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Good Practice

Spar: von der Akademieklasse zum Chefsessel

Lehrlinge in der Spar-Zentrale Wörgl lernen schon früh, verantwortlich zu handeln: durch sicherheitsbewusstes Verhalten am Arbeitsplatz, als „Digital Guides“ für ältere Arbeitnehmer:innen und einen Tag lang in der Rolle einer Führungskraft.
Jugendliche sitzt an der Kasse, davor liegen verschiedene Lebensmittel
© Spar

Eigene Akademieklassen, E-Learning und die Möglichkeit, den Markt aus der Perspektive einer Führungskraft zu erleben – bei Spar lässt man sich einiges einfallen, um die Motivation junger Menschen zum Lernen zu wecken. Welche beruflichen Perspektiven der größte Lehrlingsausbildner Österreichs dem Nachwuchs zu bieten hat, schildert Miriam Spindlegger, Lehrlingsverantwortliche in der Spar-Zentrale Wörgl: „In Tirol und Salzburg beschäftigen wir aktuell 300 Lehrlinge in 24 verschiedenen Lehrberufen. Die meisten machen die Lehre zum:zur Einzelhandelskaufmann:-kauffrau mit verschiedenen Schwerpunkten.“

Jeder Lehrling durchläuft während der Praxiszeit im Supermarkt verschiedene Abteilungen. Bei den Unterweisungen vor Ort werden die Lehrlinge auf die jeweiligen Risiken aufmerksam gemacht. Detaillierte Informationen werden in den Landesberufsschulen in eigenen Spar-Akademieklassen vermittelt, deren Lehrplan auf die Arbeit bei Spar abgestimmt ist. „In den Akademieklassen stehen auch Sicherheit und Gesundheit, z. B. Ergonomie, Hautschutz oder gesunder Schlaf, auf dem Programm“, so Andreas Thaler, Sicherheitsfachkraft in der Spar-Zentrale Wörgl.

ein Jugendlicher in Spar Uniform steht vor einem Regal und hält eine Packung Lasagne in der Hand
© Spar

Ergonomie und Unfallvermeidung

Zum Thema Ergonomie erfahren die Lehrlinge, wie man richtig hebt und trägt. Für die Handhabung schwererer Lasten sollen sie die zur Verfügung stehenden Hebe- und Tragehilfen verwenden bzw. eine zweite Person zu Hilfe holen. „Wir kontrollieren, dass die Lehrlinge die Lastengrenzen für Jugendliche nicht überschreiten, und achten auch auf den unterschiedlichen Körperbau der jungen Menschen. Sie bekommen nur Arbeiten aufgetragen, die ihre physische und psychische Leistungsfähigkeit nicht übersteigen“, erklärt Spindlegger.

Eine Gefahrenquelle stellen die im Markt verwendeten Maschinen dar. So kann man sich etwa in der Feinkostabteilung mit der Wurstschneidemaschine in den Finger schneiden, wenn man den Wurstgreifer nicht verwendet. Verletzungen sind auch durch die Brotschneidemaschine oder den Fleischwolf möglich, Verbrennungen beim Brotbackofen und bei der Foliermaschine. Bevor die Lehrlinge an diesen Maschinen arbeiten dürfen, werden sie darauf eingeschult, ebenso nach der Anschaffung eines neuen Geräts.

Bei der Ausbildung der Lehrlinge wird auch darauf geachtet, dass sie die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung verwenden, etwa Schutzhandschuhe bei der Arbeit am Brotbackofen oder bei Reinigungsarbeiten. Elektrische Hubwagen dürfen nur mit Sicherheitsschuhen gefahren werden. Im Tiefkühlbereich benötigt man Kälteschutzkleidung; hier wird besonders darauf geachtet, dass die Lehrlinge die zulässige Aufenthaltsdauer nicht überschreiten.

Porträt Miriam Spindlegger
© Spar

 

„Die Lehrlinge sollen sich vorstellen können, in Zukunft selbst eine Führungsposition einzunehmen“, beschreibt Miriam Spindlegger, Lehrlingsverantwortliche in der Spar-Zentrale Wörgl, das Ziel des Projekts „Chef:in für einen Tag“. Die Lehrlinge fühlten sich wertgeschätzt, da man ihnen Verantwortung übertragen hatte, und die Leiter:innen waren stolz darauf, wie gut sie ihre Aufgabe gemeistert hatten.

Psychische Unterstützung

Neben körperlichen sind auch psychische Belastungen ein Thema. Um Stress zu vermeiden, werden die Lehrlinge in der Stoßzeit durch zusätzliche Mitarbeiter:innen unterstützt. Oft sind psychische Probleme nicht auf die Situation am Arbeitsplatz, sondern auf Schwierigkeiten im privaten Bereich zurückzuführen. Wenn sich Lehrlinge an Spindlegger oder an den:die Filialleiter:in wenden, wird versucht, eine erste Hilfestellung zu bieten, und auf kostenlose Beratungsangebote hingewiesen. In Tirol können Lehrlinge zusätzlich eine kostenlose Beratung der Caritas in Anspruch nehmen.

