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Sichere Arbeit

Vorbereitet auf Unfälle mit Gefahrstoffen

CHEMIE

Betriebsstörungen, Unfälle und Notfälle bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen sind zwar selten, können aber jederzeit auftreten. Darauf müssen Arbeitgeber gut vorbereitet sein.

Wie das Oberverwaltungsgericht Münster in einem Urteil ausführte, muss jederzeit mit dem Ausbruch eines Brandes gerechnet werden.[1] Übertragen auf Gefahrstoffe könnte das Urteil wie folgt lauten: "Es kommt hinzu, dass mit der unfallbedingten Freisetzung eines Gefahrstoffes praktisch jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Betrieben jahrzehntelang kein Gefahrstoff freigesetzt worden ist, beweist nicht, dass insofern keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen lediglich einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss." Jahr für Jahr weist die bundesdeutsche Arbeitsschutzstatistik mehrere tausend gemeldete Arbeitsunfälle mit Vergiftungen (2009 waren es ca. 3.000) aus [2], größere gesundheitliche Auswirkungen haben glücklicherweise nur weniger als fünf Prozent. Allein die Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen verzeichneten 2008 mehr als 16.000 Einsätze mit gefährlichen Stoffen und Gütern [3], auch das Transport-Unfallinformationssystem der chemischen Industrie (TUIS) weist bundesweit über 1.000 telefonische und über 200 Vor-Ort-Unterstützungen der örtlichen Feuerwehren aus [4]. Darüber hinaus gab es 16 Störfälle und neun Betriebsstörungen mit größeren Stofffreisetzungen  oder -reaktionen.[5]

Anforderungen im staatlichen Regelwerk

Verschiedene Rechtsvorschriften des bundesdeutschen Rechts stellen Anforderungen an den Arbeitgeber. Das Arbeitsschutzgesetz als übergeordnete Regelung verlangt, dass Arbeitgeber Maßnahmen zur Ersten Hilfe, Brandbekämpfung und Evakuierung treffen, die von der Art der Arbeitsstätte, den durchgeführten Tätigkeiten und der Anzahl der Beschäftigten abhängig sind. Die mit diesen Aufgaben beauftragten Beschäftigten sind zu benennen. Darüber hinaus gilt es eine Verbindung zu außerbetrieblichen Stellen zu schaffen (§ 10 ArbSchG [6]).
Nach der Gefahrstoffverordnung als spezifischem Regelwerk sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, Notfallmaßnahmen festzulegen, insbesondere Erste-Hilfe-Einrichtungen sowie Warn- und Kommunikationssysteme bereitzustellen, in regelmäßigen Abständen Sicherheitsübungen durchzuführen und die Notfalldienste vorab über spezifische Gefahren zu informieren. Bei Eintreten einer entsprechenden Situation muss der Arbeitgeber dann die festgelegten Maßnahmen ergreifen und im festzusetzenden Gefahrenbereich auch gegenüber dem "Normalbetrieb" erweiterte Schutzmaßnahmen bestimmen (§ 13 GefStoffV [7]). Einzelne Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) benennen die Notfallmaßnahmen explizit (siehe Tabelle S. 34). Die weitestgehenden auswirkungsbegrenzenden Maßnahmen werden in der deutschen Umsetzung der Seveso-Richtlinie, der Störfall-Verordnung, verlangt.  
Zu diesen gehören

  • bautechnische Maßnahmen,  wie etwa die ausreichende Standfestigkeit, der Schutz tragender Gebäudeteile gegen Brandeinwirkung, z. B. durch Dämmschichtanstriche oder feuerbeständige Bauweise, 
  • sicherheitstechnische Einrichtungen und Schutzvorkehrungen, wie z. B. Gaswarnanlagen, Auffangräume, Schutzmauern, Wasserberieselungsanlagen, Druckluftsperren, Schnellschlusseinrichtungen oder Sicherheitsabstände,
  • organisatorische Schutzvorkehrungen, wie z. B. betriebliche Feuerwehren und Rettungsdienste, Erste-Hilfe-Organisation, gekennzeichnete Flucht-, Rettungs- und Angriffswege, Kennzeichnung von Anlagenteilen, die gefährliche Stoffe enthalten,
  • Beratung der Gefahrenabwehrbehörden und Einsatzkräfte, insbesondere nach Störfalleintritt, über den Zustand der Anlagen, Art und Zeitpunkt einer möglichen Freisetzung, mögliche Explosionen, das vermutlich betroffene Gebiet, zu befürchtende Schäden oder Gesundheitsbeeinträchtigungen sowie zweckmäßige Gefahrenabwehrmaßnahmen.[8][9]

