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© Adobe Stock / Maria Vitkovska

Hitzeschutz

Sicher arbeiten bei Hitze

Durch die Klimaerwärmung nimmt die Hitze an Arbeitsplätzen im Freien, aber auch in Innenräumen zu. Hohe Temperaturen können Wohlbefinden, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten beeinträchtigen, die Unfallhäufigkeit steigt. Durch Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip lassen sich die negativen Auswirkungen der Hitze reduzieren.

Die Zahl der Hitzetage mit mindestens 30 Grad hat sich in Österreich seit den 1960er-Jahren verdoppelt bis verdreifacht, bis 2100 wird – ohne ausreichende Klimaschutzmaßnahmen – eine weitere Verdoppelung bis Verdreifachung erwartet. Verschärfend wirkt die geringer werdende nächtliche Abkühlung. Diese alarmierende Prognose aus dem Jahr 2018 stammt aus dem „Österreichischen Special Report Gesundheit, Demographie und Klimawandel“ des Austrian Panel on Climate Change (APCC). Das Panel wurde 2014 im Climate Change Centre Austria (CCCA), einem Netzwerk führender österreichischer Forschungsinstitutionen, eingerichtet.

Mehr Hitzetage
Nach 2024, dem laut GeoSphere Austria wärmsten Jahr der Messgeschichte in Österreich, belegte 2025 immerhin den achten Platz seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. „1975 wurden in Österreich an keinem einzigen Tag 30 Grad erreicht. In den nächsten fünfzehn Jahren müssen wir damit rechnen, dass in den Landeshauptstädten sogar die 40-Grad-Grenze überschritten wird“, warnt der Arbeits- und Umweltmediziner Dr. Heinz Fuchsig, Baubiologe und Trainer für vitales Führen. Hitzetage schon ab April und bis in den Oktober hinein sind bereits häufiger geworden und werden in Zukunft noch öfter auftreten.

Belastungen durch Hitze
Wie belastend Hitze empfunden wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Wohlfühltemperatur ist bei Frauen höher als bei Männern. Ältere Menschen und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, vertragen hohe Temperaturen schlechter. Neben Temperatur, Wärmestrahlung und Luftfeuchtigkeit spielt auch die Art der Tätigkeit eine wesentliche Rolle, so Fuchsig: „Bei schwerer Arbeit schwitzt man spätestens ab zehn Grad.“

Hitze sowie der Verlust von Wasser und Salzen durch Schwitzen können eine Hitzeerschöpfung verursachen, die sich durch Müdigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und Herz-Kreislauf-Probleme äußert. Ein Hitzekollaps, ausgelöst durch einen Kreislaufkollaps, ist eine Teilreaktion der Hitzeerschöpfung mit Verminderung der Durchblutung des Gehirns. Die Körpertemperatur steigt auf 40 Grad und mehr, es besteht Lebensgefahr.

Körperliche Belastung durch Hitze am Arbeitsplatz setzt die physische, aber auch die psychische Leistungsfähigkeit herab. Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit nehmen ab, was eine gesteigerte Fehlerhäufigkeit bewirkt und das Risiko für Unfälle erhöht. Hitze erzeugt Stress und begünstigt damit aggressives Verhalten.

Längere Sonnenscheindauer
Auch die Sonnenscheindauer nimmt in Österreich zu. GeoSphere Austria verzeichnet einen deutlichen Anstieg seit den 1980er-Jahren. Mehr sonnige Tage bedeuten eine höhere Belastung durch natürliche UV-Strahlung. Weitere Einflussfaktoren sind Jahres- und Tageszeit sowie die Höhe über dem Meeresspiegel, wobei von April bis September und zwischen 11 und 15 Uhr mit einer besonders hohen UV-Belastung zu rechnen ist. Starke Bewölkung lässt rund 70 Prozent der UV-Strahlung durch, bei leichter sind es über 90 Prozent. Schatten verringert die UV-Strahlung um maximal die Hälfte.


Reflektierende Oberflächen wie Blech- oder Foliendächer, Glasfassaden, Beton, Styropor, Sand, Wasser oder Schnee haben einen die Strahlung verstärkenden Effekt. Der Reflexionsgrad beträgt z. B. bei Styropor 84 Prozent, bei Zink- oder Weißblech 67 Prozent und bei hellem Sand 25 Prozent.

Schäden durch UV-Strahlung
Ob Sonnenstrahlung die Gesundheit fördert oder schädigt, hängt von der Dosis ab. In unseren Breiten besteht bei vielen Menschen ein Vitamin-D-Mangel. Das Vitamin ist für die Knochenbildung und viele Stoffwechselprozesse essenziell und wird vom Körper nur unter Einwirkung von UV-B-Strahlung gebildet. Gleichzeitig birgt UV-Strahlung jedoch das Risiko für akute und chronische Schäden.

