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Sichere Arbeit
Die Vulkanisations-Chemikalien lagern in geschlossenen Behältern, bei deren Öffnung automatisch eine Absaugung aktiviert wird. CMR-Stoffe wurden ersetzt. Aufgrund der Hitze in der Produktion ist ärmellose Arbeitskleidung erlaubt - dass dies möglich ist, ergab eine umfangreiche Evaluierung.
Die Wiegestation ist mit einem Absaugpaneel und einem zusätzlichen Absaugarm ausgestattet.
Das neue Korrosionsschutzmittel für den Kessel wird mittels einer Dosiereinheit zugesetzt.
Das als Laborchemikalie verwendete Chloroform wurde ersatzlos gestrichen. Die Schränke mit den Chemikalien für das Prüflabor sind mit Gefahrenpiktogrammen gekennzeichnet.
Die Ordner mit den Sicherheitsdatenblättern befinden sich griffbereit neben den Kästen zur Erstversorgung.
Bei Klinger Dichtungstechnik wurden alle ersetzbaren CMR-Stoffe substituiert.
Die Vulkanisations-Chemikalien lagern in geschlossenen Behältern, bei deren Öffnung automatisch eine Absaugung aktiviert wird. CMR-Stoffe wurden ersetzt. Aufgrund der Hitze in der Produktion ist ärmellose Arbeitskleidung erlaubt - dass dies möglich ist, ergab eine umfangreiche Evaluierung.
Die Wiegestation ist mit einem Absaugpaneel und einem zusätzlichen Absaugarm ausgestattet.
Das neue Korrosionsschutzmittel für den Kessel wird mittels einer Dosiereinheit zugesetzt.
Das als Laborchemikalie verwendete Chloroform wurde ersatzlos gestrichen. Die Schränke mit den Chemikalien für das Prüflabor sind mit Gefahrenpiktogrammen gekennzeichnet.
Die Ordner mit den Sicherheitsdatenblättern befinden sich griffbereit neben den Kästen zur Erstversorgung.
Bei Klinger Dichtungstechnik wurden alle ersetzbaren CMR-Stoffe substituiert.

Klinger Dichtungstechnik: Substitution ist machbar

Krebserzeugende Arbeitsstoffe

Der niederösterreichische Dichtungsspezialist Klinger Dichtungstechnik nahm den Präventionsschwerpunkt der AUVA „Gib Acht, Krebsgefahr!“ zum Anlass, alle im Unternehmen verwendeten Arbeitsstoffe mit CMR-Eigenschaften zu erheben. Der Großteil dieser Stoffe konnte substituiert oder ersatzlos gestrichen werden.

Substitution. Diese in der STOP-Rangfolge an erster Stelle stehende Schutzmaßnahme vor gefährlichen Arbeitsstoffen ist mitunter mit einigem Aufwand verbunden. Das trifft vor allem dann zu, wenn der Ersatz von Stoffen eine Umstellung in der Produktion erforderlich macht. Die niederösterreichische Rich. Klinger Dichtungstechnik GmbH & Co KG nahm diese Herausforderung an – mit Erfolg: Nach knapp zwei Jahren hatte man für alle substituierbaren krebserzeugenden, erbgutverändernden oder die Fruchtbarkeit gefährdenden Stoffe (CMR-Stoffe) eine Alternative gefunden, auf einige konnte sogar ohne Ersatz verzichtet werden. Klinger Dichtungstechnik, ein Tochterunternehmen der weltweit tätigen Klinger-Gruppe, wird als Familienbetrieb geführt und hat seinen Sitz in Gumpoldskirchen. Der Standort fungiert als Innovationszentrum für die Entwicklung von Dichtungsmaterialien und -lösungen. Produziert werden Flachdichtungswerkstoffe basierend auf Elastomer-Faserverbundmaterialien, PTFE, Graphit und Glimmer. Die Dichtungen kommen in unterschiedlichen Industriezweigen sowie in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Transport zum Einsatz. Zusätzlich werden Serviceleistungen wie eine Software zur Dichtungsauswahl, Montageinformationen, Produktzulassungen, mobiles Training und Beratung angeboten.

