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Sichere Arbeit

Mit Sicherheit zum Erfolg

Sicherheit und Gesundheit

Pro Jahr werden in Österreich rund 120 Millionen Verordnungen auf Rezept ausgestellt. Diese reichen vom Hustensaft über Analgetika bis hin zu Antibiotika und Zytostatika. Viele glauben, dass die verschriebenen Medikamente ausschließlich von den "Global Playern" aus dem Ausland importiert werden. Wenige aber wissen, dass es auch in Österreich ein Kompetenzzentrum für Antibiotika und Biosimilars gibt. Dieses weist hohe Standards in Sachen Sicherheit und Gesundheit für die Mitarbeiter auf.

Die Sandoz GmbH, eine Tochter der Schweizer Norvartis International AG, ist im Tiroler Unterland angesiedelt. Mit ihren in der Nähe von Kufstein gelegenen Standorten in Kundl und Schaftenau bietet sie rund 3.000 ArbeitnehmerInnen einen sicheren Arbeitsplatz. Sicherheit – das bedeutet bei Sandoz neben Beschäftigungssicherheit auch ein Höchstmaß an Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Im Rahmen eines Werksbesuches bei der Sandoz GmbH in Kundl, die man mit gutem Grund in vielen Belangen als Musterbetrieb bezeichnen kann, konnte sich „Sichere Arbeit“ vor Ort davon überzeugen.

Zentral gelegen im Tiroler Unterland

Direkt neben der 4.000-Einwohner-Gemeinde Kundl erstreckt sich auf mehr als 270.000 Quadratmetern Fläche auf dem Gelände einer ehemaligen Bierbrauerei das Werk Kundl der Sandoz GmbH. An diesem Standort findet sich einer der größten Hersteller von Antibiotika weltweit und der letzte voll integrierte Antibiotikahersteller der westlichen Welt. In der zweiten Produktionsstätte in Schaftenau, rund 18 Kilometer von Kundl Richtung Kufstein entfernt, werden mit hochmodernen Zellkulturanlagen rekombinante Proteine, Enzyme, Hormone und andere biopharmazeutische Wirkstoffe hergestellt.

Immense logistische und sicherheitstechnische Herausforderungen

Die Sandoz GmbH ist der letzte voll integrierte Antibiotikahersteller der westlichen Welt. Das bedeutet, dass in diesem Werk ausgehend von Agrarrohstoffen wie Zucker unter Zuhilfenahme ausgefeilter biotechnologischer Prozesse Arzneimittelwirkstoffe hergestellt werden. Diese werden teils als sogenannte Bulkware in Form des reinen Wirkstoffes an andere Firmen zur Endverarbeitung verkauft. Teils werden die Wirkstoffe intern zu sogenannten Fertigformen weiterverarbeitet. Unter Fertigformen versteht man das finale Produkt, das der Patient schlussendlich zur Anwendung in Händen hält. In Kundl werden die unterschiedlichsten Fertigformen hergestellt, darunter sterile Pulver für Injektions- bzw. Infusionszwecke, Filmtabletten, Hartgelatinekapseln, Sirupgranulate, Fertigsäfte, Sachets und vieles mehr.

So verlassen jährlich rund 170 Millionen Arzneimittelpackungen das Werk Kundl. Dies entspricht einem Gesamtgewicht von 11.200 t. Noch größer sind die Tonnagen, die das Werk als Wirkstoff-Bulkware verlassen. Um eine derartige Menge an Wirkstoffen produzieren zu können, müssen enorme Volumina an Ausgangsprodukten bewegt werden. Neben Agrarprodukten wie Glucosesirup, Kartoffeleiweiß, Maisquellwasser oder Lactosepermeat für die Fermentationsprozesse werden auch große Mengen an Chemikalien wie Schwefelsäure oder Butylacetat benötigt, um z. B. den von den Penicillinpilzen hergestellten Wirkstoff Penicillin V aus dem Extraktionsbrei zu extrahieren. Der Produktionsschritt der Fermentation ist sehr energieintensiv. Einerseits müssen vor Beginn des eigentlichen Fermentationsprozesses die Ausgangsstoffe sterilisiert werden. Dabei wird das sogenannte Nährmedium mittels Prozessdampfes entsprechend erhitzt und unter sterilen Bedingungen wieder abgekühlt. Die größten Fermentationsbehälter in Kundl haben ein Volumen von 240 Kubikmetern. Der Prozessdampf wird in mehreren Kesselhäusern durch Erdgas erzeugt. Andererseits muss das Nährmedium während des gesamten Fermentationsprozesseses gerührt werden, um durchgehend ideale Bedingungen für das Wachstum der Penicillinpilze sicherzustellen. Ein ebenso wichtiger Parameter ist die Temperatur. Beim Prozess selbst entsteht Wärme, die durch Kühlwasser aus dem Prozess abgeführt wird.
Diese  Beschreibung erklärt den enormen jährlichen Materialfluss und Energieverbrauch: 140.000  Tonnen Rohstoffe, 37 Mio. Kubikmeter Wasser, 1.270 Terajoule Erdgas und 1.136 Terajoule an Elektrizität (1 TJ= 278 MWh).

