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Sichere Arbeit
Quantitative nichtmesstechnische Expositionsermittlung
Interaktive Gesamtübersicht
Stoffenmanager implementation cycle
Tabelle 1: Überblick über die Hauptfunktionen des Stoffenmanagers

Intelligentes Gefahrstoffmanagement – ohne Messung

Krebserzeugende Arbeitsstoffe

„Stoffenmanager“ ist ein Instrument zur Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung der inhalativen und dermalen Exposition von Beschäftigten bei Tätigkeiten mit gefährlichen Arbeitsstoffen sowie zur nichtmesstechnischen quantitativen Abschätzung der inhalativen Exposition, das die niederländische Firma Cosanta BV über das Internet zur Verfügung stellt. Die AUVA arbeitet an der Weiterentwicklung mit.
Stoffenmanager steht in den Niederlanden seit 2003 zur Verfügung und wurde von TNO, Arbo Unie und Beco (jetzt Ernest & Young) entwickelt. Seit Mai 2014 wurden alle Aktivitäten rund um Weiterentwicklung, Training, Helpdesk, Kommunikation und Verkaufsförderung von Cosanta B.V. durchgeführt. Der Name „Stoffenmanager“ (www.stoffenmanager.com) wurde registriert. 
Kostenloser Stoffenmanager-Basic-Account
Neben der kostenlosen Version Stoffenmanager Basic gibt es auch kostenpflichtige Product+-, Risk+- und Premiumlizenzen des Stoffenmanager. Diese werden von Cosanta B.V. vertrieben und bieten neben den Funktionen zur Gefährdungsbeurteilung und nichtmesstechnischen Expositionsabschätzung erweiterte Funktionen zum internen Firmenmanagement und zur Verwaltung der Arbeitsstoffe.
Derzeit gibt es mehr als 34.000 Stoffenmanager-User, und jede Woche kommen 50 neue User hinzu. Stoffenmanager hilft Organisationen, die regulatorischen und weitergehenden ethischen und Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen. Stoffenmanager ist ein Online-System zur Identifizierung chemischer Gefahren, zur Kontrolle der Exposition am Arbeitsplatz und zur verständlichen, transparenten Kommunikation von Führungskräften, Mitarbeitern und externen ­Stakeholdern. Stoffenmanager ist international anerkannt und in die EU-Chemikaliengesetzgebung (REACH R.14 Guidance) und im EU-OSHA OSH WIKI aufgenommen.
Gesetzlicher Hintergrund
Stoffenmanager entspricht den aktuellen EU-Rechtsvorschriften zur Exposition gegenüber chemischen Arbeitsstoffen und der Chemikaliensicherheit. Obwohl der Stoffenmanager weltweit angewendet werden kann, garantieren die Entwickler nur, dass jede Änderung der EU-Gesetzgebung bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Instruments berücksichtigt wird. Außerhalb der Europäischen Union muss überprüft werden, ob die lokale Gesetzgebung die Verwendung von Modellen zur Schätzung der Exposition akzeptiert.
Der Umgang mit gefährlichen Arbeitsstoffen ist zum größten Teil im 4. Abschnitt des ASchG und in der Grenzwerteverordnung (GKV) geregelt. Es besteht eine grundsätzliche Messverpflichtung. Die österreichische Grenzwerteverordnung sieht aber in § 28 Abs. 4 Berechnungsverfahren als Alternative zu den Grenzwert-Vergleichsmessungen vor, wenn so nachgewiesen werden kann, „dass die anzuwendenden Grenzwerte unterschritten werden“. Genau dazu dient der Stoffenmanager mit dem Modul der quantitativen Expositionsabschätzung. Auch vonseiten des Zentral-Arbeitsinspektorats wurde das Potenzial erkannt, und dem Vernehmen nach wird demnächst auch auf der Homepage der Arbeitsinspektion auf den Stoffenmanager hingewiesen. 
Beschreibung der Funktionalitäten
