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Alle Fotos © Taurob

Digitalisierung

Roboter in gefährlichen Umgebungen

Extreme Temperaturen, giftige Gase, Explosionsgefahr – Roboter von Taurob kommen dort zum Einsatz, wo das Risiko für menschliche Arbeitskräfte besonders groß ist. Nach Lösungen für die Feuerwehr und das Bundesheer hat sich das Unternehmen auf die Entwicklung von Robotern für Inspektionen auf Offshore-Plattformen spezialisiert.

Für den Einsatz in gefährlichen Umgebungen entwickelt die Taurob GmbH spezialisierte mobile Roboter. Das 2010 in Wien gegründete Unternehmen konzentrierte sich in seiner Anfangsphase auf die Fertigung von Robotern für die Wiener Berufsfeuerwehr. Die mit Wärmebildkamera und Messgeräten ausgestatteten Roboter werden in Gebäuden eingesetzt, die nach einem Brand einsturzgefährdet sind, in denen man austretende Gase oder ionisierende Strahlung vermutet.

Roboter für Feuerwehr und Bundesheer
„Eine Vorgabe der Feuerwehr war, dass alle Einsatzkräfte auch ohne spezielle Vorkenntnisse die Roboter bedienen können“, so Matthias Biegl, Ko-Gründer und Managing Direc­tor von Taurob. Die Feuerwehrroboter sind nach wie vor in Verwendung, werden von Taurob regelmäßig gewartet, jedoch nicht mehr nachproduziert.

Im Rahmen eines Projekts der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft wurde eine Probenahmevorrichtung für die Roboter entwickelt, um Proben von ABC-Gefahrstoffen zu entnehmen. „Der Roboter fährt ferngesteuert zur Gefährdungslage, nimmt mit einem Greifer eine Probe und verpackt die verdächtige Substanz in einem Container“, beschreibt Biegl. Das österreichische Bundesheer kaufte Roboter dieses Typs für die Probenahme von ABC-Stoffen an.

Einsatz auf Förderplattformen
Ähnliche Anforderungen bestehen auch in der Energiebranche. Internationale Öl- und Gaskonzerne, die Offshore-Förderplattformen betreiben, zeigten Interesse an ferngesteuerten Probenahmerobotern, was unter anderem auf einen Vorfall in der Nordsee im Jahr 2012 zurückzuführen ist. Damals entstand an einer Gasplattform ein Leck, durch das Gas ausströmte. Es dauerte über sieben Wochen, bis man den Gasfluss stoppen und die Arbeiten fortsetzen konnte.

Der Roboter für Offshore-Plattformen ist ein kettengetriebenes Fahrzeug mit Manipulatorarm, korrosionsresistent, temperatur- und windbeständig. Er fährt autonom, bewältigt dabei auch Stiegen, erfasst Druckanzeigen und misst Gaskonzentrationen. Die Daten werden automatisch in eine cloudbasierte Infrastruktur übertragen und analysiert. Das ermöglicht Predictive Maintenance, so Biegl: „Man erkennt, ob sich der Druck über einen längeren Zeitraum verändert und kann rechtzeitig Wartungsarbeiten vornehmen.“

Sicherheitsaspekte
Für Biegl bezieht sich die Sicherheit bei Taurob-Robotern auf zwei Aspekte: Einerseits übernimmt der Roboter Aufgaben, die für das Personal gefährlich wären, und reduziert so das Unfallrisiko. Andererseits muss der Roboter selbst so konstruiert sein, dass von ihm keine Gefahren für Menschen oder Umwelt ausgehen.


Das stellt vor allem in Umgebungen, wo Gase austreten können, eine Herausforderung dar. Taurob hat diese gemeistert, was seit 2012 durch die ATEX-Zertifizierung der Roboter bescheinigt wird. Die ATEX-Richtlinien der EU regeln den Einsatz von Geräten und Systemen, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden. Die Zertifizierung stellt sicher, dass der Roboter keine Zündquelle darstellt, wenn explosive Gase, Dämpfe oder Staubwolken vorhanden sind. Fällt der Überdruck im Gehäuse infolge einer Beschädigung ab, sodass explosive Gase eindringen könnten, wird der Roboter automatisch abgeschaltet.

Eine weitere Sicherheitsfunktion betrifft die Bremsen des Roboters. Bei Stromverlust oder kritischen Fehlfunktionen schließen sie automatisch, sodass der Roboter stehen bleibt. Erkennt der Roboter eine zu starke Neigung, fährt er selbstständig zurück, um ein Kippen oder Abrutschen zu vermeiden.

Techniker in Schutzausrüstung beobachtet einen Inspektionsroboter auf einer Offshore-Plattform
Öl- und Gaskonzerne interessieren sich für ferngesteuerte Probenahmeroboter. Das kettengetriebene Fahrzeug mit Manipulatorarm ist korrosionsresistent sowie temperatur- und windbeständig und für den Einsatz auf Offshore-Förder­platt­formen ausgelegt Alle Fotos © Taurob

Schulung und Unterweisung
Bei der Einführung eines neuen Roboters auf einer Öl- oder Gasplattform werden die betrieblichen Anweisungen angepasst und die Operatoren:Operatorinnen geschult. Taurob-Mitarbeiter:innen führen vor Ort die Inbetriebnahme und Funktionsprüfung des Roboters durch und unterweisen das Personal in der Bedienung der Software, im Umgang mit Sensoren, in der richtigen Reinigung sowie im Wechseln von Batterien und Ketten. Zusätzlich wird eine Schulung im Taurob-Testcenter in Wien angeboten.

Taurob-Testcenter
Am Sitz des Unternehmens in Wien entwickelt und fertigt Taurob die Roboter, die im firmeneigenen Testcenter rund um die Uhr erprobt werden. Sie bewegen sich autonom in einer Testumgebung, die den realen Einsatzbedingungen nachempfunden ist. Die Mitarbeiter:innen überwachen die Roboter von einem separaten Kontrollraum aus und betreten die Testumgebung nur unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen. Damit steht auch während der Tests die Sicherheit im Vordergrund. 


Zusammenfassung:

Taurob entwickelt Roboter für den Einsatz in gefährlichen Umgebungen. Das Unternehmen hat sich auf die Fertigung von Robotern für Offshore-Förderplattformen von Öl und Gas spezialisiert, wo die Roboter Druckanzeigen ablesen und Gaskonzentrationen messen.


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