Den Anstoß für den Substitutionsprozess lieferte der Präventionsschwerpunkt der AUVA „Gib Acht, Krebsgefahr!“ – und zwar bereits im Vorfeld der Auftaktveranstaltung Forum Prävention im Juni 2018. „Die Kampagne ist in mehreren Medien angekündigt worden. Wir wollten vorbereitet sein und sind schon vor dem offiziellen Start aktiv geworden“, erinnert sich DI Stephan Piringer, gewerberechtlicher Geschäftsführer, Sicherheits- und Umweltschutzbeauftragter von Klinger Dichtungstechnik. Das Unternehmen, das für seine in Form einer Zeitung erscheinende Umwelterklärung mit dem Umweltmanagementpreis 2019 ausgezeichnet wurde, wollte auch beim Schutz vor CMR-Stoffen die Nase vorn haben.

Erhebung der Sicherheitsdatenblätter

Als Vorbereitung auf das eigentliche Projekt wurde erhoben, zu welchen Stoffen Sicherheitsdatenblätter vorhanden waren – oder zumindest vorliegen sollten. Dabei ging man laut Piringer sehr gründlich vor: „Wir haben bei unseren Rundgängen durch das Unternehmen alle Schränke geöffnet und kontrolliert, welche Substanzen dort lagern.“ Den Großteil dieser Arbeit übernahm Ingrid Stassner, MSc, bei Klinger Dichtungstechnik für Umwelt und Sicherheit zuständig. Auch wenn Sicherheitsdatenblätter bereits in den Jahren davor häufiger als früher zu den Substanzen mitgeliefert worden waren, fehlten sie manchmal oder waren veraltet.

Bis Mai 2018 hatte man die Sicherheitsdatenblätter aller gesundheitsgefährdenden Stoffe aufgetrieben, „bis zum letzten Reinigungsmittel“, so Piringer. Manchmal wurde man auf der Website des Herstellers fündig, in einigen Fällen musste beim Lieferanten nachgefragt werden. Die Erhebung brachte durchaus überraschende Ergebnisse. „Erstaunlich war, dass sich CMR-Stoffe in allen Bereichen quer durch das gesamte Unternehmen ‚verstecken‘ können“, nennt Stassner eine wesentliche Erkenntnis aus der betriebsinternen Recherche.

Mit der Eingabe der Informationen aus den Sicherheitsdatenblättern in das „Material Safety Data Sheet (MSDS)“-Administrationstool begann das eigentliche Substitutionsprojekt. In die Datenbank nahm man nicht nur sämtliche CMR-Stoffe auf, sondern darüber hinaus auch jene Gemische, die zwar nicht als krebserzeugend, erbgutverändernd oder die Fruchtbarkeit gefährdend eingestuft sind, aber CMR-Stoffe – auch in geringer Konzentration – beinhalten. Bis August 2020 wurden in dem MSDS-Tool insgesamt rund 425 Sicherheitsdatenblätter zentral gespeichert.

Evaluierung von Alternativen

In einem nächsten Schritt deklarierte die Geschäftsführung für jede Abteilung – von der Produktentwicklung über Fertigung und Instandhaltung bis zum Prüflabor – ein oder zwei Verantwortliche, die bis Ende 2018 klären sollten, welche CMR-Stoffe substituiert oder ersatzlos gestrichen werden konnten. Insgesamt war rund ein Dutzend Personen involviert. Piringer und Stassner fungierten als Projektstabsstelle, bei der die Informationen zusammenliefen. Schon bald stellte sich heraus, dass sich viele, aber nicht alle CMR-Stoffe ersetzen ließen.

