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Sichere Arbeit

Die "neuen Gesundheitsberufe"

Gesundheit

Neue Berufsbezeichnungen, neue Titel, neue Tätigkeitsfelder - für den Nichtexperten wird es immer schwieriger, sich auf dem boomenden Markt der privat finanzierten Gesundheitsdienstleistungen und -produkte zurechtzufinden. Welche Entscheidungsgrundlagen erleichtern es dem Unternehmer, die für seine Probleme am besten geeigneten Fachleute zu finden?

Der Markt im Gesundheitswesen hat immer Konjunktur. Die Gesundheitsbranche war als einzige Branche 2008 nicht von der Krise betroffen. Und sie wird weiterhin wachsen. Das ist gut so. Denn laut ExpertInnen  kommt ein neues Zeitalter. Und damit ist nicht das Weltuntergangs- oder „Die Welt wird ab nun anders“-Szenario der weissagenden Esoteriker gemeint. Sondern durchaus auch ein wissenschaftlicher Blick nach vorn, wie von Zukunftsforscher Leo Nefiodow in seinem Buch „Der 6. Kondratieff“ (2007) ausführlich postuliert: Das Zeitalter der Informationstechnologie läuft aus, und nun wird ein neuer Kondratieffzyklus mit der psychosozialen Gesundheit (und Biotechnologie) kommen.

Private Ausgaben für die Gesundheit werden rasant steigen

Der Gesundheitsmarkt umfasst zwei Teilmärkte (Falb, Neumann & Friedl; 2011): Unter dem Ersten Gesundheitsmarkt werden alle klassischen Leistungen der Gesundheitsversorgung subsumiert, deren Kosten die Sozialversicherungsträger mittels Beiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sowie auch der Staat und zu einem gewissen Teil die Arbeitgeber bezahlen. Der Schwerpunkt liegt hier meist darauf, die Gesundheit eines Patienten wiederherzustellen oder Krankheitsfolgen zu mindern. Die oben genannten Institutionen setzen jedoch in den letzten Jahren auch vermehrt Schwerpunkte im Bereich der Primärprävention.

Der Zweite Gesundheitsmarkt umfasst alle privat finanzierten Produkte und Dienstleistungen rund um die Gesundheit. Dabei ist das Angebotsspektrum riesig: von freiwilligen Zusatzversicherungen, Gesundheitskosmetika über frei verkäufliche Arzneimittel, gesundheitsförderliche Lebensmittel und Reisen bis zu Premium-Fitnessstudios …
Beide Märkte sind in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen, die Ausgaben der ÖsterreicherInnen für den Zweiten Gesundheitsmarkt liegen mittlerweile bei zirka 1.600 Euro jährlich. Berechnungen zufolge wird sich das Marktvolumen von 11,7 Mrd. Euro (2005) auf 24 Mrd. Euro im Jahre 2020 vergrößern (Falb, Neumann & Friedl; 2011). Die neuen Produkte und Dienstleistungen, die in diesem zweiten Markt entstehen, brauchen auch entsprechende Ausbildungen. Seit einigen Jahren sind auch im Bildungsbereich viele neue Aus- und Weiterbildungen sowie Lehrgänge entstanden, die dem sekundären Gesundheitsbereich zuzuordnen sind. War es früher und ist es eigentlich auch heute noch gesetzlich klar geregelt, wer im Gesundheitswesen welche Produkte und Dienstleistungen, Behandlungen und Therapien anbieten darf, ist es für den Endkunden und Klienten deutlich schwieriger geworden, sich in diesem neuen Umfeld zurechtzufinden.
Dieser Artikel soll den LeserInnen den unüberschaubaren Markt der neuen Gesundheitsberufe etwas näherbringen, sie über die objektiven Kompetenzen und darüber aufklären, was die unterschiedlichen Berufe so sein können.

