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Sichere Arbeit

Am Beispiel Vöslauer: "Sicherheit und Gesundheit können nur gemeinsam funktionieren"

PARTNERSCHAFT FÜR PRÄVENTION

Sicherheit und Gesundheit sind unverzichtbare Säulen der Vöslauer Mineralwasser AG. Deshalb hat sich die Geschäftsführung im Jahr 2010 für die Einführung eines Sicherheits- und Gesundheitsmanagement-Systems entschieden (siehe auch Sichere Arbeit, Ausgabe 2 2012, Seite 30). Ein Team von rund 20 Mitarbeitern arbeitet ständig mit dem SGM und bezieht alle Mitarbeiter einerseits und die Geschäftsführung andererseits ein. Vöslauer ist damit ein erfolgreiches Beispiel für eine gelebte "Partnerschaft für Prävention".

Welchen Stellenwert haben „Sicherheit und Gesundheit“ in Ihrem Unternehmen? Und seit wann?

Herbert Schlossnikl: Sicherheit und Gesundheit haben in unserem Unternehmen einen sehr hohen Stellenwert. Das war nicht immer so, weil wir uns ursprünglich auf Qualität, auf Hygiene, auf Effizienz und derartige Themen konzentriert und die Bereiche Sicherheit und Gesundheit in den Anfängen möglicherweise etwas vernachlässigt haben. Das hat sich aber mit Einführung des Managementsystems für Sicherheit und Gesundheit (SGM) ganz stark geändert. So zeigt zum Beispiel die Unfallstatistik, dass hier wirklich viel verbessert wurde.

Abgesehen von der niedrigen Zahl an Arbeitsunfällen – wie drückt sich dieser Stellenwert außerdem aus?
In vielen Bereichen. Um bei den Unfällen zu bleiben: Auch im Bereich der Beinaheunfälle sieht man, dass die Mitarbeiter mittlerweile sehr sensibel geworden sind, hier über das Ideenmanagement vieles einbringen und Zivilcourage beweisen. Dadurch sind wir im Bereich der Prävention viele Schritte weitergekommen. Ein Beispiel ist das richtige Heben und Tragen: Die Belastung geht stark auf die Wirbelsäule, auf den Bewegungsapparat. Hier war es uns wichtig, einen Ausgleich anzubieten – sowohl körperlich als auch für den Geist.

Warum und wann haben Sie sich für ein SGM entschieden?
Das Motiv für die Einführung des Managementsystems war, dass „Sicherheit“ bei uns etwas hintennach gehinkt ist. Wir haben im Bereich „Qualität“ mit der Zertifizierung nach ISO 9001 oder International Food Standards gesehen, dass durch ein Managementsystem Impulse gebracht worden sind und wir eine Weiterentwicklung gehabt haben. Wir haben uns gedacht, wenn man auch im Bereich Sicherheit und Gesundheit mit einem Managementsystem arbeitet, gewinnen diese an Bedeutung. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Struktur, die das Managementsystem beinhaltet, wichtig war – ebenso wichtig wie der Ansporn, sich hier in einem Zeitplan bestimmte Ziele zu setzen und diese umzusetzen.

Wie haben Ihre MitarbeiterInnen auf die Einführung des SGM reagiert? Gab es Feedback?
Ich habe vereinzelt Feedback bekommen. Einerseits in Meetings, wo wir mit den Sicherheitsvertrauenspersonen (SVP) zusammensitzen, aber auch in Gesprächen, in denen Mitarbeiter mich konkret darauf angeredet haben: dass sie die Neuerungen gut finden; dass sie nicht gedacht hätten, dass Vöslauer dem Thema Sicherheit so eine Priorität widmet. Es ist mit der Zeit herausgekommen, dass Vöslauer als sozialer und fürsorglicher gesehen und eingestuft wird.

Ab wann und wie wurden Ihre MitarbeiterInnen miteinbezogen? Und welche Personen haben hier eine tragende Rolle gespielt?
Von Anfang an. Die Mitarbeiter waren durch die Sicherheitsvertrauenspersonen integriert, natürlich war der Betriebsrat miteinbezogen, und die Projektleitung lag bei unserer Sicherheitsfachkraft, Walter Goisser. Dadurch, dass das alles für uns Neuland war, haben wir von der AUVA Beratung in Anspruch genommen und alles gemeinsam erarbeitet – Schritt für Schritt: von der detaillierten Arbeitsanweisung bis hin zum Firmenleitbild.