Nachhaltigkeit stellt einen gelebten Wert für die Sandoz GmbH dar. So wird der Biomasserückstand aus der Fermentation mit einem speziellen Verfahren nachbehandelt und als wertvoller biologischer Dünger auf den Markt gebracht. Über 19.300 Tonnen verlassen so jährlich das Werk Kundl.
„Gesundheit, Sicherheit und Umwelt sind zentrale Themen der Sandoz GmbH. Sie begleiten die tägliche Arbeit jedes Mitarbeiters, vom Top Management bis an die Linie“, so Dr. Alexander Haidekker, Leiter des Bereichs Health, Safety, Environment (kurz: HSE) der Sandoz GmbH. Dr. Haidekker kann auf ein gut aufgestelltes Expertenteam zurückgreifen, um diese drei Themen beständig voranzutreiben. So kümmern sich drei Sicherheitsfachkräfte um alle Belange des Arbeitnehmerschutzes. Zwei Mitarbeiter beschäftigen sich mit dem Bereich der Produkt- und Prozesssicherheit, unter anderem auch mit den Themen GHS und REACH. Für Fragen der technischen Sicherheit wie VEXAT oder auch Schutzstrategien für Arbeiten mit gefährlichen Arbeitsstoffen stehen zwei Mitarbeiter zur Verfügung. Eine Mitarbeiterin kümmert sich ausschließlich um das Bescheidwesen gemäß Gewerberecht.

Zusätzlich bearbeiten zwei Mitarbeiter das Themenfeld des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Diese werden durch zwei Arbeitsmediziner und einen Diplomkrankenpfleger ergänzt, die den Bereich der Arbeitsmedizin abdecken. Unterstützung erhalten diese auch von der freiwilligen Werksrettung, der aktuell 24 Mitarbeiter angehören. Einen hohen Stellenwert hat zudem die Betriebsfeuerwehr mit drei hauptberuflichen und 77 freiwilligen Mitgliedern in Kundl sowie 34 freiwilligen Mitgliedern am Standort Schaftenau. Diese ist auch im Rahmen des TUIS (Transport-, Unfall-, Informations- und Hilfeleistungssystem) auf allen drei Stufen des Hilfeleistungssystems (Telefonische Beratung, Beratung vor Ort, Beratung und technische Hilfe am Unfallort) voll integriert.
„Manpower alleine bringt niemanden nachhaltig nach vorne. Sicherheit muss in alle Prozessen integriert sein und auch gelebt werden“, so Haidekker. Zu diesem Zweck wurden bei Sandoz etwa spezielle Dokumentationssysteme entwickelt, um eine möglichst vollständige Erfassung von Beinaheunfällen zu gewährleisten. „Warum aus Schaden klug werden, wenn man schon aus Fehlern lernen kann“, so eine Maxime bei Sandoz. „Wir arbeiten konzernweit an einer neuen IT-Lösung für die Themenbereiche Gesundheit, Sicherheit und Umwelt. Wir hoffen, dass wir 2013 mit dem Pilotsystem beginnen können. Dies sollte uns bei einigen Herausforderungen einen großen Schritt weiterbringen“, so Haidekker

Um das Thema Sicherheit umfassend zu vermitteln, wird bei San-doz auch auf ungewöhnliche Mittel zurückgegriffen. Neben fachspezifischen Trainings und Schulungen, die allgemeine und spezielle Fragestellungen im Arbeitsalltag abdecken, gibt es Veranstaltungen, die diesen Bereich vollkommen verlassen. So wird z. B. in einem Seminar in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Alpenverein einen Tag lang das Thema Sicherheit und Risiko beim Bergsport bearbeitet. Ziel ist es, über diesen „Umweg“ der Freizeitaktivität eine Bewusstseinsbildung bei den Teilnehmern zu erzielen. Außerhalb der Arbeitszeit werden zudem jährliche Veranstaltungen für mehr Sicherheit in der Freizeit angeboten.

