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Sichere Arbeit

Personenbezogene Schadstoffermittlung bei Epoxidharzen in der Bauwirtschaft

SICHERHEIT AM BAU

Im Rahmen verschiedener Anwendungen werden Epoxidharze heute in der Bauwirtschaft eingesetzt. Eine aktuelle Studie der AUVA untersuchte, welche Gefahren für die Atemwege beim Hantieren mit diesen Produkten bestehen.

Epoxidharze erfüllen in der Bauwirtschaft zahlreiche Aufgaben. Neben Beschichtungen für Industriefußböden, Estrichsysteme, Grundierungen und Abdichtungen sowie Oberflächenvergütung finden sie bei Betoninstandsetzungsprodukten und Klebern Anwendung. Meist handelt es sich bei Epoxidharzen um zwei (oder mehrere) Komponenten, die nach einem definierten Mischungsverhältnis auf den Bauteil appliziert werden. Der Hauptbestandteil der Komponente A beinhaltet ein Harz, das mit der Komponente B, einem Härter, und eventuellen Reaktivverdünnern unter Temperaturabgabe aushärtet. 

Immer neue Technologien und Bauverfahren bedeuten nicht nur technologischen Fortschritt, sondern auch neue Gefahren für Mensch und Umwelt. Die AUVA erforschte daher anhand der Verwendung von zwei Kunstharzprodukten die Auswirkungen möglicher Schadstoffaufnahme, die über die Atemwege während der Arbeiten geschieht. Die untersuchten Produkte sind der Gruppe der Grundierungen zuzuschreiben und wurden auf einer Testfläche von etwa 50 Quadratmetern als Kratzgrundierung ausgeführt bzw. als eigentlicher Anstrich als Mittel- und Deckschicht. Solche Produkte verbessern den Haftverbund und gewährleisten eine sehr gut imprägnierende Wirkung bei mehrschichtigen Kunstharzbelägen bzw. sorgen für den eigentlichen Schutz der zementären Fläche gegen mechanische sowie chemische Belastungen (zum Beispiel Säuren, Treibstoffe etc.).

Durchführung der Beschichtungsarbeiten

Die Lieferung beider Produkte erfolgt in zwei aufeinander abgestimmten Gebinden. In einem ersten Schritt werden beide Komponenten der Gebinde geöffnet, die Komponente B wird in den Behälter der Komponente A geleert. Da der Originalbehälter A ein größeres Volumen aufweist, kann er die Komponente B aufnehmen. Somit wird ein exaktes Mischungsverhältnis ohne zusätzliche Umtopfverfahren bzw. zusätzliche Messbecher auf der Baustelle ermöglicht, was die Gefahr des Verschüttens verringert. Die beiden Komponenten wurden mit einem geeigneten Rührwerk mit ca. 400 Umdrehungen pro Minute rund zwei bis fünf Minuten lang verrührt, bis eine homogene Flüssigkeit entstand.

Aufbringen der Produkte

Die Zähflüssigkeit der Produkte erfordert relativ große Anstrengung und eine Durchführung in gebückter Haltung. Daher werden die schädlichen Dämpfe in kurzer Distanz von Mund bzw. Nase des Arbeiters zu der Oberfläche, auf der die Substanzen aufgetragen werden, aufgenommen.

Durchführung der Messungen

Um eine möglichst realistische Messung zu erzielen, wurden die Messinstrumente im unmittelbaren Atembereich der Probanden angebracht. Beide Arbeitnehmer wurden mit je einem Messgerät der Type „BUCK VSS-5“ und „COMPUR 4903“ ausgerüstet. Bei dem Gerät „BUCK VSS“ wurde die Luft über Silikagel als Aktivmedium und bei dem Gerät „COMPUR“ über Aktivkohle angesaugt. Bei beiden Pumpen handelt es sich um geeichte Messinstrumente, die ein geeichtes Luftvolumen pro Zeiteinheit durchströmen lassen.
Für die Bildung von Vergleichswerten wurde der Raum mit zwei weiteren baugleichen Messgeräten mit analogen Aktivmedien für stationäre Messungen bestückt. Durch die homogenen klimatischen Bedingungen muss man nur mit kleinen Differenzen rechnen.

Problematik der Messungen

Die Hauptproblematik der Messungen liegt darin, die gefährlichen Stoffe, die sich in der Atemluft befinden, in einem Aktivmedium zu binden. Nach der Messung müssen die Stoffe im Labor wiederum aus diesem Medium gelöst werden, um sie im Gaschromatograph-Massenspektrometer analysieren zu können.

Gefährdungen

In den Sicherheitsdatenblättern der Komponenten sind im Abschnitt 2 die möglichen Gefahren seitens des Herstellers, im Abschnitt 11 die Angaben zur Toxikologie vermerkt.
Weiters führen die Produkte bei Einwirkung auf die Augen zu starken Reizungen, die länger als 24 Stunden anhalten können, und bei Kontakt mit der Haut zu erheblichen Entzündungen, Hautrötungen, Schorf oder Hautausschlägen. Die Produkte enthalten teilweise niedrigmolekulare Epoxidharze, die eine Überkreuz-Sensibilisierung mit anderen Epoxidverbindungen zur Folge haben können. Das Produkt ist bei direkter Berührung schädlich und verursacht beim Einatmen oder Verschlucken schwere Gesundheitsschäden. Die Forderung des Herstellers in Abschnitt 2 des Sicherheitsdatenblattes – „Dämpfe sollen auch nicht eingeatmet werden“ – steht im Widerspruch zu der Aussage aus dem Abschnitt 8: „Atemschutz: Bei normaler Verwendung nicht erforderlich“. Hier sollten Hersteller eine einheitliche Aussagen treffen, die im Einklang mit dem Gefährdungspotenzial stehen. Im Abschnitt 11 (Angaben zur Toxikologie) ist die Aufnahme durch Verschlucken, Einatmen und Berührung angeführt. Daraus resultiert die Notwendigkeit, auch bei der Verarbeitung Atemschutz tragen zu müssen, vor allem als Schutzmaßnahme vor einem ungewollten Kontakt mit dem Gesicht beim Anrühren.

