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© LKH-Universitätsklinikum Graz

Digitalisierung

Reinigungsroboter im Krankenhaus

Sauberkeit hat im Krankenhaus höchste Priorität, doch insbesondere die Bodenreinigung ist eine körperlich beanspruchende Tätigkeit. Um das Reinigungspersonal zu entlasten und gleichzeitig den strengen Hygienestandards zu entsprechen, setzt das LKH-Universitätsklinikum Graz auf moderne Reinigungsroboter. Sie sind so beliebt, dass man ihnen sogar Namen gegeben hat.

Während der Corona-Pandemie mussten die ohnehin strengen Hygienevorschriften im LKH-Universitätsklinikum Graz verschärft werden, um Ansteckungen zu verhindern. Dazu kam ein akut gewordener Mangel an Reinigungskräften. Die demografische Entwicklung machte deutlich, dass das Problem nicht mit dem Ende der unmittelbaren Krise gelöst sein würde. Bei der Suche nach einer nachhaltigen Lösung für die Reinigung trotz Personalknappheit entstand die Idee, zum ersten Mal Reinigungsroboter einzusetzen.

Roboter zur Bodenreinigung
„2022 haben wir das Pilotprojekt Reinigungsroboter an der Universitätsklinik für Neurologie gestartet“, erinnert sich Dipl.-KH.BW. Michael Manuel Kazianschütz, MBA MSc, am LKH-Universitätsklinikum Graz für Wirtschaft und Logistik verantwortlich. Der erste Roboter, vom Projektteam „Franzi 1.0“ genannt, nahm seine Arbeit auf – mit Erfolg. Für den Echtbetrieb schaffte das LKH-Universitätsklinikum im März 2023 eine fortschrittlichere Type, den Scheuersaugroboter „LionsBot R3 Scrub“, an. Er wurde auf den Namen „Franzi 2.0“ getauft und als Arzt im weißen Kittel foliert. Franzi 2.0 kommt seither an der Uniklinik für Chirurgie zum Einsatz.
Im Gegensatz zu Franzi 1.0 „merken“ sich Franzi 2.0 und die danach angeschafften Scheuersaugroboter die Wege, die sie zurücklegen müssen. Beim ersten Einsatz tastet der Roboter seine Umgebung mittels Sensoren ab und legt eine digitale Raumkarte an. Diese dient ihm dazu, selbstständig Reinigungsrouten zu planen und präzise nachzufahren. Franzi 2.0 wird hauptsächlich zur Reinigung der Gänge verwendet, er kann große Flächen mit einer einzigen Batterieladung säubern. Die Walzenkonstruktion sorgt dafür, dass auch kleinere Verschmutzungen wie Essensreste aufgenommen werden, ohne dass der Ansaugkanal blockiert.
Die Kinderklinik erhielt bald darauf ebenfalls einen eigenen Scheuersaugroboter. In Anlehnung an Klinik-Clowns, die Fröhlichkeit in den Spitals­alltag kranker Kinder bringen sollen, wurde der Roboter als Clown foliert, was nicht nur die jungen Patienten:Patientinnen zum Lächeln bringt. „Die Mitarbeiter:innen der Kinderklinik haben dem Reinigungsroboter den Namen ‚Horsti‘ gegeben“, so Kazianschütz zur inzwischen schon üblich gewordenen Benennung der Roboter.
Mittlerweile wurde die Flotte der Reinigungsroboter erweitert. „Annelies“ säubert die Böden in der Klinik für Innere Medizin – sie wurde nach einer früh verstorbenen Führungskraft benannt und ist der einzige nicht folierte Scheuersaugroboter. Am Valentinstag 2025 stellte man Franzi 2.0 auf der Chirurgie eine als Krankenschwester folierte „Franziska“ zur Seite. Die Reinigungsroboter übernehmen die Säuberung in den Patienten:Patientinnen- und Ambulanzbereichen; in den Patienten:Patientinnenzimmern kommen sie derzeit noch nicht zum Einsatz.

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Gefährdungsbeurteilung
Die Reinigungsroboter bewegen sich durch Gänge und Hallen, während sich dort Krankenhauspersonal, Patienten:Patientinnen und zum Teil auch Besucher:innen aufhalten. Dadurch ergeben sich besondere Anforderungen an die Sicherheit, betont Markus Rupp­nig, BSc MSc, fachkundiges Organ für Berufskrankheiten und Gesundheit am Arbeitsplatz in der AUVA-Außenstelle Klagenfurt – und selbst diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger: „Es ist wichtig, dass im Rahmen der Arbeitsplatzevaluierung eine Gefährdungsbeurteilung der Roboter durchgeführt wird.“ Kollaborierende und mobile Roboter würden neue Formen der Gefährdungsbeurteilung erforderlich machen.
Am LKH-Universitätsklinikum Graz fließen diese Anforderungen konsequent in die Praxis ein. Sicherheitsfachkräfte sind sowohl an der Anschaffung als auch am laufenden Betrieb der Reinigungsroboter beteiligt und beurteilen mögliche Risiken im Rahmen der vorgeschriebenen Evaluierungen. Die Roboter erkennen Personen über ihre Sensoren und reagieren entsprechend: Nähert sich eine Person, hält der Roboter an oder weicht kontrolliert aus. Wie gut diese Sicherheitsvorkehrungen wirken, zeigt sich daran, dass es seit der Einführung der Roboter zu keinem einzigen Zusammenstoß gekommen ist.