In Ihrem Firmenleitbild wird die Zivilcourage Ihrer Mitarbeiter explizit als erwünscht angeführt …
Ja, denn Zivilcourage ist uns sehr wichtig. Ich habe auch schon Jahre bei Vöslauer erlebt, in denen die Mitarbeiter einfach nicht die Initiative ergriffen oder nicht diese Zivilcourage an den Tag gelegt haben. Um ein Beispiel zu nennen: Wir hatten Monteure im Haus, die im Dachbereich gearbeitet haben und nicht entsprechend gesichert waren. Die anderen haben das zwar gesehen, aber sie haben nichts dagegen unternommen. Und genau dieser Schritt – etwas zu sehen, hinzugehen und zu sagen, dass da was nicht stimmt, also die Initiative zu ergreifen –, das ist ein ganz wichtiger Punkt! Vor allem hier hat uns das Managementsystem  weitergebracht. Durch die Zertifizierung haben unsere Mitarbeiter gesehen, dass uns Sicherheit und Gesundheit wirklich ein Anliegen sind, und sie fallen, wenn sie sich hier einbringen, nicht unangenehm auf, sondern es ist erwünscht und wichtig, und sie bekommen Unterstützung.

Stichwort Präventionsarbeit: Sehen Sie sich als Partner? Als Financier? Als Impulsgeber?
Ich als Geschäftsführer habe viele unterschiedliche Funktionen: natürlich jene Funktion, die die finanziellen Belange betrifft; natürlich Impulsgeber. Aber ich sehe mich auch ganz stark als Partner. Mir gefällt das Miteinander. Wir haben hier keinen sonderlich autoritären Stil, wo der eine Weisungen gibt, und die anderen haben sie dann umzusetzen. Wir versuchen schon sehr stark, gemeinsam zu gestalten.

Glauben Sie, dass Prävention nur dann möglich ist, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Partnerschaft eingehen?
Ja, das glaube ich auf jeden Fall, dass das nur gemeinsam funktionieren kann. Ich denke, den wirklichen Erfolg in diesem Bereich, so wie ich ihn bei uns im Haus erlebt habe, kann man nur erreichen, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht. 

Machen Ihre MitarbeiterInnen konkrete Verbesserungsvorschläge, wenn es um ihre Sicherheit und Gesundheit im Betrieb geht?
Die Ideen und Vorschläge kommen direkt von den Mitarbeitern via Intranet. Wir haben ein Ideen-Management eingeführt, das ursprünglich für eine ganz breite Themenpalette angedacht war – von Innovationen auf dem Markt, wenn hier jemand gute Ideen hat, bis hin zu Sicherheit, Gesundheit oder Hygiene. Mittlerweile ist es so, dass wir 90 Prozent der Vorschläge, die von dort in Bezug auf den Bereich Sicherheit kommen, umsetzen.

Wie schnell werden bei Ihnen Vorschläge und Ideen umgesetzt?
Das ist natürlich unterschiedlich. Vorschläge mit hohem Risikopotenzial werden sofort umgesetzt, aber das ist nicht bei allen Verbesserungsvorschlägen möglich.

Haben Sie den Eindruck, dass sich das Arbeitsklima seit Einführung des Sicherheits- und Gesundheitsmanagements verbessert hat?
Den Eindruck habe ich! Die soziale Komponente habe ich ja schon angesprochen. Die Mitarbeiter haben mittlerweile gesehen, dass uns ihre Gesundheit wirklich etwas wert ist. Einerseits in dem Sinn, dass wir für das Unternehmen Mitarbeiter wollen, die leistungsfähig sind, aber dass wir auf der anderen Seite auch den Zusatznutzen für jeden Einzelnen haben wollen.

Hat sich auch für Sie als Geschäftsführer das Arbeitsklima verbessert?
Ja. Die Mitarbeiter sind irgendwie zugänglicher geworden, sie trauen sich mehr zu fragen, etwas zu sagen. Die Interaktion ist stärker geworden, weil eine Distanz überwunden wurde. Das ist mir angenehm! Es ist schön und es macht mich stolz, dass Vertrauen da ist!

Ab wann wurden die MitarbeiterInnen bei Einführung des SGM miteinbezogen?

Ernst Redlingshofer: Unsere Mitarbeiter wurden gleich zu Beginn der Umsetzung des Sicherheits- und Gesundheitsmanagements 2010 einbezogen. Der erste Schritt war zum Beispiel das verpflichtende Tragen von Sicherheitsschuhen.

