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Sichere Arbeit

Schneiden tut weh

PRÄVENTION

Meist ist es fehlerhaftes menschliches Verhalten, das zu Verletzungen beim Umgang mit scharfkantigem Material führt. Bei der voestalpine Stahl GmbH hat man deshalb eine Schnittschutzkampagne gestartet, um das Bewusstsein der Belegschaft für Schnitt- und Stichverletzungen zu schärfen.

Der Unternehmensbereich Kaltband/Veredelung der voestalpine Stahl GmbH umfasst Kaltwalz-, Glüh-, Verzinkungs-, Beschichtungs- und Adjustageanlagen und erzeugt qualitativ hochwertige, kaltgewalzte, verzinkte und organisch beschichtete Stahl-Flachprodukte. Zu den Kunden zählen Automobil-, Hausgeräte- und Bauindustrie sowie Verarbeitungsindustrie (SSC, Profilierer, Rohrhersteller etc.). Das Hantieren mit scharfkantigen Produkten (Bandkanten, Probenabschnitten etc.) ist mit einer erheblichen Verletzungsgefahr verbunden, und tatsächlich kommt es immer wieder zu Schnittverletzungen und in der Folge zu längeren Krankenständen.
Deshalb hat der Bereich Kaltband/Veredelung vergangenen November eine "Schnittschutzkampagne" gestartet. Das Ziel liegt auf der Hand: Es gilt, das Bewusstsein der Mitarbeiter für das Thema "Schnitt- und Stichverletzungen" entscheidend zu schärfen. Viele Mitarbeiter gehen sehr routiniert an ihre Arbeit heran. Wer aber glaubt, dass jahrelange Erfahrung vor Verletzungen schützt, der hat sich mitunter schon böse geschnitten - auch und vor allem im Bereich Kaltband/Veredelung, wo scharfkantige Bleche zum Arbeitsalltag gehören. "Schnitt- und Stichverletzungen sind die häufigste Unfallart bei unseren Mitarbeitern, da wollten wir ansetzen", so Rudolf Lechner (TKI QSU-Management).

Der Faktor Mensch

Auch und vor allem im Bereich Adjustage/Verpackung sind die Mitarbeiter gefährdet - da sind nämlich nicht nur die Bleche scharfkantig, sondern auch die Verpackungsmaterialien. Deshalb hat Rudolf Lechner die Kampagne gemeinsam mit Walter Schiefermüller (TKF Adjustage/Verpackung) und Peter Haidinger (TIS Arbeitssicherheit) in enger Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen Input initiiert. "Wir liegen ja im internationalen Vergleich sehr gut, was die Unfallzahlen betrifft. Aber wir wollen noch besser werden. Technisch und von der Schutzkleidung her sind wir top. Jetzt geht es um den Faktor Mensch", erklärt Peter Haidinger, und Walter Schiefermüller ergänzt: "Der Großteil der Unfälle beruht auf fehlerhaftem menschlichen Verhalten - und genau da wollten wir ansetzen." "Wir wollten den Mitarbeitern bewusst machen, was irreversible Verletzungen wirklich bedeuten, wie man zum Beispiel ohne Daumen eine Schere benutzt", erzählt Rudolf Lechner.

Interaktive Kampagne

Die Schnittschutzkampagne unter dem Motto "RESPEKTvoll" - konzipiert vom Unternehmen Input in Dortmund - kam nicht belehrend oder moralisch daher: Mit Impulsvortrag und zehn interaktiven Stationen wurden zuerst alle Führungskräfte und dann alle Mitarbeiter für Schnitt- und Stichverletzungen, aber auch für Einzugsgefahr und Hautschutz sensibilisiert. Zehn Tage lang stand ihnen der Parcours im Betrieb offen. Auch die MitarbeiterInnen der Europlatinen GmbH, die täglich mit ebenso scharfen Kanten zu tun haben, nahmen an dieser eineinhalbstündigen Schulung teil. In Summe erreichten die Maßnahmen 1.300 Mitarbeiter - eine logistische Meisterleistung von Organisatorin Annette Langthaller (TKI QSU-Management).

