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Sichere Arbeit
Desinfektionsmittel sind wichtig, doch manche Produkte können gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe enthalten.
DI Marion Jaros (li.) hat von EU-OSHA-Direktorin Dr. Christa Sedlatschek (re.) die Auszeichnung als „Good-Practice-Empfehlung“ für das Projekt WIDES entgegengenommen.
Produktbewertungen für vier Desinfektionsmittel in der WIDES
DI Martina Seibert, AUVA
DI Robert Piringer, ehem. AUVA
Desinfektionsmittel sind wichtig, doch manche Produkte können gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe enthalten.
DI Marion Jaros (li.) hat von EU-OSHA-Direktorin Dr. Christa Sedlatschek (re.) die Auszeichnung als „Good-Practice-Empfehlung“ für das Projekt WIDES entgegengenommen.
Produktbewertungen für vier Desinfektionsmittel in der WIDES
DI Martina Seibert, AUVA
DI Robert Piringer, ehem. AUVA

WIDES: weltweit einzigartig

Krebserzeugende Arbeitsstoffe

Die Wiener Desinfektionsmittel-Datenbank WIDES wurde im Rahmen der europäischen Kampagne für gesunde Arbeitsplätze mit einer Empfehlung ausgezeichnet.
In der Wiener Desinfektionsmittel-Datenbank WIDES lassen sich über 300 Desinfektionsmittel für den professionellen Bereich mit insgesamt rund 240 Inhaltsstoffen hinsichtlich ihres Gefährdungspotenzials online vergleichen – und das kostenlos. Damit ist die WIDES, ein Projekt der Stadt Wien gemeinsam mit der AUVA und anderen Kooperationspartnern, ein weltweit einzigartiges Angebot, das einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leistet.
In Spitälern, Ordinationen, Pflegeheimen, Schulen, Kindergärten und Bädern, aber z. B. auch in der Lebensmittelverarbeitung und der Gastronomie müssen Keime mit Desinfektionsmitteln bekämpft werden. Diese schützen vor Infektionen, enthalten aber zum Teil ätzende, giftige, allergene und sogar die Fruchtbarkeit bzw. das Erbgut schädigende oder krebserzeugende Chemikalien. Vor allem bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln können flüchtige Inhaltsstoffe durch Einatmen in die Lunge gelangen. Die Haut kann mit gefährlichen Stoffen über undichte Stellen in Handschuhen in Kontakt kommen. Reinigungskräfte, die oft jahrelang mit den gleichen Desinfektionsmitteln arbeiten, sind einer besonders intensiven Belastung ausgesetzt. Die Wiener Desinfektionsmittel-Datenbank wird von mehreren internationalen Organisationen empfohlen – darunter die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Internationale Arbeitsorganisation ILO und das globale Städtenetzwerk ICLEI, ein Verband von Städten, Gemeinden und Landkreisen für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung. Am 12. November 2019 zeichnete auch die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) die WIDES-Datenbank im Rahmen der Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – Gefährliche Substanzen erkennen und handhaben“ mit einer Empfehlung aus.
„Die Würdigung durch die EU-OSHA ist eine Bestätigung des Bewertungsschemas. Sie zeigt, dass dieses anerkannt wird“, freut sich DI Robert Piringer, der an der Entwicklung der Datenbank maßgeblich beteiligt war. Piringer, vor seiner Pensionierung als Fachkundiges Organ Chemie in der Abteilung Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung der AUVA-Hauptstelle tätig, übergab die Betreuung der Datenbank im Herbst 2019 an seine Nachfolgerin DI Martina Seibert. Die AUVA hat die WIDES-Datenbank im Rahmen ihres Präventionsschwerpunkts „Gib Acht, Krebsgefahr!“ als eines der Good-Practice-Beispiele präsentiert.
