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Interview – Pionier Walter Pfoser im Porträt

Der AUVAsicher-Pionier Walter Pfoser im Porträt

Die Karriere von Ing. Walter Pfoser ist untrennbar mit AUVAsicher verbunden. Er wirkte bei Planung und Aufbau als Experte für EDV-gestützte Auswertungen mit und war 25 Jahre lang in verschiedenen Funktionen für AUVAsicher tätig. Mit der Idee, besonders um die Arbeitnehmer:innensicherheit bemühte Unternehmen auszuzeichnen, gilt er als geistiger Vater der Goldenen Securitas.
Walter Pfoser in seinem Büro, im Hintergrund sieht man den grünen Wienerberg Park
Walter Pfoser © R. Pexa

Statistiken sind die Basis für eine effiziente Präventionsarbeit. Nur wenn bekannt ist, in welchen Branchen, bei welchen Tätigkeiten und mit welchen Arbeitsmitteln sich besonders häufig Unfälle ereignen, können AUVAsicher-Betreuer:innen bei ihren Beratungen den Fokus auf die größten Gefahren legen und konkrete Schutzmaßnahmen vorschlagen. Kein Wunder, dass die AUVA bei der Gründung von AUVAsicher einen Mann mit ins Boot holte, der sich einen Ruf als Experte für EDV-gestützte Auswertungen von Unfalldaten erworben hatte: Ing. Walter Pfoser, seit kurzem pensionierter Abteilungsleiter-Stellvertreter von AUVAsicher für die Region Oberösterreich und Niederösterreich.

Seine berufliche Karriere begann Pfoser 1978 als Betriebsschlosser-Lehrling in der VOEST-Alpine Industrieanlagenbau, wo er in der Folge als Maschinenbau-Werkmeister arbeitete, bevor er 1992 zur AUVA wechselte. Bis 1998 war er als fachkundiges Organ (FO) Maschinenbau beim Unfallverhütungsdienst (UVD) Linz tätig, danach bis 2011 als Einsatzleiter und Qualitätssicherungsbeauftragter im Präventionszentrum AUVAsicher Linz. 2011 bis 2020 fungierte er als Abteilungsleiter-Stellvertreter und Koordinator für AUVAsicher Oberösterreich, 2021 bis zu seiner Pensionierung 2023 als Abteilungsleiter-Stellvertreter für AUVAsicher für die Region Oberösterreich und Niederösterreich.

Schon bald nachdem Pfoser begonnen hatte, als FO Maschinenbau beim UVD Linz zu arbeiten, entdeckte er seine Affinität zu Datenbanken und EDV-Auswertungen. „Neben der spannenden Tätigkeit in den Betrieben war ich bestrebt, Arbeitsunfälle EDV-technisch auswerten zu können, das gab es in der AUVA noch nicht. Als erstes Projekt erstellte ich gemeinsam mit der Statistik- und EDV-Abteilung ein Programm zur Auswertung von Arbeitsunfällen, mit dem Augensplitterverletzungen erfasst wurden. Die AUVA führte Beratungen durch und verteilte Schutzbrillen, wodurch die Anzahl der Splitterverletzungen im Auge massiv gesenkt werden konnte“, beschreibt Pfoser das erfolgreiche Projekt.

Planung und Gründung

Sein Engagement blieb nicht un­bemerkt. Präventionsdirektor Prof. Dr. Norbert Winker wurde auf die Arbeit Pfosers aufmerksam und nahm ihn im Februar 1998 ins AUVAsicher-Planungsteam auf. In dem Team schrieb er gemeinsam mit drei EDV-Fachleuten aus der AUVA und externen Programmierern:Programmiererinnen die Erstversion der AUVAsicher-Anwendungssoftware SAFE, die später in SAFE.net umbenannt wurde. „Laut Pflichtenheft sollten die Betreuer:innen die Firmendaten in den Bericht eingespielt bekommen, damit sie den Hauptteil ihrer Zeit für die Begehung und nicht zum Schreiben des Berichts aufwenden können“, erklärt Pfoser.

