A&O-Psychologie

Computer Says No (2)

Die Wissensarbeit wird durch die fortschreitende Computerisierung, Digitalisierung und die Industrie 4.0 wesentlich verändert. Aus der Sicht der Autorin muss die Arbeits- und Organisationspsychologie im Sinne des dualen Entwerfens von Bearbeitungsprozessen Einfluss auf diese Entwicklung nehmen und sie mitgestaltend begleiten. Der erste Teil dieses Beitrags (SICHERE ARBEIT 2/17) hat theoretische Grundlagen der Tätigkeitsanalyse mittels TBS-GA in Ausschnitten behandelt. In Teil 2 wird nun anhand sechs ausgewählter Themen zu Automatisierung, Digitalisierung und Computerisierung der Beitrag der Arbeitspsychologie thematisiert.
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Einen Großteil heutiger Erwerbsarbeit stellt die Wissensarbeit dar. Produktive geistige Tätigkeiten sind nicht nur der Entwicklung und Forschung vorbehalten. Tätigkeiten wie die eines Softwarearchitekten oder einer Facharbeiterin, aber auch von Komponisten, Ärztinnen, Lehrern und vielen anderen Berufen sind produktive geistige Tätigkeiten. Es sind genau jene Berufe, um die es in einer Wissensgesellschaft geht, die durch Innovation vorankommen will und ein Wissensmanagement braucht, um Wissen erfolgreich weiterzugeben.

Wissensarbeit im digitalen Zeitalter

Folglich liegt eine der bedeutendsten Aufgaben der Arbeits- und Organisationspsychologie darin, Einfluss darauf zu nehmen, wie Denken und Problemlösen in der Arbeit gefördert werden können.

Roboter und die Entwicklung der künstlichen Intelligenz verändern nicht nur die unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ bekannt gewordene Industrie- und Produktionsarbeit, sondern zunehmend auch die Wissensarbeit. Auf welche Weise die Arbeit zwischen Technik und Mensch organisiert wird, hat wesentlichen Einfluss darauf, ob Denken und Problemlösen in der Arbeit störungsfrei und reibungslos möglich sind oder ob geistige Arbeit behindert wird.

Eine langjährige Forderung der Arbeits- und Organisationspsychologie ist es daher, dass Arbeitspsychologie und Technik parallel und vorausschauend die Funktionsteilung zwischen Technik und Mensch entwerfen (duales Entwerfen von Bearbeitungsprozessen).

Dazu bedarf es einer Analyse des Denkens und Handelns, damit die Analyseergebnisse in Form von konkreten Gestaltungshinweisen praktisch wirksam werden können. Mit der Handlungsregulationstheorie steht der Arbeits- und Organisationspsychologie eine geeignete theoretische Grundlage zur Bewertung zur Verfügung. Für die Praxis wurde u. a. ein auf dieser Theorie basierendes psychologisches Arbeitsanalyseinstrument entwickelt, das seit Jahrzehnten erprobt ist: das Tätigkeitsbewertungssystem, TBS (Zugang: aowΨ Datenbank). Dieser Artikel soll exemplarisch aufzeigen, mit welchem Beitrag sich Arbeits- und Organisationspsychologen an aktuellen und zukünftigen Entwicklungen der Computerisierung, Digitalisierung und der vernetzten künstlichen Intelligenz beteiligen können.

Der Beitrag der Arbeitspsychologie

Voranschreitende Automatisierung, Computerisierung und Digitalisierung in der Wissens- und Denkarbeit verändern die Aufgabenteilung zwischen Mensch und Computer grundlegend, was zunächst neutral zu bewerten ist. Beispielsweise können Roboter nicht den Menschen (den gibt es ja weiterhin), sehr wohl aber die menschliche Arbeit ersetzen oder ihn unterstützen. Daraus folgt, dass das Ersetzen geistiger Arbeitsleistungen durch künstliche Intelligenz keine rein technische, sondern in hohem Maße auch eine arbeits- und organisationspsychologische Aufgabe ist. Anhand einiger aktueller und zukünftiger Entwicklungen soll beschrieben werden, was aus arbeitspsychologischer Sicht die Folgen für die produktive geistige Arbeit sein können, wie die A&O Psychologie sie bewertet und welche Lösungen sie anbieten kann.

Industrie 4.0

Mit „Industrie 4.0“ wird das „Internet der Dinge“ oder „cyberphysical system“ bezeichnet. Damit wird eine vierte Stufe der Automatisierung beschrieben. Vernetzte, verteilte künstliche Intelligenz macht nicht nur Maschinen, sondern auch Arbeitsgegenstände intelligent. Dinge und Gegenstände betreiben die Informationsarbeit selbst. Gegenstände können auch ohne den Menschen Informationsaustausch betreiben, kommunizieren und dabei Bearbeitungsfunktionen selbst auslösen (Hacker 2016, PB 89, S. 1). Die Schlüsseltechnologie, die es dazu braucht, ist der Mobilfunk. Nach diesem Prinzip funktionieren auch moderne Erntemaschinensysteme M2M (machine to machine; vgl. Hacker 2016, PB 89, S. 3).

Werkstücke werden mit Sensorik, Funkchips sowie digitalen Speichern und intelligenten Geräten ausgestattet. Auto-Identifikationssysteme und Logistiksysteme, versehen mit „Schwarmintelligenz“, kommunizieren mit den smarten Werkstücken und organisieren Materialfluss und Versorgungsketten. Damit ausgestattet, sind auch Roboter weit mehr als technische Geräte, die dem Menschen mechanische Arbeit abnehmen und lediglich Handhabungs- und Fertigungsaufgaben ausführen. Selbstlernmodule in Maschinensystemen ersetzen, so die allgemeine Meinung, nicht nur Lagerarbeiterinnen und -arbeiter, Maschinenbedienerinnen und -bediener oder Transportfahrerinnen und -fahrer, sondern auch Arbeitsplätze der Planung und Steuerung, der internen Logistik oder Disposition mit allen ihren Folgen für Gesellschaft und Politik (vgl. Hacker 2016, PB 89; S. 3; oder Holtgrewe 2015). Ein Beispiel aus der Dienstleistung: Unser Alltag könnte zunehmend von Paketboten- oder Lieferrobotern geprägt werden, das selbstfahrende Auto ist bereits in der Testphase, wie man den Medien nahezu täglich entnehmen kann (vgl. Schmitt, Die Zeit, 2016; oder Möchel, Wiener Zeitung, 2016).