Die Geschichte der Datenbank reicht bis in die späten 1990er-Jahre zurück, als die Stadt Wien gemeinsam mit dem Chemiker und Umwelttechniker Dr. Manfred Klade, damals für das Interuniversitäre Forschungszentrum (IFZ) in Graz tätig, ein Bewertungsschema für Desinfektionsmittel erstellte. „WIDES baut auf einem 1998 begonnenen Vorgängerprojekt auf. Die Informationen, die wir damals hatten, waren allerdings unzureichend. Die Hersteller stuften die Stoffe oft unterschiedlich ein und es gab viele Datenlücken“, erinnert sich DI Marion Jaros von der Wiener Umweltanwaltschaft.
Beschaffungsprogramm ÖkoKauf
Im Jahr 1998 initiierte die Stadt Wien das Beschaffungsprogramm ÖkoKauf, das zum Ziel hatte, das gesamte Beschaffungswesen der Stadt an ökologischen Kriterien auszurichten. Zu diesem Zweck wurden mehr als zwei Dutzend Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, um Mindestkriterien und Auswahlinstrumente zu schaffen. Jaros übernahm die Leitung der Arbeitsgruppe Desinfektion, der auch Toxikologen sowie Vertreter der AUVA, der Hygieneteams des Krankenanstaltenverbunds, der Industrie und von NGOs angehören. Die Arbeitsgruppe war und ist damit befasst, die Desinfektionsmittel-Datenbank kontinuierlich zu verbessern.
Die Entwicklungsabteilungen der Desinfektionsmittel-Hersteller reagierten durchaus interessiert, wie Jaros berichtet: „Die Industrie sah in der WIDES-Datenbank ein Tool, um neue Produkte zu kreieren, die gut wirksam und gleichzeitig wenig human- und ökotoxisch sind. Einige Herstellervertreter gaben uns sehr wertvolle Hinweise zur Verbesserung der WIDES.“ Die Verkaufsabteilungen waren jedoch mehrheitlich skeptisch eingestellt, da in der Datenbank nicht nur dezidiert empfohlene Produkte abgebildet werden, sondern auch solche mit einer – bezüglich ArbeitnehmerInnen- und/oder Umweltschutz – eher mäßigen Performance. Hilfreiche Unterstützung für die WIDES in dieser eher konfliktreichen Phase gab es von der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin (ÖGHMP), der AUVA und deutschen Organisationen des ArbeitnehmerInnenschutzes wie BAuA, BGW und BG Bau. Nachdem rechtliche Fragen bezüglich der Haftung geklärt waren, beschloss man schließlich in der Stadt Wien, die bis dahin nur intern verwendete Datenbank für alle Interessierten im Internet kostenfrei zugänglich zu machen. Sie steht seit Oktober 2009 unter www.wides.at jedermann zur freien Nutzung zur Verfügung.
„Seitdem hat es sehr viel positives Feedback für die WIDES gegeben. Immer wieder treten auch Desinfektionsmittel-Hersteller von sich aus an uns heran, um neue Produkte in die Datenbank integrieren zu lassen“, so Jaros. Das lasse sich auch auf die Bedeutung der WIDES für Nachfragen der Anwenderinnen und Anwender bei der Suche nach gesundheitlich und ökologisch unbedenklichen Produkten zurückführen. Der Input aus der Industrie sei nicht nur ein Vorteil für die Unternehmen, sondern trage ebenso zur Verbesserung der WIDES bei, stellt Piringer fest: „Wir sind auf Industriedaten angewiesen. Dazu braucht es Vertrauen, und das hat sich erst langsam entwickelt.“
Kooperationspartner
Dass man der WIDES fachlich vertrauen kann, zeigt auch die Liste der Kooperationspartner. Die Stadt Wien ist mit der Wiener Umweltanwaltschaft und der Wiener Umweltschutzabteilung, die das Programm ÖkoKauf leitet, vertreten. Klade, der sich mittlerweile mit einem Technischen Büro selbstständig gemacht hat, sorgt dafür, dass sich die Datenbank immer auf dem neuesten Stand befindet und unterstützt das in der Arbeitsgruppe Desinfektionsmittel tätige Expertenteam. Die Finanzierung erfolgt über die Wiener Umweltschutzabteilung (ÖkoKauf Wien), die Wiener Umweltanwaltschaft, ÖkoKauf, die AUVA und das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus.
