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Ein Tag mit AUVAsicher

Schwerpunkt Gesundheitsförderung

Für Arbeitsmedizinerin Dr.in Veronika Kuderna vom AUVAsicher-Präventionszentrum Wien zählt es zu den schönsten Erfolgserlebnissen, wenn ihre Beratung zu einer gesünderen Lebens­weise von Beschäftigten beiträgt. Sie betreut vor allem Büro-, Handels- und Gastronomiebetriebe im Raum Wien. SICHERE ARBEIT hat sie einen Tag ins Café Friedl in Döbling begleitet.
eine ältere Frau und ein jüngerer Mann kontrollieren eine Büro-Apotheke
© R. Reichhart

Schon seit 22 Jahren ist Dr.in Veronika Kuderna als Arbeitsmedizinerin im AUVAsicher-Präventionszentrum Wien tätig. Sie weiß genau, wo in einem Betrieb typische Gefahrenstellen zu finden sind und welche gesundheitlichen Belastungen in welchen Berufen auftreten können. Die Medizinerin hat Beratungen in verschiedenen Branchen durchgeführt, ihre Ansprechpersonen waren Akademiker:innen ebenso wie Arbeiter:innen. „Es geht darum, die Sprache anzupassen und schon mit den ersten Sätzen davon zu überzeugen, dass man zu helfen versucht“, beschreibt sie ihre Vorgehensweise.

Die Kunst in ihrem Beruf sei es, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, erklärt Kuderna. Dabei kann es bei einem:einer Geschäftsführer:in beispielsweise darum gehen, dass nach einem Besuch durch das Arbeitsinspektorat eine Strafe befürchtet wird. Bei den Beschäftigten sind es wiederum oft gesundheitsschädigende Gewohnheiten, die sich nicht leicht ändern lassen. Zu Kudernas schönsten Erfolgserlebnissen zählt es, wenn sie jemanden dabei unterstützten kann, gesünder zu leben.

Gesundheitsfördernde Maßnahmen

Sie erzählt von der Betreuung eines Technik-Unternehmens, das in der Forschung tätig ist und bei praktischen Tests von Fahrzeugen auch körperliche Anforderungen an die Beschäftigten stellt. Im Rahmen eines Besuchs bei dem Unternehmen nahm Kuderna Blutdruckmessungen vor. Die Ergebnisse zeigten, dass rund ein Drittel der Mitarbeiter:innen – ein Anteil, der dem in der Allgemeinbevölkerung entspricht – einen erhöhten Blutdruck aufwies. Die Medizinerin führte eine Beratung zu gesunder Ernährung und Bewegung durch.

Dabei sprach Kuderna auch mit einem jungen Techniker, der ebenfalls einen erhöhten Blutdruck sowie Übergewicht hatte und rauchte. Um ihm das Problem zu veranschaulichen, bediente sie sich eines Vergleichs mit einem Beispiel aus der Technik: „Ein hoher Blutdruck ist wie ein Fahrradschlauch für drei bar, der einen Druck von fünf bar hat.“ Sie erläuterte mögliche gesundheitliche Konsequenzen und empfahl ihm, mit irgendeiner Form der Bewegung zu beginnen.

Beim nächsten Besuch in dem Technik-Unternehmen ein Jahr später erlebte Kuderna eine positive Überraschung: Die Geschäftsführung hatte ein Gesundheitsförderungsprogramm eingeführt und bot den Beschäftigten unter anderem Kochkurse speziell für Schichtarbeit sowie Kurse in Tai Chi und Qi Gong zur Stressbewältigung an. Einige Mitarbeiter:innen hatten in der Zwischenzeit auch am Business Run teilgenommen. Der junge Techniker hatte abgenommen, zu rauchen aufgehört – und regelmäßige Messungen ergaben, dass sein Blutdruck im Normalbereich lag.

Unternehmen begleiten

Dass sie Firmen über einen längeren Zeitraum begleiten und dabei auch Fortschritte im Gesundheitsschutz mitverfolgen kann, gefällt Kuderna besonders an ihrer Tätigkeit bei AUVAsicher. Als Problem sieht sie die zu geringe Anzahl an Arbeitsmedizinern:-medizinerinnen. Aufgrund dieses Personalmangels müssen Unternehmen oft länger auf einen Termin warten, was insbesondere Erstbesuche, nach denen es eine gestiegene Nachfrage gibt, betrifft.

Eine persönliche Herausforderung, der sie sich aber gerne stellt, ist für Kuderna die Betreuung von Unternehmen aus Branchen, die in Wien weniger häufig sind, etwa Industriebetriebe. Vor ihrem ersten Besuch informiert sie sich über die eingesetzten Arbeitsstoffe und die mit ihnen verbundenen gesundheitlichen Risiken. Der Großteil der Unternehmen, in denen sie arbeitsmedizinische Beratungen durchführt, sind Büro-, Handels- und Gastronomiebetriebe.

die Frau erläutert dem Mann anhand einer Checkliste etwas
Seit 22 Jahren ist Dr.in Veronika Kuderna im AUVAsicher-Präventions­zentrum Wien tätig. Die Kunst sei es, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen: „Es geht darum, die Sprache anzupassen und schon mit den ersten Sätzen davon zu überzeugen, dass man zu helfen versucht.“ © R. Reichhart

Im Döblinger Café Friedl

Zu den von Kuderna betreuten Gastronomiebetrieben zählt auch das Café Friedl im 19. Wiener Gemeindebezirk. Sie erinnert sich noch gut an ihren ersten Besuch in dem Kaffeehaus im März 2021. Während viele Geschäftsführer:innen AUVAsicher kontaktieren, nachdem das Arbeitsinspektorat in ihrer Firma Mängel festgestellt hat, hatten sich die Geschäftsführer:innen der Café Friedl GmbH, Lisa Greslehner und ihr Bruder Marcus Greslehner, proaktiv an die AUVA gewandt, um sich für eine Beratung anzumelden. Im Unterschied zu den meisten anderen Firmenchefs wussten sie genau über die AUVA und ihre Aufgaben Bescheid.

