Zum Hauptinhalt wechseln
© Adobe Stock / Robert Kneschke

Alternsgerechtes Arbeiten

Jede Generation zählt: Sicheres und gesundes Arbeiten als Antwort auf den demografischen Wandel

Die Arbeitswelt ist derzeit einem starken Wandel ausgesetzt. Österreich erreicht in den kommenden Jahren den Höhepunkt des Erwerbspersonenpotenzials.

ine Prognose der Statistik Austria zeigt klar eine sinkende Anzahl an Erwerbspersonen* ab 2040 in Österreich. Ab diesem Zeitpunkt werden weniger Menschen für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, während gleichzeitig die Belegschaften altern.

Große Herausforderungen
Die Erwerbspersonenprognose der Statistik Austria zeigt im Trendszenario, dass die Anzahl der Erwerbspersonen in Österreich im Jahr 2028 ihr Maximum mit 4,8 Mio. erreicht und ab dann laufend abnehmen wird. Im Jahr 2040 werden um rund 0,8 % weniger Personen im Erwerbsleben sein als 2024. In absoluten Zahlen sind das rund 40.000 Erwerbspersonen weniger (2024: 4,78 Mio.; 2040: 4,74 Mio.). Der Prognose zufolge sinkt die Erwerbspersonenzahl bis 2080 weiter auf 4,36 Mio. Personen, das sind rund minus 9 % im Vergleich zu 2024.

Eine große Herausforderung wird die Änderung der Altersstruktur in den Betrieben mit einem höheren Anteil an älteren Beschäftigten, vor allem in der Altersklasse der über 55-jährigen Frauen. Hingegen wird der Anteil der Berufseinsteiger:innen in der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen von 2024 bis 2080 laufend zurückgehen, von 18,2 % auf 16,7 % bei den Männern und von 15,7 % auf 14,6 % bei den Frauen.

In Hinblick auf den seit Jahren bestehenden Fachkräftemangel in Österreich und die prognostizierte Entwicklung einer immer älter werdenden Belegschaft in den Betrieben in Kombination mit einem sinkenden Angebot an jungen Arbeitskräften in absehbarer Zukunft ist es höchste Zeit, die Frage zu stellen: „Wie schaffen wir das?“ – sei es als Betrieb, als Volkswirtschaft oder als gesamte Gesellschaft. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz verspricht einen Teil der Arbeit vom Menschen weg zu verlagern. Lt. OECD werden Routinearbeiten mit regelbasierten und informationsverarbeitenden Aufgaben von der KI ersetzbar sein. Dienstleistungsberufe, die soziale Beziehungen sowie handwerkliche Fähigkeiten erfordern, werden bestehen bleiben. Neue Berufsfelder werden laut Zukunftsprognose des World Economic Forum in den Bereichen IT, KI und Cybersecurity sowie Umwelt und Energie entstehen. Die zukünftigen Aufgaben erfordern neue Kompetenzen und sind mit einer hohen geistigen Beanspruchung verbunden. Ein Wandel der Gesundheitsrisiken bei der Arbeit von klassischen körperlichen Verletzungen hin zu psychischen Belastungen ist schon seit Jahren erkennbar.

Aktuelle Zahlen: Unfallgeschehen und gesundheitsbedingte Fehlzeiten
Die AUVA-Unfallstatistik zeigt, dass besonders bei den unter 34-jährigen Männern das Unfallrisiko bei der Arbeit sehr hoch ist. Im Jahr 2010 lag die Unfallrate bei 65 Unfällen je 1.000 Versicherte, bis 2025 reduzierte sich die Rate auf 40. Verglichen mit den älteren männlichen Beschäftigten ist das Unfallrisiko in der Altersgruppe der unter 34-jährigen Männer fast doppelt so hoch.

Bei den Frauen fällt auf, dass im Vergleich zu den rückgängigen Zahlen bei Männern die Unfallrate jeder Altersgruppe nach den Pandemiejahren 2022 bis 2024 laufend angestiegen ist. 2025 ging die Unfallhäufigkeit generell in Österreich zurück, mit Ausnahme der 35- bis 50-jährigen Frauen.