Neue Berufe bergen Gefahrenpotenzial

Heute gibt es hunderte unterschiedliche, kurze bis lange Lehrgänge, die in irgendeiner Weise dem Gesundheitswesen zuzuordnen sind. In diesen lernen Menschen, wie sie mit Klienten im Einzelsetting, in Gruppen oder für sich selbst präventiv, gesundheitsfördernd, behandelnd, kurativ, rehabilitativ oder therapeutisch tätig sein können. Die Lehrgänge bieten die unterschiedlichsten Abschlüsse und Titel.
Viele Menschen sehen in den Lehrgängen die Chance auf neue Berufe. Sie möchten aus ihren bisherigen Berufen aussteigen und sich um-orientieren. Sie wollen für andere Menschen etwas machen, meist aufgrund der eigenen Lebensgeschichte oder aus anderen Antrieben heraus. Dies birgt auch etwaige Gefahren: Wenn Menschen mit ihrer Lebensgeschichte einen Lehrgang machen, um dann Klienten „in ihrer Entwicklung zu begleiten“, oder weil sie sie – polemisch formuliert – therapieren möchten, ist dies gefährlich. Denn die eigene Lebensgeschichte auf die Klienten zu projizieren ist unseriös. „Ja, aber bei mir hat das ja auch funktioniert! Warum sollte ich studieren, wenn ich das mit dem Lehrgang X auch machen  kann?“, lautet dann ein häufiges Argument. PsychotherapeutInnen und PsychologInnen müssen nicht umsonst viele Stunden Eigentherapie, Supervision, Intervision, Fortbildungen und eine langjährige Ausbildung machen, um eben genau diesen Fehler nicht zu begehen.

Jeder Mensch ist einzigartig, und der Psychologe bzw. die Psychologin darf nicht die eigene Geschichte auf den Klienten übertragen, sondern muss objektiv das Beste für den Klienten herausholen. Dazu braucht es viele Instrumente und Methoden, Zugängen und wissenschaftliche Ansätze – unabhängig davon, ob es sich dabei um eine spezifische Schule oder um einen eklektischen Ansatz handelt. Das einzige Ziel ist die Verbesserung/Wiederherstellung der Gesundheit des Klienten.

Für den Nichtexperten schwer zu durchschauen

Das führt zu einem Problem: Wie können Nichtexperten oder Unternehmensvertreter, die Hilfe brauchen, nun zwischen PsychologIn/PsychotherapeutIn und LebensberaterIn oder Dipl. MentaltrainerIn unterscheiden? Deren Angebotsfolder zeigen ein ähnliches Spektrum, wie beispielsweise „Begleitung von persönlichen Veränderungen“, „Analyse von Problemfeldern“, „Hilfe in Krisensituationen“, „Lösen von Blockaden“. Was unterscheidet diese Leistungen von der Tätigkeit eines Arztes? Löst ein Arzt in der Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion denn keine „Blockade“? Ist eine Blockade etwas anderes als ein psychisches oder körperliches Problem? Worin liegt der Unterschied?

Vorweg zu den Titeln: Es gibt hunderte unterschiedliche Bezeichnungen, die in Bezug auf tatsächliche Kompetenz, berufliche Grundqualifikation, Tätigkeitsfelder etc. alle wenig bis gar nicht aussagekräftig sind. Hier ein Auszug: Dipl. Mentaltrainer, Akad. Mentaltrainer, Wellnesstrainer, Burnouttrainer, Diplomierter/Zertifizierter Gesundheitstrainer, Business Health Coach, Lebensstilcoach, Mentalcoach, Akademischer Experte für Gesundheitsförderung, Psychosozialer Gesundheitstrainer, Lebensraumconsultant (-berater), Ärztlich geprüfter Rehatrainer, Naturtherapeut, Therapeut für hypnotische Kommunikation, Gordon-Family-Trainer, Dipl. Lebensraumenergetiker, Zertifizierter/Diplomierter Energetiker etc.