Die Geschwister Greslehner hatten das seit 15 Jahren bestehende Kaffeehaus im November 2020 übernommen und wollten gleich nach der Wiedereröffnung Anfang 2021 für sichere und gesunde Arbeitsbedingungen sorgen. Ein Problem sahen die beiden in dem hohen Lärmpegel und dem Hall in den Räumlichkeiten. Bei der gemeinsamen Erstbegehung im März 2021 durch die Sicherheitsfachkraft und Kuderna wurden eine Lärmmessung und eine Beratung zu lärmmindernden Maßnahmen durch die AUVA-Hauptstelle initiiert.

Wie üblich beim jeweils ersten Besuch in einem Unternehmen brachte Kuderna die Sicherheits- und Gesundheitsorganisations-Mappe (SGO-Mappe) der AUVA mit, in die Marcus Greslehner bereits vorhandene Unterlagen einordnete. Die Medizinerin erklärte anhand eines Grundevaluierungsbogens, was noch zu erledigen war: Die Dokumente in der SGO-Mappe mussten ergänzt, ein Arbeitsstoffverzeichnis erstellt und ein Ersthelfer bestimmt werden. Der Geschäftsführer des Kaffeehauses erhielt ein Muster-Maßnahmenblatt, das ihn bei der Umsetzung der damals noch erforderlichen Corona-Schutzmaßnahmen unterstützen sollte. Auch Unterweisungen und Meldepflichten waren ein Thema.

Im September 2022 besuchte Kuderna das Café Friedl zum zweiten Mal. Während der Begehung fielen ihr kaum Mängel auf. Bei der Lagerung von Reinigungsmitteln ortete sie Verbesserungsbedarf und empfahl, für die Kanister auslaufsichere Auffangwannen anzuschaffen. Die Medizinerin stellte den damaligen AUVA-Präventionsschwerpunkt „Packen wir’s an!“ zur Verhinderung von Muskel-Skelett-Erkrankungen vor, informierte über richtiges Heben und Tragen und riet, auf die Auswahl guter Schuhe für die Mitarbeiter:innen zu achten.

die Frau blättert in einer Mappe mit Zetteln in Klarsichthüllen, der junge Mann sitzt daneben und lächelt
Dr.in Veronika Kuderna, Arbeitsmedizinerin im AUVAsicher-Prä­ventions­zentrum Wien, und Marcus Greslehner, Geschäftsführer der Café Friedl GmbH © R. Reichhart

Der letzte Besuch

An einem Vormittag im Oktober 2023 war es zum dritten Mal so weit: Kuderna nahm im Café Friedl an einem für sie reservierten Tisch Platz und packte ihre Unterlagen aus. „Wir sehen uns heute regulär zum letzten Mal, weil ich mit Jahresende 2024 in Pension gehen werde“, teilte sie Marcus Greslehner zu dessen Bedauern mit. Falls er in der nächsten Zeit noch Fragen habe, könne er sie gerne anrufen.

Ihm fiel gleich etwas ein, das er fragen wollte. Er blätterte durch seine SGO-Mappe und zeigte auf das Covid-Präventionskonzept. „Kann ich das aussortieren?“, wollte er wissen. Kuderna meinte, er solle es drinnen lassen, vielleicht müsse man ja wieder Schutzmaßnahmen ergreifen. Das Arbeitsstoffverzeichnis, das die Geschäftsführer:innen des Kaffeehauses nach Kudernas erstem Besuch erstellt hatten, fand sich auch in der Mappe. Die Medizinerin erkundigte sich, ob es einfach gewesen war, ein Arbeitsstoffverzeichnis anzulegen. „Am Anfang nicht, aber wenn man einmal weiß, was die H-Sätze (Gefahrenhinweise) sind, geht es leichter“, so Marcus Greslehner.

Beim Rundgang durch das Lokal fiel Kudernas Blick in der Küche auf die Aufschnittmaschine, bei welcher der Restehalter fehlte. Dieser werde laut Marcus Greslehner in der Lade verstaut und leider nicht immer verwendet. Die Medizinerin wusste Rat: „Es gibt Aufschnittmaschinen, bei denen der Schutz fix montiert ist. Man kann ihn wegklappen, aber nicht abnehmen.“

Abschließend kam Kuderna auf den aktuellen AUVA-Präventionsschwerpunkt „Komm gut an!“ zu sprechen. Sie fragte Marcus Greslehner, welche Verkehrsmittel die Beschäftigten für den Arbeitsweg nutzen. Die meisten würden mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen, erklärte er, einige mit dem Fahrrad, manche ab und zu mit dem Auto. Kuderna versorgte den Geschäftsführer des Kaffeehauses mit Tipps für eine sichere Fahrt und mit retroreflektierenden Streifen für die Fahrräder, bevor sie ihren – zumindest beruflich – letzten Besuch im Café Friedl beendete.

Zusammenfassung

Dr.in Veronika Kuderna ist als Arbeitsmedizinerin im AUVAsicher-Präventionszentrum Wien tätig. Sie schätzt es, Unternehmen längere Zeit hindurch begleiten zu können und sie bei der Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen zu unterstützen. Nach 22 Jahren bei AUVAsicher tritt sie mit Jahresende 2024 ihre Pension an. SICHERE ARBEIT war bei ihrem letzten Besuch im Café Friedl dabei.


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