In den Prozess einbezogen wurden dabei sämtliche CMR-Stoffe und deren Gemische, auch wenn sie im Unternehmen nur in geringen Mengen benötigt wurden. „Je nach Substanz waren es wenige Gramm bis mehrere hundert Kilogramm pro Jahr. Nachdem theoretisch ein einziges Molekül ausreicht, um z. B. das Erbgut zu verändern, haben wir alle CMR-Substanzen auf eine Ersatzmöglichkeit evaluiert, unabhängig von der jeweiligen Menge“, erklärt Stassner.

Bei dem mengenmäßig größten Posten, für den eine CMR-freie Alternative gefunden werden konnte, handelte es sich um ein reproduktionstoxisches Korrosionsschutzmittel für den Kessel. Pro Jahr betrug der Verbrauch bis zum Ersatz rund 400 Liter. Mengenmäßig an zweiter Stelle lag mit zirka 50 Kilogramm jährlich ein Frostschutzmittelkonzentrat, das das Erbgut verändern und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Unter den weiteren im Rahmen des Prozesses substituierten Substanzen mit CMR-Eigenschaften fanden sich ein Farbpigment, ein Klebstoff sowie Chemikalien für die Vulkanisation der Elastomere.

Substitution oder ersatzlose Streichung

„So unterschiedlich wie die einzelnen Substanzen waren auch die Ansätze zum Ersatz oder zur Tilgung. Teilweise haben wir die Hersteller kontaktiert, um gemeinsam mit diesen Alternativen zu ermitteln“, beschreibt Stassner den einfacheren Teil des Substitutionsprozesses, der zugekaufte Produkte wie Korrosionsschutzmittel oder Kleber betraf. In einigen Fällen ergab die Evaluierung, dass der CMR-Stoff nicht unbedingt benötigt wurde. „Ersatzlos gestrichen haben wir z. B. Antihaftmittel und Gleitsprays auf Nickelbasis, Treibmittel sowie das als Laborchemikalie verwendete Chloroform“, nennt Piringer einige konkrete Beispiele.

Wesentlich mehr Aufwand brachte es mit sich, wenn es um die Anpassung von Prozessen ging. Die Substitution im Bereich der Fertigung wurde in einem eigenen internen Entwicklungsprojekt abgehandelt, um mit anderen Ausgangsstoffen die gleichen Produkteigenschaften zu erzielen. „Eine Änderung der Rezeptur betrifft den Kernprozess, da ist unsere Kompetenz gefragt. Man muss Alternativen evaluieren, Prototypen testen, darauf achten, dass die Spezifikationen eingehalten werden“, so Piringer, der als Kunststoffchemiker auch für die Produktentwicklung zuständig ist.

Einer der geänderten Prozesse war durch den Umstieg auf ein anderes Korrosionsschutzmittel für den Dampfkessel bedingt. Das ursprünglich verwendete Mittel, das reproduktionstoxische Eigenschaften aufwies, war dem Kesselwasser händisch beigemengt worden. Bei gleicher Handhabung konnte es nicht durch ein anderes ersetzt werden, daher musste für das neue Korrosionsschutzmittel eine Dosiereinheit angeschafft werden.

„Insgesamt sind wir froh darüber und stolz darauf, dass wir die von Arbeitsstoffen ausgehende Gefahr verringert haben. Leider können in unserem Unternehmen nicht alle CMR-Stofffe kurz- oder mittelfristig ersetzt werden. In den Fällen, in denen wir keine Alternativen gefunden haben, lässt sich das nachvollziehbar begründen“, zieht Piringer Bilanz. Die weiterhin verwendeten CMR-Stoffe werden nur in geringen Mengen von bis zu einem Kilogramm pro Jahr benötigt. Dazu zählen etwa Chemikalien für das Prüflabor.