Ein Beispiel aus der Produktion: Dass Roboter auch so eingesetzt werden können, dass Menschen mit Robotersystemen kooperieren, zeigt die Entwicklung von Collaborative Robots (Co-Bots). Sie übernehmen im gemischten Team von Menschen und Industrieroboter jene Arbeitsschritte, die bei ständiger Wiederholung für den Menschen fehlbeanspruchend sind. Während klassische Industrieroboter bei Änderungen neu programmiert werden müssen, verfügen Co-Bots über interne Software, die eine Abfolge an Bewegungen in ein Programm zu übersetzen vermag (vgl. Buchter, Die Zeit, 2016). Die Medizin ist hingegen kein Anwendungsgebiet der Robotik wie jedes andere. Chirurgieroboter sind (noch) so programmiert, dass sie nicht autonom handeln, weil „digitale Chirurgen“ durch reale Chirurgen an der Konsole gesteuert werden. Die Operation wird am dreidimensionalen Bild auf der Konsole durchgeführt (Maier, Die Zeit, 2016). 

Welche Folgen sind zu beobachten/zu erwarten?
Die Folgen für die geistige Arbeit des Menschen hängen davon ab, ob Automatisierung entlastet oder ersetzt. Wird der Mensch nur mehr für „Hilfstätigkeiten“ eingesetzt bzw. füllt er Automatisierungslücken, die eine autonome Maschine nicht erledigt, sind Hirnfunktionen, Denkleistungen und ihre Qualifikationen nicht mehr erforderlich. Nicht das technische System ist ein Werkzeug des Menschen, sondern der Mensch wird zum Werkzeug der intelligenten Technik mit allen Folgen. Fertigkeiten, Fähigkeiten, Wissen und das Sozialleben verkümmern. So werden im Fall der Erntemaschinen landwirtschaftliche Fachkräfte zu internetgesteuerten angelernten Hilfskräften (Hacker 2016, PB 89, S. 3).

Beitrag der A&O Psychologie:
A&O Psychologinnen und -psychologen beraten im dualen Entwerfen (prospektiv), was bei Automatisierungslösungen in welcher Weise beim arbeitenden Menschen bleiben soll. Bei der Einführung technischer Systeme bewerten A&O Psychologinnen und -psychologen die beim Menschen verbleibenden Tätigkeiten danach, ob sie frei von Fehlbeanspruchungen sind, ob die Mindestanforderungen der Funktionsteilung Mensch, Technik und Organisation gegeben sind und ob die Richtlinien zur Gestaltung geistiger Arbeitstätigkeit erfüllt sind (vgl. Rudolph, Schönfelder & Hacker 1987, TBS-GA Handanweisung, S. 98ff). A&O Psychologinnen und -psychologen bedenken, ob die Dialoggestaltung nur reine Dateneingabe oder Datenausgabe enthält oder interaktives Arbeiten mit der Technik erfordert (Dialogarbeit; vgl. Rudolph, Schönfelder & Hacker, TBS-GA, S. 97ff). A&O Psychologinnen und -psychologen überlegen im dualen Entwerfen (prospektiv), ob Roboter so eingesetzt werden, dass sich der Mensch über deren Funktionieren ein mentales Modell bilden kann, die arbeitsbedingte Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen nicht verloren geht und sich der Verlust an Sozialleben verhindern lässt.

Kognitive Assistenzprogramme

Die vernetzte künstliche Intelligenz oder „Artificial Intelligence“ (AI) als jener Theorieansatz, der versucht, menschliche Intelligenz nachzuahmen, wird durch Algorithmen realisiert. Mit dem Internet vernetzt, können große Datenmassen gleichzeitig verarbeitet werden (Big Data Analyseverfahren), auch 3-D-Drucksysteme stehen zur Verfügung. Damit können große Teile der Wissensarbeit bereits jetzt abgelöst werden und die Grenzen verschieben sich weiter.

Beispiele: Ärztinnen und Ärzte werden durch die algorithmische Diagnostik beim Auffinden von Diagnosen unterstützt. Oder: Eine Software entwickelt rascher Synthesewege für neue chemische Verbindungen als Menschen. IBM arbeitet an einem kognitiven System „Watson“, das die natürliche menschliche Sprache versteht, selbstständig Informationen aus Daten gewinnen kann, analysieren und Schlüsse ziehen kann. Laut Wikipedia ist Watson nicht an das Internet angeschlossen, nutzt hunderte Algorithmen gleichzeitig, um über einen Pfad eine Antwort zu finden. Watson erstellt und bewertet Hypothesen. Algorithmen sind für persönlich adressierte Werbung ebenso verantwortlich wie dafür, ob ein Kredit, eine Beihilfe oder eine Förderung gewährt wird oder nicht. Der Satz „Computer Says No“, der durch die britische Komödie „Little Britain“ Beliebtheit erlangte, wurde zum Synonym für Entscheidungen, die ausschließlich auf elektronisch verarbeiteten Daten beruhen.

Welche Folgen sind zu beobachten oder zu erwarten?
Die Folgen für die geistige Arbeit des Menschen hängen davon ab, ob künstliche Systeme unterstützten oder ersetzen. Künstliche Systeme können dem Menschen dienlich sein, wenn die Entscheidung beim Menschen verbleibt. Ersetzen sie den Menschen, weil die Entscheidung aufgrund eines Computerprogramms erfolgt, wird Wissen verlernt und Qualifikationen gehen verloren. Dass jeder das Recht haben soll, nicht Objekt automatisierter Entscheidungen von erheblicher Bedeutung für die Lebensführung zu sein, das fordern bereits Bürgerinnen und Bürger in der „Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union“ (digitalcharta.eu) . Diese wurde am 5. Dezember 2016 dem Europäischen Parlament in Brüssel übergeben.