Wenn vom Betrieb eine besondere Gefahr ausgeht, bestehen aber auch unterhalb der Störfallverordnung Pflichten. Hier fordern in der Regel die Feuerschutzgesetze der Länder, dass bei einer vom Betrieb ausgehenden besonderen Gefahr personelle und sachliche Vorkehrungen getroffen und gegen Missbrauch geschützte Kommunikationseinrichtungen sowie betriebliche Gefahrenabwehrpläne geschaffen werden. Weiters hat eine Beteiligung an Übungen und Ausbildungsveranstaltungen stattzufinden (§ 24 FSHG NRW[10]).
Bei der Festlegung der innerbetrieblichen Maßnahmen sind die Vertretungen der Beschäftigten zu beteiligen. Insbesondere müssen sie auch bei erhöhten Expositionen gegenüber kmr-Stoffen informiert werden (§ 14 Abs. 4 Nr. 2 GefStoffV [7]).

Vorgehensweise bei der betrieblichen Festlegung von Einzelmaßnahmen

Ausgehend von den über das Gefahrstoffverzeichnis recherchierbaren Sicherheitsdatenblättern erhält der Arbeitgeber folgende stoffbezogene Informationen:[11]

  • Erste-Hilfe-Maßnahmen (Abschnitt 4 des Sicherheitsdatenblattes)
    • Beschreibung der Erste-Hilfe-Maßnahmen
    • wichtigste akute oder verzögert auftretende Symptome und Wirkungen
    • Hinweise auf ärztliche Soforthilfe oder Spezialbehandlungen
  • Maßnahmen zur Brandbekämpfung (Abschnitt 5 des Sicherheitsdatenblatts)
    • Löschmittel
    • besondere vom Stoff oder Gemisch ausgehende Gefahren
    • Hinweise für die Brandbekämpfung
  • Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung (Abschnitt 6 des Sicherheitsdatenblatts)
    • personenbezogene Vorsichtsmaßnahmen, Schutzausrüstungen oder in Notfällen anzuwendende Verfahren
    • Umweltschutzmaßnahmen
    • Methoden und Material für die Rückhaltung und Reinigung

Diese Informationen muss er betriebsspezifisch in die jeweiligen Betriebsanweisungen [12] überführen. Unter "Verhalten im Gefahrfall" sind insbesondere jene Maßnahmen anzugeben, die Beschäftigte und Rettungsmannschaften im Gefahrfall, bei Betriebsstörungen, Unfällen und Notfällen (z. B. ungewöhnlichem Druck- und Temperaturanstieg, Leckage, Brand, Explosion) zu ergreifen haben. Dazu gehören die Angabe von geeigneten und ungeeigneten Löschmitteln, Aufsaug- und Bindemitteln, Neutralisationsmitteln, weiters zusätzliche technische Schutzmaßnahmen wie Not-Aus und zusätzliche persönliche Schutzausrüstungen sowie Maßnahmen gegen Umweltgefährdungen.
Unter der Überschrift "Erste Hilfe" gilt es - untergliedert nach dem Aufnahmepfad (Einatmen, Haut- und Augenkontakt, Verschlucken sowie bei Verbrennungen und Erfrierungen) - die Maßnahmen anzugeben. Zu unterlassende Maßnahmen sind ebenso zu benennen wie Kriterien für die Heranziehung eines Arztes. Des Weiteren muss die Angabe innerbetrieblicher Besonderheiten wie Erste-Hilfe-Einrichtungen, Ersthelfer, Notrufnummern und besonderer Erste-Hilfe-Maßnahmen (z. B. Gegengifte aus GUV-I 8504 [13]) erfolgen. Standard sollte die Einschaltung des Betriebsarztes sein.
Pläne