Darüber hinaus besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Wiener Krankenanstaltenverbund, der ÖGHMP, der Umweltberatung, dem Umweltbundesamt, dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz und dem Verein für Konsumenteninformation.
Auch international hat WIDES Aufsehen erregt. Aufgrund zahlreicher Anfragen aus dem Ausland wurde eine englische Version erstellt, die unter www.wides.at/en ebenfalls kostenlos abrufbar ist. Inzwischen machen internationale Partnerorganisationen, allen voran die global tätige NGO Health Care Without Harm, die sich für nachhaltige gesundheitssysteme einsetzt, die Datenbank weiter bekannt. Mit Erfolg, wie regelmäßige Zugriffe nicht nur aus fast allen Ländern Europas und Russland, sondern z. B. auch aus Kanada, Südamerika oder Indien zeigen.
Stadt Wien als Vorbild
Damit kommt der Stadt Wien über die Grenzen hinweg eine Vorreiterrolle bei der Beschaffung gesundheitlich und ökologisch unbedenklicher Desinfektionsmittel zu. Der Magistrat der Stadt Wien – einschließlich der weitgehend selbstständigen Unternehmungen – ist mit rund 65.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Bundeshauptstadt; knapp die Hälfte der Beschäftigten arbeitet im Wiener Krankenanstaltenverbund. Das Wiener Bedienstetenschutzgesetz, das den Schutz des Lebens und der Gesundheit der in den Dienststellen der Gemeinde Wien Beschäftigten regelt, schreibt vor, dass die Gefahren für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer evaluiert und minimiert werden müssen. Die Stadt Wien verbraucht in ihren eigenen Einrichtungen – neben Spitälern auch Pflegeheime, Schulen, Kindergärten und Bäder – jährlich mehr als 400 Tonnen an Desinfektionsmitteln. Dank der WIDES-Datenbank wurden Produkte, die allergen, krebserzeugend, fruchtbarkeits- oder erbgutschädigend sind, in Routineanwendungen praktisch zur Gänze substituiert. Die Wiener Umweltanwaltschaft berät die Einrichtungen aktiv bei der Auswahl gesundheits- und umweltschonender Produkte. „Der Haupterfolg der Datenbank ist, dass in den öffentlichen Krankenhäusern Wiens keine krebserzeugenden und krebsverdächtigen Desinfektionsmittel mehr verwendet werden“, so Piringer.
Die Hygienebeauftragten in Krankenhäusern stellen die wichtigste Zielgruppe dar, allerdings gibt es darüber hinaus noch viele andere Anwenderinnen und Anwender, die von den in der Datenbank gespeicherten Informationen profitieren. In Arztpraxen, aber beispielsweise auch in der Lebensmittelverarbeitung und der Gastronomie, müssen Keime mit Desinfektionsmitteln bekämpft werden. Jaros nennt eine weitere Interessentengruppe: „40 Prozent der Zugriffe entfallen auf Firmen. Ich nehme an, dass viele Hersteller die Daten für die Produktentwicklung nutzen – ein Unternehmen hat die Datenbank sogar für interne Zwecke nachgebaut.“
Schließen von Datenlücken
Bis die WIDES-Datenbank den heutigen Umfang erreicht hatte, war es ein weiter Weg. Anfangs lagen zu zahlreichen Stoffen noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor, die Industrie stellte nur beschränkt vertrauliche Informationen zur Verfügung. „Es gab sehr viele Datenlücken, gerade zu den besonders gefährlichen Eigenschaften – z. B., ob ein Inhaltsstoff krebserzeugend ist. Wir haben diese Lücken mit Fragezeichen markiert, um sichtbar zu machen, welche Stoffe aufgrund einer guten Datenbasis bewertet werden und wo noch Daten fehlen. Es sollte keine falsche Sicherheit vorgetäuscht werden“, erklärt Jaros.