Neueinstufungen

Der Zeitrahmen, den sich Klinger Dichtungstechnik für den Substitutionsprozess gesetzt hatte, konnte eingehalten werden; bis Ende 2019 war der Ersatz der bei Erhebung der Sicherheitsdatenblätter identifizierten CMR-Stoffe abgeschlossen. Damit ist die Arbeit laut Piringer aber nicht beendet: „Das Projekt hat drei Schwerpunkte: erstens die verwendeten CMR-Stoffe zu substituieren, zweitens dafür zu sorgen, dass keine neuen CMR-Substanzen ins Unternehmen kommen, drittens laufend zu verfolgen, ob bisher nicht als CMR-Stoffe geltende Substanzen umgestuft werden.“

Damit keine Neueinstufung unbemerkt bleibt, hat Klinger Dichtungstechnik eine externe Firma damit beauftragt, regelmäßig Rechts-Updates zu erstellen. So erfuhr man auch rechtzeitig davon, als pulverförmiges Titandioxid – ein weißes Farbpigment – von der Europäischen Kommission am 4. Oktober 2019 nach der CLP-Verordnung als CMR-Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung beim Menschen durch Einatmen eingestuft wurde.

Eine Evaluierung ergab, dass Titandioxid bei Klinger Dichtungstechnik ersatzlos gestrichen werden kann. Noch vorhandene Restbestände des weißen Farbstoffs, dessen Jahresmenge vor Projektbeginn rund 1,5 Tonnen betragen hatte, werden bis spätestens Ende 2020 aufgebraucht sein. Die Kunden des Unternehmens informierte man schriftlich über die durch die Umstellung bedingte Farbveränderung: Bestimmte Produkte würden in Zukunft nicht mehr rein weiß, sondern z. B. creme- oder champagnerfarben sein.

Von den Reaktionen der Kunden war Piringer positiv überrascht: „Es hat mich gewundert, dass es wenig bis gar keinen Widerstand gegeben hat, weil eine Farbänderung oft ein Problem darstellt. Einige der Firmen, die von uns Produkte beziehen, haben Farbmuster für ihre Kunden bestellt.“ Das Argument, durch Weglassen von Titandioxid einen krebserzeugenden Stoff vermeiden zu können, zählte mehr, als eine gewohnte Farbnuance beibehalten zu können.

Neue Substanzen

Intern traf das Substitutionsprojekt – von den drei Geschäftsführern bis zu den von der Umstellung betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern – ebenfalls auf Zustimmung. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Arbeitsabläufe geändert werden sollten, hatte man direkt kontaktiert und individuell informiert. Für die Akzeptanz spielten die Brisanz des Themas und das Bewusstsein, dass man durch den Ersatz von CMR-Stoffen das gesundheitliche Risiko verringern konnte, eine wesentliche Rolle. Die Bereitschaft, während der Umstellungsphase einen höheren Aufwand in Kauf zu nehmen, war durchwegs vorhanden.

Auch jetzt kommt es weiterhin auf die Mitwirkung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an. Die Verantwortlichen in den einzelnen Abteilungen sind angewiesen, vor dem Bestellen einer neuen Substanz diese auf CMR-Stoffe überprüfen zu lassen. „Die Disziplin ist sehr gut. Wir bekommen bei einer geplanten Neuanschaffung immer das Sicherheitsdatenblatt zugeschickt. Bei einer Einstufung als CMR-Stoff wird die Bestellung nicht freigegeben“, erklärt Piringer. So könne effizient verhindert werden, dass ein krebserzeugender, erbgutverändernder oder die Fruchtbarkeit gefährdender Stoff im Betrieb in Umlauf komme.Stassner nennt ein konkretes Beispiel für eine neue Substanz, deren Anschaffung durch diese Vorgangsweise unterbunden wurde: „Im Vorjahr hätte eine Farbe zum Anstreichen von Mulden bestellt werden sollen. Laut Sicherheitsdatenblatt war diese aber krebserzeugend. Wir haben daraufhin den Händler kontaktiert, bei dem unser Wunsch nach einer Alternative auf offene Ohren gestoßen ist.“ Nachfragen lohne sich, da Anbieter neben Produkten mit CMR-Eigenschaften oft auch gleichwertige, nicht gesundheitsgefährdende in ihrem Sortiment hätten.