Die Funktionalitäten werden im Handbuch erläutert. Sie können das Handbuch – nach dem Einloggen – von der Seite „Übersicht“ herunterladen. Einen kurzen Überblick über die Hauptfunktionen bietet Tabelle 1. Die Stoffenmanager-Module „nichtmesstechnische Expositionsermittlung“ und „SHARE“ werden im Folgenden näher erläutert (inhalative quantitative nichtmesstechnische Expositionsermittlung). Der Stoffenmanager ist ein validiertes Modul zum Abschätzen der Expositionen gegenüber Pulvern und Dämpfen (Einheit: mg/m³). Es können Reinstoffe, aber auch Gemische aus verschiedenen Inhaltsstoffen bewertet werden. Die Stoffenmanager-Berechnung ist eine Worst-Case-Abschätzung, das sogenannte 
90. Perzentil. Natürlich können auch andere Expositionsverteilungen angegeben werden (z.B.: 50., 75, oder 95. Perzentil). Das Ergebnis der Expositionsberechnung für die Tätigkeit kann mit dem MAK-Wert verglichen werden. Weiters kann ein Durchschnitt der Belastung über mehrere Tätigkeiten ermittelt werden. Ein Maßnahmenkatalog dokumentiert die gesetzten Maßnahmen. Den Anwendungsbereich findet man auf der Stoffenmanager-Webseite. 
SHARE
Dieses Modul erleichtert das Update und die Verteilung von Sicherheitsdatenblättern (SDB) und Betriebsanweisungen innerhalb und außerhalb des Unternehmens, z. B. in der Lieferkette oder mit den Behörden. Betriebsanweisungen und SDB werden über einen geschützten Link – ein URL mit 64 Zeichen, mit einem (optionalen) Passwort – weitergegeben. SHARE ist synchronisiert mit dem Stoffenmanager und bei Änderungen in der Risikobewertung werden die Betriebsanweisungen via SHARE automatisch auf den neuesten Stand gebracht. Die Informationen aus SHARE können als PDF heruntergeladen und im XML-Format direkt in den Stoffenmanager-Account importiert werden. Jeder, der den URL und das Passwort erhält, kann sich die SDB und die Betriebsanweisungen ansehen – einfach mit dem PC, Tablet oder Smartphone.
Das unabhängige International Scientific Advisory Board (ISAB)
Ein unabhängiges International Scientific Advisory Board (ISAB) ist dem Stoffenmanager angeschlossen. Die Mitglieder des ISAB sind bedeutende Forschungsinstitute und Universitäten aus Europa und darüber hinaus. Österreich ist durch die AUVA vertreten. Der Fokus liegt dabei auf der Weiterentwicklung des Stoffenmanager und der Durchführung oder Beauftragung von Stoffenmanager-bezogener Forschung. Das International Scientific Advisory Board garantiert, dass Stoffenmanager den EU-Richtlinien und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht. Die derzeitigen ISAB-Mitglieder sind:
  • Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), Österreich
  • Nationales Forschungszentrum für das Arbeitsumfeld (NFA), Dänemark
  • Finnisches Institut für Arbeitsmedizin (FIOH), Finnland
  • Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), Deutschland
  • Universität von Insubria, Risikobewertung für die menschliche Gesundheit (RAHH), Italien
  • Niederländische Organisation für angewandte wissenschaftliche Forschung (TNO), Niederlande
  • Zentralinstitut für Arbeitsschutz – Nationales Forschungsinstitut (CIOP-PIB), Polen
  • Spanischer Verband für Arbeitshygiene (AEHI), Spanien
  • Dalarna und Lund Universitäten, Schweden
  • Institut für Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene der National Taiwan University, Taiwan
Validierung