Hohe Akzeptanz

Die ersten Reaktionen der Mitarbeiter waren durchwegs positiv. Und auch außerhalb der voestalpine hat die Schnittschutzkampagne für reges Interesse gesorgt: Der zuständige Arbeitsinspektor hat den Parcours besucht, und auch GM Aspern hat eine Abordnung geschickt. "Damit sind wir österreichweit Vorreiter, das gibt es in dieser Form woanders noch nicht", freut sich Walter Schiefermüller.

"RESPEKTvoll"

Der Bewegungsablauf, der zu einer winzigen Schnittwunde führt, ist der gleiche wie der, der einen Muskel oder eine Sehne durchtrennt. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein schwerer Schaden eintritt, in der Wahrnehmung der Mitarbeiter eher gering, das Risiko wird unterschätzt.
Der empfundene Respekt steuert die Aufmerksamkeit und die Konzentration. Geht aber der Respekt verloren, steigt die Wahrscheinlichkeit eines schlimmeren Schnittunfalls. Scharfe Kanten und Gegenstände sind im Arbeitsalltag allgegenwärtig. Ein stumpfes Messer kann gefährlicher sein als ein scharfer Gegenstand. Nicht das Anfassen als solches, sondern das Abgleiten entlang einer scharfen Kante führt zu einer Schnittwunde. Es ist daher wichtig, kritische Situationen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Gelingt eine Beteiligung der Mitarbeiter bei der Suche nach Schnittgefahren, sind eine frühzeitige Risikoerkennung und eine Bewältigung schon fast integriert.
"Ich kann mit den Schutzhandschuhen nicht arbeiten, Schutzhandschuhe behindern beim Arbeiten", sind häufige Aussagen und Ausreden. Das Training, auch feingliedrige Arbeiten mit Schutzhandschuhen auszuführen, erfordert ein wenig Geduld. Die Akzeptanz von Handschuhen, auch schnittfesten Handschuhen, steigt aber mit der Anzahl positiver Anwendungen.
Der Parcours besteht aus mehreren Stationen. Dazu gehören beispielsweise:
Experimente zur Risikoeinschätzung und zur Risikobereitschaft
Bewusstseinsbildung: Was können "gesunde" Hände, und wie lebt man mit Handicap (z. B. fehlender Daumen, nur eine Hand, heißes Rohr)?
Bewältigungsstrategien: Wie geht man mit dem Risiko um (z. B. verfügbare Handschuhtypen, Einzugssimulator, Hautschutz, Krabbelschlauch, Gefahrenthermometer)?
In einer NACH-Phase werden jene notwendigen organisatorischen Maßnahmen gezeigt, die eine möglichst hohe Nachhaltigkeit der Kampagne bewirken - Sicherheitsviertelstunde, Plakate, Video etc. - bzw. sicherstellen sollen, dass es hinsichtlich der Gefahr von Schnitt- und Stichverletzungen eine ständige Verbesserung gibt (z.B. Gefahren-BINGO).

Annette Langthaller
QSU-Management
Unternehmensbereich Kaltband/Veredelung
voestalpine Stahl GmbH
voestalpine-Straße 3, 4020 Linz
Tel.: +43 503 04 15-4326

Annette.Langthaller@voestalpine.com
www.voestalpine.com

Zusammenfassung

Der Bewegungsablauf, der zu einer winzigen Schnittwunde führt, ist der gleiche wie jener, mit dem ein Muskel oder eine Sehne durchtrennt wird. Daher gilt es insbesondere bei MitarbeiterInnen, die mit scharfkantigen Materialien in Produktion und Verpackung zu tun haben, das Bewusstsein für die Gefahren von Schnitt- und Stichverletzungen zu schärfen. Bei der voestalpine Stahl GmbH hat man eine Schnittschutzkampagne gestartet, um die Belegschaft zu sensibilisieren und die Zahl der Unfälle zu verringern.

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