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Beitrag der A&O Psychologie:
A&O Psychologinnen und -psychologen empfehlen im dualen Entwerfen (prospektiv), was die Computerunterstützung umfassen soll. Sie untersuchen, ob sich der Mensch ein mentales Modell der vernetzten künstlichen Intelligenz machen kann, und vieles andere mehr (siehe Hacker 2016, PB 89, S. 12–14). Sie beraten, welche Chancen Führungskräfte nützen können. So lassen sich etwa mittels TBS-GA nicht nur die (verbleibenden) Formen intellektueller Leistungen analysieren und bewerten, vielmehr können prospektiv auch jene geistigen Tätigkeiten identifiziert werden, die ohne Qualifikationsverlust durch Computerunterstützung abgelöst werden können. Computerassistenzprogramme basieren häufig auf Zahlenvergleichen, Gewichtungen und Wahrscheinlichkeitsaussagen. Vergleichen und Sortieren sind Komponenten, die dem Menschen abgenommen werden sollten, Schätzungen und Kontrollfunktionen sollten hingegen bei ihm verbleiben (vgl. Rudolph, Schönfelder & Hacker 1987, TBS-GA, S. 99–100). Alles, was die chronologische Darstellung eines Verlaufes grafisch unterstützt, ist beispielsweise hilfreich für den Menschen. Sind Assistenzprogramme hingegen nicht durchschaubar, kommt es zu Wissens- und Qualifikationsverlusten.

A&O Psychologinnen und -psychologen beurteilen mittels TBS-GA das Ausmaß des Entscheidungsspielraums über das Ergebnis elektronisch verarbeiteter Daten hinaus als einen Bestandteil des Tätigkeitsspielraums, der einen wichtigen Beitrag zur Durchschaubarkeit liefert (Ulich 2011, S. 187). Durchschaubarkeit, Vorhersehbarkeit und Beeinflussbarkeit zählen zu den Basiskomponenten einer selbstständigen und gesunden Lebensführung.

Kognitive Assistenzprogramme, Wissenszuwachs

Die Weitergabe von Information ist die Voraussetzung zur Erzeugung von Wissen. Aber erst, wenn sie mit dem in der Ausbildung erworbenen Vorwissen verknüpft und in die eigenen Erfahrungen integriert werden kann, wird Information zu Wissen. Beispiel: Eine reine Auflistung von Medikamentenwechselwirkungen, die sich nicht am diagnostischen Prozess der Ärztin/ des Arztes orientiert, kann nicht zu Wissen werden.

Verzögerungen und Handlungsfehler in der Wissensarbeit lassen sich häufig auf Informationsdefizite, aber auch auf eine Informations- und Wissensflut zurückführen. Für die Arbeit sind in der Regel nur Informationen bedeutsam, die handlungsrelevant sind, etwa jene, die bei einem Schichtwechsel weitergegeben werden.

Dazu ist es erforderlich, ausreichend Gelegenheit zu haben, Probleme unter Zuhilfenahme von Denkmitteln immer wieder durchzuarbeiten und eigene Erfahrungen zu sammeln. Nur so ist es möglich, Gedächtnisrepräsentationen zu bilden, die wiederum das Ergebnis selbsterworbener Erfahrung sind (vgl. Hacker 2015, PB 87).

Welche Folgen sind zu beobachten/zu erwarten?
Steht nicht ausreichend Zeit zur Problemlösung zur Verfügung und können keine eigenen Erfahrungen gesammelt werden, ist das hinderlich für den Wissenserwerb. Es kommt zum Verlust von Wissen beim Problemlösen.

Arbeits- und organisationspsychologisch gesehen, ist das bei produktiven geistigen Tätigkeiten in mindestens zweierlei Hinsicht von Bedeutung:

  1. Je komplexer ein Problem, desto mehr geeignete Problemlöseschritte oder -möglichkeiten gilt es gleichzeitig „im Kopf“ zu behalten. Das dem Menschen dafür zur Verfügung stehende Arbeitsgedächtnis ist durch die „Enge des Bewusstseins“ begrenzt. Diese Begrenzung beeinflusst jedoch die Lösungsgüte.
  2. Die vorstellungsmäßige oder gedankliche Repräsentation des Problems bzw. der Problemlöseschritte oder -möglichkeiten bildet den „Suchraum“. Keine Lösung kann besser sein, als der Suchraum das erlaubt (Hacker 2006, S. 20, 21). Daraus folgt: Ist der Suchraum aufgrund mangelnden Wissens eingeschränkt, ist die Lösungsgüte ebenfalls eingeschränkt.

Beitrag der A&O Psychologie:
A&O Psychologinnen und -psychologen treten im dualen Entwerfen (prospektiv) dafür ein, dass zur Ausübung der beruflichen Tätigkeit ausreichend Wissen vorhanden ist, dieses genutzt und laufend erweitert werden kann. Sie achten unter Zuhilfenahme z. B. des TBS-GA darauf, dass die Arbeitsorganisation sicherstellt, dass erworbenes Wissen nicht verloren geht. Sie wissen um die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses und darum, wie bzw. ob es durch Assistenzprogramme wie gedächtnisstützende Checklisten unterstützt werden soll. A&O Psychologinnen und -psychologen erarbeiten gemeinsam mit dem Betrieb, welche Information handlungsrelevantes Wissen ist und weitergegeben werden soll.

Partialisierung, Auslagerung von Produktionsschritten

Ist Wissenserwerb nicht mehr notwendig, kommt es zunehmend auch zu einer neuen Form der Partialisierung der Arbeit. Die Auslagerung einzelner Produktionsschritte in „Billiglohnländer“ ist das Ergebnis der Zerstückelung des Arbeitsprozesses und des Ausgliederns einzelner Bereiche. Dabei entstehen komplexe und dynamische Lieferanten- und Kundennetzwerke (Lieferketten – supply chain). 

Infolge der Digitalisierung führt der Arbeitsexport zu einer neuartigen Verteilung der Wissensarbeit über die Welt (Call Centers, Buchhaltungen, Softwareproduktionen etc.) und erhöht den Wettbewerbsdruck auf hochqualifizierte mitteleuropäische Arbeitskräfte (vgl. Hacker 2016, PB 89, S. 7-9).