Weitere Schutzmaßnahmen

Wo sich gefährliche Arbeitsstoffe nicht ersetzen oder vermeiden lassen, trifft man bei Klinger Dichtungstechnik weitere Schutzmaßnahmen nach der STOP-Rangfolge. Diese sind bereits vor dem Substitutionsprojekt umgesetzt worden. So lagern die Chemikalien für die Vulkanisation der Elastomere in der Chemieverwiegungsanlage in geschlossenen Behältern, bei deren Öffnung automatisch eine Absaugung aktiviert wird. Arbeitsplatz- und Objektabsaugungen sorgen für die Erfassung der Schadstoffe direkt an der Entstehungsstelle.

In den Produktionshallen herrscht strenges Ess-, Trink- und Rauchverbot; den Beschäftigten stehen ein von der Fertigung getrennter Pausenraum und eine kleine Küche sowie ein eigener Raucherbereich zur Verfügung. Alle Behälter, Schränke und jene Bereiche, in denen mit gesundheitsgefährdenden Arbeitsstoffen hantiert wird, sind mit Gefahrenhinweisen gekennzeichnet, Bodenmarkierungen weisen auf Gefahrenzonen hin. Direkt neben den Kästen zur Erstversorgung befinden sich die in Ordnern gesammelten Sicherheitsdatenblätter griffbereit zur Einsichtnahme. Außerdem sind alle Sicherheitsdatenblätter auf einem eigenen Laufwerk abgespeichert und können von jedem Firmen-PC aus abgerufen werden. Auch auf Arbeitsplatzhygiene legt man großen Wert. Zwei Duschräume werden von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern benutzt, bevor sie das Unternehmen verlassen. Für Privat- und Arbeitskleidung gibt es getrennte Spinde, die Reinigung der Schutzkleidung übernimmt eine Spezialfirma. Zusätzlich zur täglichen Reinigung der Werkshallen durch eigenes Personal wird ein professionelles Reinigungsunternehmen beauftragt, so Stassner: „Eine Objektreinigungsfirma entstaubt in der Chemieverwiegung regelmäßig Behälter, Fensterbretter und Böden.“

Persönliche Schutzausrüstung ist nur für bestimmte Tätigkeiten wie Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten, z. B. bei Werkstoffwechsel, beim Tausch des Frostschutzmittels für den Kessel oder bei Staubentwicklung notwendig. Laut Piringer wissen die Angestellten genau Bescheid, wofür sie welche persönliche Schutzausrüstung benötigen. Trotzdem könne es vorkommen, dass jemand darauf vergesse, sich entsprechend zu schützen. Darauf, dass die getroffenen Schutzmaßnahmen auch eingehalten werden, achten die für Arbeitssicherheit Zuständigen bei ihren wöchentlichen Rundgängen.

FAQ zu krebserzeugenden Arbeitsstoffen: Die AUVA antwortet!

Im Rahmen des AUVA-Präventionsschwerpunktes „Gib Acht, Krebsgefahr!“ beantworten AUVA-Expertinnen und -Experten in jeder Ausgabe von Sichere Arbeit bis Ende 2020 häufig gestellte Leserfragen zum Thema krebserzeugende Arbeitsstoffe.

Haben auch Sie Fragen? Dann senden Sie diese an FAQkrebsgefahr@auva.at!

Wieso sind krebserzeugende Arbeitsstoffe in der Arbeitswelt überhaupt erlaubt?

Grundsätzlich dürfen eindeutig krebserzeugende Arbeitsstoffe nach ASchG § 42 (1) nicht verwendet werden, wenn ein gleichwertiges Arbeitsergebnis mit nicht gefährlichen bzw. weniger gefährlichen Arbeitsstoffen erreicht werden kann. Trotz dieser Vorgaben können nicht alle krebserzeugenden Stoffe im Arbeitsprozess ersetzt werden. Dort setzen die arbeitnehmerschutzrechtlichen Bestimmungen für krebserzeugende Arbeitsstoffe mit ihren spezifischen Regelungen zum Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an.