Ergebnisse der Messungen

Insgesamt wurden fünf Aktivmedien mit Silikagel und fünf Aktivmedien mit Aktivkohle im Labor mit dem Gaschromatograph-Massenspektrometer ausgewertet.

A) Benzylalkohol
B) verschiedene Lösungsmittel – nur in Spuren
C) organische Amine sind nicht detektierbar


Daraus geht hervor, dass sich bei diesen gewählten Produkten nur sehr geringe Mengen an schädlichen Substanzen in der Luft befanden. Die gefährlichen chemischen Stoffe sind in den einzelnen Komponenten vom Hersteller bereits derart gemischt, dass kaum Stoffe während der Verarbeitung in die Atemluft gelangen. Dieses Ergebnis mindert jedoch nicht die Gefährlichkeit der Produkte hinsichtlich ihrer hohen Sensibilisierung und allergenen Wirkung. Des Weiteren können diese Ergebnisse nicht ohne Prüfungen auf andere Produkte übertragen werden.

Schutzmaßnahmen

Die Rahmenbedingungen auf Baustellen in Bezug auf Kunstharzprodukte lassen es kaum zu, technische und organisatorische Schutzmaßnahmen durchzuführen. Absauganlagen oder ähnliche technische Maßnahmen für den ArbeitnehmerInnenschutz vorzusehen ist wenig möglich. Selbst eine ausreichende natürliche Belüftung ist in allen Bauvorhaben oder Bauabschnitten immer technisch herstellbar.
Weiters lässt sich die an erste Stelle zu setzende Maßnahme der Substitution des gefährlichen Stoffes in der Praxis kaum durchführen, weil für die meisten Einsatzmöglichkeiten keine Ersatzstoffe vorhanden sind bzw. es dem Arbeitnehmer nahezu unmöglich ist, in gesetzlich ausgeschriebene Projekte bzw. Standardleistungsverzeichnisse und darin geforderte Produkte einzugreifen.
Daher ist eine Persönliche Schutz-ausrüstung (PSA) unter den beschriebenen Bedingungen meist die einzige Möglichkeit, das Arbeitnehmerschutzgesetz zu erfüllen und somit für die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen zu sorgen.
Jedes Jahr erkrankt eine Vielzahl Beschäftigter infolge Hautkontaktes mit nicht ausgehärteten Epoxidharzen an Hautallergien (Ekzemen), oder ihr Atemsystem und andere Organe sind durch das Einatmen von (im Sprühverfahren freigesetzten) Produktteilchen so geschädigt, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihren Beruf oder ihre Tätigkeiten auszuüben. Daher ist es unbedingt notwendig, durch das strikte Verwenden der Persönlichen Schutz-ausrüstung den Kontakt zu den schädlichen Substanzen zu vermeiden. Nur wenn entsprechender Augen-, Hand-, und Atemschutz konsequent getragen wird, lässt sich die schädliche Aufnahme dieser Materialien während des Umganges hintanhalten.

Schlussfolgerungen und Ausblick

Neben der Problematik der Vermeidung der Aufnahme von Schadstoffen über die Atemwege muss auch die allergene Wirkung der Materialien weiter erforscht werden. Ein Teilschwerpunkt der Forschung sollte darauf liegen, medizinische Testverfahren zu entwickeln, um auch präventiv allergische Reaktionen bestimmen und somit vermeiden zu können.
Einen weiteren Schwerpunkt sollten Hersteller auf die Materialforschung setzen, um die allergenen Stoffe bei gleichbleibender Qualität gegen gesundheitsunschädliche Substanzen zu ersetzen. Bis dahin ist die Anwendung der persönlichen Schutzmaßnahmen strikt einzufordern und einzuhalten. Die Anwender sind vor Aufnahme der Tätigkeiten und in regelmäßigen Abständen über alle auftretenden Gefahren bei der Handhabung und auch bezüglich der Weiterentwicklung der Produkte zu unterweisen. Bei der Anwendung der Schutzmaßnahmen sind selbstverständlich jene technischer und organisatorischer Art der Persönlichen Schutzausrüstung vorzuziehen.

DI Gregor Hohenecker
AUVA-Hauptstelle
Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung
Adalbert-Stifter-Straße 65
1200 Wien

gregor.hohenecker@auva.at

Zusammenfassung

Epoxidharze werden in der Bauwirtschaft für unterschiedliche Zwecke und Anwendungen eingesetzt. Eine Studie der AUVA untersuchte, welche Gefahren für die Atemwege der Arbeiter beim Hantieren mit diesen Produkten bestehen. Dabei zeigte sich, dass bei richtiger Verwendung und bei ordnungsgemäßem Gebrauch der Persönlichen Schutzausrüstung nur geringe Gefahren für die Kontamination der Atemluft bestehen. Die Forschung von weiteren Kunstharzen ist unbedingt notwendig, um diese Aussage auf eine größere Gruppe von Produkten ausdehnen zu können Dieses Ergebnis mindert jedoch nicht die Gefährlichkeit der Produkte hinsichtlich ihrer hohen Sensibilisierung und aller-genen Wirkung.

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