Die Grafik zeigt den prognostizierten Rückgang der Bevölkerungszahlen in verschiedenen Altersgruppen von 15 bis über 65 Jahren von 2024 bis 2080.
Abbildung 1: Entwicklung der Erwerbspersonen* nach Altersgruppen

Der Dienstleistungssektor in Österreich wächst kontinuierlich und eine Abnahme der Beschäftigten im Produktionssektor ist aufgrund von Automatisierung und einer anhaltenden Verlagerung in Länder mit geringeren Produktionskosten zu erwarten. Die Zahlen des WIFO-Fehlzeitenreports zeigen in den letzten Jahren einen Rückgang der Ausfallzeiten aufgrund Verletzungen. 2025 waren sie die Ursache von 14,5 % der Krankenstandstage. Psychische Erkrankungen nehmen Jahr für Jahr zu und haben trotz hoher Dunkelziffer einen Anteil von 11,8 % an den Fehlzeiten. Psychische Erkrankungen kosten Wirtschaft und Gesellschaft viel Geld. Sie haben lange Ausfallszeiten zur Folge und sind die Ursache für fast ein Drittel der Neuzugänge an Pensionen der geminderten Arbeitsfähigkeit bzw. der dauernden Erwerbsunfähigkeit.

Der prognostizierte Rückgang des Arbeitskräfteangebots vor allem bei jungen Beschäftigten und der steigende Anteil an Jobs, die hohe Qualifikationen erfordern, werden die Kosten von Fehlzeiten weiter antreiben. Eine Strategie, diese Kosten zu minimieren, ist ein konsequenter Arbeitnehmer:innenschutz im Unternehmen von Jung bis Alt.

Fazit
Investitionen in die Sicherheit und Gesundheit der Menschen im Betrieb bringen die notwendige Stabilität in einer sich wandelnden Arbeitswelt. Der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und des Wohlbefindens der Menschen bei der Arbeit in jeder Lebensphase sind die Schlüsselfaktoren in Zeiten von alternder Belegschaft und Arbeitskräfteverknappung. Der demografische Wandel ist nicht nur eine Frage der Personalgewinnung. Er verändert auch die Anforderungen an die Arbeitsgestaltung. Wenn sich die Arbeit auf weniger Menschen aufteilt und geistig anspruchsvoller wird, ist die Frage entscheidend, wie Beschäftigte ihre Arbeit langfristig gesund, sicher und motiviert ausüben können. Wichtig dabei ist eine Betrachtung der Merkmale und Risiken jeder Arbeitslebensphase der Beschäftigten vom Berufseinstieg über die Aufbau- und Gestaltungsphase bis zur Reife- und Spätphase.

*     ILO-Definition von Erwerbspersonen: Als erwerbstätig gilt eine Person, wenn sie in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet hat bzw. bei Arbeitslosigkeit aktive Schritte zur Arbeitssuche getätigt hat. 

Literatur:

Zusammenfassung:
Prognosen des demografischen Wandels in der Arbeitswelt zeigen eine Abnahme des Erwerbspersonenpotenzials und ältere Belegschaften mit wachsendem Frauenanteil. Jobs der Zukunft fordern vermehrt die Psyche. Passende präventive Maßnahmen in jeder Lebensphase erhalten die Arbeitsfähigkeit, verbessern das Wohlbefinden der Beschäftigten und bringen dem Betrieb Stabilität.

 


Aktuelle Ausgaben

Ausgabe 5/2026
Ausgabe 5/2026

Magazin Sichere Arbeit

Download (PDF, 5 MB)
Ausgabe 4/2026
Ausgabe 4/2026

Magazin Sichere Arbeit

Download (PDF, 5 MB)
Ausgabe 3/2026
Ausgabe 3/2026

Magazin Sichere Arbeit

Download (PDF, 7 MB)
Ausgabe 2/2026
Ausgabe 2/2026

Magazin Sichere Arbeit

Download (PDF, 5 MB)