Hilfreich ist es auch, jederzeit eine persönliche Ansprechperson zu haben, bei Problemen ebenso wie bei Fragen zu Arbeitsabläufen. Spar setzt daher auf ein Mentoring-System: Jeder Lehrling bekommt bei der Einschulung einen:eine Lehrlingspaten:-patin als Begleiter:in für die gesamte Lehrzeit zur Seite gestellt. Dabei handelt es sich entweder um einen:eine jungen:junge Mitarbeiter:in, der:die vor kurzem ausgelernt hat, oder um eine erfahrene Person, die einen guten Zugang zu jungen Menschen hat.

Jugendliche in Spar-Unform schneidet einen halben Laib Käse auseinander
Jeder Lehrling durchläuft während der Praxiszeit im Supermarkt verschiedene Abteilungen. © Spar

Lernen mit digitalen Tools

Auf einem Gebiet sind die Jungen den Älteren meist voraus: im Umgang mit digitalen Technologien. Voneinander zu lernen funktioniert bei Spar daher auch in die andere Richtung. Die Lehrlinge unterstützen ihre älteren Kollegen:Kolleginnen als „Digital Guides“ bei der Bedienung interner Programme, etwa zur Nachbestellung von Waren oder zum Drucken von Etiketten, im E-Mail-Verkehr und beim Umgang mit der E-Learning-Plattform von Spar.

Die E-Learning-Plattform „Spar Education Power Program“ (SEPP) beinhaltet Informationen zu Fachthemen und Arbeitssicherheit; 2018 hat sie die Vorgängerversion „Spar Lernwelt“ abgelöst. Die Plattform dient allen Mitarbeitern:Mitarbeiterinnen zur Weiterbildung, jeder:jede erhält ein für die jeweilige Karriereplanung maßgeschneidertes Programm. Dieses ist bei Lehrlingen auf den Ausbildungsplan abgestimmt und umfasst z. B. Warenkunde, Arbeit mit Maschinen sowie richtiges Heben und Tragen. Bildliche Darstellungen veranschaulichen, worauf man achten sollte. Zur Überprüfung des Lernfortschritts dienen Wissens-Checks.

Wer sein monatliches Lernpensum fristgerecht erledigt hat, erhält eine Prämie. Besonders engagierte Lehrlinge werden am Ende des ersten Lehrjahrs mit einem iPad belohnt. Auch gute Noten in der Berufsschule bringen Prämien ein. Am Ende des dritten Lehrjahrs wird ein ausgezeichneter Erfolg mit der Übernahme der Kosten für den B-Führerschein honoriert, was pro Jahr rund 15 Lehrlinge schaffen.

Tätigkeiten mit Spaß und Sinn

Prämien allein reichen allerdings nicht aus, um eine Lehrstelle attraktiv zu machen. Gerade für junge Menschen ist es wichtig, zusammen mit anderen etwas zu unternehmen und dadurch ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Das gelingt bei Spar durch Team-Events für Lehrlinge, etwa Kinobesuche in einem angemieteten Kinosaal. Am Ende der Lehrzeit findet ein zweitägiger Ausflug in den Europapark Rust statt. Veranstaltungen für alle Spar-Mitarbeiter:innen in Tirol und Salzburg, z. B. das Sommerfest mit Musik, Bullriding und gutem Essen, kommen bei den Lehrlingen ebenfalls gut an. Neben gemeinsamen Erlebnissen trägt vor allem der in der beruflichen Tätigkeit erkannte Sinn dazu bei, dass sich die Mitarbeiter:innen mit dem Unternehmen identifizieren. 

Fragt man Lehrlinge, welche Themen für sie in Zusammenhang mit ihrem Beruf wichtig sind, nennen sie – abgesehen von einer sinnstiftenden Tätigkeit – eine gute Work-Life-Balance. Bei Spar versucht man, dieses Bedürfnis mit flexibleren Arbeitszeiten zu befriedigen. Ein sicherer Arbeitsplatz steht bei den jungen Menschen ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste. Diesbezüglich kann Spindlegger beruhigen: „Die Pandemie hat gezeigt, dass Arbeitsplätze im Lebensmittelhandel sicher sind. Wir haben keine Mitarbeiter:innen abgebaut, sondern sogar neue eingestellt.“

Für ihre Lehrlingsausbildung und die gesundheitsfördernden Maßnahmen wurde die Spar-Zentrale Wörgl prämiert: 2016 erhielt sie den „Alle!Achtung!“-Award, den die AUVA an Betriebe verleiht, die herausragende Leistungen im Bereich der Unfallverhütung und der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz erbringen. Seit 2001 kann sich die Spar-Zentrale zu den „Ausgezeichneten Lehrbetrieben Tirols“ zählen, die schon länger eine erfolgreiche Lehrlingsausbildung durchführen und die Qualität der Ausbildung z. B. durch das gute Abschneiden der Lehrlinge bei Wettbewerben oder bei der Lehrabschlussprüfung unter Beweis stellen.