Da wenige der neuen Berufe gesetzlich anerkannt sind und es somit generell schwierig ist, davon zu leben, müssen viele ihr „Produktportfolio“ entsprechend anpassen oder auch an Unternehmen herantreten. Es gibt keinerlei gesetzliche Vorgaben, welche Ausbildungskriterien jemand erfüllen muss, um sich Business Health Coach, Gesundheitstrainer oder Burnouttrainer nennen zu dürfen. Die meisten dieser Bezeichnungen können von jedem frei verwendet werden. Sie können davor ein „Diplomiert“, „Zertifiziert“ oder auch „Saniert“ setzen und sich von da an Dipl., Zert. Wirtschaftsgesundheitslebensbejahender-trainercoach­therapeut nennen. Jeder kann seine eigene Akademie gründen und dort dann Diplomlehrgänge anbieten.

Der Fairness halber muss ergänzt werden, dass die Bezeichnung „diplomiert“ oder „zertifiziert“ grundsätzlich nichts Schlechtes ist. Was fehlt, sind gesetzliche (Qualitäts-) Kriterien, Titelschutz, Tätigkeitsschutz …

Keine Qualitätskontrolle für die Inhalte der Ausbildung

Die meisten Institute können auf spezielle Qualitätszertifikate verweisen. Wie bei allen Qualitätszertifikaten ist es jedoch auch hier ein Problem, dass zwar die Strukturen und Prozesse auditiert werden, nicht aber die Qualität der Inhalte, der Lernerfolg sowie der Lerntransfer.

Viele Ausbildungsinstitute haben gelernt und weisen die Teilnehmenden auf die gesetzlichen Grenzen hin, an denen das Tätigkeitsfeld des „Trainers“ endet. Das Gute: Viele halten sich daran und wissen in der täglichen Arbeit, was sie tun dürfen und was nicht. Das weniger Gute: Viele halten sich nicht daran – das hat mehrere Gründe.

Die meisten erkundigen sich zwar vernünftigerweise bei der Wirtschaftskammer über eine Gewerbeberechtigung. Was viele dabei nicht bedenken: dass eine Gewerbeberechtigung keine Tätigkeitsberechtigung darstellt. Die allerwenigsten erkundigen sich jedoch bei den Berufsverbänden (z. B. Ärztekammer, PsychologInnenverband …), was denn von der Tätigkeit her gesetzlich erlaubt ist: „Darf ich Menschen therapieren?“, „Darf ich Persönlichkeitsentwicklung anbieten“ etc.

Viele unterschiedliche Richtungen aus der Energetik und Esoterik, aber auch aus anderen Bereichen vermitteln nur Instrumente oder schaffen mit ihrer Methodik den Eindruck, man erwerbe mit wenig Ausbildungsstunden ein umfassendes Werkzeug zur „umfassenden“ und – ganz wichtig – „ganzheitlichen“ Behandlung sämtlicher Problematiken, die ein Klient aufweisen  kann. Häufig entsteht der Eindruck, ein Arzt oder Psychologe habe weniger Wissen und Kompetenzen und betrachte den Menschen nur eindimensional, aber ein Dipl. XX-Trainer mit 300 Stunden Ausbildung könne es komplett ganzheitlich und löse jene Probleme, bei denen Ärzte und PsychologInnen nicht mehr weiterwissen.

Oft fehlt die Selbstreflexion: „Was kann ich, und was kann ich nicht?“ Der Fairness halber sei an dieser Stelle gesagt, dass es diese Problematik in allen Berufsfeldern gibt. Dennoch ist Selbstreflexion, Supervision, Eigentherapie für ÄrztInnen, PsychologInnen und PsychotherapeutInnen ein wichtiges Grundelement ihrer Arbeit mit Klienten.

In der Regel besteht die Notwendigkeit, Geld zu verdienen. Da viele in der neuen Ausbildung einen neuen Beruf sehen, von dem sie leben wollen/müssen, ist es notwendig, so viele Klienten wie möglich zu nehmen und dann auch Behandlungen durchzuführen, für die man nicht die entsprechende Kompetenz hat.

