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Sichere Arbeit

Abwasserverband AIZ: Sicherheit und Gesundheit werden großgeschrieben

Partnerschaft für Prävention

Das Klärwerk Achental - Inntal - Zillertal in Strass im Zillertal zählt zu den modernsten und verfahrenstechnisch fortschrittlichsten in Österreich. In einigen Bereichen nimmt es sogar gesamteuropäisch eine Spitzenstellung ein. Mit der Einführung des Sicherheits- und Gesundheitsmanagementsystems der AUVA hat man nun seine Führungsrolle erneut unter Beweis gestellt.

Ein modernes Klärwerk stellt heute eine hochkomplexe verfahrenstechnische Anlage dar: Mithilfe verschiedener chemischer und mikrobiologischer Prozesse gilt es die einlangenden Abwässer bestmöglich zu reinigen, den abwasserbürtig anfallenden Klärschlamm energietechnisch optimal zu nutzen und die zu entsorgenden Restmengen möglichst gering zu halten.

Im Klärwerk lauern viele Gefahren

Entsprechend vielschichtig sind die Gefahren, denen sich Kläranlagen-Facharbeiter tagtäglich zu stellen haben: Sie können mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen bei den Arbeiten im Klärwerk oder im Analyselabor konfrontiert werden, müssen Reinigungs- und Wartungsarbeiten in Behältern und anderen schlecht zu belüftenden Anlagenteilen oder Arbeiten mit Produkten des „klassischen“ Maschinen- und Anlagenbaus sicher vornehmen, die vielfältige Probleme schaffen können. Immer zu berücksichtigen sind die gesundheitlichen Risiken, die von der Unterschätzung der Bedrohungen durch elektrische Energie bei Betrieb und Wartung von Produktionsmitteln ausgehen.

Beim Abwasserverband Achental – Inntal – Zillertal (AIZ) ist man sich dessen seit vielen Jahren bewusst und hat durch laufende Schulung der Mitarbeiter auch viel Vorarbeit geleistet, um Arbeitsunfälle und Beinaheunfälle zu vermeiden und die Gesundheit der Mitarbeiter zu bewahren. Mit der nun erfolgten Zertifizierung nach dem Sicherheits- und Gesundheitsmanagement der AUVA (AUVA-SGM) hat man diese Vorarbeiten in ein dokumentiertes und für alle Beteiligten nachvollziehbares Managementsystem eingebunden.

AIZ: Ein heimischer „Vorzeigebetrieb“

Das Klärwerk des Abwasserverbandes Achental – Inntal – Zillertal wurde in seiner heutigen Form 1989 in Betrieb genommen. Dem Verband gehören aktuell 32 Gemeinden aus der Region Zillertal, Achental und mittleres Unterinntal an. Das angeschlossene Einzugsgebiet weist eine Fläche von rund 1.520 Quadratkilometern auf und erstreckt sich von der deutschen Grenze im Norden bis an die italienische Grenze im Süden. Geklärt werden hauptsächlich Abwässer aus Privathaushalten sowie jene von rund 800 Gastronomie- und Hotelleriebetrieben. Immerhin verfügt das Einzugsgebiet über mehr Gäste- als Einwohnerbetten: 49.000 Einwohnern steht eine Kapazität von 65.000 Gästebetten gegenüber.

Fette in den Abwässern der Gastro-Betriebe sind auch  verfahrenstechnisch eine große Herausforderung für den AIZ-Abwasserverband. Zwar konnte man durch verstärkte Aufklärung den Einsatz und die regelmäßige Wartung von Fettabscheidern in der Gastronomie deutlich verbessern, trotzdem gelangen noch immer zu viele Speisefette – viele von ihnen durch Reinigungsmittel chemisch gelöst oder verändert – ins Abwasser.

Die Speisefette haben jedoch auch Vorteile: Gelingt es einerseits, sie bestmöglich aus den Abwässern zu entfernen, und andererseits, mit einem System die Rückstände aus den Fettabscheidern zu sammeln, so steht Material zur Verfügung, das energietechnisch genutzt werden kann.

Mehr als nur „energieautark“

In Bezug auf diese energietechnische Nutzung hat der Abwasserverband AIZ eine Vorreiterrolle auf dem Weg hin zu einem energieautarken Betrieb übernommen. „Noch vor 15 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ein Klärwerk energieautark arbeitet“, erläutert Geschäftsführer Dipl.-HTL-Ing. Josef Dengg. „Heute produzieren wir nicht nur unseren gesamten Energiebedarf selbst, wir sind auch in der Lage, Ökostrom ins öffentliche Netz einzuspeisen.“

Gelungen ist diese Wende durch ausgeklügelte Verfahren, die das Klärwerk in Strass im Zillertal zu den effizientesten Österreichs, wenn nicht Europas machen: Ein Faktor sind die optimierten verfahrenstechnischen Prozesse, mit deren Hilfe die über Fettabscheider ausgeschleusten Speisefette in der Kläranlage verarbeitet und energetisch genützt werden.

Ein weiterer Energieträger sind aufgearbeitete Speisereste. Zudem wird Klärschlamm aus jenem Abwasser, das die Kläranlage bereits durchlaufen hat – sogenanntem „abwasserbürtigen“ Klärschlamm –, vergoren. Das Faulgas, das bei diesen Gärungsprozessen entsteht, kann mithilfe von effizienten Gasmotoren, die Generatoren antreiben, in elektrische Energie umgewandelt werden. Hier nutzt das Klärwerk AIZ auch die Nähe zum Gasmotorenhersteller GE-Jenbacher: Das Gasmotorenwerk kann seine jüngsten Entwicklungen in Strass erproben, dem Klärwerk stehen die modernsten und effizientesten Motorentechniken zur Verfügung.