Welche Folgen sind zu beobachten/zu erwarten?
Ganze Berufsgruppen verschwinden entweder vollständig oder in andere Länder. Wissensarbeit als qualifizierte Facharbeit wird entwertet, arbeitsbedingte Kommunikation und Kooperation sind nicht mehr erforderlich. Die Automatisierung ermöglicht es, Fachkräfte in großem Ausmaß einzusparen. Dabei führt selten alleine die Technik zum Ablösen des Menschen, sondern in der Regel die Technik im Zusammenhang mit wirtschaftlicher Reorganisation, beispielsweise durch Selbstbedienung.

Beispiel: Das „Zerstückeln der Aufgabe“ führt dazu, dass aus Handwerken wie z. B. Automechaniker softwaregeführte Bauteile-Austauscher werden, dass aus Verkäuferinnen und Verkäufern Kassiererinnen und Kassiere und aus diesen Regalauffüllerinnen und -auffüller oder aus Erntemaschinenführerinnen und -führern angelernte Traktorfahrerinnen bzw. -fahrer werden etc. (vgl. Hacker 2016, PB 89, S. 7–9). Durch komplexe und dynamische Lieferketten, Just-in-time-Produktion und First-in-first-out-Prinzipien kommt es in der Werkstattsteuerung vermehrt zu Schwankungen und Störungen. Diese verursachen wechselnde oder widersprüchliche Ziele, die nicht nur die Informationsverarbeitung auf jeder Ebene stören, sondern vermehrt arbeitsbedingte psychische Fehlbeanspruchungen verursachen.

Beitrag der A&O Psychologie:
Das „Zerstückeln der Aufgabe“ oder der Verbleib von lediglich „Resttätigkeiten“ für den Menschen macht es notwendig, anhand einer fundierten Analyse die Funktionsteilung neu zu überdenken.

A&O Psychologinnen und -psychologen beraten im dualen Entwerfen (prospektiv), welche wesentlichen Teile der Aufgabe für eine humane Arbeitsgestaltung erhalten bleiben sollen und wie ein Verlust an Sozialleben vermieden werden kann. Beispielsweise wird unter Einhaltung der soziotechnischen Prinzipien beurteilt, inwieweit sich eine Gruppe noch selbst regulieren kann, um eine gemeinsame Aufgabenorientierung aufrechtzuerhalten (Ulich & Wülser, 2015, S. 248; siehe auch aowΨ Datenbank).

A&O Psychologinnen und -psychologen achten im dualen Entwerfen darauf, dass mehrdeutige Ziele vermieden oder reduziert werden und alle Informationen vorhanden sind, die das erfolgreiche Bearbeiten eines Problems verlangt (vgl. Hacker 2016, PB 89, S. 14, 15).

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Digitale Arbeitsmittel zur geistigen Tätigkeit des „Entwerfens“

„Trotz modernster digitaler Technik, wie z. B. CAD, oder virtual Reality Systeme werden neue Produktideen in den leistungsbestimmenden frühen Phasen des Entwerfens von kreativen Konstrukteuren von Hand skizzierend entwickelt.“ (Sachse 2006, S. 31)

Modernste digitale Arbeitsmittel des Entwerfens oder des Diagnostizierens stehen zur Verfügung, die die Einheit von Denken und Tun in der Wissens- und Denkarbeit auch in anderen Wissensberufen fördern oder behindern können. Eine massive Behinderung von Denkprozessen stellt der Verzicht auf Denkunterstützungen aufgrund der Digitalisierung dar. Wie Sachse ausführt, ist die Entwurfsskizze oder das Modell Arbeitsmittel. Mithilfe von Modellen lassen sich Anordnung, Prinzip und Form leichter darstellen und veranschaulichen, Lösungsversuche sichtbar machen, Korrekturen vornehmen etc. Effektives Handeln ist auf unzerschnittene und unverzögert arbeitende Rückkoppelungskreise angewiesen (vgl. Sachse 2006, S. 37, 41). Wie dieser Prozess zwischen Entwurfsdenken und Darstellungshandeln aussehen könnte, dazu gibt es konkrete Modellvorstellungen in Form einer Doppelhelixstruktur (Sachse 2006, S. 35).

Beispiele: Eine andere Form des Denkhandelns ist das Diagnoseverfahren der Palpation – der ärztlichen Untersuchung des Körpers durch Betasten. Auch die genannten Chirurgieroboter werden hauptsächlich wegen der Feinmotorik eingesetzt, an der Sensorik scheitern sie jedoch (Maier, Die Zeit, 2016). Das Handeln – z. B. über die Oberfläche eines Materials zu streichen, den Bauch abzutasten – gehört zur Einheit von Denken und Tun.

Welche Folgen sind zu beobachten/zu erwarten?
Der Verzicht auf händische Skizzen und Modelle führt beispielsweise zu einer Einschränkung der Ideenentwicklung. Psychomotorische Prozesse unterstützen das Entstehen von Lösungsideen (vgl. Hacker 2006, S. 21). Zahlreiche experimentelle Studien können die Effektivitätsverbesserung durch Skizzieren und Modellieren bei Konstruktionsaufgaben bestätigen (vgl. Hacker, Sachse 2006, S. 688–701).

Die Entwicklung zum „papierlosen Büro“ scheint zumindest im Zusammenhang mit Entwurfs- und Diagnosetätigkeit hemmend zu sein (vgl. auch Hacker, Benecke 2016, PB, Heft 91). Aus Sicht der Autorin könnte auch das Auf- und Abgehen beim Nachdenken eine bestimmte Bedeutung für Denkprozesse haben. Sollte das der Fall sein, dann wäre das in der Raumbedarfsplanung in- und außerhalb des Arbeitsplatzes zu berücksichtigen.

Beitrag der A&O Psychologie:
Denkunterstützungen sind notwendig, um Einfälle zu fixieren, das Arbeitsgedächtnis zu entlasten, Ideen zu produzieren und das schlussfolgernde Denken zu unterstützen.

A&O Psychologinnen und -psychologen analysieren im dualen Entwerfen (prospektiv), ob die Einheit von Denken und Tun gewährleistet ist. Die Ausführungsbedingungen werden mittels TBS-GA danach bewertet, ob es Gelegenheiten gibt, im Wechsel zwischen Denken und psychomotorischem Operieren die Lösung zu konstruieren, zu kontrollieren und zu korrigieren.