Wesentliche Rollen bei der Schließung der Datenlücken kamen und kommen der REACH- und der Biozidprodukte-Verordnung der EU zu, die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Bioziden regelt und alle Hersteller verpflichtet, Registrierungs- und Zulassungsdossiers mit Testdaten zu den von ihnen produzierten Desinfektionsmitteln einzureichen. Die Zusammenfassungen werden von der Europäischen Chemikalienagentur ECHA publiziert. „Für Produkte in Nischenbereichen hat sich eine Neuzulassung oft nicht ausgezahlt. Bei gesundheitsgefährdenden Desinfektionswirkstoffe wurden die Rezepturen verändert. So ist eine ganze Reihe besonders bedenklicher Produkte im Lauf der Zeit vom Markt verschwunden“, beschreibt Jaros die Auswirkungen der Verordnung.
Seibert weist auf die Bedeutung EU-rechtlicher Regelungen für den Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerschutz hin. Es sei wichtig, alle Unklarheiten zu beseitigen, die es wegen ungenügend getesteter Desinfektionsmittel gegeben hat bzw. noch gibt. Als Beispiel für eine Änderung der chemikalienrechtlichen Einstufung nennt sie Formaldehyd, das seit 2016 als eindeutig krebserzeugend ausgewiesen ist. „Durch die neuen Erkenntnisse im Rahmen der Tests und Dossiers nach der Biozidprodukte-Verordnung wird das Wissen über Desinfektionsmittel klarer und es können die richtigen Schutzmaßnahmen beim Umgang damit getroffen werden“, so Seibert.
Mutterschutz-Erlass
In Österreich ist die Substitution gesundheitsgefährdender Stoffe in Desinfektionsmitteln zusätzlich durch einen Mutterschutz-Erlass des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz aus dem Jahr 2016 vorangetrieben worden. Dieser regelt bundesweit, welche Händedesinfektionsmittel schwangere Arbeitnehmerinnen verwenden dürfen. Es kommen nur Produkte in Frage, die keine Inhaltsstoffe mit toxischen, allergenen oder CMR-Eigenschaften enthalten und somit nicht krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend sind und bei denen auch kein Verdacht darauf besteht.
Zur Prüfung der Zulässigkeit von Händedesinfektionsmitteln für schwangere Arbeitnehmerinnen empfiehlt der Erlass als das einfachere von zwei möglichen Nachweisverfahren einen Gegencheck von Produkten in der Desinfektionsmittel-Datenbank WIDES (in der Datenbank gibt es auch einen Direktlink zu erlasskonformen Händedesinfektionsmitteln unter: https://www.wien.gv.at/wuawides/internet/Produktsuche/Mutterschutz). Wird diese nicht genutzt, muss der Hersteller selbst ein Dossier mit den aktuellen Einstufungen der relevanten Inhaltsstoffe zusammenstellen und bei widersprüchlicher Datenlage oder Fehlen von Daten eine kostenpflichtige Prüfung durch das Umweltbundesamt beantragen. Produkte mit unzureichend untersuchten Inhaltsstoffen dürfen von schwangeren Arbeitnehmerinnen nicht verwendet werden, bis ihre Unbedenklichkeit geklärt ist.
Für Jaros ist die Wirkung des Mutterschutzerlasses auch daran erkennbar, dass danach wesentlich mehr Anfragen an die Wiener Umweltanwaltschaft gerichtet wurden. „Der Erlass gilt ja nicht nur für die Wiener Spitäler, sondern für ganz Österreich. So haben etwa die Hygieneverantwortlichen von Lebensmittelketten und sogar Fußpflegerinnen bei uns angerufen und sich erkundigt, welche Desinfektionsmittel sie verwenden sollen“, führt Jaros zwei unterschiedliche Branchen an. Der Hinweis auf die WIDES als Informationsquelle trug zu einer weiteren Steigerung der Bekanntheit der Datenbank bei.
Nach dem Erlass kam es laut Jaros innerhalb von zwei Jahren zu einer Marktveränderung, da die Nachfrage nach nicht dem Mutterschutz entsprechenden Händedesinfektionsmitteln einbrach und die Hersteller ihre Rezepturen anpassen mussten. Spitäler und andere Einrichtungen wollten offensichtlich nicht riskieren, dass Frauen mit gesundheitsgefährdenden Stoffen in Kontakt kamen, bevor sie von einer bestehenden Schwangerschaft wussten, oder die parallele Verwendung von zwei unterschiedlichen Desinfektionsmitteln stellte sich als nicht praxistauglich heraus.