Hohe Akzeptanz
Ein weiterer Punkt, der bei der Einführung neuer Technologien beachtet werden muss, ist die Akzeptanz durch die Anwender:innen und andere Mitarbeiter:innen. Um den Beschäftigten die Scheu vor den Robotern zu nehmen, orientierte sich Kazianschütz am Beispiel eines skandinavischen Spitals. Dort wurden die Magnetresonanzröhre und der ganze MRT-Raum als bunte Spiellandschaft gestaltet, um Kindern die Angst vor der MRT-Untersuchung zu nehmen. Einen vergleichbaren Effekt erhoffte sich das Projektteam davon, die Reinigungsroboter zu folieren und sie durch Namen persönlicher erscheinen zu lassen. Diese Vorgehensweise bewährte sich: Die Idee, die Reinigungsroboter zu „taufen“, wurde von den Beschäftigten in den jeweiligen Bereichen begeistert aufgegriffen.
Einen wesentlichen Beitrag zur Akzeptanz leistete die Einbeziehung des Betriebsrats schon im Zuge der Konzeption des Pilotprojekts. Die Mitarbeiter:innen wurden mittels Mitarbeiter:innenmagazin und online laufend über die Projektfortschritte informiert. Anfängliche Befürchtungen, die Roboter könnten Arbeitsplätze gefährden, ließen sich so rasch entkräften. Mehrere Berichte in den Medien, unter anderem im ORF, verstärkten das positive Bild von den „Roboterkollegen“.

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Ergonomische Faktoren
Ein entscheidender Faktor für die Beliebtheit der Scheuersaugroboter ist die Arbeitserleichterung für die Reinigungskräfte, welche die Roboter 
bedienen. Das Reinigungspersonal muss nur jene Bereiche manuell nachreinigen, die für die Roboter schwer zugänglich sind. Die großflächige Reinigung der Gänge und Hallen übernehmen die Roboter, wodurch körperlich belastende Tätigkeiten deutlich reduziert werden.
Bei der Bedienung der Roboter spielt Ergonomie ebenfalls eine zentrale Rolle. Die Bedienelemente sollten in der richtigen Höhe angebracht und leicht erreichbar sein. Bei der Gestaltung der Benutzer:innenoberfläche ist darauf zu achten, dass sie auch von älteren oder körperlich eingeschränkten Personen bzw. von Personen mit geringen Deutschkenntnissen einfach bedient werden kann – etwa durch individuell einstellbare Schriftgrößen und Kontraste sowie mehrere zur Auswahl stehende Sprachen. „Die Informationsdarstellung muss klar sein, um Informationsüberflutung zu vermeiden“, so Ruppnig. Daher wurde auch bei der Entscheidung für die im LKH-Universitätsklinikum Graz verwendeten Reinigungsroboter darauf geachtet, dass die Modelle einfach und intuitiv zu bedienen sind. Schriftgröße und Farbe lassen sich individuell einstellen. Die Steuerung erfolgt entweder über ein Bedienelement direkt am Roboter oder über eine Smartphone-App.

Schulung und Unterweisung
Die Reinigungskräfte, welche die Scheuersaugroboter bedienen, werden eingeschult und unterwiesen. Für jeden Roboter wurde ein:e Key-User:in bestimmt, der:die Informationen an die Benutzer:innen weitergibt und bei Fragen als Ansprechperson zur Verfügung steht. Tritt eine Fehlermeldung auf, führt der:die Key-User:in die notwendigen Schritte durch. Die jeweilige Stationsleitung ist über die auf ihrer Station eingesetzten Roboter informiert.

Evaluierung des Projekts
Bei der Evaluierung des Reinigungsroboter-Projekts zeigte sich, dass die ursprünglichen Erwartungen sogar übertroffen wurden. „Die Roboter arbeiten schnell und effizient, durch die gleichmäßigere Reinigung gibt es kaum Schlieren. Eine Nachreinigung ist nur manchmal in Ecken, an Kanten und in Wartebereichen mit vielen Sesseln notwendig“, beschreibt Kazianschütz.
Der Einsatz der Roboter erwies sich als geeignete Maßnahme hinsichtlich der Personalknappheit. Die Reinigungskräfte konnten durch den geringeren Arbeitsaufwand und den Wegfall der körperlich anstrengenden und monotonen Reinigung großer Flächen deutlich entlastet werden. Es wurde daher beschlossen, auch in anderen Bereichen Roboter einzusetzen.