Pflegeroboter und psychosoziale Arbeit

Für die Arbeit an oder mit Lebewesen gelten zusätzlich spezielle geschriebene und ungeschriebene ethische Regeln und Konventionen. Bei allen Gestaltungswegen von Arbeitsprozessen sollten diese berücksichtigt werden. Das betrifft insbesondere auch deren Ausführungsbedingungen, die Arbeitsorganisation und den Technikeinsatz. Beim Einsatz von Technik ist darauf zu achten, dass der zu erfüllende Arbeitsauftrag nicht nur dienstleister-, sondern auch klientenfreundlich ist, weil ihn der Dienstleister nur dann berufsethisch vertreten kann (Hacker 2009; S. 256). Beispiel „Arbeitsorganisation“: Warte- und Unterbrechungszeiten bei Arztbesuchen oder in Spitälern erleben Menschen als Zurückweisung.

Führende A&O-Psychologinnen und -psychologen sind der Meinung, dass es inhaltlich nicht möglich ist, physische (instrumentelle) Arbeitshandlungen und psychosoziale Arbeitsanteile (Gefühlsmanagement) zu trennen (Hacker 2009, S. 22). Im Gegensatz dazu findet sich in Japan die Vision, alle Arbeitsbereiche in der Pflege zwischen Menschen und Robotern aufzuteilen; nur die „psychologische Komponente der Pflege sollten hingegen eher menschliche Pflegekräfte leisten“ (Lill, Die Zeit, 2016).

Welche Folgen sind zu beobachten/zu erwarten?
Emotionen sind in der Arbeit an oder mit Menschen Arbeitsgegenstand und Arbeitsmittel. Um emotionale Fehlbeanspruchung zu vermeiden, bedarf es bestimmter Rahmenbedingungen (vgl. Hacker 2016, PB 89, S. 16–19). Schenkt man jedoch den Berichten Glauben, so verändert sich unsere Beziehung zu Robotern. In Japan spielen Pflegeroboter insgesamt eine große Rolle. Wie Robert Trappl im Interview anmerkt, sind Patienten traurig, wenn der Roboter Paro, der einem Robbenbaby nachempfunden ist, zur Reparatur muss (Konzett, im Interview mit Robert Trappl, Falter Uni-Serie, 2016). Auch gegen Einsamkeit im Alter wurden zärtlichkeitsspendende Maschinenmännchen entworfen (Lill, Die Zeit, 2016). In oben genanntem Sinne wäre daher zu fragen, ob der zu erfüllende Arbeitsauftrag nicht nur klienten- sondern auch dienstleisterfreundlich ist.

Beitrag der A&O Psychologie:
A&O Psychologinnen und -psychologen denken im dualen Entwerfen (prospektiv) daran, ob bei der Arbeit an oder mit Menschen ein optimaler Ablauf von Handlungsphasen in einer sachlogischen Reihenfolge gewährleistet ist. Der Mensch muss sein eigenes Vorgehen entwickeln können, was sich mittels TBS-GA überprüfen lässt. So werden durch Pflegeroboter nicht notwendigerweise unvollständige Handlungszyklen erzeugt – das gilt es zu vermeiden. Zudem konnte Tschan (1995, 2000, 2002) zeigen, dass die Einhaltung dieser arbeitspsychologischen Grundsätze mit höherer Leistung einhergeht (vgl. Hacker 2009, S. 31). Lill merkt in seinem Beitrag in „Die Zeit“ an, „japanische Informatiker und Ingenieure aus Europa schwärmen davon, dass hier in Japan nicht jede Forschungsidee durch ethische Fragen aufgehalten werde“. Dazu ist zu sagen, dass A&O Psychologinnen und -psychologen zur Rolle der mitmenschlichen Zuwendung in der Arbeitsorganisation eine psychologisch begründete berufsethische Haltung haben.

Zusammenfassung

In Anlehnung an Hackers vier Fragen an die Arbeitspsychologie für die Wissensarbeit und Teile der Denkarbeit (2016, S. 6) lässt sich zusammenfassend Folgendes sagen: Welche geistigen Arbeitsleistungen vermag vernetzte künstliche Intelligenz freizusetzen? Oder erzeugt sie eventuell neue Erwerbsarbeit? Die Ablösung menschlicher Wissensarbeit durch Automatisierung, Digitalisierung und künstliche Intelligenz ist überall dort möglich, wo es um Rechenoperationen, eindeutig formalisierbare Prozeduren mit gegenständlichen Begriffen, eindeutige Kategorien, verbal präzise gefasste Vorstellungen – kurz: eindeutige Verarbeitungsregeln der Information (Algorithmen) – geht. Computer erlauben die Automatisierung extrem belastender und fehlbeanspruchender Arbeit, Roboter können uns schwere körperliche Arbeit abnehmen. Richtig eingesetzt, können Computerisierung, Digitalisierung und Automatisierung dazu beitragen, sowohl psychische Unterforderung als auch psychische Überforderung zu vermeiden, und uns die Arbeit erleichtern. Sie könnten aber auch genau das Gegenteil davon bewirken, wenn man den Menschen als zu minimierenden Kostenfaktor sieht.

Digitalisierte Information ermöglicht es, den Menschen zu entlasten und unser Wissen zu vergrößern, prinzipiell auch im Übergangsfeld, wo definierbare Findehilfen (Heuristiken) angegeben werden können (Hacker 2016, PB 89, S. 5–7). Entlasten kann der Computer die Menschen bei der Problemlösung, indem er z. B. bei der Suche nach der häufigsten Ursache oder dem Verwenden von Ähnlichkeitsassoziationen unterstützt, solange Problemlösen und Entscheiden beim Menschen verbleiben.

Digitalisierte Information ermöglicht es jedoch auch, menschliche Arbeit (nicht aber den Menschen) zu ersetzen. Es sollte auf die Aufgaben ankommen, nicht auf das technisch Machbare, wo Heuristiken, die als Softwareprogramme darstellbar sind, menschliche Arbeit künftig ersetzen sollen, zumal es den Menschen danach immer noch gibt. Nach Ansicht der Autorin könnten definierbare Heuristiken sogar auf ein psychotherapeutisches Gespräch anwendbar sein: So folgt beispielsweise die Zentralkarte der lösungsorientierten Psychotherapie von Steve de Shazer vergleichbar mit nur zwei Signalzuständen von Computern und Entscheidungsbäumen. Die Matrix stellt den Kern lösungsorientierten Vorgehens verdichtet dar (De Shazer 1997, S. 103).

