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Good Practice

Vorzeigebetrieb betreubares Wohnen

Das Haus Helene, eine Wohnungsanlage für betagte Personen in Oberwaltersdorf, wird von einem Verein betrieben. Die Bewohner:innen entscheiden selbst, welche Unterstützungsleistungen sie in Anspruch nehmen, und können sich bei gemeinsamen Aktivitäten und kleinen Arbeiten betätigen. In Fragen der Arbeitssicherheit berät AUVAsicher.
© R. Reichhart

Wer das Bild eines klassischen Heims für betagte Menschen im Kopf hat, wäre beim Besuch des Hauses Helene im niederösterreichischen Oberwaltersdorf überrascht. Trotz des hohen Durchschnittsalters von rund neunzig Jahren übernehmen alle Bewohner:innen je nach Vorlieben und Fähigkeiten kleinere Arbeiten, etwa Tischdecken oder Blumengießen. Es gibt ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm mit Festen und Ausflügen – obwohl der Betreiber des Hauses, der „Verein Haus Helene betreubares Wohnen für Senioren“, keine staatlichen Förderungen erhält. Auch bezüglich der Arbeitssicherheit ist das Haus Helene ein Vorzeigebetrieb, wie AUVAsicher-Sicherheitsfachkraft Benjamin Silvan betont.

Das Haus verfügt über 28 Einzel- und zwei Paarwohnungen. Die Bewohner:innen sind ältere Personen, die aus gesundheitlichen oder sozialen Gründen nicht alleine wohnen können. Betreubares Wohnen bedeutet, dass jeder:jede selbst entscheidet, welche Unterstützungsleistungen – z. B. Reinigungs- und Einkaufsdienst oder die Organisation von Pflegediensten – er:sie in Anspruch nehmen möchte.

Vereinsobfrau Sabine Marhann

Ins Leben gerufen hat den Verein Frau Sabine Marhann im Jahr 2004. Die Obfrau des Vereins, die sich privat um ihren schwerst behinderten Sohn kümmert und es „nie leicht gehabt hat im Leben“, wie sie sagt, will anderen Menschen helfen – vor allem Senioren:Seniorinnen: „Die Einsamkeit im Alter ist am schlimmsten. Wir haben hier im Ort nicht einmal ein Kaffeehaus, wo man sich treffen könnte.“

Marhann bringt die besten Voraussetzungen für ihre ehrenamtliche Tätigkeit mit. Sie arbeitete als Behindertenbetreuerin und Elementarpädagogin, war nach einer Ausbildung in den USA neun Jahre lang Streetworkerin und später Mitarbeiterin bei der Volkshilfe. Auch Technisches ist ihr aufgrund ihrer Ausbildung als Kfz-Mechanikerin nicht fremd. Unterstützt wird sie vom Haustechniker – und in Fragen des Arbeitnehmer:innenschutzes von AUVAsicher.

mehrere Seniorinnen sitzen an einem Tisch zusammen, daneben die Sicherheitsfachkraft
v. l. n. r.: Greti Erkinger, 100-jährige Bewohnerin des Hauses Helene, eine weitere Bewohnerin, Sabine Marhann, Obfrau des Vereins „Haus Helene betreu­bares Wohnen für Senioren“, und AUVAsicher-Sicherheitsfachkraft Benjamin Silvan © R. Reichhart

Die Beratung für Marhann und ihre Mitarbeiter:innen hat Silvan, gelernter Spengler und Lackierer, von einem mittlerweile pensionierten Kollegen übernommen. Bei seinem ersten Besuch im September 2023 lernte er auch eine lokale „Berühmtheit“ kennen: Eine der Bewohnerinnen, Greti Erkinger, war anlässlich ihres hundertsten Geburtstags für einen Zeitungsartikel interviewt worden. Sie erzählte auch Silvan bereitwillig aus ihrem Leben – von ihrer einst harten, aber gut bezahlten Akkordarbeit in einer Fabrik, ihren Familienurlauben und von Erlebnissen im Haus Helene.

Brandmelde- und Notrufanlage

Ein Erlebnis zeugte von der Funktionsfähigkeit der Brandmeldeanlage im Haus. Diese hatte Alarm ausgelöst, als Erkinger auf dem Herd in ihrer Wohnung eine Speise angebrannt war. Alle Wohnungen im Haus Helene sind sowohl mit einem Brandmelder als auch mit einem Notrufgerät ausgestattet. Manchmal betätigt ein:e Bewohner:in irrtümlich den Notruf, über den rund um die Uhr ein:e Mitarbeiter:in des Hauses erreichbar ist, so Marhann. Bei Auslösung eines Alarms wird über die Notrufanlage nachgefragt, was passiert ist, und bei einem Notfall oder einer ausbleibenden Antwort sofort reagiert.

Marhann, die eine Ausbildung als Ersthelferin absolviert hat, ist oft selbst zur Stelle, wenn sich ein Notfall ereignet hat. Beim Essen passiert es immer wieder, dass sich ein:e Bewohner:in an einem Bissen verschluckt und diesen nicht aushusten kann. Dann macht Marhann mit dem „Heimlich-Handgriff“ die Atemwege frei. Auch reanimieren musste sie schon einige der Senioren:Seniorinnen.

ein Mann begutachtet die Plakette eines Feuerlöschers
Bezüglich Arbeitssicherheit ist das Haus Helene ein Vorzeigebetrieb, betont AUVAsicher-Sicherheits­fachkraft Benjamin Silvan © R. Reichhart

Vermeidung von Unfällen

In der Gemeinschaftsküche des Hauses werden täglich warme Mahlzeiten zubereitet. Etliche Bewohner:innen helfen mit, z. B., indem sie Zutaten kleinschneiden. Um Verletzungen zu vermeiden, gibt es die Regel, gerade nicht gebrauchte Messer in einer Lade zu verstauen. Marhann ist stolz darauf, dass es seit der Gründung des Vereins noch nie einen Küchenunfall gegeben hat. Auf Anregung der Gesundheitsbehörde wurde die Küche aus hygienischen Gründen mit Arbeitsflächen aus Edelstahl ausgestattet.

Auch von AUVAsicher holt sich Marhann gerne Tipps, sagt sie: „Im Gespräch mit den AUVAsicher-Mitarbeitern:-Mitarbeiterinnen erfahre ich, worauf wir aufpassen müssen, und gebe die Informationen bei der Hausversammlung weiter.“ Silvan ist zufrieden: Bei der Begehung vergangenen September fielen ihm nur Kleinigkeiten auf, bei denen Verbesserungsmaßnahmen nötig waren.

Zusammenfassung

Der „Verein Haus Helene betreubares Wohnen für Senioren“ betreibt eine Wohnhausanlage für Senioren:Senior­innen in Oberwaltersdorf. Eine altersgerechte Ausstattung sorgt dafür, dass sich die Be­wohner:innen in einem sicheren Umfeld an kleineren Arbeiten und Freizeit­aktivitäten beteiligen können.


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