Roboter in der Logistik
Nach der Anschaffung der ersten Reinigungsroboter startete im Dezember 2024 ein Pilotprojekt mit autonomen mobilen Robotern (AMR) für die Logistik. Im Zuge einer Machbarkeitsstudie prüfte das Projektteam, ob ein fahrerloses Transportsystem (FTS) im Logistiktunnel des LKH-Universitätsklinikums Graz technisch sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar wäre. Auf Grundlage der Studienergebnisse sowie weiterer Simulationen und Risikobeurteilungen wurde die Automatisierung definierter Teilstrecken als optimale Lösung eingestuft und anschließend umgesetzt.
Der rund zwei Kilometer lange Logistiktunnel verbindet das Zentralmagazin im Versorgungszentrum mit den einzelnen Bereichen des Klinikums. Durch ihn werden Paletten mit Produkten auf Trolleys zu den Kliniken transportiert. Vor der Automatisierung mussten diese Transporte von Personal erledigt werden. „Früher haben die Lagermitarbeiter:innen täglich 80 bis 100 Paletten auf Transportwagen durch den Tunnel gezogen. Das war körperlich äußerst anstrengend. Diese schwere Arbeit übernimmt nun der Roboter“, erklärt Kazianschütz.
Im Februar 2025 nahm der AMR den Echtbetrieb auf. Ursprünglich war nicht vorgesehen, auch diesem Roboter einen Namen zu geben, doch die Beschäftigten in der Logistik bestanden darauf. Für Kazianschütz zeigte dies, dass die Roboter im Arbeitsalltag angekommen waren. Bei der „Taufe“ bewiesen die Mitarbeiter:innen Humor: Einer ihrer Kollegen, „Gertschi“ genannt, war kürzlich in die Altersteilzeit gewechselt – und der Roboter, der nun auch Aufgaben dieses Kollegen übernimmt, trägt dessen Namen.
In die Planung und Umsetzung des AMR-Projekts waren der Lagerleiter und sein Stellvertreter sowie Vertreter:innen der Stabsstellen Supply Chain Management, Sicherheit, IT und Technik einbezogen. Eingeschult und unterwiesen wurden die Verteilungskoordinatoren:-koordinatorinnen der Transportlogistik, deren Wege sich im regulären Betrieb mit jenes des Roboters kreuzen können. Die übrigen Logistikmitarbeiter:innen wurden über die Route von Gertschi informiert.
Um das Risiko von Zusammenstößen zu minimieren, begrenzte man die Geschwindigkeit. An Kreuzungen kündigt sich Gertschi durch optische und akustische Signale an, damit ihn Beschäftigte rechtzeitig wahrnehmen. Registriert der Roboter eine Annäherung einer Person, stoppt er automatisch und wartet, bis der Weg wieder frei ist. Diese Sicherheitsmechanismen haben sich bewährt: Seit dem Start des AMR-Projekts ist es zu keinem einzigen Zwischenfall gekommen.

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Weitere Roboter
Auch in andere Bereiche des LKH-Universitätsklinikums Graz hat die Automatisierung bereits Einzug gehalten – etwa in die Chirurgie, wo sich das roboterassistierte Da-Vinci-Operationssystem im Einsatz befindet, oder in die Kinderchirurgie mit dem Roboter „Noemi“. In der Anstaltsapotheke übernimmt ein Kommissionierautomat die automatisierte Ein- und Auslagerung von Medikamenten. Vier Greifroboter, deren Arme mit Saugnäpfen bestückt sind, sortieren die Teller in der Küche. Für die Reinigung der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte in der Urologie und zur Fensterreinigung werden ebenfalls Roboter genutzt.

Sowohl ökonomisch als auch bezüglich der Arbeitssicherheit, insbesondere hinsichtlich des Mensch-Roboter-Kontakts, hat das Universitätsklinikum durchwegs positive Erfahrungen gemacht. „In unserem Near-Miss-Meldesystem sind bisher keine Beinaheunfälle mit Robotern gemeldet worden“, betont Kazianschütz. Es ist daher geplant, die Automatisierung weiter auszurollen.

 

 

Zusammenfassung

Das LKH-Universitätsklinikum Graz setzt auf Innovation durch Automatisierung. Auf den Stationen übernehmen Scheuersaugroboter die Reinigung der Böden, in der Logistik transportieren autonome mobile Roboter schwere Lasten. Die Roboter erleichtern die Arbeit und werden von der Belegschaft gut aufgenommen.

 


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