Bei geistigen Anforderungen, wie sie bei der Arbeit an neuartigen Produkten oder Prozessen (Innovationsarbeit) zu bewältigen sind, gibt es nach Auffassung von Hacker (2016, S. 10f) eindeutig technologische Grenzen der Ablösung geistiger Arbeit durch Automatisierung. Dennoch existieren bereits Programme, die Analogien bilden können.

Jaan Tallinn, Entwickler von Skype, nennt dazu das Programm „Wortvektor“ und macht darauf aufmerksam, dass lernende Computer (deep learning) Stücke komponieren können, die „wie Bach klingen“. Zudem weist er darauf hin, dass Computer auch unser Verhalten beeinflussen (Laarz im Interview mit Tallinn, GEO Österreich 2017). Die Frage, ob vernetzte künstliche Intelligenz neue Erwerbsarbeit zu schaffen vermag, ist laut Hacker noch offen. Durch Selbstbedienung sind auch in der Vergangenheit bereits ganze Berufsgruppen verschwunden: Straßenbahn- und Busschaffner, Bank- und Auskunftsschalterpersonen, Verkäuferinnen, Zeitungszusteller etc.

In der Öffentlichkeit werden regelmäßig Schätzungen von rund 40 Prozent der Arbeitsplätze kolportiert, die durch Automatisierung ersetzt werden könnten. Die Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt FORBA (2015) bezieht sich auf Zahlen, die besagen, dass 47 Prozent aller Jobs in den USA oder 54,1 Prozent der Industriearbeitsplätze in Österreich „automatisierbar“ sind. Gleichzeitig beurteilt das Holtgrewe (FORBA, 2015) als eher unwahrscheinlich.

Brezski & Burk warnen, in Deutschland könnten 70 Prozent der Arbeitsplätze verloren gehen. Laut einer Studie seien im Durchschnitt 59 Prozent bzw. 18 Millionen Arbeitsplätze von vernetzter künstlicher Intelligenz und Robotik betroffen. Die Spannweite reicht in der Studie von Brezski & Burk von 86 Prozent in Verwaltung, unter Bürokräften oder ungelernten Hilfsarbeitern bis zu 12 Prozent bei akademischen Experten in der Informatik, in naturwissenschaftlichen Berufen oder in der Medizin (Brezski & Burk, 2015, aus: Hacker 2016, S. 7, 16). Experten für die Programmierung jener Systeme ersetzen sich teilweise selbst, so die Einschätzung, die sich aus der Studie ergibt. Aus Sicht der Autorin scheint es jedenfalls sicher zu sein, dass nicht nur niedrigqualifizierte Berufe betroffen sind und dass eine höhere Bildung vor Arbeitslosigkeit nur dann schützt, wenn wir, wie es Robert Trappl in einem Interview ausgedrückt hat, aufpassen, „dass wir nicht in eine Kultur der Nur-Digitalisierung, der Nur-Rationalisierung hineinkommen“.

Das Europäische Parlament sieht den Einfluss von Robotern auf den Arbeitsmarkt jedoch als gegeben an. In ihren Empfehlungen an die Kommission sind die EU-Abgeordneten nicht nur der Ausfassung, dass aufgrund des Einsatzes von KI und Robotik in den Unternehmen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge in Erwägung gezogen werden sollten, sondern kommen darüber hinaus auch zu dem Schluss, dass ein allgemeines Grundeinkommen für alle Mitgliedstaaten in Erwägung zu ziehen ist (Entwurf eines Berichts mit Empfehlungen an die Kommission zu zivilrechtlichen Regelungen im Bereich Robotik 2015/2103[INL]).

Aus Sicht der Autorin gibt es viele gute Gründe für ein bedingungsloses Grundeinkommen, beispielsweise die Einbeziehung unbezahlter Versorgungs- und Eigenarbeit sowie soziales, ehrenamtliches oder gesellschaftliches Engagement (Hacker 2015, S. 80) oder die Tatsache, dass das Realeinkommen weiter sinkt – bei gleichzeitiger Vergrößerung des Abstandes zwischen den Einkommen, auch zwischen jenen von Mann und Frau (Allgemeiner Einkommensbericht des Rechnungshofes 2016). Aus psychologischer Sicht sollte der Grund dafür aber keinesfalls sein, dass wir die Arbeit abschaffen wollen.

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Fazit und Ausblick

Fast gewinnt man den Eindruck, dass die Liste der verbleibenden geistigen Arbeitsleistungen, die vernetzte künstliche Intelligenz noch nicht zu ersetzen vermag, in Zukunft immer kürzer werden soll. Betrachtet man die Mensch-Technik-Funktionsteilung nur unter dem technischen Aspekt, dann stellt sich sehr bald die Frage, was nun als notwendige und/oder hinreichende Merkmale der geistigen Leistung des Menschen übrig bleibt.

Das wiederum erinnert die Autorin an die Liste sogenannter Anthropika („Monopole des Menschen“, Max Scheler), die ihn, den Menschen, kennzeichnen sollen. Die Liste reicht über 32 Seiten und umfasst Merkmale, die vom Homo habilis (Geschicklichkeit) bis zum Homo interpretata interpretans (Deutungen wiederum deutend) reichen. Ausgerechnet der Homo technicus oder Homo technologicus wurde im Zusammenhang mit der „Psychologie der Kreativität“ nicht weiter behandelt (Lenk 2000, S. 13–45). So weit hergeholt scheint der Vergleich nicht zu sein: „Was unterscheidet den Menschen vom Computer?“, lautet die aktuelle Frage, die sich in dem Resolutionsentwurf des Europäischen Parlaments findet. Was werden Maschinen dann sein? Personen, Gegenstände oder Tiere?