Die Gründungsversammlung von AUVAsicher im Jahr 1998 fiel auf den 5. Oktober – und damit genau auf Pfosers Geburtstag. Bei der Veranstaltung im Hotel Knappenhof an der Rax trafen erstmalig alle Mitglieder des Projektteams zusammen. Pfoser, der die wenigsten der Anwesenden kannte, bekam Gelegenheit, auch zu den „Quereinsteigern:-einsteigerinnen“, die davor Führungsfunktionen in Unternehmen bekleidet hatten, Kontakt zu knüpfen – sie sollten dafür sorgen, dass bei AUVAsicher auch die Sicht der Wirtschaft berücksichtigt wird.

eine Gruppe von Männern spielt verschiedene Blasinstrumente
Beim 15-jährigen und beim 20-jährigen Jubiläum von AUVAsicher spielte Pfoser als Leiter und Mitglied der AUVAsicher-Brass-Band Tenorhorn. © R. Reichhart

Um eine in ganz Österreich einheitliche, hohe Qualität zu gewährleisten, wurde ein AUVAsicher-Qualitätssicherungs-Komitee (ASQS) installiert, dem auch Pfoser angehörte. Für die Erarbeitung konkreter Themen dienen sogenannte Break-out-Gruppen (BOGs). Im Lauf der Jahre leitete Pfoser mehrere dieser Arbeitsgruppen, war in weiteren Mitglied und brachte einerseits als FO Maschinenbau sein Fachwissen, andererseits als Experte für EDV-Auswertungen die jeweils erforderlichen Daten ein.

Schwerpunkt Maschinensicherheit

Im Rahmen der BOG „Beratungsschwerpunkte“ 2002 / 03 wurden die Unfallzahlen von 400 Wirtschaftsklassen aus dem Jahr 2001 ausgewertet und dabei 27 Wirtschaftsklassen identifiziert, in denen sich mehr als die Hälfte aller Arbeitsunfälle ereignet hatten. An erster Stelle lag die Herstellung von Stahl- und Leichtmetallkonstruktionen, gefolgt von Zimmerei, Dachdeckerei und Bauspenglerei sowie Hoch-, Brücken- und Tunnelbau. Die Maschinen mit der höchsten Unfallhäufigkeit und -schwere waren Lebensmittel-Schneidemaschinen, Winkelschleifer, Holzkreissägen und Handbohrmaschinen.

„Auf Basis dieser Daten erstellten wir Maschinenblätter, in denen die Inhalte für die Betreuer:innen aufbereitet waren“, erklärt Pfoser. Verständliche schriftliche Unterlagen für Arbeitsmediziner:innen und Sicherheitsfachkräfte tragen nicht nur zu einer österreichweit einheitliche Betreuung bei, sondern sind auch deswegen besonders hilfreich, weil sich die Zuständigkeit nach der Region und nicht nach der Branche richtet. Alle Betreuer:innen sollen Gefahrensituationen erkennen können, betont Pfoser. Falls erforderlich, werden zusätzlich Experten:Expertinnen der AUVA beigezogen.

Bau und Tischlerei

Der Baubranche wurde 2003 / 04 ein eigenes Projekt gewidmet. Zur Erhebung des Gesundheitszustands der Beschäftigten am Bau richtete man den in Linz stationierten AUVA-Bus als mobile Ordination ein. Arbeitsmediziner:innen von AUVAsicher führten auf den Baustellen Lärmmessungen durch, maßen den Blutdruck, untersuchten Haut, Lunge und Bewegungsapparat. Pfoser übernahm die Organisation des Busses, die Auswahl der Betriebe und die Terminvereinbarung. Die Aktion kam gut an, auf einer Baustelle wollte sogar der Auftraggeber untersucht werden.

