Sichere Arbeit
Mit dem Glasroboter von Glas Metall Salzgeber lassen sich große Glasflächen ohne enorme körperliche Belastungen von innen manipulieren und verbauen. Mit dem Glasroboter lassen sich große Glasflächen ohne enorme körperliche Belastungen von innen manipulieren und verbauen.
Willy Salzgeber (im Bild li.) begann mit der Ausübung seines Handwerks ursprünglich in der Scheune seines Vaters. Willy Salzgeber (im Bild li.) begann mit der Ausübung seines Handwerks ursprünglich in der Scheune seines Vaters.
Firmenchef Willy Salzgeber (Bildmitte) bei der Überreichung der Goldenen Securitas 2016 mit AUVA-Obmann DDr. Anton Ofner (li.) und Dr. Martin Gleitsmann, Wirtschaftskammer Österreich. Der stolze Firmenchef Willy Salzgeber (Bildmitte) bei der Überreichung der Goldenen Securitas 2016 mit AUVA-Obmann DDr. Anton Ofner (li.) und Dr. Martin Gleitsmann, Wirtschaftskammer Österreich.

Innovation zur Schonung des Rückens

Innovativ für mehr Sicherheit

Bei Glas Metall Salzgeber in Dornbirn hat man sich erfolgreich überlegt, wie die Manipulation schwerer Glasplatten rückenschonend mithilfe eines eigens entwickelten Roboters erfolgen kann. Dafür wurde das Unternehmen mit der Goldenen Securitas in der Kategorie „Innovativ für mehr Sicherheit“ ausgezeichnet.

In der modernen Architektur wird Glas gern als funktionales und gestalterisches Element eingesetzt. Aufgrund dieser Vielseitigkeit sind Verglasungen im Privat-, aber auch im Geschäftsbereich nicht mehr wegzudenken. Innovation, Zuverlässigkeit, Flexibilität und der hohe Qualitätsstandard bieten die Grundlage für die Arbeit der GMS – Glas Metall Salzgeber GmbH in Dornbirn. Die Kunden kommen sowohl aus Vorarlberg als auch aus den angrenzenden Ländern Liechtenstein, Schweiz und Deutschland.

Zur Vorbeugung gegen Rückenschmerzen entwickelte der von AUVAsicher betreute Betrieb einen speziellen Roboter, der nun einen maßgeblichen Beitrag in der Glasbranche leistet. Diese Präventionsmaßnahme wurde mit der Trophäe Goldene Securitas ausgezeichnet. Alle zwei Jahre schreiben die Wirtschaftskammer Österreich und die AUVA den Preis aus, mit dem jene Klein- und Mittelbetriebe prämiert werden, die auf dem Gebiet der Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten vorbildliche Maßnahmen gesetzt haben. Aus 60 Einreichungen für die Goldene Securitas 2016 wurden 15 Betriebe nominiert. In drei Kategorien erhielten jeweils fünf eine Auszeichnung für vorbildliches Engagement im Arbeitnehmer- und Gesundheitsschutz. So werden in der Kategorie „Innovativ für mehr Sicherheit“ Produkt- und Dienstleistungsinnovationen nominiert und prämiert, die für die Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmenns unverzichtbar sind. In dieser Kategorie konnte sich GMS im Frühjahr 2016 gegen zahlreiche Unternehmen aus ganz Österreich durchsetzen und bekam am 17. November 2016 die Goldene Securitas überreicht.

Unternehmensgeschichte

Das renommierte Unternehmen Glas Metall Salzgeber genießt in der Metall- und Glasbranche einen ausgezeichneten Ruf. Was zunächst ein Einzelunternehmen war, entwickelte sich im Jahr 2000 zu einem Kleinbetrieb mit fünf Mitarbeitern; mittlerweile zählt man 18 Beschäftigte. Willy Salzgeber begann sein Handwerk ursprünglich in der Scheune seines Vaters auszuüben. Er bediente seine Kunden individuell, war aufgrund der Einzelposition als „One-man-Show“ sehr flexibel und vor allem zuverlässig.

Die stetig steigende Auftragslage führte dazu, dass sich das Unternehmen im Jahr 2000 zu einem Einzelbetrieb mit fünf Mitarbeitern vergrößerte. Das machte es notwendig, ein neues Bürogebäude zu planen, das 2001 fertiggestellt wurde. Drei Jahre später galt es bereits einen Erweiterungsbau zu errichten, um die mittlerweile 18 Mitarbeiter unterzubringen. 2005 wurde die GMS Salzgeber GmbH gegründet. Vor Kurzem ist auch der Sohn von Willy Salzgeber in den Betrieb eingestiegen und bereichert das Unternehmen mit jugendlichem Enthusiasmus und Engagement.

Große Belastungen beim Einbau von Gläsern

Große Glasflächen bedeuten für die Glasbranche große Herausforderungen – nicht nur beim Transport, sondern vor allem auch beim Einbau der Gläser. Früher war es nicht möglich, ohne enorme körperliche Belastungen große Glasflächen in Gebäuden einzusetzen. Bei einem größeren Auftrag war Willy Salzgeber schon im Vorfeld damit konfrontiert, dass seine Mitarbeiter und er mit großer Wahrscheinlichkeit Rückenschmerzen bekommen würden. Nicht selten kam es in der Vergangenheit vor, dass Willy Salzgeber in der Endphase alleine auf der Baustelle arbeitete, da alle seine Mitarbeiter im Krankenstand waren.

