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Sichere Arbeit

Am Beispiel Trodat: Gesunde Mitarbeiter als Grundlage des weltweiten Erfolges

Partnerschaft für Prävention

Als größter Stempelwarenhersteller der Welt mit Hauptsitz in Wels sieht Trodat in seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Grundlage des weltweiten Erfolges. Ein gut organisiertes Managementsystem garantiert deren Sicherheit und Gesundheit.

Das Interview führten Magdalena Guilarte und Karin Bischof.
Interviewpartner: Ing. Mag. Michael Peduzzi

Was waren Ihre Motive für die Einführung eines SGM? 
Einer der maßgeblichen „Haupttreiber“ war die Problematik des Bewegungs- und Stützapparates unserer Mitarbeiter. Da in den Produktionsabteilungen sehr viel manuell gehoben wird, hat sich die Notwendigkeit ergeben, hier ein spezielles Angebot bereitzustellen.

Was hat dieses Angebot beinhaltet?
Ein eigenes Rückenfitnessprogramm in Kooperation mit einem fachlich spezialisierten Trainer für unsere ArbeiterInnen; Begehungen mit einer Physiotherapeutin und Ableitung von Maßnahmen in Form von Ausgleichsbewegungen; Rückenkraftmessungen in betroffenen Abteilungen und eine Nachbetreuung durch auf Arbeitsabläufe spezialisierte Physiotherapeuten. Dies sind nur ein paar der Angebote für unsere Mitarbeiter.

Hat sich durch Anwendung des SGM das Sicherheits- und Gesundheitsbewusstsein der MitarbeiterInnen verbessert?
Ja, absolut. Durch Schulungen im Bereich Sicherheitstechnik werden MitarbeiterInnen hinsichtlich Arbeitssicherheit sensibilisiert. Als direkter Nutzen daraus verringern sich die Arbeits- und Beinaheunfälle, die im Unternehmen quantitativ – von der Anzahl her – und qualitativ, also hinsichtlich der Unfalltragweite, erhoben werden. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter, der die Gefahren in seinen Arbeitsbereichen kennt, wird bewusster und vorsichtiger arbeiten. Was das Gesundheitsbewusstsein betrifft, so wird mittels verschiedener Angebote im Gesundheitsprogramm darauf eingegangen – etwa durch Gesundenuntersuchungen, diverse Laufveranstaltungen, Nordic Walking, Fastenvereinbarung, aber auch mit diversen Workshops zum Thema Ernährung, einem Anti-Rauch-Programm, einer E-Bike-Aktion etc.

Gibt es eine zeitliche Befristung oder jährlich wechselnde Schwerpunkte? 
Das Sicherheits- und Gesundheitsmanagement hat bei uns Projektstatus und wird jährlich erweitert, und das nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich. Die Bedürfnisse der Mitarbeiter erheben wir mittels einer SALSA-Befragung, also einer anonymen schriftlichen Befragung aller Mitarbeiter. Für 2013 haben wir bereits sämtliche Maßnahmen budgetiert.

Wie funktionieren bei Ihnen Festlegung, Dokumentation und Kommunikation der Aufgaben und Befugnisse der Sicherheits- und Gesundheitsbeauftragten?
Die Festlegung der Aufgaben basiert auf der gesetzlichen Anforderung aus dem Arbeitnehmerschutzgesetz. Alles, was darüber hinausgeht, ergibt sich aus der Praxis der Präventionsarbeit. Ein wichtiger Punkt hier ist die Prozesslenkung, sprich: die Organisation der relevanten Bereiche.

Wie sieht das konkret aus?
Festlegung und Dokumentation der Aufgaben des Gesundheitsbeauftragten erfolgen im jährlichen Update des Verantwortungsbereiches mit der Geschäftsführung, um hier Schnittstellenverluste und Doppelgleisigkeiten mit anderen Bereichen oder Abteilungen zu vermeiden. Die Kommunikation läuft intern per Printmedium und per Intranet ab, um alle MitarbeiterInnen zu erreichen. Hat jemand keinen eigenen Computer, etwa im Bereich der Produktion, gibt es bei uns Terminals, an denen sich Mitarbeiter einloggen, alles nachlesen und sich informieren können. Ein besonderer Fokus unserer Tätigkeiten liegt auf den produzierenden Abteilungen sowie auf der Instandhaltung des Unternehmens. In diesen Bereichen kommt es zum überwiegenden Teil zu jenen Arbeitsunfällen, deren Reduktion wir als eines der Projekthauptziele ansehen.

Welche formalen Strukturen innerhalb des SGM gibt es bei Ihnen?
Der Bereich Umwelt- und Sicherheitsmanagement ist mit vier Mitarbeiterinnen der Eckpfeiler in der betrieblichen Umsetzung von umwelt- und sicherheitsrelevanten Maßnahmen. Dieses Team lenkt die Sicherheits- und Gesundheitsarbeit für die rund 500 Mitarbeiter des Standortes Österreich. Sie sind interdisziplinär im Unternehmen vernetzt und kooperieren auf allen technischen, produzierenden sowie administrativen Ebenen.

