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Ein gelbes Messgerät mit Display und Drehknopf ist mit einem gelben zylindrischen Sensor verbunden, der auf einer grauen Oberfläche liegt.
Messanordnung zur Messung des elektrischen Widerstands gegen Erde von verlegten Fußböden: Hochohmmeter mit angeschlossener Erdung und einer Messelektrode (Gewicht ca. 2,5 kg) © Richard Reichhart

Sicherheitstechnische Prüfstelle

Warum ableitfähige Fußböden wichtig sind

Kurz die Türschnalle berührt, und schon wieder ist es passiert: Dieser kleine elektrostatische Funke verursacht im besten Fall nur ein unangenehmes Gefühl – im schlechtesten Fall löst er eine Explosion aus. Die Sicherheitstechnische Prüfstelle (STP) der AUVA prüft verlegte Fußböden auf ihre Eignung für ESD(Electrostatic Discharge)- oder explosionsgefährdete Bereiche.

Die Wahl des richtigen Bodens bei Arbeitsplätzen ist ein wesentlicher Faktor für ein sicheres Arbeitsumfeld. Ein wichtiger Aspekt ist die Gefahr elektrostatischer Entladungen (ESD).

Was ist Elektrostatik?
Elektrostatik befasst sich mit ruhenden elektrischen Ladungen und deren Verteilung. In leitfähigen Materialien (z. B. Metalle oder auch der menschliche Körper), aber auch in sogenannten ableitfähigen Materialien (z. B. spezielle Kunststoffe oder Bodenbeschichtungen) können sich Ladungsträger nahezu frei bewegen und bei vorhandener Erdverbindung abfließen. Fehlt diese Erdung, sammeln sich die Ladungen an und werden ähnlich wie in einem Kondensator gespeichert.

ESD-Messungen

ESD-Messungen (Electrostatic Discharge) von Fußböden prüfen, ob ein Boden elektrostatische Ladungen zuverlässig ableitet. Dadurch sollen empfindliche elektronische Bauteile geschützt und in explosionsgefährdeten Bereichen zündfähige Funken verhindert werden. Die Leitfähigkeit des Fußbodens ist ein wichtiger Bestandteil der Beurteilung elektrostatischer Gefährdungen.

Bei isolierenden Materialien hingegen sind die Ladungen zunächst ortsgebunden. Sie bleiben so lange gespeichert, bis ein Ladungsausgleich möglich wird. Solche Materialien (oft Kunststoffe, aber auch z. B. Wolle oder Glas) werden daher als „aufladbar“ (oft bis zu mehreren tausend Volt Spannung) bezeichnet – ein hörbares Beispiel für einen Ladungsausgleich ist das Knistern beim Ausziehen eines Wollpullovers.

Nähert sich nun ein Objekt einem elektrostatisch aufgeladenen Material, so kann ein elektrischer Funke entstehen. Dieses Phänomen wird als elektrostatische Entladung (ESD – electrostatic discharge) bezeichnet.

Auch das Gesetz kennt Elektrostatik
Gemäß § 22 Abs. 4 ASchG (ArbeitnehmerInnenschutzgesetz) ist bei der Konstruktion und Einrichtung der Arbeitsräume dafür zu sorgen, dass elektrostatische Aufladungen nach Möglichkeit vermieden werden. Die VEXAT (Verordnung explosionsfähige Atmosphären) macht als Verordnung zum Arbeitnehmer:innenschutz konkrete Angaben zum maximal erlaubten elektrischen Bodenwiderstand. Nach § 13 Abs. 4 VEXAT darf der Widerstand (gemessen gegen Erde) in bestimmten Bereichen einen Wert von 100 MΩ nicht überschreiten. In ESD-Bereichen, welche dem Schutz von elektronischen Bauteilen dienen, sehen die einschlägigen Normen meist höhere Werte vor.

Arbeitnehmer:innenschutz versus ESD-Schutz
Grundsätzlich verfolgen beide Schutzarten unterschiedliche Ziele: Während im klassischen Arbeitnehmer:innenschutz der Mensch vor gesundheitlichen Schäden (z. B. infolge einer indirekt durch einen Funken ausgelösten Explosion) bewahrt werden soll, zielt der ESD-Schutz primär darauf ab, empfindliche elektronische Bauteile vor Beschädigung zu schützen. Da aber in beiden Fällen Arbeitnehmer:innen durch Arbeits- und Bewegungsabläufe gefährliche elektrostatische Ladungen aufbauen können, überschneiden sich beide Bereiche oftmals. Zentrale Gemeinsamkeit ist, dass immer ein elektrisch leitfähiger oder ableitfähiger Boden für ein zuverlässiges Abfließen elektrischer Ladungen nötig ist. Die Wirksamkeit kann durch eine wiederkehrende Messung des Fußbodenwiderstandes gegen Erde mit speziellen Hochohm-Messgeräten sichergestellt werden.

Normen für die Messung von Bodenwiderständen
Um die Durchgangswiderstände von Fußböden oder Bodenbelägen zu messen, können unterschiedliche Normen herangezogen werden. Welche Norm Anwendung findet, richtet sich beispielsweise nach dem Anwendungsbereich oder der vorhandenen Messausrüstung.

Wiederkehrende Prüfung durch Externe
Jeder neu installierte ableitfähige Boden muss immer einer Erstprüfung unterzogen werden. Speziell in ESD-Bereichen nutzen Unternehmen aber auch oftmals Qualitätsmanagementsysteme, die eine regelmäßige wiederkehrende Prüfung gemäß ESD-Normenreihe IEC/EN 61340 fordern. Eine neuerliche wiederkehrende Messung kann aber auch wegen einer fehlerhaften Bodenreinigung notwendig werden. Neben technischen Büros oder Ziviltechnikern:-technikerinnen führt auch die Sicherheitstechnische Prüfstelle (STP) der AUVA im nicht-akkreditierten Bereich derartige Prüfungen nach OVE EN 61340-4-1 durch.

Information

Die Sicherheitstechnische Prüfstelle (STP) der AUVA führt Produkt- und Personenzertifizierungen durch. Das Aufgabengebiet umfasst unter anderem Prototypentests von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) wie Sicherheitsschuhen, Helmen, Schutz gegen Absturz, Gehörschutz und Schutz gegen Kettensägenschnitte. Das Prüfteam besteht aus erfahrenen technischen und CEN-Experten:-Expertinnen, die umfassende Kenntnisse über Prüfverfahren und Produktzertifizierung gewährleisten.
Kontakt IZ NÖ-Süd, Straße 15, 
Objekt 77/Stiege 2/1. Stock, 2351 Wiener NeudorfTelefon: +43 59393-21776
E-Mail: STP@auva.at
auva.at/stp

Die Bodenableitfähigkeit ist aber nur ein Teil einer Reihe von Maßnahmen, welche die Sicherheit sowohl für Personen als auch für Anlagen und elektronische Bauteile erhöht. Beispielsweise kann ein ableitfähiger Boden nur im Zusammenspiel mit ableitfähigen Sicherheitsschuhen zum Explosionsschutz oder zu einem ausreichenden Schutz von elektronischen Bauteilen beitragen.


Zusammenfassung:
Elektrostatische Aufladungen können besonders in ESD- oder explosionsgefährdeten Bereichen für Menschen und elektronische Bauteile gefährlich werden. Um Aufladungen möglichst zu verhindern, werden ableitfähige Fußböden eingesetzt. Regelmäßige Prüfungen sichern deren zuverlässige Funktion.


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