Dieser Umstand war dem Chef des Unternehmens in vielerlei Hinsicht ein großer Dorn im Auge, wollte er doch, dass sowohl seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch er selbst möglichst lange und vor allem gesund im Arbeitsleben verbleiben können. Die Ansprüche der Auftraggeber wurden mit den Jahren immer größer, zumal Architekten große Glasflächen als besondere Stilelemente im Fassadenbau entdeckten. Mit den Rückenproblemen sollte es aber nicht mehr so weitergehen. Als ein Großauftrag aus Deutschland eintraf, der alle Anbieter vor eine große Herausforderung stellte, hatte Salzgeber eine besonders innovative Idee. Der Auftrag lautete, in einem Spital bereits eingebaute, schadhafte Gläser auszutauschen. Konkret mussten 160 Gläser ausgebaut und neue Gläser wieder eingebaut werden. Hinzu kam, dass das Spital innen bereits voll ausgestattet war und somit wenig Bewegungsspielraum zur Manipulation bot. Die herkömmliche Methode wäre nicht nur extrem teuer, sondern auch gefährlich gewesen. Für die Mitarbeiter wäre es zu enormen körperlichen Belastungen gekommen, zudem hätte der Auftrag zusätzlich noch sehr viel mehr Konzentration erfordert. Das Ziel war deshalb, im Vorfeld eine Lösung zu finden, wie sich dieser Auftrag für alle Mitarbeiter belastungsarm, ungefährlich und leicht umsetzbar bewerkstelligen ließe.

Entwicklung der Maßnahme gegen Rückenprobleme

Durch Brainstorming, viele Besprechungen und praktische Versuche konnte eine Lösung gefunden werden, die für alle Beteiligten zufriedenstellend war. Entscheidend für diese Entwicklung erwiesen sich die umfangreiche Planung und Vorbereitung. Mehrere Begehungen – auch gemeinsam mit dem Gerüstbauer, der das Gerüst rund 30 Zentimeter unter der Fensterbrüstung positionieren musste – konnten schlussendlich zum erfolgreichen Großprojekt führen: 160 alte Gläser wurden durch 160 neue Gläser ersetzt. Salzgeber stolz: „Wir haben mit vier Mitarbeitern in zehn Tagen unfallfrei, sicher und effizient gearbeitet!“ Eine Bilanz, die sich in jeder Hinsicht sehen lassen kann, zumal nur ein Drittel der Kosten angefallen ist. Der hohe Planungs- und Überlegungsaufwand, die Eigenentwicklung und der Bau dieses Geräteauslegers haben sich schlussendlich also gelohnt, da man statt vier bis fünf Gläsern täglich durchschnittlich 16 Gläser einbauen konnte. Und: Statt sechs Mitarbeitern führen nunmehr vier Mitarbeiter diese Tätigkeit sicher und vor allem belastungsfrei ohne Probleme durch.

Spezialanfertigung Glasroboter

Die außergewöhnliche Idee bei diesem Auftrag bestand darin, die alten Gläser von innen herauszunehmen und auch die neuen Gläser von innen zu montieren. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Glasroboter, mit dem diese Arbeit zu verrichten gewesen wäre, da sich die hydraulischen „Köpfe mit Vakuumsauger“ nicht so drehen ließen, wie es benötigt wurde. Darüber hinaus waren die ausfahrbaren Arme zu kurz, wodurch man die Gläser nicht schräg durch die Öffnungen nach außen heben konnte, um das Glas in der Folge zu drehen und einzubauen. Deshalb wurde von einem herkömmlichen Glasroboter der komplette „Kopf mit Vakuumsauger“ inklusive ausfahrbarem Arm demontiert und ein längerer Arm konstruiert. Dieser weist auch eine nach oben gezogene Nase auf, um einen autonomen Stand-2-Kreis-Vakuumsauger mittels Kranhakens aufheben zu können. Die Höhe der Konstruktion war somit genau passend, um die Scheiben zentriert aufzunehmen. Durch den längeren Arm des Glasroboters konnten die Gläser auch ausreichend weit nach außen gefahren werden, um sie im Weiteren um 90 Grad drehen zu können. So ließen sie sich auch ohne Probleme und ohne etwas zu beschädigen durch die Festeröffnungen fahren. Die Mitarbeiter mussten von innen wie auch vom Gerüst aus nichts mehr heben, sondern nur leicht andrücken. Diese Maßnahme bedeutet einen Durchbruch in der Branche, da die schweren Gläser nun nicht mehr von Hand gehoben werden müssen.

Mag.a Ariadne Seitz
AUVA-Hauptstelle, Abteilung Sicherheitsmarketing und Presse
ariadne.seitz@auva.at

Zusammenfassung

Das renommierte Unternehmen GMS – Glas Metall Salzgeber entwickelte sich im Jahr 2000 von einem Einzelbetrieb zu einem Kleinbetrieb der Metall- und Glas-Branche mit mittlerweile 18 Mitarbeitern. Um Rückenprobleme zu vermeiden und gleichzeitig Kapazitäten zu steigern, wurde mit hohem Planungs- und Überlegungsaufwand ein neuer Geräte-Ausleger entwickelt und dessen Bau umgesetzt. Dadurch ließ sich der Einbau von 16 Gläsern pro Tag statt bis dato durchschnittlich vier bis fünf Gläsern pro Tag bewerkstelligen. Statt sechs Mitarbeitern konnten vier Mitarbeiter diese Tätigkeit durchführen – und das sicher, belastungsfrei und ohne gesundheitliche Probleme.

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