Sind in die Organisation des SGM auch SVP, ErsthelferInnen oder externe Berater eingebunden?
Ja. In den zweimal jährlich stattfindenden Arbeitssicherheitsausschüssen werden die Tätigkeiten der Sicherheitsvertrauenspersonen in Form von Berichten präsentiert. Hier wird auch ein Ausblick auf die Zukunft geboten, der wiederum in die Planung des kommenden Programmes integriert wird. Weiters sind die Sicherheitsvertrauenspersonen für die Kommunikation von Änderungen im SGM an die MitarbeiterInnen in der Produktion verantwortlich.

Wird den Präventivfachkräften mehr Zeit als gesetzlich vorgeschrieben zur Verfügung gestellt?
Ja, das Unternehmen stellt mehr als die gesetzlich vorgeschriebene Zeit für die Präventivfachkräfte zur Verfügung. Die Sicherheitsfachkraft als Leiter des Bereiches Umwelt und Sicherheit ist auch kostenstellenverantwortlich gegenüber der Geschäftsleitung. Nachdem jährliche Ziele für die Präventivfachkräfte ausgearbeitet werden, liegt es im Sinne der SFK, diese auch erfolgreich umzusetzen.

Haben Sie auch sonstige Experten beauftragt?
Ja, um ein Beispiel zu nennen: Heuer liegt bei uns ein Schwerpunkt auf dem Thema Burn-out und Bore-out. Dieser wird in Kooperation mit unserer Arbeitsmedizinischen Betreuung, dem Zentrum für Arbeitsmedizin, Gesundheit und Sicherheitsmanagement, umgesetzt.

Wie konnten alle Führungskräfte ins Boot geholt werden, um gemeinsam an mehr Sicherheit und Gesundheit zu arbeiten?
Da bedarf es nicht viel Überredungskunst, um die Führungskräfte ins Boot zu holen. Durch die immer aktueller werdende Arbeitnehmerschutzdebatte im Unternehmen wurde bereits im Jahr 2009 der erste Grundstein gelegt, ein solches Projekt zu starten. Die Trodat Wertekultur, die uns allen sehr wichtig ist, führte weiter zur Verankerung dieses Themas in der Führungsebene und somit im gesamten Unternehmen. Dem vorausgegangen ist eine Reihe von Besprechungen und Workshops mit der Geschäftsleitung, der Produktionsleitung sowie mit Führungskräften aus verschiedenen Bereichen.

Welche Projekte sind daraus entstanden?
Aus dem Sicherheits- und Gesundheitsmanagementsystem ist das operative Gesundheitsprogramm entstanden. Dieses Programm wurde von der Projektgruppe anhand der Bedürfnisse unserer Mitarbeiter entwickelt und umfasst ein breites Spektrum an Aktivitäten – angefangen bei kostenlosen Impfaktionen über verschiedene Bewegungsprogramme bis hin zu Schulungen für mentale Belastungen. In dieser Steuerungsgruppe sind Führungskräfte wie die Geschäftsführung, die Leiter von Produktion sowie Produktionstechnik, die Konzernkommunikation, die Personalleitung sowie die Sicherheitsfachkraft vertreten.

Wie wichtig ist die Ausbildung der Sicherheitsfachkräfte? Wie drückt sich diese Bedeutung aus?
Das Sicherheits- und Gesundheitsmanagementsystem hat bei uns Projektstatuts und daher ein eigenes Budget. Die SFK ist ein kostenstellenverantwortlicher Bereich, der auch seine Weiterbildung selbst plant und budgetiert. Die Geschäftsführung kennt die Relevanz der Tätigkeiten in diesem Bereich, und so werden die geforderten Mittel auch jährlich zur Verfügung gestellt.

Warum würden Sie einem anderen Unternehmen die Einführung eines SGM empfehlen? 
Die Ziele und der daraus resultierende Nutzen liegen klar auf der Hand: Haupttreiber der Krankheitsverursacher werden identifiziert, und Gegenmaßnahmen können ergriffen werden. Dadurch werden Fehlzeiten und Krankenstände reduziert, was ein wirtschaftlicher Faktor für das Unternehmen ist.

Wir danken für das Gespräch!

Zusammenfassung

Mit dem wissenschaftlich evaluierten BAUfit-Programm der AUVA lässt sich die Zahl der Arbeitsunfälle und Krankenstandstage am Bau deutlich reduzieren. Analysen der bisherigen BAUfit-Projekte zeigen, dass beispielsweise die Zahl der Krankenstandstage bei Bauarbeitern, die im Rahmen von BAUfit betreut wurden, um ein Drittel gesenkt werden konnte. Gesunde Bauarbeiter erbringen zudem höhere Leistungen und fühlen sich körperlich wohler.

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