Ersatz krebserzeugender Produkte
Als Bespiele für CMR-Stoffe, die früher in Händedesinfektionsmitteln enthalten waren, nennt Jaros naphta- (Erdöl) oder hexanhältige Produkte. Auch Formaldehyd wurde vor der Einstufung als eindeutig krebserzeugend zur Desinfektion verwendet. Beim desinfizierenden Händewaschen zählt Triclosan zu den hormonschädigenden und krebsverdächtigen Inhaltsstoffen, die auch wegen der hohen Umweltgiftigkeit mittlerweile nicht mehr für die menschliche Hygiene zugelassen sind. In der Flächen- und Wäschedesinfektion wurden früher auch borhaltige Produkte angeboten. Hier können vor allem Sauerstoffabspalter, von denen einige auch eine sporozide Wirkung aufweisen, empfohlen werden. Wo man diese z. B. aufgrund von Materialunverträglichkeit nicht verwenden kann, schneiden Produkte auf der Basis von quaternären Ammoniumverbindungen (QAV) in der Gesamtbewertung vergleichsweise gut ab. Die Arbeitsgruppe Desinfektion führte in den letzten Jahren bei allen Dienststellen der Stadt Wien, die sie bei der Auswahl geeigneter Desinfektionsmittel unterstützt hatte, ein Monitoring durch. „Im Großen und Ganzen waren wir sehr zufrieden. Auch die Hygieneexpertinnen und -experten, die diese Dienststellen beraten, haben den Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerschutz im Blickfeld und schauen meist selbstständig in die WIDES-Datenbank“, zieht Jaros Bilanz. Zu den wenigen Ausnahmen zählten mikrobizide Seifen, die Triclosan enthielten. Diese wurden jedoch unmittelbar nach der Beratung ersetzt.
Aktuelle Daten
Um die WIDES-Datenbank immer auf dem letzten Stand zu halten, führt das Technische Büro Klade halbjährlich ein Update durch. „Aufgrund der Biozidprodukte-Verordnung und der REACH-Verordnung nimmt das Volumen an toxikologischen Daten rasant zu. Dabei zeigt sich, dass Stoffe als problematisch eingestuft werden, die bisher als harmlos gegolten haben“, so Jaros. Produkte, deren Zulassung nicht verlängert wurde, müssen aus der Datenbank entfernt werden. Bei offenen Fachfragen zur Stoffbewertung steht dem Expertenteam der Arbeitsgruppe Desinfektion auch immer wieder das Umweltbundesamt beratend zur Seite.
Voraussetzung dafür, dass ein auf dem Markt erhältliches Desinfektionsmittel in die Datenbank aufgenommen wird, ist seine ausreichende Wirksamkeit gegenüber Krankheitserregern. Diese stellt man sicher, indem für jedes Produkt ein unabhängiger Wirksamkeitsnachweis – etwa die Zertifizierung durch eine Hygienegesellschaft wie die ÖGHMP – verlangt wird. Die in die Datenbank aufgenommenen Stoffinformationen stammen vorwiegend aus der Stoffdatenbank der Europäischen Chemikalienagentur ECHA. Die Produktinformationen werden den Sicherheits- und Produktdatenblättern der Hersteller entnommen.
In der Datenbank werden die Produkte hinsichtlich ihrer gefährlichen Eigenschaften bewertet. „Das Bewertungsraster enthält Gesundheits- und Umweltgefahren, die in sechs Kategorien unterteilt sind, und seit kurzem gibt es auch ein Bewertungsraster für die Entzündlichkeit“, erläutert Piringer. Es gibt vier gesundheitsbezogene Gefährdungskategorien: 1. akute Giftigkeit, 2. Reiz- und Ätzwirkung, 3. Sensibilisierung und allergenes Potenzial, 4. chronische Toxizität sowie CMR-Eigenschaften. Dazu kommen zwei Kategorien, die sich auf ökologische Gefahren beziehen: die akute und die chronische Giftigkeit für Wasserlebewesen. Bei entzündlichen Produkten wird auch bewertet, wie hoch die Brandgefahr beim Umgang mit den Desinfektionsmitteln ist.