Viele erkundigen sich genau, wie ein Folder inhaltlich zu gestalten ist, damit man rechtlich kein Problem hat, Tätigkeiten anzubieten, die gesetzlich geschützt sind. Formuliert wird so, dass die KundInnen keinen Unterschied erkennen können (wie z. B. „Mit Hilfe der Methode von XX wurden auch Veränderungen beobachtet bei Depressionen, Bandscheibenvorfällen, Burnout …“ oder „… bei körperlichen oder psychischen Ungleichgewichten“).

Teilweise in rechtlicher Grauzone

Ein weiteres Problem: Viele Tätigkeiten befinden sich in einer rechtlichen Grauzone. Worin liegt der genaue Unterschied für KundInnen zwischen „Persönlichkeitsbildung“ (ist gesetzlich nicht geregelt?) und „Persönlichkeitsentwicklung“ (ist gesetzlich geregelt?) in der praktischen Tätigkeit? Wie unterscheidet man „Bewusstseinstraining“ und „Bewusstseinsschulung“? Darauf hat der Autor noch keine adäquaten Antworten seitens der verschiedenen Berufsverbände erhalten.

Die theoretische begriffliche Abgrenzung mag vielleicht nicht schwer sein. Wie sieht es aber in der täglichen Arbeit mit Klienten aus? Lässt sich die psychologische Beratung hier wirklich immer von der psychologischen Behandlung/Therapie unterscheiden? Wie kann der Klient unterscheiden, wer ihm bei welchem Problem helfen kann – klassische medizinische Leistungen ausgenommen – und auch gesetzlich geeignet dafür ist?

Hier einige Beispiele für Bezeichnungen und etwaige „Titel“:

  • Dr. Max. Mustermann, Facharzt für psychotherapeutische Medizin
  • Mag. Max Mustermann, Klinischer Psychologe
  • Max Mustermann, MBA, Gesundheitswissenschafter
  • Dipl. LSB. Maximiliane Musterfrau, ganzheitliche Gesundheitsberatung
  • Max Mustermannfrau, Dipl. Mentaltrainer, ärztlich geprüfter Rehatrainer, Naturtherapeut

Entscheidungsgrundlage

Nachfolgend der Versuch einer Struktur, die einem Unternehmer, der externe Berater engagieren will, oder einer Privatperson helfen soll, künftig besser entscheiden zu können, wer für sie der Richtige ist. Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Trainer, Berater und Therapeut?

Training
Umgangssprachlich ist bereits bei einer einmalig durchgeführten Übungseinheit von Training die Rede. Im wissenschaftlichen Diskurs wird zwischen Übung und Training unterschieden. Denn eine Übung kann eine kurzfristige Anpassung bedingen. Systematisches Training aber zielt darauf ab, möglichst langfristig stabile Anpassungserscheinungen, d. h. Trainingseffekte, zu erzielen.

  • Im Bereich Sport: eine sich systematisch wiederholende Ertüchtigung mit dem Ziel, die körperliche, kognitive und emotionale Konstitution in der Weise zu verbessern, dass eine erhöhte Leistungsfähigkeit resultiert.
  • Im Bereich Psychotherapie: Bezeichnung für bestimmte Behandlungsprogramme, zum Beispiel Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Psychoedukatives Training …
  • In der Gruppendynamik: die Trainingsgruppe (TG, T-Group, gruppendynamisches Training, Kleingruppentraining, Großgruppentraining, Selbsterfahrungsgruppe, gruppendynamisches Laboratorium, Encounter-Gruppe, Sensitivity Training).
  • In der Wirtschaft: Teamtraining, Managementtraining, Verkaufstraining, Kommunikationstraining, Verhandlungstraining, Konflikttraining.