Die Forschungsarbeiten und die diesbezüglichen Publikationen betreffend Entwicklung und weiterer Verbesserungen des Modells sind allgemein zugänglich. Das ursprüngliche Werkzeug basierte auf dem veröffentlichten Expositionsmodell [1] – gefolgt durch eine Quantifizierung des Algorithmus des Modells (d. h. die Kalibration über Messdaten) durch Schinkel et al. [3], Publikation einer Cross-Validierung und weiterer Verfeinerungen des Modells (Version 4.0) – und erbrachte schlussendlich, basierend auf einem Datensatz von 100 Messungen, das Ergebnis, dass das 90. Perzentil widerspiegelnde Ergebnis ausreichend konservativ ist. Der Stoffenmanager kann daher als Bewertungswerkzeug für REACH eingesetzt werden. Weiters wurden eine Reihe an Validierungen mit fast 7.000 Vergleichswerten zum Test des Stoffenmanager und anderer vergleichbarer Werkzeuge veröffentlicht. Einen umfassenden Überblick über die wissenschaftlichen Publikationen zum Stoffenmanager findet man auf der Stoffenmanager-Homepage. Die wissenschaftliche Literatur zusammenfassend, gilt der Stoffenmanager als ein Tier-1,5-Werkzeug und ist das am besten ausbalancierte, robusteste, aber trotzdem ausreichend konservative Modell. Wer sich tiefergehend mit dem wissenschaftlichen Hintergrund und der Validierung des Stoffenmanager beschäftigen will, kann sich auf der Stoffenmanager®-Webseite weiter informieren.
Implementierung sowohl in Betrieben als auch in der Supply Chain (Lieferkette)
Die Fachleute der Cosanta B.V. haben einen strukturierten Ansatz zur Unterstützung der Anwender des Stoffenmanager® entwickelt. Dieser Ansatz besteht aus kostenfreier Information, ergänzenden Webinars und kostenpflichtigen, maßgeschneiderten Lösungen und Trainings zur Unterstützung der Kunden beim Chemikalienmanagement und zur Fehlervermeidung beim Einsatz des Stoffenmanager. Der Ansatz geht zurück auf ein zweieinhalbjähriges Projekt der ursprünglichen Entwickler des Stoffenmanager (TNO und Arbo Unie) zwischen 2012 und 2014 [4] und die Erfahrungen der Experten von Cosanta bei der Implementierung des Stoffenmanager in multinationalen Konzernen und KMU. Die Fachleute der Cosanta B.V. empfehlen einen validierten PDCA-Zyklus bei der Implementierung, um den Fortschritt beim Einsatz des Stoffenmanager bewerten zu können. Das erlaubt eine gut strukturierte und möglichst objektive Bewertung.
BIBLIOGRAPHIE
  • [1] H. Marquart, H. Heussen, M. Le Feber, D. Noy, E. Tielemans, J. Schinkel, J. West and D. Van der Schaaf, „Stoffenmanager“, a web-based control banding tool using an exposure process model,” Ann. Occup. Hyg., vol. 52, no. 6, pp. 429–441, 2008.
  • [2] E. Tielemans, D. Noy, J. Schinkel, H. Heussen, D. van der Schaaf, J. West and W. Fransman, “Stoffenmanager exposure model: development of a quantitative algorithm,” Ann. Occup. Hyg., vol. 52, no. 6, pp. 443–454, 2008.
  • [3] J. Schinkel, W. Fransman, H. Heussen, H. Kromhout, H. Marquart and E. Tielemans, “Cross-validation and refinement of the Stoffenmanager as a first tier exposure assessment tool for REACH,” Occup. Environ. Med., vol. 67, no. 2, pp. 125–32, 2010. 
  • [4] Terwoert J., Verbist K., Heussen H. (2015). An intervention study on the implementation of control banding in controlling exposure to hazardous chemicals in SMEs. Safety and Health at Work. http://dx.doi.org/10.1016/j.shaw.2015.12.002

Zusammenfassung

Stoffenmanager ist ein Online-System zur Identifizierung chemischer Gefahren, zur Kontrolle der Exposition am Arbeitsplatz und zur verständlichen, transparenten Kommunikation von Führungskräften, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und externen Stakeholdern. Der Stoffenmanager soll Organisationen helfen, die regulatorischen und weitergehenden ethischen und Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen.

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