Im Einsatzfall ist es wichtig, schnell auf übersichtlich dargestellte Informationen zurückgreifen zu können - insbesondere eigene bildliche Darstellungen ermöglichen, die Informationen schnell zu erfassen.
Standard dürfte die Brandschutzordnung nach DIN 14096 darstellten, die in Teil A als Aushang kurze Anweisungen für den Brandfall gibt. Ob im Einzelfall eine Ergänzung durch Teil B für Personen ohne besondere Brandschutzaufgaben oder auch durch Teil C für Personen mit besonderen Brandschutzaufgaben erforderlich ist, muss sich aus den betrieblichen Umständen ergeben. Flucht- und Rettungspläne nach ASR A2.3 sind aus Gefahrstoffsicht nur dann erforderlich, wenn Räume mit erhöhter Gefährdung existieren, z. B. weil eine besondere Brandgefährdung besteht oder Gefahrstoffe schnell freigesetzt werden können.
Die Notwendigkeit eines Feuerwehrplanes nach DIN 14095 ergibt sich z. B. bei der Lagerung von größeren Mengen an Gefahrstoffen oder in Betrieben der Gefahrengruppen IIC und IIIC. Er enthält neben der zeichnerischen Darstellung der Gefahrenbereiche auch Festlegungen zur Anwesenheit von Fachkundigen und Hinweise auf besondere Hilfseinrichtungen (z. B. auch spezialisierte Betriebe und medizinische Einrichtungen). Ob darüber hinaus ein Einsatzplan mit Maßnahmen der Feuerwehr erstellt werden muss, ist von den Anforderungen der zuständigen Feuerwehr abhängig.
Oftmals wird ein Alarmplan mit Angaben über die Erreichbarkeit relevanter Personen gefordert; er ist auf jeden Fall Bestandteil des umfangreichen Internen/Betrieblichen Alarm- und Gefahrenabwehrplanes, wie er im Störfallrecht (§ 10 StörfallV [8]) verlangt wird. Insbesondere bei Störfallanlagen findet dieser durch einen Externen Alarm- und Gefahrenabwehrplan (Externer Notfallplan/Sonderschutzplan) der zuständigen Behörden Ergänzung, der die Maßnahmen der öffentlichen Hand vor allem außerhalb des Betriebes  beschreibt.[9]
Damit die Behörden in der Lage sind, die notwendigen Planungen durchzuführen, ist der jeweilige Arbeitgeber dazu verpflichtet, vorab den entsprechenden Notfalldiensten  Mitteilung über einschlägige Gefahren und Maßnahmen zur Abwehr zu erstatten (§ 13 Abs. 5 GefStoffV [7]).
Die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr müssen aber auch geübt werden. Unabhängig von der besonderen Gefährdung durch Gefahrstoffe gehören Räumungsübungen zum Mindeststandard.
Darüber hinaus sollte das Üben einzelner Situationen - wie z. B. des Rettens von Personen aus Behältern oder des Abdichtens von Lecks - bei Vorliegen von besonderen Gefährdungen durch Gefahrstoffe üblich sein. Im Bereich der Störfallbetriebe ist das Üben des komplexen Zusammenspiels aller Beteiligten auch im größeren Rahmen der Regelfall.

Innerbetriebliche Planungen

Mögliche unerwartete, nicht immer planbare Störungen im betrieblichen Ablauf erfordern bei der Gefährdungsbeurteilung besondere Berücksichtigung. Da nicht alle notwendigen Tätigkeiten im Detail beurteilt werden können, sind bei der Festlegung der Maßnahmen besondere Prinzipien zu beachten:
So dürfen Aufgaben nicht an bestimmte Personen gebunden werden, sondern sind vielmehr an Funktionen - wie Schichtleiter oder Pförtner, deren Besetzung auch im Abwesenheitsfall geregelt ist - festzumachen. Für notwendige Abwehrmaßnahmen gilt es in der Regel Teams aus zwei Personen vorzusehen, da es sich um gefahrgeneigte Tätigkeiten handelt. Die Abläufe sollten möglichst einfach und, soweit es geht, als Bausteine festgelegt sein. Sie sollten nicht den Routineabläufen im Alltag widersprechen. Weiters ist die Kommunikation für Krisenfälle vorzubereiten.