Auch die REACH-Verordnung kennt für besonders besorgniserregende (z. B. krebserzeugende) Stoffe Regulierungen, durch welche die Herstellung, die Vermarktung (einschließlich Einfuhr) oder die Verwendung dieser Stoffe beschränkt oder verboten werden. Diese Stoffe sind z. B. bestimmte Arsenverbindungen (Diarsenpentaoxid, Diarsentrioxid), Chromverbindungen (Chromtrioxid, Chromsäure, Dichromsäure, Oligomere von Chromsäure und Dichromsäure), MOCA und Trichlorethen. Trotzdem können diese Stoffe nach wie vor als Altlast oder in der zugelassenen Verwendung vorkommen.

Ist Krebs durch Röntgenstrahlung bzw. kosmische Strahlung (Flugbegleiter) eine Berufskrankheit?

„Erkrankungen durch ionisierende Strahlen“ sind als Berufskrankheit Nr. 16 in Österreich grundsätzlich anerkennbar. Während dies früher bei beruflich strahlenexponierten Personen vor allem im Bereich medizinischer Anwendungen wie Röntgen häufig vorgekommen ist, ist die Zahl der Anerkennungen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Dies liegt vor allem an den strengen gesetzlichen Vorgaben (Strahlenschutzgesetz sowie Verordnungen wie die allgemeine Strahlenschutzverordnung, die medizinische Strahlenschutzverordnung, die Natürliche-Strahlenquellen-Verordnung aber auch die Strahlenschutzverordnung fliegendes Personal) sowie an der Überwachung der beruflich strahlenexponierten Personen (z. B. mit Dosimetern, oder beim fliegenden Personal mittels Software). Auch wenn fliegendes Personal im Durchschnitt höher belastet ist als medizinisches Personal und ein statistisch leicht erhöhtes Krebsrisiko hat, ist die für eine Anerkennung als Berufskrankheit notwendige überwiegend berufliche Ursache in den meisten Fällen nicht gegeben.

Werden elektromagnetische Strahlen im Wellenlängenbereich von Mobiltelefonen, WLAN, Radarstrahlung etc. auch als krebserzeugend angesehen? Und wenn ja, wie sieht ein aktiver Schutz für die Mitarbeiter aus?

Die Auswirkungen sind wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Nähere Informationen zu dem Thema finden Sie im AUVA-Report „ATHEM-2 – Untersuchung athermischer Wirkungen elektromagnetischer Felder im Mobilfunkbereich“, bestellbar unter www.auva.at/reports

Die Sammlung aller Fragen und Antworten zu krebserzeugenden Arbeitsstoffen können Sie auf der Webseite zum AUVA-Präventionsschwerpunkt nachlesen: www.auva.at/krebsgefahr, Menüpunkt „Häufig gestellte Fragen (FAQ)“

Zusammenfassung

Klinger Dichtungstechnik hat den AUVA-Präventionsschwerpunkt „Gib Acht, Krebsgefahr!“ zu krebserzeugenden Arbeitsstoffen zum Anlass genommen, die Sicherheitsdatenblätter aller im Betrieb vorhandenen Substanzen mit CMR-Eigenschaften zu erheben. Im Rahmen eines zweijährigen Substitutionsprojekts konnte der Großteil der CMR-Stoffe durch Alternativen ersetzt bzw. ersatzlos gestrichen werden. Seither wird vor jeder Neuanschaffung geprüft, ob das Produkt CMR-frei ist. Ein Monitoring sorgt dafür, dass bei einer Umstufung einer bisher nicht als CMR-Stoff geltenden Substanz rechtzeitig ein gesundheitlich unbedenkliches Alternativprodukt beschafft werden kann.

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