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Sichere Arbeit

Arbeitsstoffevaluierung in kleinen Kfz-Betrieben - eine Kampagne der Arbeitsinspektion

ARBEITSSTOFFEVALUIERUNG

Im Jahr 2010 beteiligte sich Österreich an der Europäischen Kampagne zur Arbeitsstoffevaluierung in kleinen und mittleren Betrieben. Von SLIC (Ausschuss Hoher Arbeitsaufsichtsbeamter der EU) ausgerufen, wurde die Kampagne von 26 Mitgliedstaaten mitgetragen.

Die Umsetzung der Arbeitsstoffevaluierung in kleinen und mittleren Betrieben stand im Mittelpunkt einer von SLIC ins Leben gerufenen europaweiten Kampagne. Unterschiede gab es bei den Branchen, die beleuchtet wurden: Während andere Arbeitsinspektionen auf das Bäckereigewerbe, die Reinigung oder die Möbel-erzeugung setzten, konzentrierte sich Österreich auf Kfz-Werkstätten. Alle Arbeitsinspektorate (ausgenommen jenes für Bauarbeiten) und das Verkehrs-Arbeitsinspektorat beteiligten sich an der Kampagne, die am 15. September 2010 begann und am 31. Dezember 2010 endete. Offiziellen Abschluss der Kampagne auf europäischer Ebene bildete ein "Closing Event" in Lissabon im März 2011.
Die Arbeitsinspektion führte die Erhebungen anhand eines eigens entwickelten Fragebogens standardisiert durch; dabei fanden Isocyanate, Lösemittel, Öle, Schweißrauch, Motorenabgase besondere Berücksichtigung. Insgesamt wurden 243 Kfz-Reparaturwerkstätten, Lackierer sowie Spengler - 122 mit ein bis neun Beschäftigten und 121 mit zehn bis 50 Beschäftigten - besichtigt. Um die Wirkung der Kampagne zu verstärken, wurden die Präventivkräfte eingebunden. Es waren dies, da sich die Kampagne europaweit auf Arbeitsstätten bis maximal 50 ArbeitnehmerInnen bezog, überwiegend Präventivfachkräfte von AUVAsicher. Durch gemeinsame Betriebsbegehungen sollte die Zusammenarbeit zwischen Arbeitsinspektion und AUVAsicher gefördert werden. Das gelang bei 107 der 243 Arbeitsstätten.