(Quelle: wikipedia.org)

Beratung (im Gesundheitswesen)
Beratungen dürfen nur jene Personen durchführen, die eine einschlägige (Gewerbe)Berechtigung haben bzw. dem Ausbildungsvorbehaltegesetz unterliegen:

  • UnternehmensberaterInnen (Unternehmenskontext)
  • PsychiaterInnen
  • PsychologInnen
  • PsychotherapeutInnen
    Diplom-LebensberaterInnen
  • MediatorInnen (nur im Rahmen einer Mediation)

Einzelberatung darf nur von vorhin genannten Berufsgruppen durchgeführt werden. Bei Einzelberatung im Sport oder für körperliche Fitness (z. B. Fitnesstrainer) etc. darf das nicht Beratung, sondern muss Training genannt werden. Die Beratung (s. u.) ist eindeutig abzugrenzen von der Behandlung/Therapie. LebensberaterInnen, MediatorInnen und UnternehmensberaterInnen dürfen ausschließlich am Gesunden bzw. im beruflichen Kontext arbeiten und keine therapeutischen Interventionen setzen. Klienten mit Verdacht auf pathologische/psychische Störung (das muss keine Krankheit sein!) müssen diese Berufsgruppen an ÄrztInnen, PsychologInnen oder PsychotherapeutInnen weiterleiten. Unter Beratung sind hier Tipps zur gesunden Lebensführung, für Persönlichkeitsentwicklung etc. zu sehen.

Coaching
Coaching ist ein interaktiver personenzentrierter Beratungs- und Begleitungsprozess im beruflichen Kontext, der zeitlich begrenzt und thematisch (zielorientiert) definiert ist. Coaching richtet sich prinzipiell an „Gesunde“ – an Menschen, deren Selbstregulationsmechanismen aufrecht sind, die ihre beruflichen Situationen selbstreflektiert und eigenmächtig meistern können. (Quelle: www.acc.at)

Der abstrakte Begriff „Coaching“ kann für sich allein frei verwendet werden (z. B.  Haircoach statt Friseur), nicht jedoch im Zusammenhang mit und im Sinne einer Tätigkeit, die gesetzlich geregelt ist. Das heißt: Nicht die Bezeichnung einer Tätigkeit, sondern deren Inhalt, Ziel und Zweck sind maßgeblich für die Berechtigung zur Berufsausübung. Eine Coachingausbildung gibt es nicht als grundständige Ausbildung, sondern immer nur als Zusatz. Coaching darf nicht im Einzelsetting durchgeführt werden, außer für die oben genannten Berufsgruppen. (Quelle: www.wko.at)

Therapie
Die Therapie bezeichnet in der Medizin Maßnahmen zur Behandlung von Krankheiten und Verletzungen. Ziel des Therapeuten ist die Heilung, die Beseitigung oder Linderung der Symptome und die Wiederherstellung der körperlichen oder psychischen Funktion. Verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung einer Krankheit werden oft als Therapieoptionen bezeichnet.
Um eine entsprechende Therapie empfehlen zu können, muss zunächst eine korrekte Untersuchung (Diagnostik) der Beschwerden vorgenommen werden, wobei es je nach deren Lagerung zur Anwendung geeigneter Instrumente kommt (z. B. Tests). Anhand der Befunde wird eine Diagnose erstellt, die die Ursache der Beschwerden erklärt. Die eigentliche Therapie besteht dann aus Maßnahmen, die möglichst die Krankheitsursache beheben. Wenn eine Therapie aufgrund eines Krankheitsbildes angezeigt ist, spricht man von einer Indikation (Baumann & Perrez, 1998).

Prävention
Im Bereich Prävention kann man folgende Unterscheidungen treffen: Primärprävention, Sekundärprävention, Tertiärprävention.
Bei der Primärprävention geht es um Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit (z. B. schulische Maßnahmen für Zahngesundheit oder in Form von Vorträgen). Dies ist das Arbeitsfeld der gesetzlich nicht anerkannten TrainerInnen, EnergetikerInnen etc.
In der Sekundärprävention sind ausschließlich Gesundheitsberufe zulässig. Hier geht es um das Verhindern des Fortschreitens einer Erkrankung oder die Früherkennung durch entsprechende medizinische oder psychologische Diagnostik und Behandlung. Hier ist eine Gesundheitsstörung nicht vorhanden, sehr wohl jedoch eine Krankheit. Auch hier ist bereits z. B. klinisch- psychologische Behandlung, medizinische Therapie oder Psychotherapie als Interventionsform geboten (Baumann & Perrez, 1998).
Bei der Tertiärprävention ist eine Erkrankung manifestiert. Hier geht es um therapeutische Behandlung und Therapie. Das heißt: Sowohl eine Gesundheitsstörung als auch eine Krankheit sind vorhanden.