Der Philosoph Luciano Floridi sieht sogar den Bedarf, sich als Mensch neu zu definieren: „Lange hat der Mensch geglaubt, er sei die Krone der Schöpfung. Heute gewinnen wir nicht einmal mehr im Schach gegen Computer. Deswegen müsse sich der Mensch abermals neu definieren – auch wenn es schmerzhaft ist.“ (Marlene Nowotny, Ö1 Wissenschaft, publiziert am 5.2.2017). Hacker macht jedoch zu Recht darauf aufmerksam, dass in der Regel die Technik im Zusammenhang mit wirtschaftlicher Reorganisation zu einer Ablösung von Arbeitsplätzen führt. Oesterreich wies schon 2006 darauf hin, dass es „eine Entwürdigung arbeitender Menschen und respektlos gegenüber der menschlichen Arbeit“ sei, „arbeitende Menschen als zu minimierenden Kostenfaktor zu behandeln“ (Oesterreich 2006, S. 114). Der wirtschaftlich denkende Mensch (Homo oeconomicus, McKenzie, Tullock, in: Lenk, S. 36) ist ausschließlich an gewinnbringenden Geschäftsmodellen interessiert (vgl. austrian-standards:FutureStandardsNow – Industrie 4.0). Auch eine rein wirtschaftliche Betrachtung greift also zu kurz. Um die rechtlichen Fragen macht man sich auf europäischer Ebene bereits Sorgen (digitalcharta.eu). Bemerkenswert ist aus Sicht der Autorin der Artikel 2, der das „Recht auf Nichtwissen“ enthält.

Die Zukunft lernender Computerprogramme

Ein anderes Merkmal findet sich in der Liste der Anthropika: der „immer (weiter) lernende Mensch mit dem Merkmal lebenslanges Lernen“ (Sachsse, S. 23, in Lenk 2000). Das jedenfalls kann der Computer ebenfalls, und nach Ansicht führender Köpfe wird er es vermutlich in Zukunft in mancher Hinsicht besser können als wir – mit einem wesentlichen Nachteil: Lernende Computerprogramme kann man nicht steuern, weil das Programm durch seine Arbeit immer besser wird. Robert Trappl, Leiter des Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence (OFAI) meint dazu: „Lernfähigkeit gibt es zwar schon seit 1956, vieles haben aber erst die schnelleren Computer mit besseren Speichern und neuen Methoden möglich gemacht. Das Internet hat eine fast unendliche Informationsbasis zur Verfügung.“

Auch wenn jene Zeit, da Roboter autonom werden denken können, noch weit entfernt ist, müssen wir uns laut Trappl eine Frage ernsthaft stellen: „Was können wir tun, welche Gesetzmäßigkeiten müssen wir Robotern beibringen, damit sie uns nicht abschaffen, damit sie nicht die Herrschaft antreten?“ (Konzett, Falter, 2016)

Auch Jaan Tallinn, der Erfinder von Skype, Physiker, Programmierer, Investor und Gründer des Instituts für Zukunftsfragen einer hochtechnisierten Gesellschaft, ist der Meinung, es sei wenig wahrscheinlich, dass sich künstliche Intelligenz nur bis zu einem menschlichen Level entwickle. „Unser Problem ist nicht, was die Menschen schaffen, sondern was die Computer machen, wenn sie unserer Kontrolle entgleiten.“ Wir Menschen werden den Maschinen vollkommen egal sein (Laarz, GEO Österreich 2017). Beide Forscher sind sich einig, dass ein Ausschaltknopf oder – wie es in der Resolution des EU Parlaments gefordert wird – eine Notfallabschaltfunktion („Kill Switch“) nicht funktionieren wird. Trappl schlägt vor, dass wir bereits jetzt ethische Systeme in die Roboter einbauen sollten (Konzett, Falter 2016).

Die EU-Parlamentarier bezweifeln, dass Robotergesetze in einen Maschinencode umgewandelt werden können, fordern jedoch, Asimovs drei Regeln der Robotik sollten für Konstrukteure, Hersteller und Bediener von Robotern verbindlich sein (Entwurf eines Berichts mit Empfehlungen an die Kommission zu zivilrechtlichen Regelungen im Bereich Robotik, Mady Delvaux, S. 5).

Nach Einschätzung der Autorin hat das wenig Aussicht auf Erfolg, wie der Einsatz von Kampfdrohnen und die Entwicklung von autonom funktionierenden Kriegsrobotern zeigen (vgl. Lobenstein, Die Zeit, 2016).

„Ins Programm schreiben, dass künstliche Intelligenz die Menschheit nicht verletzten soll, bringt nichts, weil man genau definieren müsste, was das ist“, meint Tallinn. Er schlägt einen alternativen Lösungsansatz vor: Künstliche Intelligenz fügt uns keinen Schaden zu – nicht weil sie es nicht kann, sondern weil sie es nicht möchte. „Besser wäre es, wir schaffen eine künstliche Intelligenz, die interessiert daran ist herauszufinden, was wir möchten.“ Die Fragen führen dann zu einer gemeinsamen Antwort der Menschheit – „wir hätten ein Modell von der Welt, wie wir sie uns alle vorstellen“. (Laarz, Geo Österreich 2017)

Quellen

Internet

  • Allgemeiner Einkommensbericht 2016 des Rechnungshofes: http://www.rechnungshof.gv.at/berichte/einkommensberichte.html (Download: 27.2.2017).
  • aowΨ ExpertInnen-Datenbank: www.aowpsychologie.com
  • Hacker, Rudolph & Schroda, 2014: TBS-GA (K).
  • http://aowpsychologie.at/.e_Verfahren_bedingungsbezogen_objektiv__TBSGAB.1001,256-----------,,2.html (Download: 27.2.2017).
  • Austrian Standards-Zukunftsdialog: FutureStandardsNow – Industrie 4.0.
  • www.austrian-standards.at/veranstaltungen/zukunftsdialog-futurestandardsnow-industrie-40/) (Download: 27.2.2017).
  • Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union: www.digitalcharta.eu (Download: 27.2.2017).
  • Computer says No: Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Computer_says_no (Download: 27.2.2017).
  • Mady Delvaux: Entwurf eines Berichts mit Empfehlungen an die Kommission zu zivilrechtlichen Regelungen im Bereich Robotik (2015/2103(INL)). 31.5.2016.
  • Resolutionsentwurf des Europäischen Parlaments (Download: 27.2.2017).
  • Österreichisches Forschungsinstitut für Artificial Intelligence – OFAI: www.ofai.at/index.html
  • Wikipedia: Die freie Enzyklopädie: Watson – DeepQA-Forschungsprojekt IBM https://de.wikipedia.org/wiki/Watson_(Künstliche_Intelligenz)  (Download: 27.2.2017).
  • ORF Radio: Ö1 Wissen: Marlene Nowotny, publiziert am 5.2.2017: http://oe1.orf.at/wissen/