Die wichtigsten Ergebnisse

Wenig überraschend haben Arbeitsstätten mit ein bis neun ArbeitnehmerInnen das größte Potenzial für Verbesserungen, aber auch in größeren Arbeitsstätten (zehn bis 50 ArbeitnehmerInnen) gibt es viele Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung. ArbeitgeberInnen, bei denen die Arbeitsstoffevaluierung Mängel aufwies, erhielten von der Arbeitsinspektion schriftliche Aufforderungen zur Herstellung des gesetzmäßigen Zustandes. Dies betraf 88 Prozent der kleineren und 77 Prozent der größeren Arbeitsstätten. Am häufigsten wurden eine nicht oder nur mangelhaft durchgeführte Arbeitsstoffevaluierung (z. B. fehlendes Arbeitsstoffverzeichnis), fehlende oder nicht ausreichende Betriebsanweisungen bemängelt. Weitere Beanstandungen betrafen Messungen, technische Maßnahmen (Erfassung von Arbeitsstoffen), Prüfpflichten für Anlagen, Lagerung, Persönliche Schutzausrüstung (PSA), Arbeitshygiene allgemein und vereinzelt auch Arbeitsstätten allgemein.
Diese Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass in den kleinen Betrieben nach wie vor der systematische Zugang zu Arbeitsstoffen fehlt. Die Mehrzahl der Arbeitsstätten verfügte über keine Arbeitsstoffverzeichnisse. Das bedeutet zum einen, dass diese Betriebe kaum einen Überblick über die von ihnen verwendeten oder die vorhandenen gefährlichen Arbeitsstoffe haben können. In weiterer Folge führt eine unvollständige Arbeitsstoff-evaluierung zu Mängeln bei der Unterweisung. Sehr oft fehlten gezielte Unterweisungen zu Gesundheitsgefahren (z. B. Allergien), zur richtigen Verwendung und Aufbewahrung von persönlicher Schutzausrüstung oder zum Hautschutz. Insbesondere Hautschutzpläne fanden sich selten. Weniger überraschend ist, dass es vielfach an geeigneten Betriebsanweisungen mangelte - diese Unterlagen bauen im Regelfall auf den Informationen auf, die im Rahmen der Evaluierung erhoben werden.
In kleinen Arbeitsstätten anderer Branchen zeigt sich die Situation vermutlich ähnlich. Hier liegt auch der wichtigste Ansatzpunkt für Verbesserungen. Das auf der Website der Arbeitsinspektion befindliche adaptierte "Verzeichnis der gefährlichen Arbeitsstoffe" soll ein erster Schritt zu einem verbesserten Mindeststandard sein (http://www.arbeitsinspektion.gv.at/AI/Arbeitsstoffe/Arbeitsstoffevaluierung/arbeitsstoffevaluierung010.htm).
Die Kampagne ließ weiters erkennen, dass Arbeitsplatzkonzentrationsmessungen nur in Einzelfällen durchgeführt werden. Somit gibt es in den Betrieben kaum einen auf Messdaten beruhenden Überblick über die vorhandenen Expositionen. Was die Verwendung von Isocyanaten (Farben, Lacken) betrifft, zeigte sich, dass nur in etwa der Hälfte der kleinen und in rund zwei Drittel der größeren Betriebe Spritzlackierarbeiten selbst durchgeführt werden. Als häufigstes Isocyanat ist Hexamethylendiisocyanat (HDI) in Verwendung. Werden Spritzlackierarbeiten in den Arbeitsstätten vorgenommen, sind überwiegend Spritzkabinen mit der erforderlichen technischen Ausstattung vorhanden. Wenig bekannt ist, dass Spritzkabinen wiederkehrend geprüft werden müssen. Häufig fehlten auch hier gezielte Arbeitsanweisungen (z. B. über Gesundheitsgefahren, richtige Aufbewahrung von PSA).

Mögliche weitere Schritte

Das Thema Arbeitsstoffe soll auch in Zukunft ein Schwerpunkt der Arbeitsinspektion bleiben. Aktualisierte Informationen zur Arbeitsstoffevaluierung finden Betriebe sowie betriebliche Akteure und Akteurinnen auf der Website der Arbeitsinspektion (http://www.arbeitsinspektion.gv.at/AI/Arbeitsstoffe/Arbeitsstoffevaluierung/default.htm).
Weiters plant die Arbeitsinspektion, den Kampagnen-Fragebogen in eine Checkliste umzuwandeln, mit der kleine Betriebe die bereits durchgeführte Arbeitsstoff­evaluierung selbst überprüfen oder die sie als Hilfestellung für die Erstevaluierung verwenden können. Diese Selbstcheckliste soll branchenunabhängig anzuwenden sein. Ziel ist es, schrittweise einen vergleichbaren, akzeptablen Mindeststandard bei Arbeitsstoffevaluierungen in kleinen Betrieben zu erreichen.

www.arbeitsinspektion.gv.at 

www.chemicalscampaign.eu 

Mag. Reinhild PÜRGY
BM für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
Sektion Arbeitsrecht und Zentral-Arbeitsinspektorat
Abteilung Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene
Stubenring 1, 1010 Wien,
Favoritenstraße 7, 1040 Wien
Tel.: +43 1 71100-2320
Fax.: +43 1 7189470-2594 
www.arbeitsinspektion.gv.at, www.bmask.gv.at 

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