Therapie und Behandlung sind gesetzlich geregelt

Grundsätzlich sind die Berufe im Gesundheitswesen im Ausbildungsvorbehaltegesetz geregelt. Dieses Gesetz regelt Tätigkeitsbereiche, unzulässige Eingriffe in den Vorbehaltsbereich und die Frage, welche Voraussetzungen für den Beruf notwendig sind. Darin enthalten sind die Berufe:

  • Arzt/Ärztin
  • PsychologIn
  • PschotherapeutIn
  • VeterinärmedizinerIn
  • PhysiotherapeutIn
  • Medizinisch technische Berufe
  • MedizinischeR MasseurIn
  • Ingieneurberufe

Für die Arbeit mit Klienten ist es wichtig zu wissen, dass ausschließlich diese Berufsgruppen vom Gesetz her berechtigt sind, Menschen zu therapieren und bei Störungen zu behandeln (in der Art der Behandlung natürlich abhängig vom Grundberuf, wie z. B. Arzt und PsychologIn). Niemand sonst darf Klienten bei pathologischen Störungen diagnostizieren, behandeln oder therapeutisch intervenieren (auch wenn dies vielfach blumig umschrieben wird, etwa mit „Analyse und Wiederherstellung des energetischen Gleichgewichtes“).

Dies war bisher auch aus entsprechenden Titeln (Dr., Mag.) deutlich ersichtlich. Ausnahmen stellten früher die MTD-Berufe dar. Dies hat sich nun mit dem Bologna-Prozess verändert. Denn heutzutage gibt es  Msc., Ba., M.A., MBA, MPH, LLM … Doch was heißt das?

Bologna-Prozess

Mit Umstellung auf „Bologna“ wurden zur besseren Vergleichbarkeit der Studien in Europa auch gemeinsame Abschlüsse festgelegt.

ECTS
Dabei werden die Stunden, die jemand für ein Studium aufwendet, in ECTS (European Credit Transfer System) gerechnet. 1 ECTS umfasst die Gesamtzeit, die jemand für das Erlernen eines Faches aufwendet – also nicht nur die reine Anwesenheitszeit, sondern den gesamten Workload. Universitäten berechnen für 1 ECTS einen Workload von 25 bis 30 Stunden Gesamtzeit, pro Studienjahr 60 ECTS. Das ergibt für einen jährlichen Workload von 60 ECTS (unabhängig ob Vollzeit oder nebenberuflich) 1.500 bis 1.800 Stunden Gesamtaufwand für das Studium.

Ordentliche Studien (Magister-, Bakkalaueratsstudium)
Bachelor 180 ECTS
Master 120 ECTS
Doktorat (300 ECTS Voraussetzung)
Abschluss: MSc., M.A. …


Master-/MBA-Programme
Sind als Spezialfortbildung zu sehen; können auch von nicht- universitären Einrichtungen angeboten werden
Entweder 90 oder 120 ECTS (4 bis 5 Semester berufsbegleitend)
Abschluss: MBA, M.A., MSc. …


Universitätslehrgänge
Dienen der Weiterbildung
Können auch von nicht-universitären Einrichtungen angeboten werden
Zwischen 60 und 90 ECTS
Abschluss: Akad. Experte für XY


Anrechenbarkeit/Durchlässigkeit (AQA, 2012)
Ein weiteres Merkmal von Bologna ist die Durchlässigkeit, mit der es möglich ist, nicht mehr nur auf dem bisherigen starren Weg Akademiker zu werden, sondern sich auch z. B. Berufserfahrung anrechnen zu lassen. So haben mehr Menschen die Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln. So ein Weg kann wie folgt aussehen:

  1. Lehrgang Dipl. XY-Trainer (Aufwand 100 Stunden), wird angerechnet auf
  2. Lehrgang Dipl. XY-Trainer (Aufwand 300 Stunden), wird angerechnet auf
  3. Lehrgang Akademischer Experte für XY (60 ECTS), wird angerechnet auf
  4. MBA XY-Management (120 ECTS), wird angerechnet auf
  5. einen Bachelor oder Master … bis hin zum Doktorat.