Ökostrom für das öffentliche Netz

Aus einem Kubikmeter Faulgas werden 2,5 Kilowattstunden elektrischer Energie erzeugt. Pro Jahr, so rechnet Dengg stolz vor, produziert man in Strass rund 4,5 Millionen Kilowattstunden elektrischer Energie, rund ein Drittel davon wird als Energieüberschuss in das öffentliche Netz eingespeist. Damit hat man aber auch, wie Dengg erklärt, den Plafond des technisch Machbaren erreicht.
Und das wohl auch deshalb, weil man schon sehr viele Schritte zur Reduktion des Energieverbrauches in der Verfahrentechnik gesetzt hat. Beispielsweise wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck das sogenannte DEMON-Verfahren entwickelt und optimiert. DEMON steht für „Deammonifikation“ – einen „abgekürzten“ Reaktionsweg bei der Stickstoff-entfernung aus ammoniumhaltigen Abwässern. Dieser effiziente Reinigungsprozess benötigt 60 Prozent weniger Belüftungsenergie als der konventionelle Reaktionsweg und wird von sehr langsam wachsenden Anammox-Organismen katalysiert,

Erfahrung mit Managmentsystemen für SGM genutzt

Bereits in den 1990er-Jahren hat man im Abwasserverband AIZ in Strass im Zillertal ein Umweltmanagementsystem eingeführt, das in den letzten Jahren  mehrmals rezertifiziert worden ist. Diese Erfahrungen mit einem Managementsystem kamen den Verantwortlichen nun auch bei der Umsetzung des AUVA-SGM zugute. „Der Vorteil jedes Managementsystems liegt in der klaren Strukturierung“, fasst der SGM-Beauftragte Christian Flatscher zusammen. Alle Bereiche werden klar strukturiert und alle Fragen der Sicherheit entsprechend transparent dokumentiert. Das sind handfeste Vorteile, die auch die Tatsache rechtfertigen, dass ein SGM für einen 17-Mann-Betrieb einen vergleichsweise nicht unbeträchtlichen Aufwand darstellt.

„Bei diesem Sicherheits- und Gesundheitsmanagement werden vorausschauend und systematisch alle Bereiche eines Betriebs, die mit Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter in Zusammenhang stehen, analysiert und erfasst“ erläutert AUVA-Sicherheitsexperte Dipl.-Ing. (FH) Kurt Jäger von der Außenstelle Innsbruck. „Diese systematische Vorgehensweise legt Verantwortlichkeiten fest, zeigt Verbesserungspotenziale auf, koordiniert Aktivitäten und legt Messgrößen zur Erfolgskontrolle fest. Ziel des SGM ist es, die Sicherheit der Mitarbeiter zu erhöhen und zu einer Verbesserung der Gesundheit der Mitarbeiter beizutragen.“

Wichtig war allen Beteiligten, eine möglichst breite Akzeptanz des SGM im Klärwerk zu sichern … „und das ist bei einem ,Haufen alter Hasen‘, die seit 1989 zu einem Team ohne nennenswerte Fluktuation zusammengeschweißt wurden, manchmal gar nicht so einfach“, wie Geschäftsführer Dengg schmunzelnd feststellt. Neben Fragen der Sicherheit hat man sich im Zusammenhang mit der Einführung von SGM auch mit gesundheitlichen Aspekten in Bezug auf die Mitarbeiter auseinandergesetzt. Denn gesunde Mitarbeiter haben laut Statistik nicht nur weniger Krankenstände, sondern auch weniger Unfälle. „Daher ist es auch ein Ziel von SGM, in der Belegschaft die Motivation für gesundheitsfördernde Maßnahmen zu steigern“, betont Dipl.-Ing. (FH) Kurt Jäger. Sichtbares Zeichen dafür ist beim Abwasserverband AIZ der vor Kurzem eingerichtete neue Fitnessraum im Keller des Verwaltungsgebäudes, der den Mitarbeitern nach Dienstende zur Verfügung steht.

Insbesondere in der Übergangszeit und vor Beginn der Wintersaison wird dieser Raum gerne für den Muskelaufbau genutzt, während der Skisaison verbringen viele Mitarbeiter die Freizeit ohnehin auf der Piste. Und zur Gesundheit der Mitarbeiter zählt auch ein gutes, friktionsfreies Betriebsklima. Das wird einerseits durch gemeinsame Pausengestaltung gefördert, andererseits auch durch gemeinsame Freizeitaktivitäten. Gerne erinnern sich die Mitarbeiter noch an ihren letzten Betriebsausflug in die Bundeshauptstadt Wien …

Wolfgang Hawlik
Allgemeine Unfallversicherungsanstalt
Sicherheitsmarketing und Presse
Adalbert-Stifter-Straße 65, 1200 Wien
Tel.: +43 1 331 11-253
E-Mail:
wolfgang.hawlik@auva.at

Zusammenfassung

Das Klärwerk Achental - Inntal - Zillertal (AIZ) in Strass im Zillertal zählt nicht nur zu den modernsten und verfahrenstechnisch fortschrittlichsten, es ist auch das erste in Österreich, das nun das Sicherheits- und Gesundheitsmanagementsystem der AUVA (AUVA-SGM) eingeführt hat. Damit sind alle Bereiche, die die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter betreffen, analysiert und dokumentiert. Mit der Einführung des SGM hat man die Mitarbeiter auch dazu motiviert, mehr für ihre Gesundheit zu tun.

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