Projekt „Chef:in für einen Tag“

Um die Lehrlingsausbildung interessant zu gestalten, lässt man sich bei Spar immer wieder etwas Neues einfallen. Im März und April 2023 fand die Premiere des Projekts „Chef:in für einen Tag“ statt. Alle Lehrlinge im dritten Lehrjahr in Tirol und Salzburg durften einen Arbeitstag lang wahlweise die Position des:der Filialleiters:-leiterin oder eines:einer Abteilungsleiters:-leiterin einnehmen. Im Rahmen eines Vorbereitungs-Workshops erfuhren die Lehrlinge, welche Tätigkeiten auf sie zukamen. Während des „Rollentauschs“ fungierte der Lehrling als Ansprechperson für die Mitarbeiter:innen und beantwortete Anfragen von Kunden:Kundinnen. Der:die Vorgesetzte hielt sich als Back-up im Hintergrund und sprang nur ein, wenn es notwendig war.

„Die Lehrlinge sollten erkennen, ob sie sich vorstellen können, in Zukunft selbst eine Führungsposition einzunehmen“, nennt Spindlegger das Ziel des Projekts. Dieses wurde ein voller Erfolg und wird daher fortgeführt. Die Rückmeldungen der Lehrlinge zeigten, dass sich die meisten nicht gedacht hätten, wie umfangreich die Aufgaben einer Führungskraft sind. Trotzdem ist es für viele denkbar, einmal eine Leitungsposition zu übernehmen. Die Lehrlinge fühlten sich wertgeschätzt, da man ihnen Verantwortung übertragen hatte. Die Filialleiter:innen und Abteilungsleiter:innen wiederum waren stolz darauf, wie gut die von ihnen ausgebildeten Lehrlinge die Herausforderung gemeistert hatten.

Interview

© Spar

 

Katharina Schmalzl

Lehrberuf: Einzelhandelskauffrau

mit Schwerpunkt Lebensmittel

Spar-Zentrale Wörgl

3. Lehrjahr

 

 

Welche Gefahren gibt es bei den Tätigkeiten, die Sie bisher ausgeübt haben?
Die Gefahren sind: sich in den Finger schneiden bei der Wurstschneidemaschine, der Brotmaschine oder direkt beim Brotschneiden, sich beim Brotbackofen oder der Foliermaschine verbrennen oder sich mit dem Rollbehälter über den Fuß fahren.

Wie kann man sich vor diesen Gefahren schützen?
Konzentriert arbeiten, eine Schutzausrüstung verwenden, z. B. Handschuhe oder Wurstrestehalter und Wurstgreifer für die Wurstschneidemaschine. Man darf nur Maschinen verwenden, für die man eingeschult worden ist.

Wie informieren Ihre Ausbildner:innen die Lehrlinge über Gefahren und Schutzmaßnahmen?
Die Ausbildner:innen erklären die richtige Verwendung der Maschinen und es wird mehrmals vorgezeigt. Eine weitere Einschulung erfolgt durch Seminare, E-Learning-Kurse, Broschüren und in der Berufsschule.

Haben Sie schon einmal einen Arbeitsunfall oder einen Beinahe-Unfall erlebt bzw. gesehen?
Ja, ich habe gesehen, wie sich eine Kollegin in den Finger geschnitten hat. Die Kollegin hat die Wurstschneidemaschine betätigt, war unkonzentriert, hat vergessen, den Wurstgreifer zu verwenden und hat sich in den Finger geschnitten. So ein Vorfall kann verhindert werden, indem der Wurstgreifer für die Wurstschneidemaschine verwendet wird und man sich bei der Arbeit mit der Maschine konzentriert.

Wie können Sie selbst zur Sicherheit im Betrieb beitragen?
Ich kann die Arbeitstechniken einhalten, Schutzausrüstung verwenden, andere Mitarbeiter:innen bei gefährlichen Tätigkeiten nicht ablenken und neue Kollegen:Kolleginnen für die Arbeit mit Maschinen einschulen.

Zusammenfassung

Wie man gesund und unfallfrei arbeitet, wird den Lehrlingen in der Spar-Zentrale Wörgl auf unterschiedliche Art vermittelt: in eigenen Spar-Akademieklassen in den Landesberufsschulen, von dem:der persönlichen Lehrlingspaten:-patin und über die E-Learning-Plattform „Spar Education Power Program“. Als „Digital Guides“ für ältere Kollegen:Kolleginnen und im Rahmen des Projekts „Chef:in für einen Tag“ übernehmen sie selbst Verantwortung. 


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