Oder die Berufserfahrung und Grundausbildung, wie z. B. zur DGKS (Diplomierten Gesundheits-Krankenschwester), wird als Bacheloräquivalent angerechnet, was vor Bologna unmöglich war. Gerade im Gesundheitswesen sind Karriereverläufe sehr häufig schnell enden wollend. So bekommt man weitere Möglichkeiten dazu.

Viele der Studien oder akademischen Lehrgänge werden heute nebenberuflich absolviert. Auch hier wird der Workload nach den Bologna-Kriterien berechnet. Studien belegen jedoch, dass der Workload eines Vollzeitstudiums von berufsbegleitenden Studierenden nicht in derselben Zeit bewältigt werden kann. Somit ist zu befürchten, dass sich das berufsbegleitende Studium in Österreich schon alleine aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen zu einer Art Studium „light“ entwickelt hat, weil der gesetzliche Workload für die Studierenden so lang reduziert wurde und wird, bis das Studium in der gesetzlich vorgesehenen Zeit bewältigbar ist (Inanger, 2012). Hinzu kommt der Markt der privaten Anbieter von nebenberuflichen Studien, MBAs etc. Hier herrscht ein großer Konkurrenzkampf. Viele TeilnehmerInnen buchen dort, wo der Aufwand für den Abschluss am geringsten ist. Ein anderes Problem ist der Preisdruck, das Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein MBA etwa  kostet zwischen 4.000 und 35.000 Euro. Es bleibt den Kunden überlassen, wo sie meinen, das Meiste für ihr Geld zu bekommen. Fakt ist, dass mit dem Preis auch die Frage der Qualität zu stellen ist – sowohl in die eine als auch in die andere Preisrichtung –, und ob man jene Leistung (und vor allem Qualifikation) bekommt, die man bezahlt. Durch die Reduzierung des Work-loads, den Preis von Studien etc. kann allerdings auch die Qualität von nichtakademischen Angeboten hinunterlizitiert werden, die zur Erreichung des Abschlusses notwendig sind.

Allgemein
Der für ein Studium notwendige Aufwand wird, wie erwähnt, in ECTS berechnet.
Ausgehend davon, dass 1 ECTS mit der Mindestzahl von 25 Stunden gerechnet wird, ergibt das folgenden – beispielhaft angeführten – Vergleich:


Viele der nebenberuflichen Ausbildungen sind in der Praxis nicht mit einem Vollzeitstudium vergleichbar. Bei manchen weiß man, dass man sich nur hineinzusetzen und zu bezahlen braucht … und dass man am Ende des Lehrgangs einen Titel erhält. Gleiches gilt für die sogenannten Masterthesis-/Diplomarbeiten. Während eine Universität eine naturwissenschaftliche Untersuchung nach streng wissenschaftlichen Kriterien mit mindestens 80 bis 100 Seiten fordert, begnügen sich manche andere mit einer 50-seitigen Literaturarbeit.
Ein Professor an einer Fachhochschule berichtete, dass man sich früher darauf verlassen konnte, dass ein Bewerber, der mit einem Doktor-Titel kam, auch eine entsprechende Dissertation verfasst habe. Mittlerweile muss er diese Dissertation lesen, denn sie könnte an einer Universität eingereicht worden sein, an der die Bezahlung von Studiengebühren im Vordergrund steht, der Doktor somit auch nicht die entsprechenden Kriterien erfüllt, um beispielsweise an einer Fachhochschule unterrichten zu können. Der Autor schreibt bewusst polemisch: Die LeserInnen sollten künftig etwas kritischer sein, wenn jemand zu ihnen komme und meine, er hätte eine dreijährige Ausbildung hinter sich, in Wirklichkeit stehe aber ein Lehrgang mit 80 Stunden (gesamt für drei Jahre!) dahinter. Lassen Sie sich von den Titeln nicht täuschen. Grundsätzlich gilt im Bereich Gesundheit und Sicherheit: Je höher die Grundqualifikation, desto sicherer kann man sein, Qualität zu erhalten (wenngleich man sich nie 100-prozentig sicher sein kann).

