – Jeder Euro kommt 3,6-fach zurück; Sichere Arbeit 1, 2013, 14ff.
  • [8] https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Regel
  • [9] Hoche H.-U. (1978): Die Goldene Regel – Neue Aspekte eines alten Moralprinzips. In: Zeitschrift für Philosophische Forschung. 32,1978, 358 ff.
  • [10] Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, Zentral-Arbeitsinspektorat (2018): Das kleine Einmaleins der Arbeitsplatzevaluierung – Grundlagen der Gefährdungsbeurteilung 
  • [11] HSE (2010): Protecting migrant workers; Health and Safety Executive GB
  • [12] DGUV (2019): Migration und Arbeitsschutz; https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/migration/index.jsp
  • [13] LIA tipp (2019): 10 Tipps für die Unterweisung von Migrantinnen und Migranten; Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen, Juli 2019
  • [14] M 202: Falsch – Richtig. Situationen auf Baustellen. Sicherheitsinformation der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt; 2016
  • [15] M 203; Handzeichen für Einweiser (8-sprachig); Sicherheitsinformation der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt; 2015
  • [16] https://www.napofilm.net/de/napos-films/films?page=1&view_mode=page_list
  • [17] Starren M. et al.(2013): Diverse cultures at work: ensuring safety and health through leadership and participation; European Agency for Safety and Health at Work 2013, 
  • ISSN 1831-9351
  • [18] https://www.draeger.com/de_at/Chemical-Industry/Welt-Des-Leichten-Atemschutzes/Einsatz-Und-Richtiger-Gebrauch
  • [19] Schreiter I. (2015): Gesund arbeiten während des Ramadans – Empfehlungen für den Umgang im Betrieb, Initiative Gesundheit und Arbeit, 2015

Zusammenfassung

Der Autor analysiert anhand der Statistik, dass Migrantinnen, Migranten und Asylberechtigte ein höheres Risiko haben, einen Arbeitsunfall zu erleiden, und schlägt verschiedene konkrete Präventionsmaßnahmen zur Verbesserung der Situation vor.

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