Ein Fall aus dem Jahr 2004, mit dem Pfoser als Einsatzleiter befasst war, ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: Ein Arbeitsmediziner stellte bei der Begehung einer Tischlerei fest, dass das von der Firma angemietete Gebäude mit teils abgestützter, teils bereits eingestürzter Decke baufällig war. „Ich bin gleich hingefahren und habe das Arbeitsinspektorat informiert, da Gefahr in Verzug war. Am nächsten Tag war der Betrieb gesperrt“, so Pfoser. Im Nachhinein zeigte sich der Firmenchef dankbar für diese Entscheidung. Er informierte Pfoser 2006, dass in dem geschlossenen Betrieb die Decke eingestürzt war – gerade in jenem Bereich, in dem bis zu sechs Personen gearbeitet und oft auch die Kinder des Chefs gespielt hatten.

Walter Pfoser vor einer PowerPoint Folie, die an eine Wand projeziert wird
Walter Pfoser hält einen Vortrag bei der Zehnjahresfeier von AUVAsicher im Jahr 2009 © Rainer Gryc

Arbeitsgruppen

Das AUVAsicher-Qualitätssicherungs-Komitee beschloss 2006, jene Prozesse, die österreichweit in Haupt- und Landesstellen einheitlich ablaufen sollen, in Form von Flussdiagrammen darzustellen. Zu diesem Zweck wurde die BOG „Prozessbeschreibung“ gegründet, deren Leiter Pfoser war. Die Arbeitsgruppe entwarf eine an die ISO 9000 angelehnte Prozesslandschaft und erstellte dazu ein Nachschlagewerk für Routinearbeiten. „Für AUVAsicher rekrutieren wir Personal aus der Wirtschaft, das die Abläufe in der AUVA noch nicht kennt. Die Prozesslandschaft dient als Hilfestellung bei der Einschulung“, erklärt Pfoser.

Das Thema Asbest behandelte eine von 2014 bis 2019 bestehende BOG, an der Vertreter:innen der AUVA, darunter Pfoser, und der Österreichischen Staub-(Silikose-)Bekämpfungsstelle (ÖSBS) beteiligt waren. Die Arbeitsgruppe erstellte drei Merkblätter zu Asbest, Unterlagen für AUVAsicher-Betreuer:innen und eine Vortragsreihe zum Thema, die sich immer noch im Ausbildungsplan der AUVA befindet. Seit 2014 führen Sicherheitsfachkräfte von AUVAsicher Beratungen für das Bau- und Baunebengewerbe zu Asbest durch.

Im ASQS-Komitee wurde eine Arbeitsgruppe unter der organisatorischen Leitung von Pfoser beauftragt, mit Unterstützung der Fachgruppe Verkehr der AUVA-Hauptstelle ein Branchenkonzept für die Wirtschaftsklasse 49410 Güterbeförderung im Straßenverkehr zu erarbeiten. „Güterbeförderung ist in der Betreuungskategorie 1 eingestuft, das heißt, es handelt sich um eine Branche mit hohem Risiko. Ich habe das Zahlenmaterial der Unfälle aufbereitet: An erster Stelle stehen Sturz und Fall, vor allem von Leitern“, berichtet Pfoser. Die Arbeitsgruppe erstellte One-Page-Unterlagen und Folder, z. B. zum richtigen An- und Abkuppeln, bei dem sich besonders schwere Unfälle ereignen.

Interner Erfahrungsaustausch

Im AUVAsicher-Präventionszentrum Linz werden jährlich jeweils acht Qualitätsteamsitzungen für Arbeitsmediziner:innen und Sicherheitsfachkräfte organisiert, zusätzlich findet einmal pro Jahr eine Qualitätsteamsitzung aller Präventivfach- und Administrationskräfte statt. Ziele dieses Treffens sind Informations- und Erfahrungsaustausch sowie eine Verbesserung der Kommunikation – auch mit Behörden, erklärt Pfoser: „Ich habe oft Vertreter:innen von Arbeitsinspektorat, Land- und Forstinspektion, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Ärztekammer eingeladen, weil meine Überzeugung ist: Wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, sind wir am erfolgreichsten.“