Das AschG führt ganz klar definierte Präventivfachkräfte und entsprechende empfohlene sonstige Fachkräfte auf. Und dies aus gutem Grund. Allerdings kommt es hier oft ebenfalls zu Verwirrungen, denn ebenso gilt: MedizinerInnen sind keine ausgebildeten PsychologInnen, PsychologInnen sind keine Maschinenbauer, Maschinenbauer keine Chemiker, auch wenn es immer irgendwo zu fachlichen Überschneidungen kommt … Anmerkung des Autors: Dies ist nicht als Kritik an Einzelpersonen oder Ausbildungen im Generellen zu verstehen. Es gibt überall gute, schlechte, passende oder für ein Unternehmen/eine Person nicht passende Berater oder Trainer, unabhängig von der Qualifikation. Es gilt nur bestimmte Grenzen einzuhalten – für alle Berufsgruppen! Denn wir arbeiten nicht mit Gegenständen, sondern mit Menschen und haben daher besondere Verantwortung zu tragen.

Wie soll nun ein Unternehmen überprüfen, wer für die Beseitigung eines Problems im Bereich Gesundheit der Geeignetste ist? Am Besten, man nimmt mit den Berufsverbänden (ÖAK, BÖP, GKPP, ÖVPT …), der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer Österreich oder auch mit dem Autor dieses Artikels Kontakt auf.

Hier kann im Rahmen der Möglichkeiten überprüft werden, für welche Problemstellung welche Kompetenz notwendig ist und mit welchem Qualifikationsprofil diese geleistet werden kann.

Literatur
Inanger, K. (2009). Das ECTS Workload-System und berufsbegleitendes Studieren an österreichischen Fachhochschulen: Fiktion und Realität. In AQA (2010).Mobilität, Durchlässigkeit und Qualität. Wien: Facultas
Baumann, U. & Perrez, M. (Hrsg.)(1998). Lehrbuch Klinische Psychologie – Psychotherapie. Göttingen: Huber Verlag
Nefiodow, L. (2007). Der sechste Kondratieff. Rhein: Rhein-Sieg Verlag
Falb, R., Neumann, K. & Friedl, K. (2011). Zukunftsmarkt Gesundheit. Broschüre der WKO
AQA – Österreichische Qualitätssicherungsagentur. (2012). Qualitätsentwicklung der Weiterbildung an Hochschulen. Wien: Facultas.


Quellen:
www.boep.or.at
www.wko.at
www.oebvp.at
www.ris.bka.gv.at 

MMag. Robert Brandstetter
AUVA, Landesstelle Linz, Abteilung für Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung
Garnisonstraße 5
4017 Linz
Tel.: +43 732 23 33-8423

robert.brandstetter@auva.at

Zusammenfassung

Der Markt für privat finanzierte Gesundheitsprodukte und Gesundheitsdienstleistungen wird bis zum Jahr 2020 in Österreich ein Volumen von 24 Milliarden Euro erreichen. In diesem Bereich sind zahlreiche "neue Gesundheitsberufe" entstanden. Für den Nichtexperten ist es äußerst schwierig, sich bei diesen neuen Berufen, bei neuen Titeln und neuen Tätigkeitsfeldern zurechtzufinden. Dieser Artikel soll insbesondere Unternehmern Entscheidungsgrundlagen aufzeigen, wie man für ein konkretes Problem die "richtigen" Fachleute mit der entsprechenden Qualifikation findet.

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