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Innovation für mehr Sicherheit

Abschieben statt Abkippen schafft Sicherheit

Als Alternative zum Abkippen von Schüttgut setzt die im Bundesland Salzburg angesiedelte Kössner GmbH auf die Abschiebetechnik, die unter anderem ein höheres Maß an Sicherheit gewährleisten soll. Dies brachte dem Unternehmen zuletzt auch den Gewinn in der Kategorie „Innovativ für mehr Sicherheit“ bei der Goldenen Securitas 2021 von AUVA und WKO ein.
Ein Bagger belädt einen Laster
A. Seitz

Das Familienunternehmen Kössner, mit Sitz in St. Veit im Pongau in Salzburg, besteht seit über 60 Jahren und hat sich in der Transport- und Erdbaubranche etabliert. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass das Abladen von Material durch Abkippen mit großem Risiko behaftet ist. Daher setzt man jetzt auf eine neuartige Technik, die beim Abladen vom Lkw nicht nur Zeit spart, sondern für mehr Sicherheit sorgt und obendrein eine Qualitätsverbesserung bewirkt. Meldungen im Verkehrsfunk wie „Kipper fährt mit Mulde gegen eine Stromleitung“, „ein Lkw-Fahrer prallte mit seinem Auflieger gegen eine Brücke“ oder „Kipper rammt Signalanlage“ sind keine Seltenheit. Unfälle mit Kippern – auch im eigenen Betrieb – veranlassten den Unternehmer Christoph Kössner dazu, den Abladevorgang zu verbessern. Konkret wurde eine spezielle Abschiebetechnik in seinem Betrieb eingeführt. Diese Maßnahme zur Reduzierung von Arbeitsunfällen wurde im Herbst letzten Jahres bei der „Goldenen Securitas 2021“ – einem Preis für Sicherheits- und Gesundheitsschutz, der von AUVA und WKO alle zwei Jahre vergeben wird – mit der begehrten Trophäe „Goldene Securitas“ in der Kategorie „Innovativ für mehr Sicherheit“ ausgezeichnet.

Firmengeschichte

Der Geschäftsführer, Christoph Kössner, ist im Pongau geboren und auch in der Region aufgewachsen. Nach der Matura an der HTL für Elektrotechnik in Saalfelden stieg er mit 21 Jahren in das Unternehmen seines Großvaters, Wilhelm Kössner, ein. Dieser begann zu diesem Zeitpunkt einen Nachfolger zu suchen. Christoph Kössner hat damit eine Generation übersprungen und begann seine Karriere gemeinsam mit dem Großvater im eigenen Betrieb. Nach fünf Jahren übernahm der Jungunternehmer den Kleinbetrieb mit damals 15 Mitarbeitern:Mitarbeiterinnen und baute sukzessive eine Mannschaft von heute 30 Mitarbeitern:Mitarbeiterinnen auf.

Ein Laster entlädt Kies
Das Abschieben schafft im Vergleich zum Abkippen höhere Sicherheit. A. Seitz

Übernahme der Generalvertretung Abschiebesysteme in Österreich

Für den Unternehmer war in den letzten 25 Jahren der Abladevorgang von Material mit dem Kippvorgang generell mit großem Risikopotenzial behaftet. So blieb auch sein Betrieb von Unfällen im Zusammenhang mit dem Vorgang des Abkippens – trotz geschulten Personals – nicht verschont. Auf der Suche nach Möglichkeiten zur Risikominimierung für seine Mitarbeiter:innen und nach innovativen Lösungen fand der Unternehmer im Herbst 2019 die Abschiebetechnik der Fa. Fliegl Baukom in Mühldorf/Bayern. Um diese seines Erachtens zukunftsweisende Schüttgutabladetechnik voranzutreiben, übernahm Christoph Kössner im Juli 2020 die Generalvertretung für Fliegl Baukom Abschiebesysteme in Österreich.

Vorteile der Technologie in Hinblick auf Arbeitssicherheit

Was haben die Investition und der Umstieg auf diese neue Technologie für Kössner gebracht? Zum einen stellen Hindernisse wie zum Beispiel Stromleitungen, Verkehrseinrichtungen (Überkopfwegweiser, Ampeln), Unterführungen, Tunnel, Alleen, Bäume und Brücken keine Gefahr mehr dar und schwerwiegende Unfälle können verhindert werden. Zum anderen entfällt der Vorgang des Umladens, da bei Baustellen mit niedriger Entladehöhe (z. B. Tunnel, Unterflurtrassen, usw.) heißes Mischgut direkt vom Lkw in den Fertiger verladen wird. So werden Unfälle vermieden, da keine Materialmanipulation in zum Beispiel niedrigere Baustellendumper als Zwischentransport nötig ist.