Behavior Based Safety – eine Form der „weichen“ Prävention

Diverse Studien (z. B. DePasquale, Geller [1999]; Geller [2001]; Sulzer-Azaroff, Austin [2000]) zeigen, dass der rein technische Arbeitnehmerschutz nicht ausreicht, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Es ist immer noch der Mensch, der Maschinen bedient, mit Arbeitsgeräten und Arbeitsmitteln tätig ist, der Sicherheitsvorschriften unbewusst oder bewusst außer Acht lässt bzw. Schutzeinrichtungen umgeht.

Ein möglicher Ansatzpunkt, um durch menschliches Verhalten bedingte Arbeitsunfälle zu verhindern und sicherheitsbewusstes Verhalten in den Fokus zu rücken, ist Behavior Based Safety (BBS). Die Grundannahme dieses Modells: Der Mensch tendiere zu Verhalten, das ihm persönliche Vorteile bringt. Dies kann eine Arbeitserleichterung, Zeitersparnis, Anerkennung, Lob oder Ähnliches sein. Entscheidend dabei ist jedoch die Art und Weise, wie diese Vorteile erreicht werden, bzw. welche Konsequenzen daraus resultieren. Im Rahmen dieses Modells wird darauf geachtet, dass korrekte Verhaltensweisen (z. B. das Tragen von PSA oder das Einhalten von Sicherheitsvorschriften bei bestimmten Tätigkeiten) kontinuierlich besprochen, hervorgehoben, gelobt und vor allem auch vorgelebt werden. Ebenso soll auch riskantes und sicherheitsgefährdendes Verhalten thematisiert und darauf reagiert werden, ohne es jedoch zu intensivieren.

Diese Tatsache und das dahinter liegende Potenzial wurden auch bei Sandoz Kundl erkannt. In rund 650 sogenannten BBS-Audits und Besprechungen pro Jahr werden mit den Mitarbeitern direkt am Arbeitsplatz sichere Verhaltensweisen besprochen, thematisiert, aber auch analysiert und Feedback dazu gegeben. Zahlreiche Mitarbeiter wurden und werden speziell dazu geschult. Die Ergebnisse dieser Sicherheitsbegehungen werden in Auditprotokollen niedergeschrieben und elektronisch ausgewertet. „Aus diesen Besprechungen vor Ort lassen sich auch wertvolle Erkenntnisse gewinnen, die im Rahmen von Schulungen allen zugute kommen“, so Dr. Haidekker. All diese Bemühungen tragen Früchte. So konnten die Unfallzahlen bei Sandoz in den letzten Jahren deutlich veringert werden. Im Jahr 2003 betrug die Anzahl der Unfälle mit Arbeitszeitausfall (größer/gleich ein Tag, gemäß konzerninterner Vorgabe) 26. Dieser Wert konnte im Jahr 2011 auf 4 reduziert werden.

„Be Healthy“ – Gesundheit im Betrieb

„Be Healthy“ – „Sei gesund“ – ist ein neuer Schwerpunkt innerhalb des Novartis-Konzerns. Ziel dieser Initiative ist es, die Mitarbeiter zu einem bewussteren und gesünderen Lebensstil zu animieren. So werden während des Jahres unterschiedlichste Kurse wie Yoga, Rückenfitness oder Pilates angeboten. Schwerpunktaktionen wie ein „Pink Ribbon Day“ oder eine Haut-Screening-Untersuchung sollen das Augenmerk auf  Vorsorgemaßnahmen richten.

Einen weiteren Höhepunkt stellt die jährliche „Be Healthy Celebration  Week“ Mitte September dar. Die Standorte Kundl und Schaftenau beteiligten sich auch heuer wieder mit einem umfangreichen Programm an dieser konzernweiten Aktionswoche. Jeder Tag stand unter einem anderen Motto: Bewegung, Ernährung, Vorsorge und Gesundheitsmanagement. Den Mitarbeitern bot sich die Möglichkeit zur Teilnahme an unterschiedlichsten Veranstaltungen: von Bewegungsprogrammen im Rahmen von Zumba oder Tae Bo über Workshops zu gesunder Ernährung bis hin zu Beachvolleyball auf einem Platz, der eigens für diese Woche am Werksgelände errichtet wurde. In Zusammenarbeit mit einer großen Versicherung wurde auch die Möglichkeit einer umfassenden Vorsorgeuntersuchung vor Ort angeboten. Den Ausklang fand diese Woche mit dem traditionellen Sandoz Werkslauf.

