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Sichere Arbeit
Maschine zur Beschichtung von Tabletten auf der Fachmesse ACHEMA Maschine zur Beschichtung von Tabletten
Fachmesse ACHEMA: Blick in die Halle mit mechanischen Verfahren Blick in die Halle mit mechanischen Verfahren

Technik-Hotspot ACHEMA

Chemische Technik

Die ACHEMA ist die weltgrößte Messe für chemische Technologien und Anwendungen. Sie wird in einem Drei-Jahres-Turnus veranstaltet und fand heuer, ortsmäßig wie immer, in Frankfurt am Main statt. Neben mehr als 3.700 Ausstellern aus allen Kontinenten und bei einem fast nicht enden wollenden Besucherzustrom von rund 145.000 Personen erfuhr man doch einiges über die neuesten Trends einer mittlerweile voll globalisierten Branche, mit all den Vorteilen, aber auch Nachteilen, die das mit sich bringt.

Entscheidend für die Zukunft ganzer Branchen und Betriebe werden nicht nur bzw. nicht so sehr die zur Verfügung stehenden Technologien und Ressourcen sein – diese werden mittlerweile ziemlich global geschichtet und nach Bedarf ausgetauscht –, sondern die jeweiligen nationalen Ansprüche, Vorgaben und Bedürfnisse des Staates oder geografischen Großraums, wo die Waren in Verkehr gebracht werden.

Globalisierung und neue Herausforderungen

Dies ist anhand der pharmazeutischen Industrie sehr gut ablesbar und nachzuvollziehen. Thema der ACHEMA 2018 war die Zerlegung in multimodulare Prozesseinheiten und Zwischenschritte, sodass beliebig in verschiedensten Regionen produziert werden kann. Dass dabei die Interaktion der computergesteuerten Mess- und Regeltechnik eine zentrale Rolle spielt, darf vorausgesetzt werden.

Jedoch wurde in früheren Jahren und Jahrzehnten an quasi einem Standort vom Rohstoff und dessen Gütekontrolle beginnend bis zum fertigen Arzneimittel produziert. Nunmehr wird „vom Markt“ ein Bedarf erhoben und quasi in ein Anforderungsprofil mit lediglich Mindeststandards bzw. Anforderungen der In-Verkehr-Bringer-Region eingegeben. Daraus werden dann Prozessmodule in Herstellung und (hoffentlich!) Kontrolle bis hin zum Rohstoffeinkauf definiert und schlussendlich von einer Art Generalunternehmer weltweit bestellt. Man kann sich das etwas trivial so wie eine Großbaustelle vorstellen, bloß dass die Gewerke eben nicht ortsfest an einem Ort ein Gebäude produzieren, sondern ein globalisiertes Arzneimittel. Abgesehen von der Gütekontrolle kumulieren sich aber einige technisch-ethische Probleme, die aus Sicht des Autors krass unterbewertet sind:

  • Transportstrecken und -kosten scheinen keine Rolle zu spielen.
  • Lohnkosten hingegen schon!
  • Die internationalen Gütestandards sind weit davon entfernt, harmonisch und vergleichbar zu sein. Güte scheint je nach Markt kauf- und letztendlich biegbar zu sein.
  • Durch die Aufsplitterung ergibt sich eine drastische Abhängigkeit vom schwächsten Glied in diesen Produktionsketten.
  • Schlussendlich besteht der dringende Verdacht, dass (nicht nur Arzneimittel!) unterschiedlichster Qualität mit selbem Wirkstoff gegen gleiche Krankheiten hergestellt und eingesetzt werden.

Wenig überraschend wurde dies ja sogar innerhalb Europas bei der Herstellung von Lebensmitteln ein- und derselben Marke in verschiedenen Staaten, speziell Osteuropas, vor einiger Zeit entdeckt.

Aus- und Weiterbildung als wesentliches Element

Nichtsdestotrotz waren die internationalen Topmarken und Firmen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus mit ihren Beratern und Dienstleistern prominent vertreten. Ausgeklügelte Verfahrenstechnik, Trenntechniken, Rektifikationsanlagen und Spezialtechnologien konnten bestaunt werden – technisch grenzenlos, dafür aber exponentiell teuer. Somit kamen verschiedenste Anwendergruppen, von Technikern bis hin zu Betriebswirten, zu den von den Ausstellern lancierten Informationen.

Als Sicherheitstechniker war der Besuch von Schutz- und Gerätesystemen im Explosionsschutz natürlich Pflicht. Hier wird generell neben der technischen Herstellung und Erklärung sowie Kundenberatung und Anlagendesign vermehrt auf die Ausbildung aller sicherheitsinteressierten, zukünftigen(?) und schon tatsächlichen Kunden Wert gelegt.

Auch der Stand der BG RCI war, neben den beeindruckenden chemischen Versuchen, vor allem kabarettistisch ein gelungener Leckerbissen. So nah und im täglichen Leben angekommen hat man das selten erlebt! Chemie mit Humor und hessischer Schnauze bleibt halt länger in Erinnerung!

Das begleitende Symposium Sicherheit und Gesundheitsschutz in der Lieferkette von Chemikalien verzeichnete trotz geografischer Randlage regen Besuch. Hier wurde dem Thema Gefahrguttransport und Gefahrenkommunikation breiter Raum geboten: Neben eindrucksvollen Kurzfilmen wurde den Arbeitsplätzen und Tätigkeiten sowie deren Gefährdungen in der Logistikkette große Aufmerksamkeit geschenkt, und dies im europäischen Zusammenspiel unterschiedlichster Referenten der BG RCI, des französischen INRS, der SUVA aus der Schweiz und last, but not least der AUVA.

Ein Referent sei als lebendes Faktotum besonders herausgehoben, einer, den der Autor nicht nur ob seines enzyklopädischen Wissens, sondern seiner nicht minder charakterlich integren menschlichen Art sehr schätzt: Prof. Dr. Herbert Bender, Fachautor und ehemaliger Sicherheitstechniker der BASF. Die jugendliche Frische des Vortrags steht im Gleichklang zur Rüstigkeit des Jungpensionärs!

Fazit

Es bleibt die Erkenntnis, dass Chemie und Technik ehrliche Wissenschaften sind. Allein verantwortungsloser oder/und nichtwissender Umgang mit ihnen macht aus nutzbringenden Technologien eine gefährliche Hydra, deren internationale Köpfe wohl aus dem monetären Neoliberalismus kommen, aus der Unkenntnis eines alten Spruchs der indigenen Völker Nordamerikas: Geld kann man schlussendlich nicht essen! 

Dipl. Ing. Josef Drobits
AUVA-Landesstelle Wien,
Unfallverhütungsdienst
josef.drobits@auva.at

Zusammenfassung

Der Autor berichtet über seinen Besuch auf der Fachmesse ACHEMA, die im Drei-Jahres-Turnus in Frankfurt stattfindet und als weltgrößte Messe für chemische Technologien und Anwendungen gilt.

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