Pfoser trat auch als Referent bei den AUVAsicher-Tagen auf. Dabei war es ihm ein Anliegen, als „trocken“ geltendes statistisches Material entsprechend aufzubereiten: „Ich habe Vorträge mit Zahlen, Daten, Fakten gehalten, diese aber interessant dargestellt, z. B. Informationen zu den häufigsten Unfallursachen, den gefährlichsten Arbeitsmitteln und den betroffenen Körperteilen. Dann bin ich darauf eingegangen, wie sich die Unfälle verhindern lassen.“

Walter Pfoser blickt in eine Urkunde, die ihm überreicht wurde, einige Menschen stehen neben ihm und freuen sich
Ehrung bei der 20-Jahr-Feier von AUVAsicher © R. Reichhart

Persönliche Highlights

Pfoser betonte immer, dass man auch positive Anreize setzen müsse, um Unternehmen für Prävention zu begeistern – so sollten Betriebe, die sich besonders um Arbeitssicherheit bemühen, eine sichtbare Auszeichnung erhalten. Diese Idee diente als Anregung, einen eigenen Preis für diesbezüglich vorbildliche Kleinbetriebe zu schaffen. Pfoser gilt daher als der geistige Vater der Goldenen Securitas, die 2005 erstmalig verliehen wurde. Er fungierte jahrelang als Mitglied des Entscheidungskomitees, das anhand anonymisierter Einreichungen jene Firmen auswählt, die mit dem Award ausgezeichnet werden.

Zu den Highlights, die Pfoser mit AUVAsicher verbindet, zählt er die Feiern zum 15-jährigen und zum 20-jährigen Jubiläum von AUVAsicher. Bei beiden Veranstaltungen spielte er als Leiter und Mitglied der AUVAsicher-Brass-Band, die für den musikalischen Rahmen sorgte, Tenorhorn. Einen anderen Auftritt hatte er 2021 bei der internationalen Fachmesse für sicheres und gesundes Arbeiten A+A im Oktober 2021 in Düsseldorf, wo er zum Thema krebserzeugende Arbeitsstoffe die Kleinbetriebsbetreuung vorstellte.

Resümee nach 25 Jahren

Zum 25-Jahr-Jubiläum von AUVAsicher zieht Pfoser Bilanz – und es wäre überraschend, hätte er nicht auch für diesen Anlass statistische Daten parat. „In der Zeit von 1999 bis zum 25. September 2023 haben wir für die internen Mitarbeiter:innen 770.873 Aufträge vorbereitet und 1.607.182 Betreuungsstunden organisiert, für die Vertragspartner:innen 1.653.818 Aufträge vorbereitet und 2.546.049 Betreuungsstunden abgerechnet. Wir alle – Führungskräfte, Arbeitsmediziner:innen, Sicherheitsfachkräfte und Beschäftigte in der Administration – haben in diesen 25 Jahren bei AUVAsicher gemeinsam rund 415.000.000 Euro verwaltet“, fasst Pfoser zusammen.

Er betont, dass man das alles nur in einem guten Team schafft, und macht dabei auch auf jene Kollegen:Kolleginnen aufmerksam, deren Leistung leicht übersehen werden könnte: „Ich möchte die Administrationskräfte ganz besonders hervorheben. Sie haben die Aufträge zusammengestellt, die Termine ausgemacht, die Arbeitsstätten-Betreu­barkeitsprüfungen durchgeführt und die Arbeitsstätten in die Datenbank als betreubar aufgenommen.“ Schließlich verabschiedet sich der Experte für Zahlen, Daten und Fakten mit einer letzten runden Zahl: Nach genau 25 Jahren bei AUVAsicher, wieder an seinem Geburtstag, absolvierte er seinen letzten aktiven Arbeitstag.

Zusammenfassung

Ing. Walter Pfoser wirkte im Planungsteam für AUVAsicher mit und unterstützte beim Aufbau durch seine Expertise bei der EDV-gestützten Auswertung von Unfalldaten. Er war 31 Jahre lang im AUVA-Präventions­bereich tätig, davon 25 Jahre für AUVAsicher, und gilt als geistiger Vater der Goldenen Securitas.


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