Wie war Ihre Rolle als Betriebsrat in diesem Prozess? 
Wir Betriebsräte für Arbeiter und Angestellte waren bei allen Besprechungen dabei und haben gemeinsam mit der Betriebsleitung für eine rasche und reibungslose Umsetzung der geplanten Maßnahmen gesorgt. Wir haben von Beginn an mit Vorschlägen und Ideen mitgearbeitet; der rote Sicherheitsweg vom Parkplatz zum Büro, die Überdachung bei der Drehtüre, die Betonabgrenzung am Weg zum Personalparkplatz etwa waren nur einige Beiträge dazu. Weiters gab es Vorschläge meinerseits für ein Bistro, für drei Defibrillatoren und eine Geschwindigkeitsmessanlage für die Lkw auf unserem Gelände.

Was hat sich seither Ihrer Meinung nach verbessert?
Vieles in vielen Bereichen. Es gab oft positive Rückmeldungen unserer Mitarbeiter an uns Betriebsräte über die Neuerungen. So wurde das Dach am Drehkreuz bei der Eingangstüre gut angenommen, weil die Damen nicht mehr nass wurden – oder die Ausweitung der Mitarbeiterparkplätze; der Portier hat eine Sonnenblende bekommen, und es wurde das Angebot einer Jause im Bistro geschaffen – um nur einige zu nennen. 

Bemerken auch Ihre KollegInnen die Verbesserungen?
Ja, sicher! Aktivitäten wie das Fitnessprogramm, das Walken, Pilates und Radfahren werden durch eine rege Teilnahme der Mitarbeiter unterstützt. Aber auch andere Ideen wie Pflanzen in den Büros oder kostenlose NÖM-Milchprodukte für die Mitarbeiter werden gerne angenommen. Ich werde sofort angerufen, wenn eine Lieferung mal ausbleibt … (lacht)

Wie reagieren die Mitarbeiter auf die Anwendung des SGM?
Meiner Beobachtung nach sehen viele Mitarbeiter das Bemühen der Geschäftsleitung und der Betriebsräte als Beitrag zur Verbesserung des Betriebsklimas an. Es gibt übrigens auch einen betrieblichen Sozialfond, durch den Mitarbeiter, die in Not geraten sind, unterstützt werden können.

Haben Sie den Eindruck, dass das Unternehmen Vöslauer seit Einführung des SGM sozialer geworden ist?
Ich sehe das auf jeden Fall so!

Wie werden Verbesserungsvorschläge eingebracht?
Wir Betriebsräte besprechen die Anliegen beim Betriebsrats-Jour-fixe oder beim SGM-Meeting.

Wie geht Ihrer Meinung nach die Unternehmensführung mit den Vorschlägen  um?
Die Vorschläge werden besprochen und nach Möglichkeit umgesetzt. Wir haben zum Beispiel jetzt angeregt, fünf Fahrräder zu kaufen, damit die Leute vom Labor schneller ins Büro kommen, das sich im Hauptgebäude befindet. Dieser Vorschlag wurde sofort umgesetzt und erledigt.

Werden Sie als Betriebsrat über neue Sicherheits- und Gesundheitsmaßnahmen informiert?
Alle Fragen werden mit uns Betriebsräten vor der Umsetzung besprochen bzw. wird unsere Meinung eingeholt.

Und wie erfahren Ihre KollegInnen davon?
Die Veränderungen werden per E-Mail und Intranet allen Mitarbeitern mitgeteilt. Wir planen gerade, wichtige Informationen für unsere anderssprachigen Mitarbeiter in ihre Muttersprache übersetzen zu lassen.

Haben Sie den Eindruck, dass die Bemühungen im Bereich der Prävention das Arbeitsklima in Ihrem Betrieb verbessert haben?
Ja, ich glaube schon. Denn es ist zu sehen, dass unser Mitarbeiter wohlüberlegter handeln; dass zum Beispiel die Schutzwege eingehalten werden, die Fahrgeschwindigkeit der Lkw und Stapler angepasst wird.
 
Sehen Sie noch weitere Entwicklungsbereiche, Verbesserungsmöglichkeiten in Ihrem Betrieb?
Ja. Für mich gibt es hier noch viel Potenzial, weil wir derzeit von manchen Mitarbeitern noch keine Meinung hören. Es liegt auch an uns Betriebsräten, die Mitarbeiter zu motivieren, ihre Ideen frei zu äußern. Es sollte das Vertrauen herrschen, dass jeder Vorschlag behandelt und – wenn möglich – gelöst wird.

Die Interviews führten Magdalena Guilarte und Karin Bischof

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