Frau sitzt erschöpft und gestresst vor einem Laptop in einem überhitzten Innenraum
Hohe Temperaturen in Innenräumen mindern die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit, senken Konzentration und Aufmerksamkeit und belasten Beschäftigte spürbar im Arbeitsalltag © Adobe Stock / Alliance

Zu den akuten Schäden zählt der Sonnenbrand, bei dem die Hautveränderungen von geröteter Haut bis zur Blasenbildung reichen. Unter den Begriff „Sonnenallergie“ fallen durch die UV-Strahlung ausgelöste allergische Reaktionen. Bei einem Sonnenstich werden die Hirnhäute durch intensive, direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken gereizt, die Symptome reichen von Kopfschmerzen bis zur Bewusstlosigkeit. Bei intensiver UV-Strahlung können sich die Hornhaut und die Bindehaut des Auges entzünden.

Chronische Erkrankungen der Augen durch Sonnenstrahlung sind der Graue Star und die Makuladegeneration, ein Ausfall des zentralen Gesichtsfelds. Der Großteil der chronischen UV-Schäden betrifft die Haut, von vorzeitiger Hautalterung bis zum Hautkrebs. Seit März 2024 werden in Österreich die Hautkrebsformen Plattenepithelkarzinom und aktinische Keratosen, die auf chronische UV-Belastung zurückzuführen sind, als Berufskrankheiten anerkannt.

Betroffene Berufsgruppen
Wer im Freien arbeitet, ist der Belastung sowohl durch Hitze als auch durch UV-Strahlung ausgesetzt. Zu den besonders betroffenen Berufsgruppen zählen Bauarbeiter:innen, Dachdecker:innen, Beschäftigte in Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft, Zusteller:in­nen wie Post- oder Fahrradboten:-botinnen, Kellner:innen in Gastgärten, Bademeister:innen in Freibädern sowie Elementarpädagogen:-pädagoginnen, die mit Kindergartenkindern viel Zeit im Freien verbringen. Bei Bergführern:-führerinnen und Schilehrern:-lehrerinnen kommt dazu, dass die UV-Strahlung in größerer Höhe intensiver ist und vom Schnee reflektiert wird.

Schutzmaßnahmen im Freien
Die mit 1. Jänner 2026 in Kraft getretene Hitzeschutzverordnung verpflichtet Arbeitgeber:innen, bei Arbeiten im Freien Gefahren durch Hitze und UV-Strahlung zu ermitteln und zu beurteilen. Auf Grundlage dieser Evaluierung müssen Schutzmaßnahmen festgelegt und umgesetzt werden, wenn eine Hitzewarnung der GeoSphere Austria der Stufe 2, die einer gefühlten Temperatur von 30 bis 34 Grad entspricht, vorliegt.

Gartenarbeiter mit Freischneider hält sich erschöpft die Hand vors Gesicht –  symbolisiert Hitzestress und UV-Belastung bei Außenarbeit
Wer im Freien arbeitet, ist Hitze und UV-Strahlung ausgesetzt. Besonders betroffen sind z. B. Beschäftigte in Bau und Gartenbau. Schutz bieten lange Kleidung und Kopf­bedeckungen mit Nackenschutz, etwa eine Schirm­kappe © Adobe Stock / pacoocimage

Beim Schutz der Mitarbeiter:innen sollte nach dem TOP-Prinzip – technische vor organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen – vorgegangen werden. Technische Maßnahmen umfassen unterschiedliche Arten der Beschattung des Arbeitsbereichs, etwa durch Überdachungen, Sonnenschirme oder -segel, die z. B. in der Landwirtschaft bei der Ernte zum Einsatz kommen.

Organisatorische Maßnahmen zielen darauf ab, den Aufenthalt in der Sonne, insbesondere zwischen 11 und 15 Uhr, zu verkürzen. Das gelingt z. B. durch Verlegung von Tätigkeiten, bei denen sich eine direkte Sonnenbestrahlung nicht vermeiden lässt, in die Tagesrandzeiten. Vorbereitungs­arbeiten können im Schatten durchgeführt werden. Steht auf einer Baustelle ein Container mit Kühlung zur Verfügung, haben die Beschäftigten die Möglichkeit, dort ihre „Entwärmungspausen“ zu verbringen.

Eine wesentliche personenbezogene Maßnahme ist die passende Kleidung: ein langärmliges Oberteil, eine lange Hose und eine Kopfbedeckung mit Nackenschutz, z. B. eine Schirmkappe; zu empfehlen sind spezielle Textilien mit UV-Schutzfaktor. Helle, lockere Kleidung hilft, die Hitzebelastung möglichst gering zu halten. Sonnenschutzbrillen sollten dicht anliegen und am besten über einen Seitenschutz verfügen.

Bei der Verwendung von Sonnenschutzmitteln werden häufig Fehler gemacht, welche die Schutzwirkung herabsetzen. Die Menge der verwendeten Mittel ist in vielen Fällen zu gering. Auf das Nachcremen, das bei Schwitzen und Abrieb zirka alle zwei Stunden erfolgen sollte, wird leicht vergessen. Fuchsig weist darauf hin, dass sogenannte „Sonnenterrassen“ des Körpers wie Nase und Unterlippe, bei gebückter Arbeit auch der Nacken, einen besonderen Schutz benötigen. Erst im Sommer mit dem Cremen zu beginnen, sei zu spät. An wolkenlosen Tagen im April könne die gleiche Menge an UV-Strahlung auf die Haut treffen wie im August.

