Berufskrankheiten
Warum es so oft die Lunge trifft
Lungenkrankheiten gehören nach der Lärmschwerhörigkeit zu den am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten in Österreich. Die große Anzahl, verbunden mit den schweren gesundheitlichen Auswirkungen und ökonomischen Belastungen, macht Prävention im beruflichen Kontext notwendig.
Laut AUVA-Statistik wurden zwischen 2010 und 2024 in Österreich rund 4.250 anerkannte Berufskrankheiten der Atemwege registriert – das entspricht durchschnittlich etwa 660 Fällen pro Jahr. Etwa 13 % aller anerkannten Berufskrankheiten entfielen in diesem Zeitraum auf Erkrankungen der Lunge, der tiefen Atemwege und des Rippenfells – wobei Infektionen der Lunge, die überwiegend durch COVID-19 verursacht wurden, nicht berücksichtigt sind. Mehr als ein Drittel dieser Fälle betrifft bösartige Neubildungen der Lunge und des Rippenfells, welche überwiegend durch Asbest verursacht werden. Die Zahl der Anerkennungen bei den bösartigen Lungenerkrankungen ist leicht rückläufig.
Die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit bei nicht bösartigen Erkrankungen der Lunge ist BK 1.7: „Durch chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Stoffe verursachte Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lunge“. Sie beschreibt Erkrankungen, die durch den Kontakt mit schädigenden chemischen Substanzen entstehen. An zweiter Stelle folgt BK 1.6 „Durch allergisierende Stoffe verursachte Erkrankungen an Asthma bronchiale“, die vor allem berufsbedingte Asthmaerkrankungen einschließt. Erst danach rangieren die klassischen Pneumokoniosen, also Staublungenerkrankungen, die durch die Einlagerung anorganischer Stäube wie Asbest, Quarz oder Metallstäube in das Lungengewebe gekennzeichnet sind. Die Reihenfolge verdeutlicht, dass chemisch-irritative und allergische Atemwegserkrankungen heute eine größere Rolle spielen als die früher dominierenden Staublungen.
Information
Die Liste der versicherten Berufskrankheiten finden Sie auf
auva.at/auva-ihre-leistungen/leistungen-auf-einen-blick
Warum sind Lungenerkrankungen so häufig?
Die Lunge ist ein besonders empfindliches Organ. Ihre feine Struktur mit einer Vielzahl winziger Alveolen ermöglicht den lebenswichtigen Gasaustausch, macht sie aber anfällig für Schadstoffe. Am Arbeitsplatz wirken Stäube, Gase und Dämpfe häufig über Jahre auf diese sensiblen Bereiche ein – oft ohne unmittelbare Symptome. Erst nach längerer Exposition entstehen chronische Erkrankungen wie Asthma, COPD oder Staublungen. Hinzu kommt die große Vielfalt an potenziell schädlichen Substanzen: von mineralischen Stäuben (z. B. Quarz, Asbest) und Metallstäuben über organische Partikel (z. B. Mehl, Tierproteine) bis hin zu chemischen Stoffen. Diese können reizend, allergisierend oder krebserzeugend wirken.
In den kommenden Ausgaben werden die einzelnen Atemwegserkrankungen genauer beleuchtet.
Warum ist Prävention entscheidend?
Lungenerkrankungen führen häufig zu dauerhaften Einschränkungen der Atemfunktion, hoher Arbeitsunfähigkeit und erheblichen Einbußen an Lebensqualität. Ihre Behandlung ist langwierig und kostenintensiv. Dabei sind Schutzmaßnahmen wie Absaugungen, Atemschutz oder Prozessanpassungen in den meisten Branchen technisch umsetzbar und vergleichsweise kostengünstig. Frühzeitige Intervention kann irreversible Schäden verhindern, die Zahl der Berufskrankheiten senken und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten sichern. ●
Literatur
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Lech: ecomed Medizin. Online verfügbar unter:
https://www.ecomed-storck.de/Medizin/Arbeitsmedizin-Sozialmedizin-Umweltmedizin-Hygiene/Handbuch-der-Arbeitsmedizin-online-Online-Produkt.html (Zugriff am 18.12.2025).
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BLANC, P. D.; ANNESI MAESANO, I.; BALMES, J. R.; et al. (2019): The occupational burden of
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Zusammenfassung:
Da Erkrankungen der Lunge oft zu dauerhaften Einschränkungen für die Betroffenen führen, ist Prävention besonders wichtig. Atemwegserkrankungen zählen in Österreich zu den am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten, oft verursacht durch chemisch irritative oder allergisierende Stoffe.