Einschränkung der unternehmerischen Freiheit

Wenn durch die Freisetzung von Gefahrstoffen eine Gefährdung entsteht, können die Entscheidungsmöglichkeiten des Arbeitgebers eingeschränkt sein. So besteht beispielsweise die Pflicht, Ereignisse zu melden.
Wird eine Person ernsthaft in ihrer Gesundheit geschädigt, ist eine Anzeige nach § 18 der Gefahrstoffverordnung [7] gefordert, diese kann auch zusammen mit der Unfallanzeige an den Unfallversicherungsträger nach Sozialgesetzbuch VII [14] erfolgen.
Angezeigt werden müssen weiters Störfälle entsprechend des Kriterienkataloges in der Störfall-Verordnung
(§ 19 StörfallV[8]).
Darüber hinaus können sich aber auch Anzeigepflichten aus lokalen Vorschriften ergeben. Nach dem Feuerschutz- und Hilfeleistungsgesetz NRW müssen z. B. alle bemerkten Schadenfeuer und Unglücksfälle unverzüglich der Feuerwehr oder Polizei gemeldet werden. Lediglich bei jenen Fällen, in denen die Gefahr selbst beseitigt werden kann, besteht keine Meldepflicht (§ 35 FSHG NRW [10]).
Bei einem Feuerwehreinsatz liegt je nach Landesrecht die Leitung der Abwehrmaßnahmen beim Feuerwehreinsatzleiter. Seine Eingriffskompetenzen erlauben ihm, den Arbeitsplatz zur Erforschung einer Gefahr zu betreten, die Duldung seiner Maßnahmen zu fordern, Personen oder Hilfsmittel bzw. Fahrzeuge heranzuziehen, störende Gegenstände zu beseitigen und Platzverweise zu erteilen (Abschnitt VII FSHG NRW [10]).

Einsatztaktik der Feuerwehr

Die fachlichen Vorgaben erhält der Einsatzleiter der Feuerwehr aus der Feuerwehr-Dienstvorschrift "Einheiten im ABC-Einsatz" (FwDV 500) [15]. Sie ist zwar für die innerbetrieblichen Maßnahmen nicht verbindlich, ihre Kenntnis vereinfacht aber die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr.
In Übereinstimmung mit der Gefahrstoffverordnung (§ 13 Abs. 3 GefStoff V [7]) wird die Festlegung eines Gefahrenbereichs (Abbildung links) gefordert. Dieser umfasst die Gefahrenstelle selbst, an der ein Stoff sichtbar, riechbar oder messbar ist, sowie einen zusätzlichen Sicherheitsabstand von in der Regel 50 Metern, der im Einzelfall bei bekannten Gefahren verkürzt oder erweitert werden kann. Dieser Gefahrenbereich darf nur mit der festgelegten Schutzausrüstung und einem Einsatzauftrag betreten und über eine Dekontaminationsstelle verlassen werden. Um den Gefahrenbereich herum bietet ein Absperrbereich der Feuerwehr Aufstellfläche für die Fahrzeuge und eine Arbeitsfläche.
Da die Bestimmung der Arbeitsplatzgrenzwerte der Gefahrstoffverordnung für eine lebenslange Belastung erfolgte, wird im Feuerwehreinsatz auch der sogenannte Einsatztoleranzwert (ETW) herangezogen. Er wurde so festgesetzt, dass unterhalb dieses Wertes die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Einsatzkräften ohne Atemschutz bei etwa vierstündiger Exposition während eines Einsatzes und in der Folgezeit nicht beeinträchtigt werden. [16]
Einsatztoleranzwerte existieren aber nur für 87 relevante Chemikalien. Beim Fehlen eines Einsatztoleranzwertes greift man auch auf den Störfall-Konzentrationsleitwert oder amerikanischen AEGL-2-Wert (acute exposure guideline level) [17] zurück - darunter darf es nicht zu schwerwiegenden, lang andauernden oder fluchtbehindernden Wirkungen kommen. Die AEGL-2-Werte sind teilweise als Einsatztoleranzwerte herangezogen worden.
Kommt es zur Freisetzung eines Gefahrstoffes in einem Gebäude, dann ist dessen Räumung vorgesehen, da die Gefährdung im Inneren höher ist als im Freien. Umgekehrt strebt man bei einer Gefahrstofffreisetzung im Freien das Verbleiben von Personen in Gebäuden an, da diese nicht durch die Gefahrstoffwolke geführt werden sollen [15].