Bei Sonnenschutzmitteln sind wasserfeste, schweißresistente und duftstofffreie Produkte zu bevorzugen. Die Auswahl des Lichtschutzfaktors (LSF) ist abhängig von Hauttyp, Intensität der Sonneneinstrahlung und Aufenthaltsdauer in der Sonne. In der Regel sollte man zu einem Sonnenschutzmittel mit einem LSF von mindestens 30, besser noch von 50+, greifen. Ein Schutz nicht nur vor UVB-, sondern auch vor UVA-Strahlung besteht nur, wenn dieser auf dem Produkt angegeben ist. Sonnenschutzmittel verlieren ihre Wirksamkeit, wenn sie in heißer Umgebung bzw. in der Sonne gelagert werden oder das Ablaufdatum überschritten ist.

Hitzeschutz in Innenräumen
Bei der Arbeit in Innenräumen besteht ein wesentliches Problem darin, dass vor längerer Zeit errichtete Werkshallen und Bürogebäude nicht für die derzeitigen – und schon gar nicht für die erwarteten – hohen Temperaturen ausgelegt sind und daher nachgerüstet werden müssen. Zu den Maßnahmen, um Arbeitsstätten klimafit zu machen, gehören Dämmung, die im Winter vor Kälte und im Sommer vor Hitze schützt, Vordächer zur Beschattung sowie Fenster mit Thermoverglasung, Rollläden, Jalousien oder direkt auf die Fensterscheiben aufgebrachter Sonnenschutzfolie. Helle Dachflächen und Fassadenbegrünung haben ebenfalls einen kühlenden Effekt. „In Indien kühlt gratis an Slumbewohner ausgeteilte ultraweiße Farbe eine Million Haushalte um durchschnittlich 7 Grad“, nennt Fuchsig ein Beispiel.

Bei Neuanschaffungen sollte in allen Bereichen statt einer herkömmlichen Heizung ein Heiz- und Kühlsystem gewählt werden. Ist ein Kauf von Wärme abstrahlenden Maschinen oder Geräten fällig, empfiehlt es sich, auf Energieeffizienz und gute Wärmeisolierung zu achten. Für ein gesundes Raumklima sind Klimaanlagen so einzustellen, dass die Differenz zwischen Außenluft- und Raumlufttemperatur nicht zu groß ist. Sorgt man mit mobilen Klimageräten oder Splitgeräten für Abkühlung, muss Zugluft vermieden werden. Ventilatoren erzeugen Kühle durch erhöhte Verdunstung von Schweiß und Beseitigung des Wärmepolsters auf der Haut.

Damit die in der Nacht abgekühlte Luft in den Innenräumen gespeichert werden kann, sollte man nachts oder in den Morgenstunden lüften. Vor allem bei ostseitigen Fenstern ist es wichtig, Sonnenschutzvorrichtungen wie Rollos oder Jalousien zeitig in der Früh zu schließen, bevor direkte Sonneneinstrahlung den Raum aufheizt. Werden sparsame elektrische Geräte angeschafft und nur bei Bedarf in Betrieb genommen, reduziert das die Wärmebelastung.

Auch die Verlegung körperlich schwerer Arbeiten in die Tagesrandzeiten, Gleitzeit und die Arbeit im Home­office können Erleichterung schaffen. Die Pausenregelung sollte Entwärmungspausen vorsehen, die man z. B. in einem gekühlten Sozialraum oder einem beschatteten Bereich im Freien verbringen kann. Mit Trinkpausen und der Bereitstellung von Getränken lässt sich Dehydrierung vermeiden.

Fuchsig spricht einen weiteren wesentlichen Punkt an: „Bei Hitze braucht es viel Aufmerksamkeit für sich selbst und die Nächsten. Nimmt man geistige Veränderungen oder Müdigkeit wahr, ist das oft das erste Zeichen, dass dringend eine ‚Hitzepause‘ eingelegt werden sollte.“ Trotz aller Maßnahmen lässt sich bei großer Hitze z. B. eine Hitzeerschöpfung oder ein Hitzekollaps nicht komplett ausschließen. Ersthelfer:innen im Unternehmen sollten daher auch speziell in Erster Hilfe bei Hitzefolgen ausgebildet werden. 


Zusammenfassung:

Die Klimaerwärmung hat mehr Hitzetage und eine längere Sonnenscheindauer zur Folge, was zu einer stärkeren Belastung durch hohe Temperaturen und UV-Strahlung am Arbeitsplatz führt. Bei Arbeiten im Freien verpflichtet die neue Hitzeschutzverordnung Arbeitgeber:innen, Maßnahmen zum Schutz vor Hitze und UV-Strahlung zu setzen. Auch in Innenräumen nimmt die Hitze zu, Schutzmaßnahmen sind erforderlich.


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