Weitere Vorteile der Abschiebetechnik, im Vergleich zur Technik des Abkippens, liegen in der rückstandslosen Entladung durch sauberes und restloses Entleeren des Schüttgutes. Es ist keine manuelle Reinigung durch den Fahrer auf der Ladungsbrücke mehr nötig. Dies verhindert mühevolles Hantieren und Klettern im Bereich des Transporters und spart nicht nur Zeit, sondern verhindert damit zusammenhängende Arbeitsunfälle.

Die Technik des Abschiebens spart beim Abladen vom Lkw nicht nur Zeit, sondern sorgt für mehr Sicherheit und bewirkt obendrein eine Qualitätsverbesserung.

Ariadne Seitz

Da sich die maximale Höhe des Lkw nicht mehr ändert, weil die Ladefläche nicht mehr hoch- bzw. tiefgestellt werden muss, können keine unerwarteten Vorkommnisse während der Fahrt auftreten, die bei unsachgemäßer Sicherung des Kippers oder starkem Wind etc. zu schweren Unfällen führen.

Die hohe Standsicherheit, die durch das „Abschieben“ gewährleistet ist, verhindert das Umkippen des gesamten Lkw beim Abladen auch auf unebenen Flächen. Somit stellt auch dieser Arbeitsvorgang keine Gefährdung mehr dar. Der niedrige Ladungsschwerpunkt verbessert das Fahrverhalten beim Transport und die niedrige Entladehöhe bietet kein Gefahrenpotenzial mehr beim Abschieben. Denn jeder einzelne Euro, der in die Prävention investiert wird, rechnet sich – und zwar sowohl für die Betriebe als auch für die Mitarbeiter:innen im Betrieb und die gesamte österreichische Volkswirtschaft. Im Frühjahr 2020 erweiterte Kössner seinen Fuhrpark um drei innovative Abschiebewagen vorwiegend für den Asphalttransport und Materialtransport für Baustellen in schwierigem Gelände. Als einer der wenigen Anbieter in Österreich und erster Unternehmer im Land Salzburg konnte er bereits viele Kunden von der neuen Abschiebetechnik überzeugen und so zur Verhinderung von Arbeitsunfällen beitragen.

Foto von Geschäftsführer Ing. Christoph Kössner
Geschäftsführer Ing. Christoph Kössner A. Seitz

Qualitätsverbesserungen und nachhaltige Straßenbauweise

Ein weiterer – wirtschaftlicher – Aspekt spricht für die Einführung dieser neuen Technologie: Durch den Einsatz der Abschiebetechnik bei Asphaltierungsarbeiten verlängert sich der Renovierungszyklus der Asphaltfahrbahnen um einige Jahre, da es nicht mehr zu einer sogenannten Kaltnesterbildung kommt. Neben der verbesserten Arbeitssicherheit durch die Abschiebetechnik kann auch ein großer Vorteil in Bezug auf die Schonung der Umwelt verzeichnet werden, weil die Einbauqualität des Asphaltmischgutes besser ist und damit Ressourcen eingespart werden können.

„Innovativ für mehr Sicherheit“

Das Engagement und die damit verbundenen Investitionen des Unternehmers hat 2021 die Jury der „Goldenen Securitas“, bestehend aus AUVA und WKO, überzeugt und wurde daher mit der „Goldenen Securitas“ in der Kategorie „Innovativ für mehr Sicherheit“ belohnt. Mit diesem „Präventions-Oskar“, zeichnen AUVA und Wirtschaftskammer Österreich vorbildliche Klein- und Mittelbetriebe im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz aus. Alle zwei Jahre werden jene Klein- und Mittelbetriebe prämiert, die auf dem Gebiet der Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten vorbildliche Maßnahmen gesetzt haben. Der Preis wurde 2021 – aufgrund der Pandemie nach drei Jahren – zum neunten Mal im Rahmen einer Hybridveranstaltung vergeben. Jedes ausgezeichnete Unternehmen hat damit für sich die Entscheidung getroffen, dem Sicherheits- und Gesundheitsschutz hohe Beachtung zu schenken und dafür auch Zeit und Geld zu investieren. „Investition in Prävention macht sich bezahlt – und das mit Sicherheit!“

Zusammenfassung

Bei dem in Österreich mit einer „Goldenen Securitas“ prämierten Unternehmen Kössner GmbH setzt man auf neuartige Technik, die beim Abladen vom Lkw nicht nur Zeit spart, sondern für mehr Sicherheit sorgt und obendrein eine Qualitätsverbesserung bewirkt.


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