Gefahrengruppen

Um Maßnahmen abgestuft planen zu können, teilen die Feuerwehren Betriebe in die Gefahrengruppen I bis III ein, ergänzt um ein C für chemische Gefährdungen. In die Gefahrengruppe IC fallen Betriebe mit Haushaltschemikalien in Mengen von weniger als einer Tonne sowie Chemikalien der Beförderungskategorien 3 und 4 beziehungsweise der Verpackungsgruppe III nach ADR/RID/GGVSE.
Zur Gefahrengruppe IIC werden Gefahrstoffe in Mengen über einer Tonne gerechnet, ebenso Chemikalien der Beförderungskategorie 2 oder Verpackungsgruppe II nach ADR/RID/GGVSE sowie Industriechemikalien in laborüblichen Mengen. Speditionslager mit Misch-lagerung verschiedener gefährlicher Stoffe, Schwimmbäder mit Chlorungsanlage und Kühlanlagen mit Ammoniak werden ebenfalls dieser Gefahrengruppe zugeordnet. Bei Transportunfällen sollen die Maßnahmen dieser Gruppe analog angewendet werden.
Der Gefahrengruppe IIIC werden sehr große Mengen gefährlicher Chemikalien (z. B. Chemikalien- oder Pflanzenschutzmittelläger) und Bereiche mit Sprengstoff zugerechnet. Güter der Beförderungskategorie bzw. mit Verpackungen der Gruppe I sind ebenfalls hier einzuordnen. Darüber hinaus gehören Störfallanlagen mit erweiterten Pflichten und militärische Anlagen mit Munition oder Kampfstoffen zur Gefahrengruppe IIIC. Terroristischen Anschlägen soll ebenfalls unter Berücksichtigung der Vorgaben für diese Gruppe begegnet werden. In der Gefahrengruppe I können die Einsatzkräfte in der Regel ohne Sonderausrüstung vorgehen, allerdings wird Atemschutz empfohlen. Es sind die allgemeinen Schutzmaßnahmen zu treffen.In der Gefahrengruppe IIC ist eine Sonderausrüstung erforderlich, die durch eine besondere Überwachung und anschließende Dekontamination ergänzt wird.
Darüber hinaus ist ab der Gefahrengruppe IIIC die Anwesenheit einer fachkundigen Person erforderlich, z. B. des Betriebsleiters, des Laborleiters, der Sicherheitsfachkraft oder des Gefahrgutbeauftragten. Bei Störfallbetrieben ist der Störfallbeauftragte, bei Militärbereichen ein fachkundiger Militärangehöriger oder eine andere, jeweils im Einzelfall benannte Person vorgesehen. In diesen beiden Fällen muss die fachkundige Person auch während einer Menschenrettung anwesend sein, während in den normalen Bereichen der Gefahrengruppe IIIC im Sonderfall der Menschenrettung auch vorübergehend auf die Anwesenheit der fachkundigen Person verzichtet werden kann.

QUELLEN

BEGRIFFSGLOSSAR

Betriebsstörung

  1. Durch äußere Einwirkung eintretende Unterbrechung des regelmäßigen Betriebsablaufs. (www.wikipedia.de)
  2. Sicherheitstechnisch bedeutsame Abweichung vom bestimmungsgemäßen Betrieb. Bei EMSR-Einrichtungen z. B. eine sicherheitsrelevante Prozessgröße, die den Grenzwert in Richtung des unzulässigen Bereiches überschreitet. (ehemals TRGS 300)

(Arbeits-)Unfall
Zeitlich begrenztes, von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis, dass zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod eines Beschäftigten führen kann. (§ 8 SGB VII [14])

Notfall
Fälle mit lebensbedrohlicher Störung. (www.wikipedia.de)

Unglücksfall
Mit einer gewissen Plötzlichkeit eintretendes Ereignis, durch das eine erhebliche Gefahr droht. Auch der Schutz der Umwelt wird davon erfasst. (§ 2 FSHG NRW [10])

Störfall
Ereignis größeren Ausmaßes, wie z. B. eine Emission, ein Brand oder eine Explosion, das zu einer ernsten Gefahr führt und bei dem gefährliche Stoffe beteiligt sind. (§ 2 StörfallV [8], dort auch Kriterien für Mindestauswirkungen)

(Der Artikel basiert auf einem Vortrag, der bei den 26. Münchner Gefahrstoff-Tagen im November 2010 gehalten wurde.)

Dr. Torsten Wolf
Leiter der Gruppe
"Gefahrstoffmanagement"
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Friedrich-Henkel-Weg 1-25
44149 Dortmund
www.baua.de 

Zusammenfassung

Betriebsstörungen, Unfälle und Notfälle bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen sind zwar im einzelnen Betrieb selten, treten gesamt gesehen aber immer wieder auf. Das Arbeitsschutzregelwerk fordert daher von Arbeitgebern vorbereitende Maßnahmen; außerdem ist das Personal entsprechend zu schulen. Dabei gilt es die Besonderheiten dieser seltenen Situationen zu berücksichtigen: Die in diesen Fällen eingesetzten Externen - wie z. B. die Feuerwehr - arbeiten nach eigenen Gesetzmäßigkeiten. Die Kenntnis derselben hat eine wirkungsvollere Zusammenarbeit zur Folge. Präventive Festlegungen ermöglichen im Falle des Falles effektiveres Handeln.

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