Die in der Datenbank vorgenommene Bewertung stellt die unterschiedlichen Gefährdungen nicht in absoluten Zahlen dar, sondern zielt auf die Vergleichbarkeit von Stoffen und Produkten für die gleiche Anwendung ab. Dazu ist es notwendig, die in der Praxis verwendete Konzentration zu berücksichtigen. Insbesondere für die Flächendesinfektion werden viele Produkte aber als Konzentrate verkauft und unterschiedlich stark verdünnt. Da es deshalb wenig aufschlussreich wäre, Konzentrate toxikologisch zu vergleichen, ermöglicht die WIDES den Vergleich von Produkten in den jeweiligen Einsatzkonzentrationen, was eine anwendungsgruppenspezifische Beurteilung erlaubt.
Einfache Bedienbarkeit
Bei der Konzeption der Datenbank wurde besonderer Wert darauf gelegt, die Bedienbarkeit möglichst anwenderfreundlich zu gestalten. Im Modul „Produkte“ wird unter „Produktbewertungen pro Anwendungsbereich“ der gewünschte Anwendungsbereich gewählt, z. B. „Fläche – Wischdesinfektion“ oder „Händedesinfektion, chirurgisch“. Bei der Anwendungsform kann man sich zwischen „gebrauchsfertig“ bzw. „Konzentration oder Granulat“ entscheiden. In einem weiteren Schritt werden Einwirkzeit und Wirkungsspektrum ausgewählt.
Als Ergebnis erhält man eine Auflistung von entsprechenden Produkten mit Angabe von Hersteller und Wirkstoffbasis, wobei für jedes Produkt in jeder der sechs Gefährdungskategorien – bzw. zusätzlich für Entflammbarkeit – eine Bewertung enthalten ist. Diese wird mittels eines Farbcodes von Hellgelb für „geringe Gefährdung“ bis Dunkelrot für „hohe Gefährdung“ dargestellt. Ist für einen Inhaltsstoff in einer Kategorie keine Information verfügbar, wird das durch ein Fragezeichen im entsprechenden Feld angezeigt. Trifft dies für alle Inhaltsstoffe des Produkts zu, bleibt das Bewertungsfeld weiß. Durch eine zusätzliche Filterfunktion kann man Stoffe mit bestimmten gefährlichen Eigenschaften ausschließen. Als Orientierungshilfe werden alle Stoffbewertungen unter www.wien.gv.at/wuawides/internet/Inhaltsstoffsuche/Bewertungen auf einer Seite angezeigt.
Die Datenbank wird kontinuierlich erweitert und um zusätzliche nützliche Funktionen ergänzt. „Seit einigen Wochen gibt es eine neue WIDES-Version, in der sämtliche Inhaltsstoffe in drei Kategorien mit hoher, mittlerer bzw. niedriger Gefährdung eingeteilt sind“, nennt Jaros die letzte Neuerung. Damit erkennt man auf einen Blick, was für die Arbeitsgruppe Desinfektion laut Jaros anfangs durchaus überraschend war: „Wir haben uns gefragt, ob alle Produkte, die zelltoxisch sind, ähnlich gesundheitsschädlich und umweltgefährdend sind. Je nach verwendeten Wirkstoffgruppen zeigten sich aber deutliche Unterschiede.“ Diese macht die WIDES-Datenbank sichtbar und bietet Anwenderinnen und Anwendern damit eine rasche und einfache Entscheidungshilfe.

Zusammenfassung

Die Wiener Desinfektionsmittel-Datenbank WIDES wurde von der Stadt Wien gemeinsam mit mehreren Kooperationspartnern, darunter die AUVA, entwickelt. Sie steht online kostenlos zur Verfügung und ermöglicht einen Vergleich von Desinfektionsmitteln in Bezug auf gesundheitliche und ökologische Gefahren. Im Rahmen der europäischen Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – Gefährliche Substanzen erkennen und handhaben“ wurde die Datenbank, die ein weltweit einzigartiges Angebot darstellt, mit einer Empfehlung ausgezeichnet.

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