Zeitungen, Zeitschriften

  • Buchter, H. (2016). Industrieroboter. Wirtschafts-Spezial. Die Zeit. 29.12.2016, S. 24.
  • Konzett, E. (2016). Eva Konzett im Interview mit Robert Trappl. Leiter des Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence (OFAI). Falter Uni-Serie. Falter 42/2016, S. 40–42.
  • Laarz, D. (2017). Jaan Tallinn im Gespräch mit Diana Laarz. Maschinen werden bald klüger sein als wir. Und dann? Geo Österreich, Ausgabe 1/2017.
  • Lill, F. (2016). Pflege. Wirtschafts-Spezial. Die Zeit. 29.12.2016, S. 31.
  • Lobenstein, C. (2016). Autonome Kampfmaschinen. Wirtschafts-Spezial. Die Zeit. 29.12.2016, S. 26.
  • Maier, J. (2016). Im OP. Wirtschafts-Spezial. Die Zeit. 29.12.2016, S. 30.
  • Möchel, A. (2016). Wenn der Roboter dreimal klingelt. Beilage Unternehmen. Wiener Zeitung. 20.12.2016, S. 27.
  • Schmitt, S. (2016). Paketboten. Wirtschafts-Spezial. Die Zeit. 29.12.2016, S. 32.

Tagungen

  • Holtgrewe, U., (2015). Industrie 4.0: eine arbeitssoziologische Einschätzung. FORBA Wien. Beitrag zur Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, Steyr, 25. September 2015.

Literatur

  • De Shazer, St. (1997). Der Dreh. Überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie. 5., unveränderte Auflage. Carl-Auer-Systeme-Verlag.
  • Hacker, W. (2016). Vernetzte künstliche Intelligenz/ Internet der Dinge am deregulierten Arbeitsmarkt: Psychische Anforderungen. 2016 Vol.9/No 2, S. 4 –21. In: Sachse, P. (Hrsg), Journal Psychologie des Alltagshandelns. Innsbruck university press.
  • Hacker, W. (2016). Vernetzte künstliche Intelligenz/Internet der Dinge am deregulierten Arbeitsmarkt: Psychische Anforderungen. TU Dresden. Arbeitsgruppe Wissen-Denken-Handeln. Projektberichte. Heft 89, Januar 2016.
  • Hacker, W., Benecke S. (2016). Berufsbezogenes Lernen in einer digitalisierten Welt: Haben Lesen gedruckten Textes und handschriftliches Schreiben noch einen Nutzen? TU Dresden. Arbeitsgruppe Wissen-Denken-Handeln. Projektberichte. Heft 91, März 2016.
  • Hacker, W. (2015). Wissenskooperation bei digitalisierter Arbeit. TU Dresden. Arbeitsgruppe Wissen-Denken-Handeln. Projektberichte. Heft 87, Juli 2015.
  • Hacker, W. (2015). Psychische Regulation von Arbeitstätigkeiten. Kröning: Asanger Verlag GmbH.
  • Hacker, W. (2009). Arbeitsgegenstand Mensch. Psychologie dialogischer-interaktiver Erwerbstätigkeit. Lengerich: Pabst Verlag.
  • Hacker, W. (2006). Psychische Regulation „geistiger“ Tätigkeiten: Denkhandeln? In: Sachse, P, Weber, W.G. (Hrsg.). Zur Psychologie der Tätigkeit. Bern: Verlag Hans Huber (Schriften zur Arbeitspsychologie), 64, S. 13–28.
  • Hacker, W., Sachse P. (2006). Entwurfstätigkeit und ihre psychologischen Unterstützungsmöglichkeiten. In: Konradt, U., Zimlong, B. und deutsche Gesellschaft für Psychologie (Hrsg.). Ingenieurspsychologie. Hogrefe Verlag, S. 671–707.
  • Hacker, W., Rudolph, E., Schönfelder, E. (1987). Tätigkeitsbewertungssystem – Geistige Arbeit TBS-GA. Handanweisung. Psychodiagnostisches Zentrum Humboldt-Universität zu Berlin.
  • Lenk, H. (2000). Kreative Aufstiege. Zur Philosophie und Psychologie der Kreativität. Suhrkamp Taschenbuch Verlag.
  • Oesterreich, R. (2006). Psychologische Theorie ist wichtig, aber wenig erwünscht. In: P. Sachse & W. G. Weber (Hrsg.). Zur Psychologie der Tätigkeit. Bern: Verlag Hans Huber (Schriften zur Arbeitspsychologie), 64, S. 101–119.
  • Sachse, P. (2006). Denken im Handeln und durch das Handeln. In: P. Sachse & W. G. Weber (Hrsg.). Zur Psychologie der Tätigkeit. Bern: Verlag Hans Huber (Schriften zur Arbeitspsychologie), 64, S. 29–43.
  • Ulich, E. (2011). Arbeitspsychologie. (7. überarbeitete und erweiterte Aufl.) Zürich: vdf Hochschulverlag.
  • Ulich, E. & Wülser, M. (2015). Gesundheitsmanagement in Unternehmen (6. überarbeitete und erw. Aufl.). Wiesbaden: Springer Gabler.

Zusammenfassung

Dieser zweiteilige Artikel zeigt auf, welchen Beitrag die Arbeits- und Organisationspsychologie bei Digitalisierung und Industrie 4.0 leisten kann. Im zweiten Teil wird anhand der Themenstellungen „Industrie 4.0“, „kognitive Assistenzprogramme“, „kognitive Assistenzprogramme, Wissenszuwachs“, „Partialisierung, Auslagerung von Produktionsschritten“, „digitale Arbeitsmittel zur geistigen Tätigkeit des Entwerfens“ und „Pflegeroboter und psychosoziale Arbeit“ dargestellt, auf welche Weise die A&O-Psychologie Unternehmen zu unterstützen vermag.