Auch die Kleinsten sollen geborgen sein – und das nahe bei den Eltern

Der 2010 eröffnete und kürzlich erweiterte Betriebskindergarten „Sandoz Kids“ bietet tägliche Betreuungsmöglichkeit für insgesamt 50 Kinder zwischen 18 Monaten und sechs Jahren. Die Betreuung des Sandoz Betriebskindergartens erfolgt durch die Kindergartenpädagoginnen des Eltern-Kind-Zentrums Kundl/Breitenbach.

Die Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber ist für Sandoz ein zentraler Teil der Firmenphilosophie. Hierzu zählt auch die Schaffung von Rahmenbedingungen, die es allen Mitarbeitern ermöglichen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Mit dem Angebot der firmen-eigenen Kinderbetreuuungsstätte erleichtert Sandoz den Wiedereinstieg nach der Karenzzeit und fördert die Chancengleichheit der Geschlechter im Arbeitsprozess. Durch die ganztätige Betreuung in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz der Mutter oder des Vaters ist zudem eine optimale Infrastruktur gegeben.  Der Betriebskindergarten lebt das Motto „Zurück zur Natur“. Dies zeigt sich schon bei der Inneneinrichtung, die zur Gänze aus Holz gestaltet wurde, geht über den Freibereich mit Spielgeräten aus Holz bis hin zu kleinen Gemüsegärten, die von den Kindern betreut und „bewirtschaftet“ werden. Die Verbundenheit der Firma mit den Kindern äußert sich auch darin, dass die kindgerechte Inneneinrichtung mit viel Liebe zum Detail von den firmeninternen Tischlern gestaltet wurde. Die Sandoz Lehrlinge führten die gesamten Elek-troinstallationen durch.

Ziele für die Zukunft im Bereich Gesundheit, Sicherheit und Umwelt

„Unser oberstes Ziel muss es sein, dass alle unsere Mitarbeiter, genauso wie auch alle Fremdfirmenmitarbeiter, gesund in die Arbeit kommen und ebenso gesund täglich wieder nach Hause gehen. Die Sicherheit und Gesundheit jedes Einzelnen muss uns ein Anliegen sein“, so Dr. Haidekker. Hinzu kommt, dass auch Konzernvorgaben vorliegen, die dies nachdrücklich einfordern. Das konkrete Ziel für 2012 ist eine Senkung der LTIR (Lost Time Incident Rate = Anzahl der Arbeitsunfälle mit Ausfalltagen größer/gleich einem Tag pro 200.000 Arbeitsstunden) auf kleiner/gleich 0,15.

„Solche KPIs (Key Performance Indicators) sind wichtig, um uns mit anderen Standorten und Firmen vergleichen zu können. Sie dürfen uns aber nicht die Sicht auf den einzelnen Mitarbeiter verstellen. Nur wenn wir Sicherheit glaubhaft vorleben, Vorbild und authentisch sind, können wir unsere Mitarbeiter erreichen und sie von unseren Visionen und Ideen überzeugen“, so Alexander Haidekker abschließend.

Literatur:
DePasquale, J. P., Geller, E. S. (1999). Critical success factors for behavior-based safety: A study of tewenty industry-wide applications. Journal of Safety Research, Vol. 30, Issue 4.
Geller, E. S. (2001). Behavior-based safety in industry: Realizing the large-scale potential of psychology to promote human welfare. Applied and Preventive Psychology, Vol. 10, Issue 2.
Sulzer-Azaroff, B., Austin, J. (2000). Does BBS work? Behavior-based safety & injury reduction: a survey of the evidence. American Society of Safety Engineers.
Sandoz GmbH (2012). Nachhaltigkeitsbericht 2012 mit integrierter Umwelterklärung der Sandoz GmbH für die Standorte Kundl, Schaftenau und die Biozym GmbH.

Mag. Patrick Winkler
AUVA-Hauptstelle
Sicherheitsmarketing und Presse
Adalbert-Stifter-Straße 65
1200 Wien
Tel.: +43 1 331 11-417
Fax: +43 1 331 11-610

patrick.winkler@auva.at

Zusammenfassung

Die im Tiroler Unterland gelegene Sandoz GmbH stellt als Österreichs größtes Pharmaunternehmen Anti-Infektiva, Biopharmazeutika und Biosimilars her. Sicherheit und Gesundheitsschutz werden dabei großgeschrieben.

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