Sicherheit und Prävention am Dach
Sicher rauf und runter – eine Wegbeschreibung
Arbeiten auf Dächern gehören zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten im Bauwesen – nicht nur wegen der eigentlichen Arbeiten in der Höhe, sondern schon aufgrund des Weges dorthin. Der Zugang zum Dach entscheidet oft darüber, ob eine Baustelle sicher betrieben werden kann oder ob vermeidbare Risiken entstehen. Deshalb beginnt jede sichere Dacharbeit mit einer gründlichen Planung und einer klaren Evaluierung der Baustelle.
Bereits bei der ersten Besichtigung, meist im Zuge der Angebotserstellung für Dacharbeiten, lässt sich einschätzen, welche Schutzmaßnahmen notwendig sein werden. Dabei geht es nicht nur um die geplanten Arbeiten selbst, sondern ganz wesentlich um den Zugang, der häufig unterschätzt wird. Auf dieser Grundlage müssen die Beschäftigten zielgerichtet unterwiesen werden, damit sie die vorgesehenen Maßnahmen später fachgerecht umsetzen können.
In der Gesetzgebung sind zahlreiche Regelungen für sichere Dacharbeiten vorgesehen (siehe auch 11. Abschnitt BauV – Arbeiten auf Dächern). In der Praxis stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um ein Dach sicher zu erreichen.
Maßnahmen auswählen
Sehr bewährt und zugleich technisch am zuverlässigsten sind Gerüste. Ein Dachfanggerüst bietet den bestmöglichen Schutz gegen Absturz, vor allem bei geneigten Dächern. Ist ein Zugang durch das Gebäudeinnere nicht möglich, kann ein Fassadengerüst mit integriertem Aufstieg eine sichere Alternative darstellen. Diese Variante erlaubt einen durchgehenden, geschützten Zugang und ermöglicht es, Werkzeuge und leichte Materialien kontrolliert mitzuführen. Für Flachdachkonstruktionen wiederum sind Treppentürme oft die ideale Lösung. Sie schaffen einen stabilen und gut begehbaren Anstieg, der nicht nur für Personenverkehr, sondern auch für einen gewichtsbegrenzten Materialtransport geeignet ist.
Wenn das Gebäude über Dachluken oder Dachfenster verfügt, kann der Zugang auch über diese Öffnungen erfolgen. Dies gilt als vergleichsweise sichere Variante, setzt jedoch zwingend eine Sicherung mittels persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) voraus. Geeignete Anschlagpunkte – wie verstärkte Fensterlaibungen oder robuste Türrahmen – müssen vorhanden und korrekt genutzt werden. Der Vorteil dieser Methode liegt in der kurzen Wegführung und der Möglichkeit, im Inneren des Gebäudes zusätzliche Sicherungspunkte einzurichten.
Der häufigste, aber zugleich unfallträchtigste Zugang in der Praxis ist die Anlegeleiter. Sie ist schnell einsatzbereit und flexibel, birgt aber zahlreiche Risiken, wenn sie falsch verwendet wird. Leitern müssen daher konsequent gegen Umfallen, seitliches Wegrutschen oder Bodenverschieben gesichert werden – etwa durch Standfußverbreiterungen, fixierte Leiterholme oder spezielle Leiterkopfsicherungen. Trotz dieser möglichen Sicherungen bleibt der Umgang mit Leitern anspruchsvoll, da bereits kleine Fehler schwerwiegende Folgen haben können.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch eine Hubarbeitsbühne als Zugang genutzt werden. Zwar ist das Aus- und Übersteigen auf andere Bauteile grundsätzlich nicht erlaubt, doch die D-A-CH-S-Arbeitsgruppe definiert klare Ausnahmen, in denen dies möglich sein kann. Dadurch entsteht eine weitere Option, speziell wenn hochgelegene Arbeitsplätze erreicht werden müssen und andere Zugangswege nicht praktikabel sind.
Information
Auch in neu entstandenen Branchen wie der Installation von Photovoltaikanlagen ist Fachwissen für sicheres Arbeiten auf Dächern wichtig. Informationen liefern unter anderem das Merkblatt der AUVA M.plus 221 „Montage von Photovoltaikanlagen“ und das Dokument der Arbeitsinspektion.
Informationen zum Thema PV-Anlagen:
- Arbeitsinspektion
arbeitsinspektion.gv.at - AUVA: M.plus 221 „Montage von Photovoltaikanlagen“
Regelungen der D-A-CH-S Arbeitsgruppe:
absturzrisiko.ch/dachs/
AUVA-Merkblätter rund um das Thema „Bau“ unter:
bit.ly/4sIWmLX
Mehr Informationen und Angebote der AUVA zu Sicherheit am Bau unter:
bit.ly/41BqYDk
Hilfsleinen zum Teil mit Drohneneinsatz
Besonders innovativ ist eine Methode, bei der PSA mit einem mitlaufenden Auffangsystem kombiniert wird. Auffällig ist hier, dass das Sicherungsseil schon beim Leiteraufstieg und später auch auf der Dachfläche zur Verfügung steht. Üblicherweise wird zunächst eine leichte Hilfsleine über das Gebäude geführt, über die anschließend das tatsächliche Sicherungsseil nachgezogen wird. Für größere Gebäudehöhen kommen häufig Wurfbeutelschleudern zum Einsatz. Was zunächst einfach klingt, erfordert jedoch Erfahrung und eine sorgfältige Unterweisung. Beim Spannen und Lösen der Schleuder entstehen Kräfte, die bei falscher Handhabung Verletzungen verursachen können. Außerdem müssen alle Systemkomponenten perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit das System zuverlässig funktioniert. Der große Vorteil liegt in der Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand ein durchgehendes Sicherungsniveau zu erreichen. Der Nachteil besteht im hohen Trainingsbedarf – gelegentliche Einsätze reichen nicht aus, um eine sichere Routine zu entwickeln.
Inzwischen wird die Hilfsleine zunehmend auch mithilfe von Drohnen positioniert. Dies ermöglicht genaueres und kontrollierteres Arbeiten, setzt jedoch einen Drohnenführerschein sowie je nach Gebiet auch behördliche Genehmigungen voraus. Die Technik eröffnet interessante Möglichkeiten, ersetzt jedoch weder fachliche Unterweisung noch das Verständnis für die Risiken, die mit Arbeiten in der Höhe verbunden sind. ●
Zusammenfassung:
Dacharbeiten bergen ein hohes Unfallrisiko in sich. Im Zuge der Arbeitsvorbereitung müssen sichere Zugänge und Absturzsicherungen berücksichtigt werden. Fehlende/falsche Umsetzung von Schutzmaßnahmen führt zu schweren Arbeitsunfällen. Grundlegendes müssen auch „neu entstandene Branchen“ – wie z. B. der Photovoltaikanlagenbau – berücksichtigen. Die Arbeitsinspektion und die AUVA stellen einschlägige Informationen zur Verfügung.